Alle Artikel von Andreas Woitun

Verborgene Industriegeschichte vor unserer Haustür: Das vergessene Bergwerk „Gnade Gottes“

Bergwerk-Lore

Wer heute auf dem Riedberg wohnt oder die A661 nutzt, ahnt meist nicht, dass sich in unmittelbarer Nachbarschaft einst ein echtes Bergwerk befand. Nur wenige Kilometer entfernt, in der Ebene bei Oberursel-Bommersheim – direkt auf der Strecke zwischen Frankfurt und Bad Homburg –, liegt ein fast vergessenes Relikt der regionalen Industriegeschichte: das Braunkohlebergwerk „Gnade Gottes“.

Kohleförderung im flachen Feld

Anders als die typischen Bergwerke im Mittelgebirge lag die Grube „Gnade Gottes“ nicht im Taunuskamm, sondern erstreckte sich über rund 22.000 Quadratmeter im flachen Bommersheimer Feld. Geologisch stammt die dortige Kohle aus dem Tertiär. Damals war die Region ein subtropisches Sumpfgebiet, was durch Funde von versteinerten Zimt- und Feigenblättern in den Bodenschichten belegt ist.

Gefördert wurde Braunkohle (Lignit), die von Zeitzeugen jedoch als „mulmig“ beschrieben wurde: Sie war sehr weich, fast erdig, besaß einen hohen Wassergehalt, rußte beim Verbrennen stark und hatte eine deutlich geringere Brennleistung als Steinkohle.

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Bergwerk „Gnade Gottes“

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Bergwerk „Gnade Gottes“ 50.202014, 8.629632

Zwei kurze, intensive Betriebsphasen

Der Abbau vollzog sich in zwei historisch völlig unterschiedlichen Epochen:

  • Die erste Phase (1830–1840): Der Ausbau der Grube begann bereits 1829 südlich des heutigen Standorts. Investiert hatten Frankfurter Handelshäuser, allen voran der Kaufmann Gottlieb Bansa. Unter der Leitung von zwei Steigern und dem Bergwerkverwalter Panthel wurden jährlich bis zu 50.000 Zentner Kohle aus drei Schächten gefördert. Doch die Schächte, die bis zu 31 Meter tief in die Erde reichten, hatten massiv mit eindringendem Grundwasser zu kämpfen. Weil die damaligen Pumpen unzureichend waren, die Flöze nur eine Dicke von zwei Metern aufwiesen und die Kohlequalität mäßig war, wurde der Betrieb 1840 eingestellt.
  • Die zweite Phase (1919–1926): Nach dem 1. Weltkrieg herrschte in Deutschland extreme Kohleknappheit und Inflation, was die Reaktivierung der Grube wirtschaftlich machte. Ab 1920 lief der Betrieb wieder an, und 1922 wurde ein weiterer Schacht abgeteuft. In den Spitzenjahren 1922/1923 wurden bis zu 12.000 Zentner Stückkohle gefördert. Sobald sich die Wirtschaft jedoch stabilisierte und hochwertigere Ruhrkohle wieder verfügbar war, wurde der Abbau unrentabel. 1926 schloss die Grube für immer.

Spurensuche in der Nachbarschaft

Heute ist das Bergwerk weitgehend aus der Landschaft verschwunden. Da die Schächte in der Ebene instabil waren, wurden sie nach der Schließung komplett verfüllt, um Einbrüche auf den landwirtschaftlichen Flächen zu verhindern. Das Gelände befindet sich heute in Privatbesitz, und die ehemaligen Betriebsgebäude wurden zu Wohnhäusern umgewandelt.

Wer aufmerksam auf dem Hölderlinpfad oder dem Regionalpark-Rundweg spazieren geht, kann jedoch noch historische Spuren entdecken:

  • Eine Gedenk-Stele des Regionalparks RheinMain markiert den ungefähren Standort und erklärt die Geschichte.
  • Mit geschultem Auge lassen sich auf den Feldern noch leichte Unebenheiten erahnen, wo einst die Schächte lagen.
  • Ein symbolischer, aufgestellter Lore-Wagen erinnert an die Bergbau-Tradition der Region.

Frankfurt und sein Hunger nach Bodenschätzen

Das Projekt in Bommersheim war kein Einzelfall, sondern fügt sich ein in die historische Rolle Frankfurts als Bergbau-Metropole. Zwar hielt die Stadtverwaltung selten direkte Anteile an Bergwerken, doch die wohlhabende Bürgerschaft und das Patriziat investierten massiv Kapital, um Rohstoffe für den Handel zu sichern.

Hierzu gehörten Engagements im Siegerland an der Eisenerzgrube „Stahlberg“ – wovon sich sogar der Name der Frankfurter Patrizierfamilie Stalburg ableitet – sowie die Finanzierung des Kupfer- und Silberbergbaus im Spessart. Auch die Familie Bansa, eine einflussreiche Frankfurter Bankiersfamilie, versuchte mit der Grube „Gnade Gottes“ die Region unabhängig mit Energie zu versorgen. Später, ab 1881, erreichte diese Entwicklung mit der in Frankfurt gegründeten „Metallgesellschaft AG“ globale Dimensionen.

Das kleine Bergwerk vor den Toren des Riedbergs zeigt eindrucksvoll, mit welchem Pioniergeist und Risiko im 19. und frühen 20. Jahrhundert versucht wurde, die Energieversorgung der Region Frankfurt autark zu sichern.

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Mainspiele vor dem Aus: Finanzielle Sorgen bedrohen Frankfurter Ferienklassiker

Abenteuerspielplatz Riederwald Spielmobil

Die Mainspiele am Sachsenhäuser Mainufer, gelegen zwischen dem Eisernen Steg und der Untermainbrücke, sind am 29. Juni 2026 in ihre 32. Auflage gestartet. Täglich von 11 Uhr bis 19 Uhr verwandelt sich das Ufer in ein Erlebnisareal für Kinder im Alter von 1 bis 14 Jahren. Doch trotz des enormen Zuspruchs droht der traditionsreichen Ferienaktion im kommenden Jahr das endgültige Aus.

Eine Erfolgsgeschichte seit über drei Jahrzehnten

Die geschichtliche Entwicklung der Mainspiele ist eng mit dem Verein Abenteuerspielplatz Riederwald e. V. verknüpft. Der Trägerverein konnte im Jahr 2024 bereits sein 50-jähriges Bestehen feiern. Im selben Jahr blickten die Verantwortlichen auf eine 30-jährige Tradition der „Mainspiele“ und „Opernspiele“ zurück. Inzwischen zieht die Ferienaktion im Jahr 2026 zum 32. Mal in Folge tausende Kinder an. Das Einzugsgebiet hat sich über die Jahrzehnte massiv ausgeweitet: Längst kommen die Besucher nicht mehr nur aus Frankfurt, sondern reisen aus Regionen von Mainz bis Würzburg und von Gießen bis Heidelberg an.

Das Fundament des Erfolgs bildet das vielseitige, betreute Spielangebot. Vor Ort kümmern sich 35 Mitarbeiter um das Vergnügen und die Sicherheit der jungen Gäste. Zu den Attraktionen gehören unter anderem Hüpfburgen, ein Bungee-Trampolin, Kistenklettern, Sandkästen, eine Rollrutsche, eine Speedbahn sowie Kreativangebote wie Holzarbeiten und T-Shirt-Druck. Ein Kinderhafenfeuerwehrboot liegt an der Kaimauer bereit, und sogar drei Holzpferde vom Abenteuerspielplatz Günthersburgpark wurden für die Aktion bereitgestellt.

Steigende Kosten und mangelnde städtische Förderung

Der Grund für das drohende Ende der Mainspiele ist rein finanzieller Natur. Die Gesamtkosten für die Durchführung der Großveranstaltung sind auf 220.000 Euro angewachsen. Die Stadt Frankfurt beteiligt sich jedoch lediglich mit einem Zuschuss in Höhe von 80.000 Euro. Zwar unterstützen langjährige Sponsoren wie die Mainova und die Frankfurter Sparkasse das Projekt, dennoch verbleibt ein ungedeckter Fehlbetrag von 100.000 Euro.

Michael Paris, der Vorsitzende des Vereins Abenteuerspielplatz Riederwald, äußert deutliche Kritik an der Verteilung der städtischen Gelder. Umgerechnet erhalte der Verein bloß 1,77 Euro pro Kind von der Stadt, was er als lächerlich bezeichnet. Er zieht einen direkten Vergleich zur lokalen Kultursubvention: Während das Angebot für Kinder finanziell am Limit agiere, werde im Schauspiel jeder einzelne Stuhl mit 500 Euro bezuschusst. Wenn die Stadt die Unterstützung nicht maßgeblich erhöht, sieht Paris keine Möglichkeit für eine Fortführung im nächsten Jahr.

Auch auf Seiten der Sponsoren herrscht Besorgnis. Thomas Kögler von der Mainova betont den gesamtgesellschaftlichen Mehrwert der Aktion, die sein Unternehmen bereits seit den Zeiten der Vorgängerfirma kontinuierlich begleitet. Für viele Familien und Stammgäste gehören die Mainspiele fest zu Frankfurt wie der Römer und der Apfelwein. Ob eine Lösung zur Rettung des Ferienklassikers gefunden wird, hängt nun von der Bereitschaft der politischen Entscheidungsträger ab.

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Frankfurts Norden und die Frauenfriedenskirche: Auf den Spuren von Hans Herkommer und der VDO

VDO - Spender der Fenster in Frauenfrieden

Wer durch die modernen Quartiere des Riedbergs spaziert oder das geschäftige Mertonviertel in Heddernheim durchquert, denkt vermutlich selten an die Sakralarchitektur der Zwischenkriegszeit im stadtnahen Bockenheim. Doch zwischen dem Frankfurter Norden und der dortigen Frauenfriedenskirche existieren faszinierende historische und städtebauliche Querverbindungen. Sie verknüpfen das Lebenswerk eines bedeutenden Kirchenbaumeisters der Moderne mit der Industriegeschichte eines weltbekannten Frankfurter Traditionsunternehmens.

Hans Herkommer und das monumentale Friedensgebet

Die Frauenfriedenskirche in der Bockenheimer Zeppelinallee gilt als eines der ungewöhnlichsten und eindrucksvollsten Gotteshäuser des 20. Jahrhunderts. Errichtet zwischen 1927 und 1929 auf Initiative des Katholischen Deutschen Frauenbundes, sollte der Bau als „steinernes Friedensgebet“ und Gedenkstätte für die Gefallenen des 1. Weltkriegs dienen. Mit der architektonischen Umsetzung wurde der aus Schwäbisch Gmünd stammende Architekt Hans Herkommer (1887–1956) betraut. Herkommer, ein Schüler der renommierten Stuttgarter Schule um Paul Bonatz und Theodor Fischer, schuf ein Meisterwerk an der Schnittstelle zwischen »Expressionismus« und »Neuer Sachlichkeit«. Er selbst beschrieb seinen markanten Stil oft als „sachliche Romantik“.

Typisch für Herkommers Arbeiten ist der monumentale, fast wehrhafte Charakter der Bauten. Bei der Frauenfriedenskirche nutzte er den damals hochinnovativen Baustoff Sichtbeton, kombiniert mit monumentalen Parabelbögen im Innenraum und einer klaren, kubischen Formensprache nach außen. Die wuchtige Frontseite mit der riesigen Portalnische zieht bis heute die Blicke auf sich und zeugt vom Mut zur architektonischen Moderne im Frankfurt der späten 1920er-Jahre.

Frauenfrieden im Bann des Ginnheimer Spargels

Ein Stück Architekturgeschichte auf dem Riedberg

Herkommers bleibende Verbindung zum Frankfurter Norden ist heute im Stadtbild festgeschrieben. Im Ortsbezirk Kalbach-Riedberg wurde eine Straße nach dem berühmten Baumeister benannt: Der Hans-Herkommer-Ring liegt inmitten einer attraktiven Wohngegend des Riedbergs. Diese Widmung stellt sicher, dass das Andenken an den Mann, der Bockenheim eines seiner markantesten Wahrzeichen schenkte, auch in den jüngeren Quartieren der Stadt lebendig bleibt. Abgesehen von einem nicht realisierten Wettbewerbsentwurf für ein Verwaltungsgebäude der Firma „H. Fuld & Co.“ im Jahr 1929 blieb die Frauenfriedenskirche Herkommers einziges realisiertes Werk in Frankfurt, bevor er sich nach dem 2. Weltkrieg wieder verstärkt auf den Stuttgarter Raum konzentrierte.

Licht und Farben aus dem Mertonviertel: Die Fensterspende der VDO

Die Frauenfriedenskirche überstand die Jahrzehnte jedoch nicht unbeschadet. Während der schweren Luftangriffe im Jahr 1944 wurde der Sakralbau durch Bomben stark beschädigt, wobei auch die ursprünglichen Kirchenfenster vollständig verlorengingen. Der Wiederaufbau in der Nachkriegszeit war eine Gemeinschaftsleistung der Frankfurter Bürgerschaft und der lokalen Wirtschaft. An dieser Stelle kommt eine feste historische Größe des Frankfurter Nordens ins Spiel: die VDO Adolf Schindling AG.

Das für Tachometer und Automobilelektronik weltweit bekannte Unternehmen übernahm im Zuge der Instandsetzungsarbeiten die Finanzierung für die Erneuerung der großen Fenster im Hauptschiff. Die Verbindung war zu diesem Zeitpunkt zutiefst lokaler Natur. Die VDO war eng in Bockenheim verwurzelt, da sich ihr historischer Stammsitz und das Hauptwerk jahrzehntelang in der nahegelegenen Bockenheimer Gräfstraße befanden. Erst Ende der 1980er-Jahre wurde diese Betriebsstätte im Zuge von Umstrukturierungen aufgegeben.

Die heutigen, farbgewaltigen Glasfenster wurden schließlich 1961 von dem bekannten Frankfurter Glasmaler und Bildhauer Joachim Pick entworfen und von der renommierten Glaswerkstatt Schillings realisiert. Sie stellen symbolisch den zerrissenen Vorhang von Golgotha dar und tauchen das Kirchenschiff in ein besonderes, andächtiges Licht. Ermöglicht wurde dieses bleibende Kunstwerk maßgeblich durch das mäzenatische Engagement der Firmenleitung von VDO.

Gleichzeitig schlägt die Geschichte des Unternehmens die Brücke direkt nach Heddernheim. Im heutigen Mertonviertel, südlich der U-Bahn-Station Sandelmühle an der Hadrianstraße, entstand in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts ein großes VDO-Zweigwerk. Hier war insbesondere die Spezialdivision VDO Luftfahrtgeräte Werk Adolf Schindling GmbH ansässig, die hochpräzise Fluginstrumente fertigte. Obwohl das Unternehmen später an Siemens und Continental überging und die Areale neu strukturiert wurden, bleibt das industrielle Erbe präsent: Teile des Geländes werden heute von Diehl Aerospace weiterhin für die Luftfahrtausrüstung genutzt. So verbindet die Frauenfriedenskirche über den Architekten Hans Herkommer und das Unternehmen VDO die Stadtteile Bockenheim, Heddernheim und den Riedberg zu einer gemeinsamen Erzählung aus Kunst, Architektur und Industriegeschichte.

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Kultur in der Aula: Einladung zum akustischen Ohrenschmaus mit »Feinschmeckerfolk«!

Gruppenbild auf Spielplatz

Der Riedberg darf sich auf ein ganz besonderes musikalisches Highlight freuen: Unter dem Motto „Kultur in der Aula“ lädt die Josua Gemeinde zu einem Konzert der Band Feinschmeckerfolk ein. Am Samstag, den 18. Juli 2026, verwandelt sich die Aula der Grundschule Riedberg I in eine musikalische Genussküche.

Die Band

Das vierköpfige „Küchenteam“, bestehend aus Sonja, Lui, Klaus und Bertram, serviert ein handgemachtes Menü ganz ohne künstliche Effekte und Schnickschnack. Akustische Stimmen und Instrumente klingen hier so, wie sie wirklich sind. Das Publikum erwartet eine perfekt abgestimmte Mischung aus amerikanischem, irischem und schottischem Folk, verfeinert mit einer Prise Bluegrass, eigenen Songs und vertonten Rilke-Gedichten. Passend zur Philosophie einer nachhaltigen Küche ist das Programm der Musiker aus dem Rhein-Main-Gebiet stets saisonal geprägt.

Erleben Sie einen Abend voller Nahbarkeit, bei dem das gemeinsame Erlebnis im Vordergrund steht. Seien Sie dabei, wenn die Band den musikalischen Kochlöffel schwingt, und lassen Sie sich in den warmen Feinschmeckerstrudel hineinziehen!

Alles auf einen Blick

  • Was: Feinschmecker-Folk mit der Band Feinschmeckerfolk
  • Wann: Samstag, 18.07.2026, Beginn um 19:30 Uhr
  • Wo: In der Aula der Grundschule Riedberg I, Zur Kalbacher Höhe 15, 60438 Frankfurt am Main
  • Veranstalter: Josua Gemeinde
  • Eintritt: 14 € (ermäßigt: 12 €) | Im Vorverkauf: 12 € (ermäßigt: 10 €)
  • Vorverkauf & Infos per eMail: info@josua-gemeinde.net
  • Wichtiger Hinweis: Vorbestellte Karten müssen bis spätestens 20 Minuten vor Beginn abgeholt werden.

 

Dank freundlicher Unterstützung des Kulturamts der Stadt Frankfurt am Main.

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Spitzenforschung auf dem Campus Riedberg: Von Quantensprüngen in der Magnettechnologie zur europäischen Bio-Datenbank

Kernspinresonanz-Spektrometer

Der Campus Riedberg der Goethe-Universität Frankfurt hat seine Position als eines der europaweit führenden Zentren für biomolekulare Spitzenforschung im Bereich der Kernspinresonanzspektroskopie (NMR) weiter gefestigt.

Mit der Inbetriebnahme eines der weltweit größten NMR-Spektrometer und dem aktuellen Aufbau einer neuen europäischen Forschungsdatenbank schlägt das Zentrum für Biomolekulare Magnetische Resonanz (BMRZ) eine Brücke zwischen technologischer Innovation und digitaler Zukunft.

Ein technologischer Meilenstein: Das 1,2-Gigahertz-Spektrometer

Bereits im Jahr 2014 bewilligte der Wissenschaftsrat Mittel in Höhe von 24 Millionen Euro für ein NMR-Spektrometer der nächsten Generation. Davon flossen 18 Millionen Euro in das Großgerät und 6 Millionen Euro in einen eigens dafür errichteten Anbau auf dem Campus Riedberg. Die Investition, die je zur Hälfte vom Bund und vom Land Hessen getragen und später durch die Goethe-Universität ergänzt wurde, belief sich am Ende auf insgesamt 30 Millionen Euro für Gerät und Gebäude.

Das im Jahr 2023 offiziell eingeweihte 1,2-Gigahertz-Spektrometer ist ein technologisches Schwergewicht: Es wiegt rund 10 Tonnen und ragt 4 Meter in die Höhe. Um die Anlage baulich sicher zu betreiben, wurde die Gebäudehülle mit einer speziellen Glasfaser-Bewehrung im Beton ausgestattet.

Die Konstruktion des Magneten stellte den Entwickler Bruker vor extreme technische Herausforderungen. Das Magnetfeld in der kleinen Untersuchungskammer ist 600.000-mal so stark wie das Erdmagnetfeld und muss in einem aktiven Kernvolumen von nur einem Kubikzentimeter zu 99,99999999 Prozent absolut homogen sein. Da klassische Niedertemperatur-Supraleiter auf Niobzinn-Basis bei einer Feldstärke nahe 23,5 Tesla versagen, kamen neuartige Hybrid-Drähte zum Einsatz. Diese nutzen Hochtemperatur-Supraleiter aus mit Yttrium-Barium-Kupferoxid (YBCO) beschichtetem Edelstahlband. Da diese Bänder kilometerlang sein müssen, war die Erreichung der notwendigen Homogenität eine Meisterleistung der Ingenieurskunst.

Neue Dimensionen für die Medizin und Biologie

Für die Wissenschaftler um den geschäftsführenden BMRZ-Direktor Prof. Clemens Glaubitz und den Hauptantragsteller Prof. Harald Schwalbe eröffnet das Gerät völlig neue Dimensionen. Durch die gesteigerte Empfindlichkeit und höhere Auflösung lassen sich chemische und biochemische Reaktionen in biologisch relevanten Zeitskalen beobachten. Die Beobachtung von Proteinfaltungen ist nun um den Faktor 10 schneller möglich als zuvor.

Dies liefert wichtige Impulse für die Frankfurter RNA- und Membranproteinforschung. Forscher können damit:

  • Kurzlebige Zwischenprodukte und Proteine (wie Insulin oder RNAs) direkt in der Zelle strukturell charakterisieren.
  • Die Entstehung von Krankheiten wie Alzheimer, Krebs und Herzerkrankungen besser verstehen, die oft durch Fehler in sogenannten „intrinsisch ungeordneten Proteinen“ ausgelöst werden.
  • Die Mechanismen der Signalweiterleitung an G-Protein-gekoppelten Rezeptoren (GPCRs) – der pharmakologisch wichtigsten Klasse von Membranproteinen – entschlüsseln.

Frankfurt als Knotenpunkt der europäischen Datenvernetzung

Da ein immer größerer Anteil der weltweiten NMR-Strukturdaten aus Europa stammt, folgt nun der nächste logische Schritt in der Digitalisierung. Unter der Leitung von Harald Schwalbe baut das BMRZ derzeit eine neue europäische Forschungsdatenbank namens BMRBe auf. Das Projekt wird von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) zunächst für eineinhalb Jahre mit 530.000 Euro gefördert und vom Center for Scientific Computing der Universität begleitet.

Die BMRBe fungiert künftig als zentraler europäischer Knotenpunkt und ergänzt die bestehenden Datenbanken in den USA (BMRB) und Japan (BMRBj). Ziel ist die Entwicklung einer Software, die experimentelle NMR-Daten direkt von den Spektrometern aus ganz Europa fehlergeprüft in die Datenbank überträgt und der internationalen Forschungsgemeinschaft bereitstellt.

Obwohl das jährliche Datenvolumen mit etwa einem Terabyte relativ gering ist, soll die europäische Datenbank inhaltlich über die US-amerikanische Schwester hinausgehen. Neben den reinen dreidimensionalen Strukturdaten wird die BMRBe auch die Reaktivität von Biomolekülen erfassen. Sie wird präzise dokumentieren, welche Substanzen bestimmte Proteine am besten hemmen.

Diese sorgfältig kuratierte Datengrundlage ist von unschätzbarem Wert für die moderne Arzneimittelforschung und die Analyse von Stoffwechselprodukten (Metabolomics). Sie dient insbesondere dazu, verlässliche Trainingsdaten für künstliche Intelligenzen bereitzustellen, die in der medizinischen Wirkstoffentwicklung eine immer zentralere Rolle einnehmen. Der Campus Riedberg festigt damit eindrucksvoll seine Rolle als internationaler Schrittmacher in der biomedizinischen Forschung.

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Bürgerfest markiert offiziellen Baustart für den Windpark Schäferköppel

Entwicklungsweg eines Windrads

Mit einem gemeinsamen Bürgerfest haben der Energiedienstleister Mainova, die Partnerkommunen Frankfurt am Main, Bad Homburg und Karben sowie die Frankfurter Bürgerenergiegenossenschaft eG (FraBeG) den Baustart des Windparks „Schäferköppel“ offiziell eingeläutet. Am gestrigen Freitag, dem 3. Juli, nutzten zahlreiche interessierte Bürger die Gelegenheit, sich direkt vor Ort auf dem zukünftigen Windparkgelände über das Großprojekt zu informieren.

Das Fest, welches nachmittags stattfand und über die Steinstraße erreichbar war, bot neben umfassenden Informationsständen auch ein Rahmenprogramm für Familien. Der Energieversorger stellte hierbei kostenlose Snacks, Getränke sowie ein spezielles Kinderprogramm bereit. Die Besucher gewannen direkt auf dem Areal im Dreieck zwischen Nieder-Erlenbach, Ober-Erlenbach und Kloppenheim einen persönlichen Eindruck vom aktuellen Baufortschritt.

Aufsichtsratsvorsitzender der FraBeG Andreas Heming und Oberbürgermeister Mike Josef im Gespräch

Aufsichtsratsvorsitzender der FraBeG Andreas Heming und Oberbürgermeister Mike Josef (rechts)

Erstes Windenergieprojekt auf Frankfurter Gemarkung

Der Windpark Schäferköppel gilt als ein zentraler Meilenstein für die regionale Energiewende, da er die erneuerbare Stromerzeugung unmittelbar in das Rhein-Main-Gebiet bringt. Es handelt sich dabei um das erste Windenergieprojekt, welches anteilig auf Frankfurter Stadtgebiet realisiert wird. In einem ausgewiesenen Windvorranggebiet entstehen insgesamt 4 moderne Windenergieanlagen des Typs Nordex N175.

Die technischen Dimensionen der Anlagen sind beachtlich: Bei einer Nabenhöhe von 179 Metern und einem Rotorradius von 87,5 Metern weisen die Windräder eine Gesamthöhe von 266,5 Metern auf. Jede Anlage verfügt über eine Nennleistung von 6,8 Megawatt, was eine Gesamtleistung des Windparks von 27,2 Megawatt ergibt. Mit einem prognostizierten Jahresertrag von rund 54 Gigawattstunden grünem Strom können rechnerisch etwa 22.000 Zwei-Personen-Haushalte in der Region verlässlich versorgt werden. Der erzeugte Strom wird über eine noch zu verlegende Kabeltrasse in das bestehende Umspannwerk in Ober-Erlenbach eingespeist.

Politisches Lob für regionale Kooperation

Frankfurts Oberbürgermeister Mike Josef hob im Rahmen des Baustarts die Bedeutung der interkommunalen Zusammenarbeit hervor: Wenn Kommunen Hand in Hand agieren und die Bürger aktiv beteiligt werden, schaffe dies das notwendige Vertrauen, Akzeptanz und einen konkreten Nutzen für die gesamte Region. Auch der Vorstandsvorsitzende der Mainova AG unterstrich den partnerschaftlichen Ansatz auf Augenhöhe, der eine faire Teilhabe an der Energiewende sichere.

Die umliegenden Kommunen profitieren auch finanziell direkt von dem Projekt. Über die gesetzliche Regelung nach § 6 des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) erhalten betroffene Städte und Gemeinden eine freiwillige Zuwendung von 0,2 Cent pro erzeugter Kilowattstunde Strom.

Modell zur finanziellen Bürgerbeteiligung

Ein Kernaspekt des Projekts ist die direkte finanzielle Einbindung der Bevölkerung über die Frankfurter Bürgerenergiegenossenschaft (FraBeG). Die Genossenschaft übernimmt einen Anteil von 15 % am gesamten Windparkprojekt. Um eine faire und ausgewogene lokale Teilhabe zu garantieren, werden die Beteiligungen schrittweise in drei Zeichnungsrunden vergeben. In der ersten Runde haben ausschließlich Einwohner der direkt angrenzenden Ortsteile Nieder-Erlenbach, Ober-Erlenbach, Kloppenheim und Petterweil Zugriff auf die Anteile. Erst in den darauffolgenden Runden wird der Radius erweitert.

Ein Strohhut der FraBeG

Bauarbeiten im Plan

Die vorbereitenden Maßnahmen auf dem Gelände laufen bereits seit März dieses Jahres. Bislang konzentrierten sich die Erdarbeiten auf den Ausbau der Transportwege sowie die Stabilisierung der Kranstellflächen und Fundamentbereiche. Der Zeitplan sieht vor, dass im vierten Quartal dieses Jahres der eigentliche Fundamentbau sowie die Verlegung der internen und externen Kabeltrassen beginnen. Die Anlieferung und Montage der tonnenschweren Turmbauteile und Rotorblätter sind für das Jahr 2027 projektiert.

Mit dem offiziellen Baustart wandelt sich die Schäferköppel nun sichtbar in einen modernen Produktionsort für saubere Energie, der Klimaschutz und regionale Wertschöpfung erfolgreich miteinander verknüpft.

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Bevölkerungsschutz in Kalbach-Riedberg: Magistrat nimmt Stellung zur Krisenvorsorge

Symbolbild zum Thema Krisenvorsorge

Wie gut ist der Stadtteil Kalbach-Riedberg auf langanhaltende Stromausfälle oder andere Krisenszenarien vorbereitet? Diese Frage warf die FDP-Fraktion im Januar 2026 mit einem Antrag unter dem Titel „Bevölkerungsschutz in Kalbach-Riedberg – Zeitenwende jetzt!“ auf.

Hintergrund waren unter anderem großflächige Stromausfälle in Berlin sowie die Sorge vor Sabotageakten auf kritische Infrastrukturen. Die Antragsteller forderten einen lokalen Vorsorgeplan und warnten davor, den Zivilschutz rein als Aufgabe des Bundes zu sehen. Nun liegt die offizielle Stellungnahme des Magistrats aus dem Mai 2026 vor, die detailliert auf die verschiedenen Infrastrukturbereiche eingeht.

Notunterkünfte und öffentliche Einrichtungen

Im Krisenfall sieht die Frankfurter Krisenplanung Liegenschaften im Stadtgebiet vor, die als Notunterkünfte eingerichtet werden können. Die dafür notwendige Ausstattung, wie etwa Feldbetten, wird zentral im Katastrophenschutzlager der Stadtverwaltung vorgehalten und im Bedarfsfall in den Ortsbezirk transportiert. Eine feste Bevorratung direkt vor Ort in den Sporthallen des Stadtteils existiert somit nicht.

Schulen und Kindertageseinrichtungen im Ortsbezirk 12 verfügen zudem über keine Notstromaggregate, um den regulären Betrieb bei einem Stromausfall aufrechtzuerhalten. Der Magistrat verweist darauf, dass hierzu keine rechtliche Verpflichtung besteht und derzeit keine entsprechenden Nachrüstungen vorgesehen sind.

Nahversorgung und öffentlicher Nahverkehr

Auch für das Nahversorgungszentrum am Riedbergplatz sowie die Supermärkte in Kalbach und am Riedberg sind keine städtischen Notstromaggregate eingeplant. Eine rechtliche Pflicht zur Vorhaltung solcher Geräte existiert für die privaten Betreiber nicht.

Beim öffentlichen Nahverkehr hängt der Betrieb der U-Bahnen direkt am öffentlichen Stromnetz. Die Stadtwerke Verkehrsgesellschaft Frankfurt am Main mbH (VGF) transformiert die Netzspannung in eigenen Gleichrichterwerken für den Fahrstrom. Fällt ein Versorgungsabschnitt aus, kann die Leitung teilweise über benachbarte Abschnitte gespeist werden. Auf die generelle Sicherheit der externen Netzeinspeisung hat die VGF jedoch keinen Einfluss.

Energieversorgung, Feuerwehr und Altenheime

Die Fernwärmeversorgung, die große Teile des Riedbergs versorgt, wird durch die Netzdienste Rhein-Main GmbH (NRM) und die Mainova AG sichergestellt. Beide Unternehmen verfügen über interne Krisenpläne sowie ein abgestuftes Last- und Engpassmanagement. Da das Frankfurter Fernwärmenetz als Verbundnetz organisiert ist und von mehreren Erzeugungsanlagen gespeist wird, gilt die Versorgung als hochverfügbar.

Die Freiwillige Feuerwehr Kalbach ist im Krisenfall voll einsatzbereit und dient zudem als offizielle Notfallmeldestelle für die Bevölkerung. Keine konkreten Angaben konnte der Magistrat hingegen zu den Alten- und Pflegeheimen machen. Die Krisenvorsorge und eventuelle Evakuierungsplanungen liegen in der alleinigen Verantwortung der jeweiligen Träger.

Eigenvorsorge und Informationsangebote

Der Magistrat betont deutlich, dass der Katastrophenschutz den Ausfall kritischer Infrastruktur bei extremen Schadenslagen nicht vollständig kompensieren kann. Daher wird nachdrücklich an die Eigenvorsorge der Bürger appelliert. Informationsmaterialien des Bundesamtes für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) sowie spezielle Hinweise der Feuerwehr Frankfurt stehen hierzu online bereit.

Auf Aufklärung wird bereits gesetzt: Die Branddirektion erreicht mit Brandschutz-Erziehungen jährlich rund 6.000 Vorschul- und Grundschulkinder. Für ältere Schüler gibt es im aktuellen Lehrplan zwar noch keine Pflichtschulungen, die Kultusministerien beraten jedoch darüber. Aktuell wird ein Konzept für Projekttage in der 9. Jahrgangsstufe erarbeitet, dessen flächendeckende Umsetzung jedoch personalintensiv ist. Nachhaltig soll vor allem die Fortbildung von Lehrkräften gestärkt werden.

Zusätzlich informieren die Feuerwehren und Hilfsorganisationen bei Festen, Tagen der offenen Tür sowie in kostenlosen Erste-Hilfe-Kursen über den Selbstschutz. Entsprechende Kurse der Volkshochschule stießen in der Vergangenheit allerdings auf nur geringe Nachfrage, sollen aber weiter vorgehalten werden. Eine weitergehende Ausweitung des Angebots im Stadtteil erfordert laut Magistrat zusätzliche personelle und strukturelle Rahmenbedingungen.

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Frankfurt investiert in die digitale Zukunft von Senioren: Neues Förderprogramm gestartet

Digitale Teilhabe im Alter: Berung von Senioren durch junge Helfer

Die fortschreitende Digitalisierung verändert den Alltag grundlegend. Ob die Vereinbarung von Arztterminen, das Buchen von Fahrkarten oder Behördengänge – viele zentrale Dienstleistungen verlagern sich zunehmend in den digitalen Raum.

Um ältere Menschen nicht von gesellschaftlichen Angeboten auszuschließen und ihre Selbstständigkeit zu bewahren, hat die Stadt Frankfurt ein umfassendes Förderprogramm zur digitalen Teilhabe im Alter initiiert. Das Angebot richtet sich gezielt an Senioren, die bislang kaum Zugang zur digitalen Welt haben oder von finanzieller Armut betroffen sind.

Finanzielle Zuschüsse für Endgeräte

Ein wesentlicher Baustein des Programms ist die finanzielle Unterstützung bei der Anschaffung der notwendigen Hardware. Das Jugend- und Sozialamt stellt für berechtigte Personen ab 65 Jahren einen einmaligen Zuschuss von 250 Euro bereit. Dieses Geld ist zweckgebunden für den Kauf eines Laptops, Tablets oder Smartphones gedacht.

Anspruchsberechtigt sind Frankfurter Bürger, die zum Zeitpunkt der Antragstellung Sozialleistungen wie Grundsicherung oder Wohngeld beziehen oder Inhaber eines Frankfurt-Passes sind. Die Abwicklung und Auszahlung des Zuschusses erfolgt direkt über die zuständigen Sozialrathäuser in den Stadtteilen Bockenheim, Gallus und Ost, wo die Bedarfslage für Unterstützung im Alter besonders hoch eingestuft werden.

Kostenlose Schulungsangebote und das Projekt „DiTA“

Neben der Bereitstellung von Geräten spielt die Vermittlung von digitalem Wissen eine zentrale Rolle. Unter dem Titel „Digitale Teilhabe im Alter – Quartiersnahe Versorgung in Frankfurt am Main“ (DiTA) setzt das Jugend- und Sozialamt gemeinsam mit der Frankfurt University of Applied Sciences ein wissenschaftlich begleitetes Projekt um. Gefördert wird diese Initiative bis Mai 2027 durch das Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt.

Aktuell werden passgenaue, kostenlose Schulungsangebote erarbeitet. Diese richten sich an Empfänger von Sozialtransfers über 65 Jahre sowie generell an alle Frankfurter Bürger über 75 Jahre. Zudem soll eine umfassende Bestandsaufnahme bereits existierender Angebote für Senioren stattfinden, um diese in Kooperation mit freien Trägern, Initiativen und Fachkräften gezielt weiterzuentwickeln. Durch eine zusätzliche Förderung des Frankfurter Almosenkastens in Höhe von 26.000 Euro ist die Teilnahme an allen entsprechenden städtischen Angeboten für ältere Menschen kostenfrei möglich. Eine Übersicht stellt die städtische Leitstelle Älterwerden bereit.

Ehrenamtliches Netzwerk und soziale Integration

Flankiert werden die städtischen Maßnahmen durch das Engagement des »Frankfurter Verbands für Alten- und Behindertenhilfe«. Der Verband setzt auf den gezielten Aufbau wohnortnaher Infrastrukturen in Bibliotheken, Pflegeeinrichtungen und öffentlichen Computerräumen. Um bestehende Berührungsängste und Sicherheitsbedenken beim Datenschutz abzubauen, wird ein Netzwerk aus geschulten, ehrenamtlichen Helfern aufgebaut.

Prävention gegen soziale Isolation

Die Verantwortlichen betonen die Dringlichkeit des Vorhabens. Fehlende digitale Kompetenzen oder mangelnde finanzielle Ressourcen führen in vielen Fällen zu einer unfreiwilligen Isolation. Besonders betroffen sind ältere, pflegebedürftige Menschen, mobilitätseingeschränkte Personen sowie statistisch gesehen alleinlebende Frauen. Laut Sozialdezernentin Elke Voitl bedeutet die Teilnahme am digitalen Leben heute unweigerlich die Teilnahme am gesellschaftlichen Leben. Ziel des Gesamtprogramms ist es, älteren Bürgern ein selbstbestimmtes Leben im gewohnten Umfeld zu sichern, das geistige Wohlbefinden zu stärken und der Vereinsamung nachhaltig entgegenzuwirken.

Beantragungsweg

Die Pauschale für digitale Grundausstattung kann in den Sozialrathäusern angefragt werden. Der Fokus liegt auf den drei Sozialrathäusern Ost, Bockenheim und Gallus, da in diesen Sozialbezirken die Teilhabebelastung im Alter besonders hoch ist. Alle Sozialrathäuser das heißt auch das Sozialrathaus Nord haben die Möglichkeit Gutscheine für die kostenfreie Inanspruchnahme digitaler Schulungsangebote auszuhändigen. Die Zielgruppe hier sind: Frankfurter mit Alter ab 65 Jahren, die Sozialtransfers erhalten oder die über 75 Jahre alt sind. Der Gutschein gilt sowohl für Einzelhilfe als auch für Kurse und Workshops.

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Wanderausstellung „Kinder haben Rechte“ zu Gast am Riedberg: Kinderrechte können entdeckt werden

Wanderausstellung

Von Montag, 29. Juni, bis Donnerstag, 6. August, ist die Wanderausstellung „Kinder haben Rechte“ erstmals zu Gast im Familienzentrum und Mehrgenerationenhaus Billabong am Riedberg. Kinder, Familien und Interessierte sind eingeladen, Kinderrechte spielerisch zu entdecken, auszuprobieren und miteinander ins Gespräch zu kommen.

Wie funktioniert Mitbestimmung im Alltag? Warum haben Kinder ein Recht auf Schutz, Bildung und Freizeit? Und wo spielen Kinderrechte im eigenen Leben eine Rolle? An 6 interaktiven Mitmach-Stationen lädt die Ausstellung dazu ein, diesen Fragen nachzugehen. Besucher können ausprobieren, rätseln, diskutieren und eigene Gedanken einbringen.

„Die Umsetzung der Kinderrechte ist eine zentrale Voraussetzung für eine gerechte und zukunftsfähige Stadt. Sie müssen im Alltag sichtbar und wirksam werden. Die Ausstellung macht deutlich, was das konkret heißt“, sagt die Dezernentin für Bildung, Immobilien und Neues Bauen.

Nach dem großen Erfolg der Ausstellung im Jungen Museum ist sie nun erstmals in einem Frankfurter Stadtteil zu sehen. Ziel ist es, Kinderrechte direkt dorthin zu bringen, wo Kinder und Familien leben, lernen und ihre Freizeit verbringen.

„Dass die Ausstellung jetzt bei uns am Riedberg Station macht, ist für uns etwas Besonderes“, sagt Anja Hohmann, Leiterin des Familienzentrums Billabong. „Mit der Ausstellung setzen wir die Kinderrechte in den Mittelpunkt und schaffen einen Ort für Begegnung, Austausch und gemeinsames Entdecken. Wir freuen uns darauf, viele Kinder, Familien und Interessierte bei uns begrüßen zu dürfen.“

Der Besuch der Ausstellung ist kostenfrei und ohne Anmeldung möglich. Für Gruppen werden vormittags Führungen angeboten. Termine können per E-Mail an info@billabong-family.de vereinbart werden. Informationen zu den Öffnungszeiten finden sich auf der Website des Familienzentrums unter billabong-family.de.


Hintergrund

Kinderrechte sind das Fundament für gutes Aufwachsen. Die Wanderausstellung „Kinder haben Rechte“ macht ausgewählte Artikel der UN-Kinderrechtskonvention anschaulich und alltagsnah zugänglich. Sie lädt Kinder und Erwachsene dazu ein, sich mit Kinderrechten auseinanderzusetzen und gemeinsam darüber nachzudenken, wie sie im Alltag gelebt werden können. Die Ausstellung eignet sich für Kinder ab 6 Jahren.

Weitere Informationen finden sich unter kinderbuero-frankfurt.de.

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Baustopp am Urselbach: Gift-Fund stoppt Renaturierung im Mertonviertel

Symbolbild Kontaminierter Boden am Urselbach

Kontaminierte Erde und fehlende Deponiekapazitäten verzögern ökologische Ausgleichsmaßnahmen am Eschersheimer Wehr.

Mertonviertel

Die ambitionierten Renaturierungsmaßnahmen am Urselbach im Mertonviertel sind unerwartet zum Stillstand gekommen. Bei Ausgrabungsarbeiten im Bereich der Sandelmühle und am Oberwasser des Eschersheimer Wehrs stießen Arbeiter auf erheblich kontaminierten Boden. Da die belastete Erde aufgrund akuten Deponiemangels nicht abgetragen werden kann, ruhen die Arbeiten vorerst komplett. Dies sorgt für erhebliche Unruhe im Ortsbeirat 8, der nun eine rasche Aufklärung fordert.

Das Ausmaß der Kontamination

Konkret betrifft der Fund eine Tieferlegung des Urselbach-Bachbetts auf einer Länge von rund 400 Metern sowie die Schaffung einer neuen Verbindung zwischen der Nidda und dem Urselbach. Nach Angaben von Christine Holch, Fraktionsmitglied der Grünen im Ortsbeirat 8, sind die Arbeiter bei den Ausgrabungen auf giftige Schichten gestoßen. Besonders brisant: Auf dem Gelände des ehemaligen Campingplatzes wurde eine Verseuchung mit Bromabfall festgestellt, die bis in eine Tiefe von 30 Zentimetern reicht.

Gesundheitsgefahren durch offene Lagerung

Neben der Verzögerung des Projekts wirft die aktuelle Situation akute Sicherheitsfragen auf. Die Fraktionsmitglieder des Ortsbeirats äußerten sich besorgt über den Zustand der Baustelle. Die kontaminierte Erde liegt derzeit völlig ungeschützt auf dem Gelände – sie ist weder abdeckungstechnisch gesichert noch in Schutztüten verpackt. Angesichts der anhaltend trockenen Witterung besteht die Gefahr, dass giftiger Staub weit über das Areal verweht wird. Dies stellt eine ernsthafte gesundheitliche Gefährdung für Anwohner und Passanten dar, da das Niddaufer rund um die Urselbachmündung als Naherholungsgebiet sehr beliebt ist.

Politischer Druck im Ortsbeirat

Der Ortsbeirat 8 (Heddernheim, Niederursel, Nordweststadt) reagierte prompt. Die Fraktionen von Grünen und SPD brachten separate Dringlichkeitsanträge ein, die im Gremium zu einem gemeinsamen interfraktionellen Antrag zusammengefasst und einstimmig verabschiedet wurden. Die Lokalpolitik fordert von der Stadt Frankfurt eine zügige Aufklärung über die genauen Fundorte, unverzügliche Schutzmaßnahmen gegen Staubaufwirbelungen sowie einen verlässlichen Zeitplan für den Fortgang der Arbeiten.

Hintergrund: Historische Altlasten an der Sandelmühle

Für Kenner der Region kommt der Gift-Fund nicht völlig überraschend. Das Areal an der Sandelmühle blickt auf eine jahrzehntelange industrielle Nutzung zurück. Neben dem ehemaligen städtischen Gaswerk Heddernheim betrieb hier auch die VDO Adolf Schindling AG (später Continental AG) Produktionsstätten. Obwohl bis zum Jahr 2013 umfangreiche Altlastensanierungen stattfanden und die Stadt im Jahr 2024 eine akute Gefährdung des Grundwassers weitgehend ausschloss, warnte der Magistrat bereits damals, dass schadstoffhaltige Reste künstlicher Auffüllungen im Boden verblieben sein könnten. Bereits 2021 hatte der Ortsbeirat aufgrund von Berichten über einen im Jahr 2013 ausgelaufenen Großtank sowie Spuren einer Phosphorbombe zusätzliche Bodenproben gefordert.

Systemisches Problem: Der hessische Deponienotstand

Dass die Arbeiten nun komplett ruhen müssen, deckt ein tiefgreifendes infrastrukturelles Problem in Hessen auf: den akuten Mangel an Deponiekapazitäten. Hessen leidet seit Jahren unter einer drastischen Verknappung von Deponieraum für mineralische Abfälle. Während die Entsorgungskosten im Bereich der Erdarbeiten in den vergangenen Jahren massiv gestiegen sind, hat sich die Lage im Jahr 2026 zu einem echten Notstand zugespitzt. Belasteter Erdaushub kann regional kaum noch ordnungsgemäß untergebracht werden, was kritische Infrastruktur- und Naturschutzprojekte massiv ausbremst.

Bedeutung für die lokale Infrastruktur

Die Verzögerung am Urselbach betrifft ein wichtiges ökologisches Großprojekt. Die Renaturierung wird von der Deutschen Bahn als gesetzliche Ausgleichsmaßnahme für den viergleisigen Ausbau der Bahnstrecke von Frankfurt nach Bad Vilbel durchgeführt. Sie ist eng mit dem Umbau des Eschersheimer Wehrs verknüpft, das seit Anfang 2025 für rund 5 Millionen Euro ökologisch aufgewertet wird. Hier entstehen ein naturnaher Umfluter zur Wiederherstellung der Durchgängigkeit für Fische sowie verbesserte Hochwasserschutzanlagen. Eigentlich sollten die Arbeiten Ende 2026 abgeschlossen sein – ob dieser Zeitplan durch den jetzigen Baustopp zu halten ist, bleibt ungewiss.

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