Kategorie: AktuelleNEWS

Der Riedberger Ackerboden

Lössboden

Die Böden im Frankfurter Norden sind fruchtbare und nährstoffreiche Lösslehmböden. Der Lösslehmboden (der Boden des Jahres 2021) ist ein wahrer Alleskönner. Aber was macht Böden aus Löss so ertragreich und damit zu wahren Schätzen? Löss ist ein häufig kalkhaltiges, homogenes, hellgelbliches Sediment, das überwiegend aus Schluff-Partikeln besteht. Schluff ist feiner als Sand, aber gröber als Ton und damit wie Staub. Wahrscheinlich ist der Begriff Löss aus dem alemannischen, mundartlichen Ausdruck Lösch „lose“, „locker“ abgeleitet.

Entstehung

Der meiste Löss entstand in der letzten Eiszeit, zwischen 115.000 bis 13.000 Jahren vor heute. Weite Teile Deutschlands waren eine baumlose Kältesteppe, in die von Norden und Süden Gletscher hineinragten. Gletscher und Frost zerkleinerten Felsen und Steine zu Gesteinsmehl. Dieses wurde vom Wind in die Luft gehoben und fiel kilometerweit entfernt vom Ausblasungsort und meist auf der windabgewandten Seite von Hügeln nieder.

Eigenschaften

Der Lössboden ist steinfrei und porenreich. Der Raum zwischen den Schluff-Partikeln ist gerade so groß, dass der Lössboden das Wasser für Pflanzen nutzbar speichert und gleichzeitig gut leitet. Wasser kann darin wie in einem Filterpapier aufsteigen, wenn die Pflanzen dem Boden Wasser entziehen und die durchwurzelte Zone trockener ist als die wurzelfreie Zone darunter. So wird Trockenstress der Pflanzen vermindert und der Ertrag gesteigert.

Der Lössboden speichert neben Wasser auch Nähr- und Schadstoffe. Diese können sich gut an der großen Oberfläche der feinen Bodenpartikel anlagern. Nährstoffe stehen so für Pflanzen zur Verfügung. Gleichzeitig können schädliche Stoffe vom Boden zurückgehalten werden, was zum Schutz unseres Grundwassers beiträgt. Lössboden kann sich ohne eine neue Eiszeit nicht wieder bilden, daher müssen wir ihn erhalten.

Vorkommen

In Hessen lagerte sich der Löss in den Bereichen im Mittelgebirgsraum in den weiten Tälern und Beckenlandschaften ab. Einfach zu bearbeitende und ertragreiche Böden haben seit jeher die Menschen angezogen. Schon früh wurden sie besiedelt und ackerbaulich genutzt. Viele Städte liegen heute in oder in der Nähe von Lössregionen (z. B. Köln, Frankfurt, Stuttgart). Wann immer hier neu gebaut wird, geht wertvoller Boden verloren.

Lößboden und Wildwiesen

Wer auf Lößboden zum Beispiel eine Wildwiese anpflanzen wollte, müsste diesen Boden erst künstlich abmagern, denn je „fetter“, also nährstoffreicher, ein Boden ist, desto weniger Wildblumen und Kräuter werden darauf wachsen. Der Grund dafür liegt in der Schnellwüchsigkeit bestimmter Gräser begründet, die bei einer guten Stickstoffversorgung rasch in die Höhe schießen und langsamer wachsende Blumen und Kräuter verdrängen.

Lössboden-Abtrag

Der Lößboden wird meterdick abgetragen

Boden und Landwirtschaft verschwindet

Durch die zunehmende Überbauung der landwirtschaftlichen Flächen in und um Frankfurt herum wird immer mehr örtlichen Bauern die Existenzgrundlage entzogen. Nur noch 75 landwirtschaftliche Betriebe sind in Frankfurt noch beim Landwirtschaftsamt gemeldet – darunter auch jene, die vor Jahren ihre Kühe abgeschafft und die Kuhställe an private Pferdebesitzer vermietet haben.

In den letzten 30 Jahren ist die landwirtschaftliche Fläche um Frankfurt (ca. 5.000 Hektar) um 20 % geschrumpft. Die landwirtschaftliche Fläche der Stadt würde für gerade mal 20.000 Bürgern reichen und das bei einer Einwohnerzahl von etwa 750.000 Menschen. Wenn die Ackerfläche durch Wohngebiete, Straßen, Bahntrassen, Gewerbegebiete und Flughafenerweiterungen versiegelt worden sind, dann endet die Landwirtschaft und damit die Nahrungsversorgung an dieser Stelle.

Rettungsanker in Krisenzeiten

Gerade in Krisenzeiten (Pandemien, Wetterkatastrophen, Kriege, …) werden die noch vorhandenen Acker- und Grünflächen besonders dringend benötigt und genutzt. Je mehr aber das Ackerland verschwindet, umso schneller verschwinden auch die Menschen, die noch wissen wie man auf Äckern Lebensmittel anbaut. Vor allem die nachwachsenden Generationen wechseln in andere Berufe und das landwirtschaftliche Know-how stirbt aus.

Familie Cornel

Zu den „Ureinwohnern“ am Riedberg und vorher in Kalbach gehört die Familie Cornel. Vermutlich seit 500 Jahren ist diese Familie in der Landwirtschaft tätig. Schon der Großvater hatte begonnen, vom Milchviehbetrieb auf Pferde umzustellen. Der frühere Hof lag da, wo heute das Zentrum des Riedbergs angesiedelt ist. So musste der Betrieb an den Rand des Riedbergs verlegt werden. Am neuen Standort des Kautenhofs entstand eine große hochmoderne Reitsportanlage. Der Hof und die Reitanlage werden von Großvater, Vater und bald auch dem Sohn der Familie geführt. Hier wird das Know-how noch erfolgreich weitergegeben.

Landwirtschaft und Lebensmittelkosten

Durch den Ukraine-Krieg erleben die Landwirte eine Vervielfachung der Kosten. Dass die Ukraine als Kornkammer der Welt ausfällt, das wird man hierzulande bald zu spüren bekommen. Die Überlegung, dass wertvolles, fruchtbares Ackerland ein Wert an sich ist, bekommt da noch mal einen ganz neuen Ansatz.

Wo ist nur die Erde hin?

Falls sich einer fragt, wohin die schöne Erde vom Riedberg verschwunden ist – nun zum Beispiel landete dieser wertvolle Boden in Ginnheim im Colorado-Park. Die dortigen Hügel wurden mit der auf dem Riedberg ausgehobenen Erde aufgeschüttet. Inzwischen wachsen und gedeihen dort Colorado-Tannen, Mammutbäume, die beim Wechsel eines amerikanischen Generalkonsuls alle drei Jahre angepflanzt wurden. Mögen sie weiter wachsen und gedeihen!

Colorado-Park

Hügel im Colorado-Park

 


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Jetzt in allen Frankfurter Bussen: Bequem bargeldlos zahlen

Fahrscheindrucker

Über 400 Busse mit Lesegeräten ausgerüstet

Es geht auf die Zielgeraden: Ab Ende April werden Fahrgäste ihre Fahrkarten in allen Frankfurter Stadtbussen ganz bequem bargeldlos kaufen können. Damit schließt die städtische Nahverkehrsgesellschaft traffiQ nach gut einem Jahr ein anspruchsvolles Projekt ab: Die Fahrscheindrucker in weit über 400 Bussen mussten mit den entsprechenden NFC-Lesegeräten* ausgestattet werden, wie sie zum Beispiel aus Ladengeschäften bekannt sind.

Bezahlen können die Fahrgäste mit kontaktlosen Bank- oder Kreditkarten sowie den Bezahl-Apps, die auf Smartphones und Smartwatches hinterlegt sind. Aber natürlich auch weiterhin: Mit Bargeld.

Das elektronische Bezahlen hat Vorteile für alle, vorneweg durch kürzere Aufenthalte an den Haltestellen und dadurch eine höhere Pünktlichkeit des Nahverkehrs. Fahrgäste können sich das Suchen nach passendem Kleingeld sparen. Dass in Zeiten der (hoffentlich ausklingenden) Corona-Pandemie das kontaktlose Zahlen sinnvoll ist, versteht sich von selbst. Das Fahrpersonal profitiert von höherer Sicherheit, da es weniger Bargeld mit sich führt. Schließlich verringert sich für die Verkehrsunternehmen die aufwändige Bargeldverarbeitung.

„Mit dem Angebot an die Fahrgäste, in den Stadtbussen elektronisch zahlen zu können, nutzt traffiQ die Chancen der Digitalisierung, um den Frankfurter Nahverkehr attraktiver zu machen“, meint ihr Geschäftsführer Prof. Dr.-Ing. Tom Reinhold. „Mobilität und Innovation gehen hier Hand in Hand.“

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* NFC: Near Field Communication, auf Deutsch: Nahfeldkommunikation.


Pressekontakt:
traffiQ Lokale Nahverkehrsgesellschaft Frankfurt am Main
Unternehmenskommunikation
Stiftstraße 9-17
60313 Frankfurt am Main
Telefon: 069 212 26 893
Telefax: 069 212 24 430
eMail: presse@traffiQ.de

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Notfall-Ortsschilder haben ihre Bedeutung verloren

Feuerwehr - Notrufnummer

Es gab da eine schöne Idee: Sitzbänke im Frankfurter Stadtgebiet mit sogenannten »Notfallschildern« auszurüsten, um Einsatzkräften bei Bedarf den aktuellen Standort mitteilen zu können. Dazu hätte man ermittelt, an welcher Stelle die Sitzbänke stehen und hätte jeder Bank eine eindeutige Identifikationsnummer verpasst. Die Rettungsleitstelle hätte dann bei einem Notruf in ihrer Liste nachschauen können, wo die betroffene Bank steht und den Einsatzwagen genau dorthin senden können.

Solche sogenannten Rettungspunkte gibt es schon seit längeren Jahren in Waldgebieten zur Hilfeleistung bei Forst- oder Freizeitunfällen.

Im Falle eines Hilfeersuchens durch Spaziergänger und Radfahrer erfolgt der Notruf in fast allen Fällen heute per Mobiltelefon. In den Fällen, in denen konkrete Adress- oder sonstige unverwechselbare Bezugspunkte fehlen, den eigenen Standort bzw. die Einsatzstelle genau zu lokalisieren, wird von der Zentralen Leitstelle der Lokalisierungsdienst Advanced Mobile Location (AML) genutzt. Hierbei werden die Ortungsdienste des Mobiltelefons automatisch beim Wählen des Notrufs 112 aktiviert und von der Zentralen Leitstelle ausgewertet.

Dem Leitstellendisponenten wird der Standort der meldenden Person auf einer Karte angezeigt. Dieser kann dadurch den Standort der Person bzw. die Einsatzstelle genau lokalisieren, das nächste geeignete Rettungsmittel alarmieren und dieses mit entsprechenden Anfahrtshinweisen versorgen.

In größeren Grünanlagen und am Mainufer wurden hierzu bereits einsatztaktische Festlegungen zu optimalen Anfahrtswegen getroffen und im Einsatzleitsystem hinterlegt.

Daher hat sich die gute Idee mit den nummerierten Sitzbänken erübrigt, wie die Branddirektion im Auftrag des Magistrats den Ortsbeiräten berichtete.

Wer sich darüber hinaus auf seinem Smartphone notfalltechnisch noch aufrüsten möchte, kann sich beispielsweise „nora“ die offizielle Notruf-App der Bundesländer installieren. Mit der App erreichen Sie Polizei, Feuerwehr und Rettungsdienst im Notfall schnell und einfach. „Überall in Deutschland“, so heißt es auf der offiziellen Homepage zu der App.


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Feierliche Übergabe der zweitgrößten polizeilichen Liegenschaft in FFM

Teil eines Polizeiwagens

Nachdem bereits im Jahr 2018 die Einweihung der neuen Liegenschaft der beiden „Altreviere“ 14 und 15 in der Marie-Curie-Straße 32 stattgefunden hatte, wurde nun im gleichen Gebäudekomplex eine weitere moderne „Außenstelle“ des Polizeipräsidiums Frankfurt eingerichtet und feierlich übergeben. Damit wächst die ohnehin zweitgrößte polizeiliche Liegenschaft Frankfurts noch einmal um etwa 19.000 qm auf nunmehr insgesamt 26.000 qm an.

„Die neue Außenstelle des Polizeipräsidiums Frankfurt am Main im Herzen des Mertonviertels steht einmal mehr für eine innovative, leistungsfähige und erfolgreiche Frankfurter Polizei. Das Dienstgebäude wird künftig mehr als 700 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter unter anderem aus den Bereichen Verkehrssicherheit und Prävention beherbergen und damit für einen großen Teil der Sicherheit und Ordnung im gesamten Stadtgebiet zuständig sein. Sicherheit hat damit in Frankfurt eine weitere Adresse, die zukünftig eine nicht unwesentliche Rolle in der Frankfurter Sicherheitsstruktur spielen wird“, so Staatssekretär Stefan Sauer

Das Polizeipräsidium Frankfurt reagiert damit auf den stetig anwachsenden Personalkörper, der eine Verlagerung einzelner Organisationseinheiten aus dem Präsidiumsgebäude in eine neue Außenliegenschaft erforderlich machte. Mit Beginn des Monats März zog die letzte von insgesamt 11 Organisationseinheiten, darunter u.a. die Direktion Verkehrssicherheit, der Stabsbereich 4 – Prävention sowie ein Großteil der Abteilung Verwaltung, in die Marie-Curie-Straße 30, kurz „MC30“, ein.

Dies nahm der scheidende Polizeipräsident Gerhard Bereswill zum Anlass, die neue und moderne Einrichtung in feierlichem Rahmen zu übergeben. Unter den Gästen befanden sich neben Herrn Staatssekretär Sauer noch weitere Vertreter aus Landes- und Stadtpolitik. Darüber hinaus waren Vertreter des Landespolizeipräsidiums, des Personalrates, des Landesbetriebes Bau und Immobilien, verschiedener Firmen sowie zahlreiche Bedienstete der Frankfurter Polizei anwesend.

Das Herzstück des neuen Polizeigebäudes stellt die beeindruckende und lichtdurchflutete Rotunde dar, in der der Polizeipräsident die Gäste begrüßte. „Ich freue mich besonders, dass ich kurz vor meiner Pensionierung noch die Gelegenheit bekomme, diese eindrucksvolle Liegenschaft feierlich zu übergeben.

Mit diesem modernen Arbeitsumfeld wird nicht nur dem umfangreichen Personalzuwachs bei der Frankfurter Polizei, sondern auch den hervorragenden Leistungen der hier eingezogenen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern Rechnung getragen.“, so Bereswill.

Im Anschluss an die Redebeiträge bekamen die Gäste im Rahmen einer kleinen Führung die Möglichkeit, einige der neuen Räumlichkeiten des zentral im Gewerbegebiet des Mertonviertels gelegenen und infrastrukturell bestens angebundenen Polizeigebäudes zu bestaunen.


Rückfragen bitte an:
Polizeipräsidium Frankfurt am Main
Pressestelle
Adickesallee 70
60322 Frankfurt am Main
Direkte Erreichbarkeit von Mo. – Fr.: 07:30 Uhr bis 17:00 Uhr
Telefon: 069 / 755-82110 (CvD)
Fax: 069 / 755-82009
E-Mail: pressestelle.ppffm@polizei.hessen.de
Homepage Polizeipräsidium Ffm.: http://www.polizei.hessen.de/ppffm

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Neugestaltung des Spielplatzes am Kalbacher Stadtpfad.

SPATZ-Programm

Der Spielplatz am Kalbacher Stadtpfad ist seit einiger Zeit gesperrt, da die Fläche hergerichtet werden soll. Die Gestaltung erfolgt in diesem Fall unter Miteinbeziehung der zukünftigen Nutzer.

Seit 20 Jahren bietet die Stadt Frankfurt im Rahmen der sogenannten Spatz-Spielplatzaktionswochen diese Möglichkeit an. Vom Montag, den 02.05. bis zum Freitag, den 06.05.2022 dürfen die Kinder zusammen mit den Spielplatzbauern und der Kinderbeauftragten des Ortsbeirates Frau Eva-Maria Lang ihre Ideen umsetzen.

Nach den aktuellen Pandemiebedingungen müssen dabei jedoch noch medizinische Masken (oder FFP2-Masken) getragen werden.

Das Arbeitsmaterial wird vom Kinderbüro zur Verfügung gestellt. Das Leitmotto „Piratenspielplatz“ setzt die Zielrichtung der Umgestaltung unter Einbeziehung des Flussbetts des Kalbachs und der ihn umgebenden Botanik.

Geplant sind 5 verschiedene Abschnitte (siehe Bericht vom 27.02.2022).

Die Plan-Kosten für das Projekt liegen bei 270.000 Euro. Im Mai 2021 hatten Mitarbeiter des Kinderbüros mit den Kindern zusammen mit Markierungen die geplanten Spielgeräte auf der Fläche verteilt. Fantasie war damals in erheblichem Maße gefragt. Jetzt erfolgt die praktische Umsetzung und dann zu guter Letzt der harte Test im Alltagsbetrieb.

Die Kinder und ihre Familien warten schon mit Ungeduld auf den Beginn der Spielplatzaktionswoche. Wer noch an der Projektwoche teilnehmen möchte, kann sich unter der Telefonnummer 069 – 212 – 39001 direkt an das Kinderbüro wenden. Dort gibt es weitere Infos. Eine Kontaktaufnahme ist aber auch über die Mailadresse: kinderbuero@stadt-frankfurt.de möglich.

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Vom Wert urbaner Gärten

Rodung Kleingartenanlage

In Frankfurt gibt es ca. 15.000 Kleingärten in 107 Vereinen. Dazu kommen noch viele Freizeitgärten außerhalb von traditionellen und durch das Bundeskleingartengesetz geschützten Kleingartenanlagen sowie zunehmend auch Gemeinschaftsgärten.

Wie eine Studie ergab, die in Berlin und Stuttgart durchgeführt wurde, tragen urbane Gärten im doppelten Sinn reiche Früchte. Allein die Gärten in Berlin können den jährlichen Gemüsebedarf von etwa 50.000 Einwohnern decken. Viel wichtiger ist allerdings der gesellschaftliche Wert, der sich auch „in Mark und Pfennig“ berechnen lässt. So haben die Forscher ermittelt das beispielsweise der Berliner Gemeinschaftsgarten „Himmelbett“ einen gesellschaftlichen Nutzen von 1,5 Millionen Euro jährlich erbringt.

Auch am Riedberg leben viele Menschen, deren tägliches Leben von Büroarbeit geprägt ist und die von ihrem Homeoffice-Fenster aus keinen teuer bezahlten Skylineblick genießen können, sondern auf die Fassaden von Nachbarschaftsbauten blicken. Glücklicherweise bietet der Riedberg – noch viel mehr als andere Stadtteile – die Möglichkeit einen eigenen Garten zu bewirtschaften, die zahllosen Grünflächen in den Parks zu nutzen oder in nächster Zeit einen eigenen Schrebergarten zu bewirtschaften.

Auch bieten ortsansässige Vereine wie die IG Riedberg oder die Kalbacher Kerbeburschen die Möglichkeit, die örtlichen Streuobstwiesen in gemeinschaftlicher Arbeit zu hegen und zu pflegen. Das bietet einem die Möglichkeit, sich gärtnerisch einzubringen, wann immer der eigene Kalender eine passende Lücke anbietet.

Wie die Forscher weiterhin ermittelten, wurden in Berlin 7,6 Millionen kg Gemüse, Kräuter und Kartoffeln pro Jahr geerntet, was etwa 10 Millionen Euro Marktwert entspricht. Darüber hinaus wurde von den Forschern noch ermittelt, wie viel ein Berliner Bürger pro Quadratmeter Gartenanlage zahlen würde. Der Mix aus naturnahem Erholungsraum, Treffpunkt mit kulturellen Angeboten und Kontaktfläche zu Nachbarn ergab hochgerechnet einen gesellschaftlichen Nutzen von 1 bis 2 Millionen Euro jährlich.

Die Kleingartenanlagen bieten insbesondere denjenigen Frankfurtern einen Platz zur Naherholung, aber auch zum Anbau von Obst und Gemüse zur Selbstversorgung, die nicht über einen eigenen Garten an ihrer Wohnung verfügen. Sie bieten damit Abwechslung vom Alltag, schaffen Raum für Bewegung und bieten Familien die Möglichkeit, Kinder im Umgang mit der Natur zu schulen. Insbesondere in restriktiveren Pandemiezeiten waren Kleingärten für die Menschen ein Zufluchtsort und oft die einzige Möglichkeit, aus den eigenen vier Wänden rauszukommen.

Was sich nicht messen und in Geldwerten ausdrücken lässt, sind die sozialen und kulturellen Leistungen der städtischen Grünflächen. Doch man kann davon ausgehen, dass der Wert umso höher ist, je intensiver eine Stadt besiedelt wird. Und steigende Einwohnerzahlen verzeichnet Frankfurt seit Jahren.

Rodung Kleingartenanlage

Aufgrund der begrenzten Fläche der Stadt Frankfurt gehört es zu einer nachhaltigen Stadtentwicklung beziehungsweise zu einer umfassenden Stadtplanung, dass auf diesem begrenzten Raum auch Platz für Grün-, Frei- und Freizeitflächen und eben für Kleingärten geschaffen wird. Der Magistrat sollte daher bestehende Anlagen im Bestand schützen und die Möglichkeit zur Erweiterung oder Ausweisung neuer Anlagen schaffen. Daher hatte schon 2017 die Stadtverordnetenversammlung den Magistrat aufgefordert, eine Kleingärten- und Freizeitgärtenstrategie zu erarbeiten, um Entwicklungsperspektiven für Gärten aufzuzeigen.

Der Magistrat hat daraufhin die Erstellung eines Kleingartenentwicklungskonzeptes beauftragt. Leider ist festzuhalten, dass 5 Jahre später immer noch keinen Konzeptentwurf vorgelegt wurde.

Zum Glück haben aber inzwischen die Rodungsarbeiten für die Kleingartenanlagen hier am Riedberg begonnen. Von daher besteht berechtigte Hoffnung, dass spätestens im nächsten Frühling die Pächter hier vor Ort eine Blütenpracht hervorzaubern können.

 


Weitere Ergebnisse zu den Untersuchungen zur Bedeutung von Gärten und Parkanlagen in Berlin und Stuttgart gibt es in einer Factsheet-Reihe auf http://www.gartenleistungen.de.

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Der Geopfad (ver-)endet am Riedberg

Geopfad-Tafel

Geo-Wissenschaften sind an vielen Stellen sichtbar. Auch direkt vor unserer Haustür am Riedberg sind 3-4 Stationstafeln des 7,5 km langen Geopfades, der in der Römerstadt beginnt, zu finden.

  • Station 7: „Loch Löss“
    Straße „Im Kreuzerhohl“. Hinter der Brücke über die Rosa-Luxemburg-Straße hinweg.
  • Phantom-Station 8: Aussichtsturm
    Die damals geplante Aussichtsplattform sollte eine Rundumsicht vom Riedberg zu allen Mittelgebirgen der Umgebung ermöglichen.
  • Station 9: Kätcheslachweiher im Kätcheslachpark
    Die Teichanlage ist in erster Linie eine „entwässerungstechnische Anlage“, sie dient der Regenwassersammlung und Regenwasserrückhaltung.
  • Station 10: Natursteinmauer im Bonifatiuspark
    Fränkische Ammoniten in Frankfurt – Natursteinmauer im Bonifatiuspark.

Beteiligte

Der Geopfad wurde als „Gemeinschaftsprojekt des Fachbereiches Geowissenschaften/Geografie an der Goethe-Universität und des Ortsbeirates 8 (Heddernheim-Niederursel-Nordweststadt) der Stadt Frankfurt am Main“ ausgewiesen. Finanziert wurde das damals rund 15.000 Euro teure Projekt aus dem Budget des Ortsbeirates 8 und durch die Sponsoren Flughafen-Stiftung, Freunde und Förderer der Universität und anderen. Eine Übersichtskarte und ein Faltblatt gab das Umweltamt heraus.

Pädagogisches Ziel

An den 10 Stationen zeigt der Geopfad „Stadt-Land-Fluss“, was sich alles unter dem Begriff „Geo“ verbirgt. Er erklärt Zusammenhänge zwischen tieferen Untergrund, Landschaft und Gewässer, der Nutzung des Gesteins und des Bodens bis hin zur Stadtplanung und gegenwärtigen Bebauung. An 9 der 10 Geopfad-Stationen gab es darüber hinaus für Kinder eine eigene Informationstafel und Objekte zum Anfassen, Spielen und Ausprobieren.

Route Geopfad

Route Geopfad

Die Schöpfer

Die Initiative für den Geopfad hatte 2006 der stellvertretende Ortsvorsteher im Bezirk 8, Robert Pastyrik, ergriffen. Auf die Idee des damals 38-Jährigen, der selbst Geografie studiert hatte, ist dann Judith Jördens vom Fachbereich Geo-Wissenschaften der Goethe-Universität aufmerksam geworden. Einen guten Teil der Info-Tafeln haben Geografie-Studenten wie Frau Marion Richert erarbeitet. Gerade noch rechtzeitig ist damals die Eröffnung im „Internationalen Jahr des Planeten Erde“ 2008 gelungen. Das Motto hatten die Vereinten Nationen ausgerufen.

Erosion und Vandalismus

Die aufgestellten Informationstafeln sind seit geraumer Zeit in weiten Teilen zerstört und mit Graffitis übersprüht, was weder dem Erscheinungsbild des Riedbergs, bzw. Frankfurts gut zu Gesicht steht, noch dem Anliegen des Geopfades gerecht wird, geografische und geowissenschaftliche Sachverhalte dem interessierten Publikum zu vermitteln. Fast vom ersten Tage an, wurden die Aufsteller von Chaoten bis zur Unkenntlichkeit besprüht, eingetreten und die speziell für Kinder gedachten interaktiven Elemente mit Gewalt zerstört. Seitdem sind diese Schautafeln für viele Spaziergänger und Nachbarn eine stete Erinnerung an sinnlose Gewalt.

Geopfad Verwüstung

Aufsteller im Bonifatiuspark

Finanzierung der Neugestaltung

Da das Umweltamt der Stadt Frankfurt am Main – neben anderen Beteiligten – als Förderer des Projektes angeführt wird, liegt es nahe, dass die Stadt die Instandsetzung der Geo-Tafel veranlasst und gegebenenfalls auch die hierzu erforderlichen Finanzmittel zur Verfügung stellt oder andere Sponsoren wieder mit ins Boot holt.

Was lange währt, …

Bereits im September 2019 wurde in der Presse berichtet, dass die Schilder des Geo-Lehrpfads, der in Teilen über den Riedberg führt, erneuert würden. Der Magistrat hatte damals mitgeteilt, dass die Rohlinge für neue Hinweistafeln (Aluverbund-Platten) bereits geliefert wurden. Nach Angaben der Projektverantwortlichen bedurfte es nur noch einiger inhaltlicher Überarbeitungen, Aktualisierung bzw. Neugestaltung der Texte und Abbildungen. Dann würde einem runderneuerten Geo-Lehrpfad nichts mehr im Wege stehen.

Herr Sascha Staubach, Geowissenschaftler an der Goethe-Universität, der die Zuständigkeit für den vergessenen Lehrpfad in 3. Generation von den Vorgängern geerbt hatte, berichtete dass interaktive Elemente, so genannte Mitmach-Objekte, nicht mehr verwendet werden sollen (da besonders Vandalismus-gefährdet). Stattdessen würde es einen mit dem Handy ablesbaren QR-Code geben.

Auch eine Erweiterung um zwei weitere Stationen sei geplant. So soll der „Wissenschaftsgarten“ der Biowissenschaften auf dem Riedberg integriert werden in den Verlauf des Lehrpfades und eine große geologische Karte vom Rhein-Gebiet-Gebiet.
So weit der Stand 2019.

Es gibt viel zu tun

Die Ursache für die Verzögerung der Umsetzung liegt aber offenbar nicht bei dem jungen Dekanatsassistenten, sondern im allgemeinen Zuständigkeits-Wirrwarr. Das Umweltamt ist für das Layout, die Geowissenschaftler für die Inhalte zuständig. Ein Teil der Texte kommt von der Ernst-May-Gesellschaft. Insgesamt sind 30 Tafeln zu erstellen und im Gelände anzubringen. Vorher müssen die alten Reste entfernt werden.

An der Universität wiederum fehlt es an personellen Kapazitäten, um das Projekt entsprechend umzusetzen. Auch Herr Staubach muss sich noch um andere Arbeitsfelder kümmern. Daher läuft das Projekt „Geopfad“ so nebenher. Auch die Corona-Pandemie habe zu den Verzögerungen beigetragen.

Das Projekt entstand lange vor Staubachs Zeit, ebenso die dazugehörige Homepage. Mittlerweile seien etliche Informationen verloren gegangen, etwa darüber, wer eigentlich als Webmaster für die Internetseite zuständig ist. Umso schwieriger seien jetzt die Abstimmungen darüber, wer sich um das Layout der neuen Tafeln kümmern soll.

Lokale Unterstützung

Der Ortsbeirat 12 (Kalbach, Riedberg) unterstützt die Instandsetzung der Stationen des Frankfurter Geopfades, die in seinem Bezirk liegen, und stellt dafür bis zu 180 Euro bereit. Das beschloss das Gremium im April dieses Jahres.
Begründung: Die Geo-Agentur bereitet derzeit die Aufstellung neuer Tafeln vor, verfügt aber nicht über die entsprechenden Mittel. Deshalb übernimmt der Ortsbeirat nun die Druckkosten.

Dem Magistrat wurde darüber hinaus bereits im Februar nahegelegt, an der Umsetzung der Tafelerneuerung mitzuwirken.


Kommentar

Deutschland ist gut im Schmieden von Plänen und Entwerfen von Vorschriften. Wenn es an die Umsetzung geht, stehen wir uns meist selbst im Weg. Von daher werden wir uns noch in großer Geduld über müssen.

Die Einbindung zeitgemäßer QR-Code-Technik ist sicherlich von Vorteil. Schade, dass die Idee des Aussichtsturms nie umgesetzt wurde. Auch eine Verlängerung des Geopfades nach Kalbach wäre schön gewesen.

A. Woitun

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Kassenärztliche Vereinigungen – ein Saurier aus der NS-Zeit

Stethoskop

Ende des 19. Jahrhunderts wurde in Deutschland die Krankenversicherungspflicht für Arbeiter eingeführt. Die Krankenkassen hatten damals ein Vertragsmonopol. Zur Abwendung eines Ärzte-Streiks 1913 griff die Regierung ein. Sie vermittelte die Anfänge der gemeinsamen Selbstverwaltung von Krankenkassen und Kassenärzten (später: Reichsausschuss der Ärzte und Krankenkassen).

Durch die Verordnung über die Kassenärztliche Vereinigung Deutschlands vom 1933 wurden die regionalen Kassenärztlichen Vereinigungen abgeschafft und eine vom NS-Staat gelenkte einheitlich-deutsche Kassenärztliche Vereinigung gebildet, die der NS-Diktatur im Rahmen der Gleichschaltungsgesetze die juristischen Machtmittel in die Hände gaben, ihr Regime aufzubauen und aufrechtzuerhalten. Die Kassenärztlichen Vereinigungen wurden damit von einer Interessenvertretung der Ärzte in ein parastaatliches Exekutivorgan umgewandelt.

Nach 1945 wurde dieser Status beibehalten. Die Kassenärzte haben sich somit durch die Gründung der Kassenärztlichen Vereinigungen einerseits mehr Rechte (Selbstverwaltung, Kollektivverträge, Aushandlung von Honorarvereinbarungen und Zulassungsbestimmungen), andererseits jedoch auch Pflichten (vor allem den „Sicherstellungsauftrag“) gegen die anfängliche Übermacht der Krankenkassen erkämpft. Im Gegenzug mussten sie auf das Streikrecht verzichten.

In der gesundheitspolitischen Diskussion werden die kassenärztlichen Vereinigungen vonseiten der Politik kritisiert: sie seien „Wettbewerb verhindernde Monopole und Kartelle“. Es wird bemängelt, dass einzelne KVen immer mehr die Interessen des Berufsstandes vertreten und so der Sicherstellungsauftrag einseitig wahrgenommen wird.

Ärztliche Unterversorgung am Riedberg

Schon 2016 wurde in der Presse berichtet, dass sich die Beschwerden über zu wenig Ärzte auf dem Riedberg häuften. Trotzdem plant die Kassenärztliche Vereinigung Hessen keine weiteren Ärzte zuzulassen. Weil die Stadt Frankfurt insgesamt überversorgt ist.

„Stellen sie sich vor, sie sind auf den Riedberg gezogen und brauchen einen Hausarzt. Am besten direkt im Stadtteil. Das könnte sich schwierig gestalten – auf die rund 12.000 Bewohner in Frankfurts jüngstem Stadtteil kommen nämlich gerade einmal 2 Hausärzte. Und die haben viel zu tun.“ so schrieb die Presse damals.

Und was hat sich seitdem geändert? Es sind weitere 4.000 Bewohner auf den Riedberg gezogen. Das Fachärztezentrum (FÄZ), das zur Stiftung Hospital zum Heiligen Geist gehört, stand 2020 vor dem Aus. Das FÄZ versprach einen nahtlosen Übergang, um die ärztliche Versorgung in Kalbach-Riedberg zu garantieren.

Dort sind aktuell 3 Psychotherapeuten sowie 3 Gynäkologen tätig. Es gibt aber weder einen Neurologen noch einen Kinderarzt im Stadtteil. Die Vertragsarztsitze, die die Kassenärztliche Vereinigung vergibt, orientieren sich an der Einwohnerzahl der Stadt. Dabei wird jedoch auf das gesamte Stadtgebiet geschaut und keine Rücksicht auf die Versorgung in den einzelnen Stadtteilen genommen.

Die Kinderbeauftragte Eva Maria Lang, Ortsbeirat in Kalbach-Riedberg, hat daher einen Antrag an den Magistrat gerichtet, mit der Bitte, einen finanziellen Anreiz zu bieten, damit der Ortsteil für Kinderärzte attraktiver wird – etwa durch Mietzuschüsse oder durch eine Nutzungsänderung bestimmter Flächen, um die Einrichtung einer Praxis zu ermöglichen.

Ein Versuch, an der Allmacht der Kassenärztliche Vereinigung vorbei, die Versorgungsnot in unserem Ortsteil zu heilen.


Nächste erreichbare Kinderärzte

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MAGIC-Teleskope beobachten Sternexplosion

Roter Riese

Die MAGIC-Teleskope haben die Nova RS Ophiuchi bei extrem hoher Energie im Gammabereich beobachtet. Die Gammastrahlung geht von Protonen aus, die in der Schockwelle nach der Explosion auf höchste Energien beschleunigt werden. Damit liegt nahe, dass Novae auch eine Quelle für die allgegenwärtige kosmische Strahlung im Universum sind: Diese besteht überwiegend aus Protonen, die mit nahezu Lichtgeschwindigkeit durchs All rasen.

Licht an, Licht aus – so könnte man das Verhalten der Nova beschreiben, die auf den Namen RS Ophiuchi hört. Alle etwa 15 Jahre kommt es im Sternbild des Schlangenträgers zu einer dramatischen Explosion. Geburtsort einer Nova sind Systeme, in denen zwei sehr unterschiedliche Sterne in einer parasitären Paarbeziehung leben: Ein weißer Zwerg, ein kleiner, ausgebrannter und ungeheuer dichter Stern – ein Teelöffel seiner Materie wiegt ungefähr 1 Tonne – umkreist einen roten Riesen, einen alten Stern, der bald verglühen wird.

Der sterbende Riesenstern füttert den Weißen Zwerg mit Materie: Er stößt seine äußere Wasserstoffschicht ab, das Gas strömt auf den nahen Weißen Zwerg. Dieser Materiefluss hält an, bis der Winzling sich „überfrisst“ und zu heiß wird. Die Temperatur und der Druck in den neu gewonnen Sternhüllen sind dann so groß, dass sie in einer gigantischen thermonuklearen Explosion weggeschleudert werden. Der Zwergstern bleibt dabei erhalten und der Kreislauf beginnt von Neuem – bis sich das Spektakel wiederholt.

Explosion im hohen Energiebereich

Dass bei solchen Explosionen hohe Energien im Spiel sind, war vermutet worden. Die beiden MAGIC-Teleskope zeichneten Gammastrahlen mit dem Wert von 250 Gigaelektronenvolt (GeV) auf, mit die höchsten Energien, die je bei einer Nova gemessen wurden. Zum Vergleich: Die Strahlung ist hundert Milliarden Mal energiereicher als das sichtbare Licht.

Nach der Explosion breiteten sich mehrere Stoßfronten im Sternwind des Roten Riesen und im interstellaren Medium aus, welches das Doppelstern-System umgibt. Diese Schockwellen sind ein natürlicher Teilchenbeschleuniger, also ein riesiges Kraftwerk, das Teilchen auf nahezu Lichtgeschwindigkeit bringt. Die kombinierten Messdaten legen nahe, dass die Gammastrahlen von energiereichen Protonen, Kernen von Wasserstoffatomen, ausgehen.

Beschleunigte Protonen Teil der kosmischen Strahlung

„Damit kommen Nova-Ausbrüche auch als Quelle für die kosmische Strahlung infrage“, erklärt David Green. „Allerdings spielen sie dabei eher die Rolle von Lokalmatadoren. Das heißt, sie tragen nur in ihrer unmittelbaren Umgebung zur kosmischen Strahlung bei. Die Hauptakteure der kosmischen Strahlung sind Supernova-Überreste. Die Schockwellen, die von dieser Art Sternexplosion ausgehen, sind bedeutend heftiger als bei einer Nova.“

Um das komplizierte Zusammenspiel von energiereichen Himmelsereignissen und dem interstellaren Medium in der Milchstraße vollständig zu verstehen, brauchen wir weitere Beobachtungen, wie die aktuell veröffentlichten. Die MAGIC-Kollaboration wird daher auch in Zukunft Ausschau nach „unruhigen“ Objekten in unserer Galaxie – und darüber hinaus – halten.

Video-Animation: https://www.youtube.com/watch?v=zYmd8EETy74


Wissenschaftliche Ansprechpartner:
Max-Planck-Institut für Physik
Dr. David Green
damgreen@mpp.mpg.de
089-32354-289

Originalpublikation:
Proton acceleration in thermonuclear nova explosions revealed by gamma rays
The MAGIC Collaboration
Nature Astronomy
DOI: 10.1038/s41550-022-01640-z

URL zur Pressemitteilung: https://mpp.mpg.de/magic-teleskope-beobachten-sternexplosion

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Oskar Schindlers Sekretärin gestorben

Buchmann Institut

Mimi Reinhardt, die Sekretärin des deutschen Industriellen Oskar Schindler ist am Freitag in Israel im Alter von 107 Jahren gestorben, wie die Zeitung „Jerusalem Post“ am Montag berichtete. Frau Reinhardt war Jüdin und wurde 1915 in Wien geboren. Nach der Räumung des Krakauer Gettos kam sie im März 1943 in das Arbeitslager Plaszów. Im Oktober 1944 wurde sie Schindlers Sekretärin und tippte jene Liste, die später durch Steven Spielbergs preisgekrönten Film als „Schindlers Liste“ weltbekannt wurde.

Schindler mochte gutes Essen, gute und viele Getränke, Frauen. Er war ein Lebemann. Und er hatte ein gutes Gespür dafür, wie er die Menschen für sich gewinnen konnte. Das war entscheidend dafür, dass er 1.200 Juden retten konnte.

Und er war auch ein Mutiger und ein Schwejk (Schlitzohr): Er hat damals sehr viel riskiert. Zweimal wäre er fast erwischt worden. Der Schwindel um seine Fabrik und seine jüdischen Zwangsarbeiter wäre fast aufgeflogen.

Da seine Emaille-Fabrik in Krakau wichtig war für die Rüstungsindustrie, konnte er dank trickreicher Verhandlungen mit SS-Kommandant Amon Göth die Nazis immer wieder davon überzeugen, dass er noch mehr Juden brauchte. Dabei haben die gar nicht alle an den Maschinen gearbeitet. Die medizinischen Akademiker zum Beispiel, kannten sich damit ja gar nicht aus. Aber sie waren wichtig für die Gesundheitsversorgung. Schindler hat sich sehr um seine Leute gekümmert.

1993 wurde er mit seiner Frau Emilie als „Gerechter unter den Völkern“ in der Gedenkstätte Yad Vashem anerkannt und lebte die letzten Jahre bis zu seinem Tod 1974 unter anderem am Frankfurter Hauptbahnhof, wo eine Gedenktafel an ihn erinnert. Bisher erinnert nur eine kleine Straße in Nieder-Eschbach noch an ihn.

Nach dem Krieg war Schindler jedes Jahr in Israel zu Besuch bei seinen Geretteten. Obwohl da einige viel älter waren als er, haben sie ihn „Vater Courage“ genannt. Er hat diese Besuche in Israel sehr genossen. Er liebte ja Geselligkeit und war ein großer Erzähler und Unterhalter. Das waren Momente, da lebte er auf. Doch in Deutschland ging es ihm nicht gut. Nach Kriegsende 1945 musste er mit seiner Frau und sieben der geretteten Juden in die Schweiz fliehen. Kurz nachdem Schindler am Bodensee die Grenze von Deutschland zur Schweiz zwischen Konstanz und Kreuzlingen auf illegalem Wege überwunden hatte, wurde er festgenommen.

Auch Schindlers Frau hat ihr Leben für die Rettung von Juden riskiert. Doch dies ist weitaus weniger bekannt. „Oskar war der Mann der großen Gesten.“

Gemeinsam ging das Paar nach ein paar Jahren in Deutschland nach Südamerika. In Argentinien versuchte Schindler sich als technischer Berater für den Einkauf von Industrieanlagen. Ein paar Jahre später trennten sich die beiden Eheleute und Schindler kam alleine nach Deutschland zurück.

Er hat dann eine Firma im Pfälzischen betrieben, die ging jedoch pleite. Dann ist er nach Frankfurt gekommen, wieder wegen einer Fabrik. Aber er hatte kein glückliches Händchen mehr. Hier lebte er von einer kleinen Rente in einer Ein-Zimmer-Wohnung im Bahnhofsviertel unter der Adresse „Am Hauptbahnhof 4“. Arbeiten konnte er nicht mehr, er hatte da schon zwei Schlaganfälle hinter sich gehabt.

Während der Umbauarbeiten in einer Immobilie in der Moselstraße traf der Immobilienkaufmann Josef Buchmann auf Oskar Schindler. Der betrieb damals eine Fabrik für Bodenplatten in Hanau und bewarb sich bei Buchmann um einen Auftrag. »Er berichtete Buchmann, dass er viele hundert Juden in Polen gerettet hat. Buchmann konnte es kaum glauben.« Ein paar Tage später meldete sich bei Buchmann ein Richter aus Israel, einer der »Schindler-Juden«. Buchmann gab Schindler den Auftrag, sie wurden Freunde. Buchmann unterstützte den Retter, ein Leben lang. Schindlers Freundin überließ er mietfrei einen Friseursalon in seinem Haus in der Moselstraße. Dem Riedberg spendete Buchmann das Institut für Molekulare Lebenswissenschaften.

Schindler stirbt 1974 mit 66 Jahren in Hildesheim.


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