Schlagwort: Goethe-Universität

Weiterer Meilenstein im Kampf gegen Corona

Wichtiger Schritt für die Entwicklung von Medikamenten und Impfstoffen gegen Corona: Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern am Campus Riedberg und von internationalen Partnerlaboren ist es gelungen, die Baupläne von 23 der 30 Proteine des Virus zu entschlüsseln und diese in großen Mengen herzustellen.

Die Laboranleitungen und die dafür erforderlichen gentechnischen Werkzeuge stehen jetzt Forscherinnen und Forschern der ganzen Welt frei zur Verfügung, wie die Goethe-Universität betont.

Wenn das SARS-CoV-2-Virus mutiert, bedeutet das zunächst einmal nur eine Änderung im Virenbauplan. Die Mutation führt dazu, dass zum Beispiel an einer Stelle in einem Virus-Protein eine Aminosäure ausgetauscht wird. Um schnell abschätzen zu können, welche Auswirkung diese Änderung hat, ist ein dreidimensionales Bild des Virus-Proteins extrem hilfreich.

Forschung in Frankfurt – und rund um den Globus

Forscherinnen und Forscher der Goethe-Universität Frankfurt und der TU Darmstadt haben bereits zu Beginn der Pandemie damit begonnen, sich international zu vernetzen. Ihr Ziel: die dreidimensionalen Strukturen von SARS-CoV-2-Molekülen mithilfe der Kernspinresonanzspektroskopie (NMR) zu beschreiben. Dabei werden Moleküle zunächst mit speziellen Atomsorten (Isotopen) markiert und dann einem starken Magnetfeld ausgesetzt. Mittels NMR kann dann auch im Detail geschaut werden, wie sich potenzielle Wirkstoffe an die Proteine binden. Dies geschieht unter anderem am Biomolekularen Magnet-Resonanz-Zentrum der Goethe-Universität. Grundvoraussetzung ist jedoch, große Mengen der Proteine in hoher Reinheit und Stabilität sowie korrekter Faltung für die vielen Tests zu produzieren.

Dr. Martin Hengesbach (links) und Dr. Andreas Schlundt am Kernspinresonanz-Spektrometer der Goethe-Universität Frankfurt Foto: Uwe Dettmar / Goethe-Universität

Das Netzwerk, das von Prof. Harald Schwalbe vom Institut für Organische Chemie und Chemische Biologie der Goethe-Universität koordiniert wird, umspannt den ganzen Globus. Die Erstellung von Laboranleitungen für die Proteine ist bereits der zweite Meilenstein. Das Virus besteht neben den Proteinen aus RNA, und das Konsortium konnte bereits im vergangenen Jahr alle wichtigen RNA-Fragmente zugänglich machen. Damit wurde auch die weitere Suche nach Impfstoffen beschleunigt.

Corona-Proteine können jetzt im Labor hergestellt werden

Mit der Expertise von 129 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern ist es nun gelungen, 23 der insgesamt knapp 30 Proteine von SARS‑CoV‑2 komplett oder in wichtige Teilen „im Reagenzglas“ herzustellen, und zwar in großen Mengen.

Dr. Martin Hengesbach vom Institut für Organische Chemie und Chemische Biologie der Goethe-Universität erläutert: „Wir haben die funktionellen Einheiten der Proteine so isoliert, dass ihre Struktur, ihre Funktion und ihre Interaktionen nun von uns selbst und anderen charakterisiert werden können. Damit liefern wir die Arbeitsvorschriften, mit deren Hilfe Labore weltweit schnell an SARS‑CoV‑2-Proteinen und auch den kommenden Mutanten arbeiten können.“

„Wir beschleunigen die Suche nach Wirkstoffen weltweit“

Dr. Andreas Schlundt vom Institut für Molekulare Biowissenschaften der Goethe-Universität meint: „Mit unseren Arbeiten beschleunigen wir die weltweite Suche nach Wirkstoffen: Entsprechend ausgerüstete wissenschaftliche Labore müssen nicht mehrere Monate lang Systeme zur Herstellung und Untersuchung der SARS-CoV-2-Proteine etablieren und optimieren, sondern können nun dank unserer Laborprotokolle innerhalb von zwei Wochen mit ihren Forschungsarbeiten beginnen.“

Die Forschungsarbeiten an der Goethe-Universität wurden und werden mit Mitteln der Deutschen Forschungsgemeinschaft sowie des Goethe-Corona-Fonds gefördert.

Foto: CDC / Unsplash.com

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„International House“ für Gastwissenschaftler und Studierende

Die Goethe-Universität ist attraktiv für internationale Wissenschaftler – und soll durch ein Vorzeige-Projekt noch attraktiver werden: Am Campus Riedberg wird ein Gebäude für Studierende und Gastwissenschaftler gebaut, teilweise aus heimischem Fichtenholz. Jetzt war Richtfest.

Nach etwa einem Jahr Bauzeit konnte auf dem naturwissenschaftlichen Campus Riedberg bereits das Richtfest für das neue Studierendenwohnheim und International House gefeiert werden. Pandemiebedingt nur in einer reduzierten Runde mit den beteiligten Firmen und natürlich mit einem feierlichen Richtspruch, von Kai Laumann, Inhaber der gleichnamigen Zimmerei- und Bedachungs GmbH. Die Holzrohbauarbeiten starteten zu Jahresbeginn und konnten aufgrund der Vorfertigung in Windeseile durchgeführt werden.

Innovativer Bau – mit heimischem Fichtenholz

Der Neubau des Studierendenwohnheims mit International House ist ein innovatives Projekt. Organisatorisch wurde für das gemeinschaftliche Projekt des Studentenwerks Frankfurt mit der Stiftung zur Förderung internationaler Beziehungen der Goethe-Universität eine „Bauherrengemeinschaft IHCR“ gebildet, die Bauherrin und Eigentümerin ist.

Der Bau ist ein energetisch kompaktes hochwärmegedämmtes und nachhaltig gebautes Passivhaus. Bei den zum Einsatz kommenden Baumaterialien wurde nicht nur auf einen guten Primärenergiefaktor, sondern auch auf Umweltverträglichkeit und Rückbaubarkeit Wert gelegt. Die Geschosse oberhalb des Erdgeschoßes wurden binnen weniger Wochen in einer Holzkonstruktion ausgeführt. Die Holzbauweise ist auch vom Inneren des Gebäudes an Decken und Wänden der Individualräume sichtbar.

Die Fertigstellung ist Mitte 2022 geplant

Insgesamt werden 2.900 Kubikmeter heimisches Fichtenholz verbaut und auch viele Ausbauelemente, die Mineralwolldämmungen, die Holzfenster, der natürliche Bodenbelag etc. genügen den selbstgesteckten Anforderungen zur Nachhaltigkeit. Der Baustoff Holz reduziert den ökologischen Fußabdruck nachhaltig. Aufgrund der Holzbauweise können 2.300 t CO² eingespart werden. Um diese Menge CO² zu emittieren, könnte man 13 Millionen km mit einem Mittelklassewagen mit Verbrennungsmotor fahren oder 1.500 Mal von Frankfurt nach New York und zurückfliegen.

Die Fertigstellung der 324 Wohneinheiten mit 359 Plätzen für Studierende und weiteren 27 Wohneinheiten für internationale Gastwissenschaftler ist für Mitte des Jahres 2022 geplant.

Die voraussichtlichen Projektkosten sollen sich auf rund 38,5 Millionen Euro belaufen. Davon rund 35 Millionen Euro für das Studentenwerk und 3,5 Mio. Euro für die Stiftung. Gefördert wird die Maßnahme unter anderem durch ein Darlehen aus dem Landesprogramm „Studentisches Wohnen“. Die Stiftung finanziert das Vorhaben aus ihrem Vermögen und sucht die Förderung durch Mäzene.

Bezahlbarer Wohnraum für Studierende

Wirtschafts- und Wohnungsbauminister Tarek Al-Wazir sagt: „Gerade in Frankfurt besteht ein hoher Bedarf an bezahlbarem Wohnraum für Studierende. Die hier entstehenden 359 Wohnplätze, die das Land mit 17,6 Mio. Euro fördert, werden dringend gebraucht. Mit unserem Förderprogramm setzen wir genau hier an und unterstützen Bauvorhaben für bezahlbare Unterkünfte in Hochschulnähe.“

Hessische Staatsministerin für Wissenschaft und Kunst, Angela Dorn nennt das Gebäude einen „Ort der Zusammenkunft und des Austausches“. Hessens Finanzminister Michael Boddenberg gratuliert ebenfalls zum Richtfest, auch OB Peter Feldmann.

Prof. Dr. Enrico Schleiff, Präsident der Goethe-Universität betont: „Ich bin begeistert, wie schnell das International House auf dem Universitätscampus Riedberg Gestalt angenommen hat! Danke an alle Beteiligten von Stadt, Land und Stiftung, aber insbesondere auch an die umsetzenden Baufirmen, die trotz der großen Herausforderungen der Pandemie im Zeitplan geblieben sind. Für die Goethe-Universität hat dieses Haus eine wichtige Symbolfunktion: Wenn wir hier demnächst Studierende sowie Gastwissenschaftlerinnen und Gastwissenschaftler aus aller Welt begrüßen, bieten wir Ihnen das inspirierende Umfeld echter internationaler Begegnungs- und Austauschmöglichkeiten.“

„Große Rolle bei der internationalen Vernetzung der Universität“

Achim Meyer auf der Heyde, Generalsekretär des Deutschen Studentenwerks, nennt „das Teamwork hier in Frankfurt ist einzigartig“ und modellhaft für ganz Deutschland.

„Die an der Universität als Gäste Forschenden erhalten inmitten einer hervorragenden Institutslandschaft die Möglichkeit nahe am Arbeitsplatz zu arbeiten.“, so Prof. Dr. Jürgen Bereiter-Hahn, Vorsitzender des Stiftungsrates der Stiftung zur Förderung der internationalen wissenschaftlichen Beziehungen der Goethe-Universität. „Ihnen kommt eine große Rolle zu bei der internationalen Vernetzung der Universität, denn trotz aller elektronischer Kommunikationsmöglichkeiten ist auf das persönliche Zusammentreffen der Forschenden nicht zu verzichten.“

„Dass wir mit der Stiftung zur Förderung der internationalen wissenschaftlichen Beziehungen der Goethe-Universität dieses Vorzeigeprojekt auf die Beine gestellt haben, führt zu insgesamt deutlich mehr Plätzen für Studierende, weil das Grundstück besser ausgenutzt werden kann und ist ein großer Erfolg.“, freut sich der Geschäftsführer des Studentenwerks Frankfurt am Main, Konrad Zündorf.„

Link zum virtuellen Richtfest mit den Grußworten unter www.studentenwerkfrankfurt.de/wohnen/riedberg

Foto: MAINRiedberg Magazin

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Wie nachhaltig ist der Stadtteil Riedberg?

Klima, Wasser, Begrünung, Versorgung – wie nachhaltig kann ein moderner Stadtteil sein? Studierende der Goethe-Universität untersuchen diese Themen aktuell am Riedberg und in einem Frankfurter Vergleichsstadtteil. Auch die Klimaschutz-Initiative Riedberg ist eingebunden.

Die Goethe-Universität Frankfurt setzt sich mit dem Thema Nachhaltigkeit und den Auswirkungen des Klimawandels intensiv auseinander. Im November 2020 wurde im Bachelor-Modul „Angewandte Physische Geografie“ unter der Leitung von Dr. Rainer Dambeck und Prof. Dr. Jürgen Wunderlich das Seminar „Stadtentwicklung Frankfurt am Main. Wege in die Nachhaltigkeit“ gestartet. In verschiedenen Arbeitsgruppen bearbeiten die Studierenden Projekte mit den Schwerpunkten Klima, Wasser und nachhaltige Versorgung – immer mit dem Fokus auf den Riedberg sowie einen Vergleichsstadtteil Frankfurts.

Die Klimaschutz-Initiative Riedberg (KIR) unterstützt die Studierenden mit ihrem Netzwerk und Wissen im Bereich Nachhaltigkeit: In zwei virtuellen Meetings mit der KIR wurden die anstehenden Projekte des Seminars vorgestellt und die Zielsetzungen wie auch die weitere Vorgehensweise mit der Klimaschutzinitiative besprochen. „Wir begleiten die Studierenden gerne weiter, teilen unsere Erfahrungen und vermitteln Kontakte zu Expertinnen und Experten aus der Region rund um den Riedberg“, heißt es bei der erst 2020 gegründeten Initiative.

Welche Begrünung lohnt sich in der Stadt?

In zwei Gruppen haben die Studenten im Themenbereich Klima an Standorten am Riedberg und im Westend/Bahnhofsviertel Projektstrategien und Untersuchungsansätze entwickelt, um die Effekte unterschiedlicher Begrünungsformen wie Alleen oder Parks, die Beschattung oder Beschaffenheit des Untergrundes auf das Mikroklima der Flächen zu ermitteln. Ziele sind unter anderem, Potentiale zur Temperaturabsenkung abzuleiten oder herauszufinden, wo und welche Art von Begrünung sich in der Stadt lohnen.

Im Themenbereich Wasser untersucht eine Gruppe die nachhaltige Nutzung und Speicherung von Niederschlagswasser in den Stadtteilen Riedberg und Kalbach. Um eine effizientere Niederschlagsnutzung zu erreichen, wenden die Studierenden unterschiedliche Methoden an – die Satellitenbildauswertung zur Existenz von Begrünung auf den Dächern und Umfragen zur Erhebung von Brauchwasseranlagen. So sollen Lücken in der Flächenabdeckung gezielt identifiziert werden.

Eine zweite Gruppe setzt sich parallel dazu mit dem Thema Starkregen- und Hochwasserschutz sowie der Regenwasserbewirtschaftung im Stadtteil Frankfurter Berg auseinander. Mittels einer Bestandsanalyse von privaten und staatlichen Hochwasserschutz- und Starkregenbewirtschaftungsanlagen wie Zisternen oder Regenrückhaltebecken, aber auch einer Funktionalitätsanalyse wird versucht, Maßnahmenkonzepte und Empfehlungen abzuleiten.

Fokus-Thema nachhaltige Versorgung

Eine weitere Gruppe setzt sich mit dem Thema nachhaltige Versorgung der Mensen des Campus Riedberg auseinander. Ziel ist es, zu untersuchen, ob es möglich ist, die Mensen ausschließlich mit regionalen Lebensmitteln aus Betrieben innerhalb eines Radius von unter 50 Kilometern zu versorgen. Ein Konzept, bei dem kürzere Transportwege anfallen und saisonale Lebensmittel genutzt werden, würde helfen, CO2-Emissionen zu reduzieren. Die Umsetzung ist nicht ganz einfach, denn man legt Wert darauf, dass weiterhin preiswerte und gleichzeitig für Studierende erschwingliche Mahlzeiten angeboten werden. 

Eine sechste Gruppe hat sich vorgenommen, mit einem Unternehmen aus Frankfurt Ideen und Wege für das Einsparen von Papier zu erarbeiten. Inzwischen konnte Infraserv Logistik im Industriepark Höchst für das Projekt gewonnen werden. Mit der Einsparung von Papier wird nicht nur kostbares Wasser gespart, da für die Herstellung eines A4 Blattes sind rund zehn Liter Wasser nötig sind, sondern es können auch CO2-Emissionen reduziert werden. Die Studierenden wollen Optimierungsansätze ausarbeiten und diese mit dem Unternehmen diskutieren. Wichtig ist es ihnen, ein Bewusstsein für Nachhaltigkeit und das Papiersparen im Unternehmen zu fördern.

Unterstützung durch die Klimaschutz-Initiative Riedberg

„Wir als KIR freuen uns, das Projektseminar durch unsere Erfahrungen und unser Netzwerk hier auf dem Riedberg unterstützen zu dürfen“, heißt es bei der KIR. „Wir möchten die Studierenden motivieren, sich für Nachhaltigkeit und Ressourcenschonung in unserer Stadt einzusetzen und freuen uns schon auf gemeinsame Aktivitäten und Erkenntnisse in den nächsten Monaten.“

Die Klimaschutz-Initiative wird auf weiter über die Kooperation mit dem Institut für Physische Geographie und die Ergebnisse der Forschungsarbeiten berichten.

Weitere Informationen  unter klimaschutz-initiative-riedberg.de/uniseminarwidn/

Foto: Darko Krizic

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Wie sinnvoll sind Lern-Apps?

Bildung und Unterricht haben sich in der Pandemie stark verändert. Das Kinderzimmer ersetzt den Klassenraum, der Bildschirm die Lehrkraft. Eine Studie der Goethe-Universität soll jetzt klären, wie sinnvoll Lern-Apps sind. Hierfür werden noch Teilnehmerinnen und Teilnehmer gesucht.

Die Corona-Krise hat auch die Bildungslandschaft vor neue Herausforderungen gestellt, digitale Methoden der Vermittlung und des Lernens haben an Bedeutung gewonnen. Doch wie sinnvoll sind die unterschiedlichen Ansätze? Im Rahmen des Homeschoolings werden Lernapps empfohlen, die teilweise als Belohnung kurze Videospiele einsetzen. Können sich Schülerinnen und Schüler die Vokabeln dadurch besser merken? Oder führt eine solche Software auch zu unerwünschten Abhängigkeiten?

Ein Team von DIPF – Leibniz-Institut für Bildungsforschung und Bildungsinformation und Goethe-Universität Frankfurt möchte den Wirkungen des App-basierten Vokabellernens auf den Grund gehen. Insbesondere werden die Effekte auf die Motivation sowie auf die Lernleistung der Kinder untersucht. Die Studie mit dem Titel MoCoLA entsteht im Rahmen zweier Masterarbeiten bei Prof. Dr. Garvin Brod in der Pädagogischen Psychologie.

Gesucht werden ab sofort Kinder, die derzeit in die 4. bis 6. Klasse gehen. Sie sollten über gute Deutschkenntnisse verfügen. Als Belohnung locken Buchgutscheine und eine Verlosung. 

Die Anmeldung ist möglich unter https://redcap.link/mocola.info.

Foto: Goethe-Universität

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