Grünes Licht für 74 Kleingärten am Riedberg

Gemüse aus dem eigenen Garten, Obstbäume, eine kleine Wiese mit Laube – das wünschen sich auch viele Menschen hier am Riedberg. Jetzt steht fest, dass es 74 Kleingärten im Stadtteil geben wird. Ein Großteil der Gärten soll Mitte 2021 fertig sein und in zwei Gebieten entstehen. Eine Kleingarten-Anlage wird am Ende der Hans-Leistikow-Straße im Norden gebaut, direkt am neuen Park „Römische Straße“, wo sich derzeit auch noch das Provisorium der Grundschule 3 befindet. Eine weitere Anlage am südlichen Ende der Römischen Straße, an der so genannten „Kreuzerhohl“. Auf einer Freifläche zwischen Uni-Campus und U-Bahn. Die vermutlich beste Nachricht für alle Interessenten lautet: „Es gibt noch freie Parzellen, für die man sich direkt auf unserer Homepage bewerben kann“, erklärt Matthias Adler-Drews vom Vorstand des neu gegründeten Kleingartenvereins Riedberg e. V.

Ursprünglich war die Warteliste lang. Doch das Thema Kleingärten verzögerte sich von Jahr zu Jahr. Hinzu kam, so Adler-Drews, „die große Fluktuation hier am Riedberg“. Als er sich vor Weihnachten mit seinen beiden Hunden und Info-Blättern auf den Weg zu allen machte, die sich trotz Aufforderung nicht mehr gemeldet hatten, waren einige Interessenten bereits verzogen „und da haben wir die Liste wieder geöffnet“.

So groß sind die Kleingärten

Die beiden Experten vom Frankfurter Grünflächenamt, die im Ortsbeirat Kalbach/ Riedberg die Pläne vorstellten, wissen, dass die Kleingärten im Stadtteil „langgewünscht und heißersehnt“ sind. Maren Schilling vom Planungsbüro des Amtes erläuterte die Details: Die Parzellen sind jeweils 250 bis 300 Quadratmeter groß und werden einen Wasser- sowie Stromanschluss am Zugang bekommen. Plus Betonfundamente für die Gartenhütten. In der Anlage an der Hans-Leistikow-Straße entstehen 36 Kleingärten, an der Kreuzerhohl 38 Kleingärten. Die Kosten für das gesamte Projekt belaufen sich auf rund 1,6 Millionen Euro.

Das ist der Entwurf für die Kleingartenanlage an der Hans-Leistikow-Straße. Auf einem Teil der Fläche steht derzeit noch das Provisorium der Grundschule 3. Aber die Gärten ringsum sollen bis Mitte 2021 fertig sein   Grafik: Grünflächenamt

Die Hauptwege sind tagsüber offen, so dass „die Anwohner, die durchgehen möchten, auch durchgehen können“, so die Expertin. Um die Anlagen herum wird ein Gitterzaum führen, den bald eine 1,80 Meter hohe Hecke verdecken soll. Diese muss von den Kleingärtnern gepflegt und geschnitten werden.

Das Toiletten-Problem

Im Zentrum ist jeweils eine Gemeinschaftsfläche geplant, auf der ein Vereinsheim und Toiletten errichtet werden können. Zum Stichwort Vereinsheim machte Christoph Baumann, 1. Vorsitzender des Riedberger Kleingartenvereins, deutlich, dass ein so junger Verein schlicht noch kein Budget dafür hat. Obwohl die Pacht an die Stadt nur etwas mehr als 20 Cent pro Quadratmeter und Jahr kostet und auch die Mitgliedsbeiträge überschaubar sein dürften. Hinzu kommt aber, dass „wir hier keine fertigen Parzellen, sondern einen braunen Acker mit ein paar Bodenplatten bekommen“. Das kostet Zeit und Geld.

Vor den Neu-Gärtnern liegt also jede Menge Arbeit – und da ist ein ziemlich menschliches Problem. Denn wie beschrieben gibt’s zwar potentiell Flächen für Toiletten, die müssen aber vom Verein gebaut und getragen werden. Die Planer machten deutlich, dass dies weder in den Projektkosten enthalten ist, noch in die Zuständigkeit des Grünflächenamtes fällt. Dafür wäre das Amt für Bau und Immobilien (ABI) im Baudezernat die richtige Adresse.

Bei einer Förderung allerdings müssten die Toiletten öffentlich oder zumindest teilöffentlich werden. Was für den Verein mit weiteren Kosten und Mehraufwand für Reinigung und Instandhaltung verbunden wäre. Und von den Mitgliedern vermutlich auch nicht gewünscht ist.

Der Ortsbeirat hat am Freitag trotzdem Haushaltsmittel für den Bau von Toilettenanlagen beantragt. Mit ungewisser Aussicht auf Erfolg. Viel wahrscheinlicher ist, so ein Beobachter, „dass wir am Anfang erst mal nach Hause laufen müssen, um aufs Klo zu gehen“. Das könne doch auch nicht Sinn der Sache sein.

Diskussion um den Zufahrtsweg

Kritik gab’s auch am Zufahrtsweg zur zweiten Anlage in Uni-Nähe. Die kann laut Grünflächenamt nicht von der Riedbergallee aus erschlossen werden. Was bedeutet, dass die vier Parkplätze für die Kleingärtner an der „Kreuzerhohl“ gebaut werden. Einer kleinen Straße, die zum Ortsbezirk Niederursel gehört und auch nur über Niederursel, aus Richtung der Gaststätte „Lahmer Esel“, befahren werden kann. Denn zum Uni-Campus hin versperren schon seit Jahren Beton-Poller den Weg.

Anwohner hatten für die Absperrung gekämpft, um den Durchgangsverkehr zu stoppen. In Zukunft aber wird womöglich wieder deutlich mehr Verkehr fließen, durch die Kleingärtner, die nur mit mehreren Kilometern Umweg ihre Parzellen erreichen können. Per Rad oder Fuß geht’s natürlich wesentlich schneller.

Auch hier will sich der Riedberger Ortsbeirat 12 mit dem benachbarten Ortsbeirat 8 abstimmen. Um doch noch eine für alle akzeptable Lösung zu finden.

Was Sie zum Thema Kleingärten wissen sollten

Wussten Sie, dass es ein deutsches „Kleingartengesetz“ gibt? Das regelt – ergänzt durch die Kleingartenverordnungen der Kommunen – penibel genau, wie die Parzellen genutzt werden dürfen, wie groß die Wiesenfläche sein darf, wie viel Platz für den Eigenanbau von Obst und Gemüse ist, wie groß die Lauben sein dürfen, was letztlich erlaubt ist und was nicht. So steht auch fest, dass die Anlagen von gemeinnützigen Vereinen getragen werden müssen und regelmäßige Arbeitseinsätze für die Gemeinschaft verpflichtend sind.

Obwohl es noch ein weiter Weg vom ersten Spatenstich bis zur grünen Oase sein dürfte, freuen sich Christoph Baumann und Matthias Adler-Drews vom neuen Riedberger Kleingartenverein auf all das, was kommt. Übrigens auch die Kinder und Betreuer der Kita Gipfelflitzer im Riedbergzentrum. Die haben nämlich bisher keinen eigenen Garten zum Toben und stehen auf der Interessentenliste weit oben.

In der vergangenen Sitzung stimmte auch der Ortsbeirat den Plänen zu. Damit gibt es endgültig grünes Licht für die beiden Kleingarten-Anlagen in unserem Stadtteil.

Foto: Archiv