Kategorie: AktuelleNEWS

Fernwärme in Frankfurt: Zwischen Kostenfalle und Klimawandel

Symbolbild: Preisanstieg Fernwärme

Die Fernwärmepreise der Mainova AG im Tarif „Wärme Classic“ bleiben für Frankfurter Haushalte ein Dauerthema. Zum 01.10.2026 steigen die Preise turnusgemäß erneut um durchschnittlich 4,9 %. Die Analyse der vergangenen acht Jahre zeigt eine Achterbahnfahrt aus rapiden Preissprüngen, temporären Entlastungen und umstrittenen Systemwechseln. Für die Kunden – insbesondere im Stadtteil Riedberg, wo weitgehend Anschlusszwang herrscht – stellt sich die Frage: Wie stichhaltig sind die Argumente des Energieversorgers?

Die Mechanik der Frankfurter Fernwärme-Bepreisung

Die Bepreisung der Fernwärme erfolgt nicht nach freien Marktpreisen, sondern über vertraglich verankerte Preisgleitklauseln. Diese teilen sich in einen festen Grundpreis und einen verbrauchsabhängigen Arbeitspreis auf. Obwohl Fernwärme oft das Image einer umweltfreundlichen Abwärmenutzung trägt, prägen fossile Energieträger wie Erdgas und Kohle den Frankfurter Wärmemix maßgeblich.

Die Preisformeln koppeln den Arbeitspreis an Indizes der internationalen Rohstoffbörsen, Lohnentwicklungen und die Erzeugerpreise. Diese Struktur birgt ein gravierendes Problem: Fernwärmekunden befinden sich in einem natürlichen Monopol. Ein Lieferantenwechsel ist technisch wie rechtlich unmöglich. Die Kalkulation bleibt für Laien wie Verbraucherschützer eine undurchsichtige mathematische Formel. Zudem belasten hohe Grundpreise die Haushalte unabhängig von ihrem Sparverhalten.

Begründungen der Mainova auf dem Prüfstand

Betrachtet man die Entwicklung von 2018 bis 2026, führt Mainova wechselnde Gründe für Anpassungen an:

  1. Geopolitik und Weltmarktpreise (2022 und 2026): Nach dem Ausbruch der europäischen Energiekrise verdoppelten sich 2022 die Abschlagszahlungen schlagartig. Auch die jüngste Erhöhung im Herbst 2026 begründet das Unternehmen mit Konflikten im Nahen Osten sowie gestiegenen Gas- und CO₂-Preisen. Ökonomisch ist diese Begründung nachvollziehbar, da der Erzeugungsanteil fossiler Brennstoffe hoch ist. Doch die Indexformeln reichen Preisspitzen an den Börsen zeitversetzt, aber in voller Härte an die Endkunden weiter. Sinkende Marktpreise – wie 2023 und 2024 – wurden zwar weitergegeben, fingen das vorherige Hoch jedoch nicht vollständig auf.
  2. Investitionen in die Wärmewende (2025): Im Sommer 2025 folgte ein enormer Preissprung von bis zu 36 %. Mainova begründete die Anpassung der Preisgleitklausel mit dem Kohleausstieg, dem Netzausbau und der Transformation des Heizkraftwerks West hin zu wasserstofffähigen Anlagen. Aus wirtschaftsjournalistischer Perspektive ist dieses Argument hochgradig strittig: Die Abwälzung langfristiger Investitionen und Transformationskosten auf die aktuellen Bestandskunden entlastet die Eigenkapitalseite des Konzerns auf Kosten der Verbraucher. Dass die Stadt Frankfurt mit 75 % Mehrheitseigner der Mainova ist und zugleich von deren Gewinnen profitiert, verleiht diesem Vorgehen eine doppelbödige Dynamik.
  3. CO₂-Bepreisung und Regulierung (seit 2021): Die schrittweise Anhebung der nationalen CO₂-Abgabe verteuert die Erzeugung folgerichtig. Zwar verweist der Versorger darauf, dass der Kohleausstieg die CO₂-Kosten künftig dämpfe, doch die jahrelang schleppende Umstellung auf erneuerbare Wärmequellen rächt sich nun direkt in den Rechnungen der Bürger.

Fazit

Die Argumente der Mainova basieren auf tatsächlichen Beschaffungs- und Transformationskosten. Die kritische Schwachstelle bleibt jedoch das System: Ein Monopolist wälzt unternehmerische Risiken und Umbaukosten des Netzes weitgehend auf Kunden ab, die keine Ausweichmöglichkeit haben.

 

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Vision Honigbiene: Neues Institut für Bienenkunde in Oberursel feierlich eröffnet

Institut für Bienenkunde: Gebäude von der Ebertstrasse aus

Nahezu punktgenau vier Jahre nach der Grundsteinlegung feierten die Polytechnische Gesellschaft und die Goethe-Universität Frankfurt am 18.09.2026 die feierliche Eröffnung des Neubaus für das Institut für Bienenkunde in Oberursel. Unter dem Motto „VISION HONIGBIENE!“ wurde eine moderne und ökologisch bedeutsame Forschungseinrichtung eingeweiht, die Spitzenforschung, praktische Imkerei sowie Bildungs- und Vermittlungsarbeit erstmals zentral an einem Standort vereint.

Über 15 Millionen Euro für Zukunftsforschung und Nachhaltigkeit

Das Bauprojekt umfasst ein Investitionsvolumen von mehr als 15 Millionen Euro, das vollständig von der Polytechnischen Gesellschaft finanziert wurde. Die Goethe-Universität Frankfurt übernimmt im Rahmen der vertraglichen Vereinbarungen die Kosten für die forschungsbezogene Ausstattung, den laufenden Betrieb, die Unterhaltung sowie das wissenschaftliche und technische Personal.

An der feierlichen Eröffnung nahmen zahlreiche Persönlichkeiten teil, darunter Prof. Dr. Dr. h. c. Volker Mosbrugger (Präsident der Polytechnischen Gesellschaft), Prof. Dr. Bernhard Brüne (Vizepräsident für Forschung der Goethe-Universität), Antje Runge (Bürgermeisterin der Stadt Oberursel) sowie Prof. Dr. Bernd Grünewald (Leiter des Instituts und Professor am Fachbereich Biowissenschaften). Nach den Grußworten und der musikalischen Begleitung durch die Band Blind Foundation erfolgte die offizielle Schlüsselübergabe an Institutsleiter Prof. Grünewald.

Institut für Bienenkunde: Komplex und Garten von oben

Komplex und Garten von oben, © Norbert Miguletz

Vorzeigeprojekt für klimafreundliches Bauen

Auch architektonisch setzt das Forschungsgebäude Maßstäbe für die Region. Der Entwurf des Heidelberger Architekturbüros hs/c (Till Schweizer und Marcel Heller), der aus einem Wettbewerb mit 72 Teilnehmern hervorging, erfüllt höchste Umweltstandards. Das überwiegend in Holzbauweise errichtete Gebäude erreicht nach ökologischen Bewertungskriterien 98 von 100 möglichen Punkten und entspricht dem KfW-55-Standard.

Zur nachhaltigen Energie- und Ressourcenversorgung beitragen eine eigene Photovoltaikanlage, eine Wärmepumpe mit vortemperierter Zuluft sowie ein durchdachtes Regenwasserkonzept mit Zisterne und natürlicher Versickerung. Umgeben ist der Gebäudekomplex von einem eigens angelegten, ökologischen Vogel- und Insektengarten, der den Forschungsgegenstand auch in der Außengestaltung aufgreift.

Relevanz von Bienen in Zeiten des Klimawandels

Das 1937 von der Polytechnischen Gesellschaft gegründete Institut blickt auf eine lange Tradition zurück. Mit den neuen Räumlichkeiten und dem modernisierten Imkereitrakt erhalten Forschende, Studierende und Auszubildende optimale Arbeitsbedingungen.

Angesichts von Klimawandel und Biodiversitätsverlust erforscht das Institut die Auswirkungen von Umweltveränderungen auf Wild- und Honigbienen sowie Konzepte für eine zukunftsfähige Bienenhaltung. Bienen sichern durch ihre Bestäubungsleistung nicht nur Ökosysteme, sondern erbringen allein in der Landwirtschaft eine jährliche ökonomische Leistung von über drei Milliarden Euro. Neben der Grundlagenforschung stehen künftig auch erweiterte Angebote für Öffentlichkeitsarbeit, Lehre und Schulkooperationen im Fokus.

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Tauschen statt wegwerfen: Ein Schrank für die Riedberger Familien

Symbolbild Spiel-Tauschschrank

Das Kinderzimmer quillt über, aber das eine Spielzeug, das sich der Nachwuchs gerade wünscht, fehlt trotzdem. Wer mit Kindern am Riedberg lebt, kennt dieses Problem sicherlich. Genau hierbei soll bald ein Tauschschrank unterstützen. Das Angebot gestaltet sich ganz nach dem Vorbild eines Projekts, das in Griesheim schon seit fast zwei Jahren erfolgreich läuft.

Die Idee kommt von CDU, FPD und Volt aus dem Ortsbeirat 12. In einem gemeinsamen Antrag wurde die Stadt gebeten, das Griesheimer Modell auf Kalbach-Riedberg zu übertragen. Der Ortsbeirat hat dem Vorhaben Ende August einstimmig zugestimmt und schlägt gleich zwei Standorte verteilt über den Ortsbezirk vor. Ein Standort soll in der Graf-von-Stauffenberg-Allee 64b, direkt neben dem Familienzentrum Billabong entstehen. Für den zweiten Schrank wäre das Kinder- und Jugendhaus Kalbach in der Straße »Am Brunnengarten« denkbar.

Dass der Tauschschrank am Riedberg ausgerechnet neben Billabong stehen soll, ist kein Zufall. „Die Zielgruppe geht hier tagtäglich ein und aus“, erklärt Anja Hohmann vom Billabong-Familienzentrum Riedberg e.V. Wer im Schrank ein Spielzeug finde, könne es bei jedem Wetter gleich im angeschlossenen Café ausprobieren. Und noch ein Argument spricht für die Lage: Der bestehende Bücherschrank auf dem Riedbergplatz wird immer wieder zum Ziel von Vandalismus. Am Familienzentrum, so die Hoffnung, sorgt der aufmerksame Blick der Mitarbeitenden dafür, dass der Schrank länger unbeschadet bleibt.

Wie das Ganze konkret aussehen wird, zeigt das Vorbild in Griesheim. Dort hat die Frankfurter Entsorgungs- und Service GmbH (FES) im November 2024 einen Tauschschrank aus einer ausgedienten Telefonzelle gebaut, samt Solarpanel für die Beleuchtung am Abend. Ob die Riedberger Tausch-Schränke genauso entstehen und was das gesamte Vorhaben kostet, hängt von der weiteren Prüfung durch die Stadtverwaltung ab.

Was in die Schränke hineindarf, ist bereits klar. Bücher, Gesellschaftsspiele und Spielzeug dürfen gerne getauscht werden, während Kleidung und Elektrogeräte bewusst nicht vorgesehen sind. Ohne fachliche Prüfung, könne niemand garantieren, dass ein gebrauchtes Gerät sicher sei, so Hohmann. Mit dem Tausch von Kleidung hat man am Riedberg bereits Erfahrung gesammelt. Viele brachten Kleidung vorbei, jedoch nahm kaum jemand etwas mit. Im Laufe der Zeit erinnerte der Schrank beim Familienzentrum daher eher an einen überquellenden Altkleidercontainer als an ein einladendes Tauschregal. Trotz dieser Erfahrungen will man am Riedberg nun einen neuen Versuch wagen.

Damit der neue Schrank langfristig funktioniert, braucht es aber vor allem eines: Menschen, die sich um ihn kümmern. Billabong hat bereits angeboten, eine Patenschaft für den Schrank zu übernehmen, sucht dafür aber noch ehrenamtliche Unterstützung aus der Nachbarschaft. Im Rahmen der Patenschaft mit dem Familienzentrum entfernen die Helfer unter anderem kaputtes Spielzeug oder Müll und melden der Stadt am Schrank entstandene Schäden. Wer Lust hat, sich für den Tauschschrank mit einzubringen, ist herzlich willkommen, sich bei Billabong zu melden.

Mehr Informationen zu den Kontaktdaten finden Sie hier: https://www.billabong-family.de/kontakt.

Wann genau der erste Spatenstich fällt, steht noch nicht fest. Der Bedarf für ein derartiges Angebot besteht am Riedberg allerdings schon seit längerer Zeit. Der Ortsbezirk wächst stetig, und mit ihm auch die Zahl junger Familien. Was bislang fehlt, sind niedrigschwellige Orte, an denen Nachbarschaft und Nachhaltigkeit ganz selbstverständlich zusammenfinden. Genau diese Lücke könnte ein Tauschschrank füllen. Er schenkt gebrauchten Spielsachen ein zweites Leben und wird nebenbei zu einem kleinen Treffpunkt für die vielen jungen Familien am Riedberg.

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Mit Akribie, Empathie und Geduld ans Ziel

Maria Wirth Hanschmann und Kristina Ivanova von der Clearingstelle

Mitarbeiterinnen der Clearingstelle für Krankenversicherungsschutz helfen Menschen zurück in die Krankenversicherung

Krank ohne Krankenversichersicherungsschutz – davon sind mehr Menschen betroffen, als viele vermuten. Werden sie krank, müssen sie die teils immens hohen Kosten für die Behandlung selbst tragen, eine Verschuldung kann drohen. Gleichzeitig führt der fehlende Zugang zu frühzeitiger medizinischer Versorgung zu höheren Folgekosten für die Kommunen und Kliniken, da Erkrankungen häufiger erst im Notfall behandelt werden müssen. Für diese Menschen ist das dreiköpfige Beraterinnenteam der Clearingstelle für Krankenversicherungsschutz des Gesundheitsamtes da. Sie nehmen sie an die Hand, lotsen sie durch herausfordernde Behördenprozesse und ebnen ihren Klienten so den Weg zurück in die Regelversorgung. Hier geben die beiden Sozialarbeiterinnen Kristina Ivanova und Maria Wirth Hanschmann stellvertretend Einblick in ihre Arbeit.

Ihre Arbeit ist nicht immer einfach, wie Wirth Hanschmann sagt. Zum einen, weil für viele ihrer Klienten die fehlende Krankenversicherung nur eine von vielen Herausforderungen sei. Zum anderen, weil sie die Nerven behalten müssen, selbst wenn ihnen selbst ein Fall sehr nahe geht. Etwa wenn eine Klientin an Krebs erkrankt ist. Denn dann beginnt für die Kolleginnen der Clearingstelle ein Rennen gegen die Zeit. „Eine solche Klientin braucht schnell die passende Therapie“, sagt Wirth Hanschmann. „Schaffen wir es, einen bestehenden Anspruch auf Krankenversicherung rechtzeitig herzustellen?“ Was Ivanova und Wirth Hanschmann in so einem Fall Zuversicht spendet? „Begleitung durch Supervision. Und unser gutes Miteinander im Team“, sagt Ivanova. Die Mitarbeiterinnen der Clearingstelle tauschen sich untereinander aus, unterstützen sich gegenseitig, bearbeiten besonders knifflige Fälle auch mal zu zweit. So bewegend und anspruchsvoll die Fälle auch sein mögen: „Ich komme immer mit einem guten Gefühl zur Arbeit“, sagt Ivanova über ihre sinnstiftende Aufgabe.

Seit November 2020 finden Menschen in der Clearingstelle einen Anlaufpunkt. Drei Mitarbeiterinnen unterstützen ratsuchende Menschen dreimal wöchentlich bei der Klärung ihres Versicherungsschutzes und helfen ihnen, nach Möglichkeit den richtigen Weg in die gesundheitliche Regelversorgung zu finden. Auch wenn Menschen bereits krank sind, finden sie hier Unterstützung und können in die Humanitären Sprechstunden des Gesundheitsamts vermittelt werden.

„Die Clearingstelle ist deutschlandweit die Einzige, die organisatorisch direkt in einem Gesundheitsamt integriert ist. Wir sind sehr froh, dass wir den Menschen in der Stadt dieses Angebot machen können“, sagt Prof. Dr. Peter Tinnemann, Leiter des Gesundheitsamtes. „Wir erleben ständig, wie groß der Bedarf ist. Und wir sehen auch, wie erfolgreich die Arbeit unserer Beraterinnen ist: Im Jahr 2025 erhielt rund ein Drittel unserer Klienten wieder einen vollständigen Krankenversicherungsschutz in der gesetzlichen oder privaten Krankenversicherung.“ Neben der Anbindung an Krankenversicherungsschutz spielt auch die psychosoziale Unterstützung Klienten durch die Beraterinnen eine große Rolle.

Ihre Arbeit umfasst sehr viele psychosoziale und rechtliche Aspekte. Gefragt sind Empathie, Akribie und auch Geduld. Ivanova erklärt: „Es kann allein über eine halbe Stunde dauern, bis man die verantwortliche Person bei der Krankenkasse ans Telefon bekommt.“ Das allein reiche schon als Hürde, die manche Klienten aufgeben lässt, bevor es überhaupt losgeht. Dazu kämen mitunter schwer verständliche Schriftstücke, Formulare und Fragen.

Ivanova erinnert sich an einen Klienten, der nach vielen Jahren im Ausland ohne Krankenversicherungsschutz nach Frankfurt zurückgekommen war und nun mit Ende 70 in ein Alter gekommen ist, in dem er sich um seine Gesundheit sorgt. Selbst dafür zu sorgen, wieder in der Krankenversicherung aufgenommen zu werden, war für den Mann allerdings nahezu unmöglich – zu viel Bürokratie, zu viele offene Fragen, zu viele unbeantwortete Anrufe. Also wandte er sich an die Clearingstelle. Und konnte binnen eines halben Jahres in die Krankenversicherung vermittelt werden.

Das Statistische Bundesamt geht für 2023 von 72.000 Menschen ohne Krankenversicherungsschutz aus. Die tatsächliche Zahl der Betroffenen ist wegen einer großen Dunkelzimmer aber nur schwer einzuschätzen. Experten zufolge liegt die Anzahl zwischen 500.000 und einer Million bundesweit. Treffen kann es jeden: Menschen, die im Ausland gelebt haben, Selbstständige, die zu wenig verdienen, um Krankenkassenbeiträge zu bezahlen, Studierende, die nicht mehr über die Familienversicherung geschützt sind, Menschen ohne Obdach, Haftentlassene, EU-Bürger, die im Heimatland versichert sind und deren Schutz in Deutschland nicht akzeptiert wird oder die nicht krankenversichert sind.

„Unsere Zielgruppe ist sehr divers“, sagt Ivanova. Und so divers wie die Zielgruppe sind auch die Fälle. „Es gibt kein Schema, nach dem wir die Fälle abarbeiten können. Jeder Fall ist anders und jeder ist auf seine Art kompliziert. Anders als unsere Klienten wissen wir aber, wo wir suchen müssen, um weiterzukommen.“

Von nicht enden wollenden Warteschleifen am Telefon lassen sich die Beraterinnen der Clearingstelle nicht abschrecken. Schriftstücke und Akten begutachten sie mit Know-how und Akribie. Sie wissen, welche Unterlagen gebraucht werden. Und wenn die  Klienten einverstanden sind, lassen sie sich bevollmächtigen, den Schriftverkehr mit den Krankenkassen zu führen. Das allein habe oft große Wirkung, sagt Ivanova. „Wenn die Kassen eine E-Mail oder einen Brief mit unserem Absender bekommen, reagieren sie meist schneller.“

Und wenn die Reaktion der Krankenkasse positiv ausfällt, der Klient erfolgreich vermittelt werden konnte und nun wieder vollständig krankenversichert ist, ist das für Ivanova, Wirth Hanschmann und ihre Kollegin „immer wieder eine große Freude“. „Es gibt uns ein gutes Gefühl“, sagt Wirth Hanschmann. Und es schenkt ihnen die Zuversicht, auch beim nächsten Fall etwas bewirken zu können.

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Vor dem Aus: Das schleichende Ende der kirchlichen Medienlandschaft

Sterben des EVO

Die deutsche Medienlandschaft erlebt einen tiefgreifenden Wandel, der nun mit voller Härte die konfessionelle Publizistik erfasst. Was über Jahrzehnte als feste Säule der Berichterstattung und des gesellschaftlichen Diskurses galt, steht vor dem Rückbau. Mit Sparbeschlüssen, Reduzierungen und der Einstellung traditionsreicher Formate zieht sich die kirchliche Presse schrittweise aus der Fläche zurück.

Die aktuelle Entwicklung: Druck auf allen Ebenen

Die Gründe für den Niedergang kirchlicher Zeitungen und Magazine sind vielschichtig. Zum einen führt der anhaltende Verlust von Kirchenmitgliedern zu sinkenden Einnahmen aus der Kirchensteuer. Dies zwingt die Landeskirchen und Diözesen zu drastischen Einsparungen. Gleichzeitig belasten stark gestiegene Druck-, Papier- und Portokosten das Ausgeben gedruckter Medien enorm.

Zum anderen fordert der allgemeine Medienwandel seinen Tribut. Das Interesse an klassischen Printprodukten schrumpft seit Jahren branchenweit, wovon die konfessionelle Presse besonders stark betroffen ist. Junge Zielgruppen lassen sich über traditionalistische Zeitungsformate kaum noch erreichen.

Die Konsequenzen dieser Rahmenbedingungen zeigen sich bundesweit:

  • Streichung kirchlicher Zuschüsse: Die Evangelisch-Lutherische Kirche in Bayern kündigte die Zuwendungsvereinbarung mit dem Evangelischen Presseverband für Bayern. Damit stehen reichweitenstarke Medien wie das „Sonntagsblatt“ und weitere publizistische Angebote vor einer ungewissen Zukunft.
  • Einstellung regionaler Sprachrohre: Der Evangelische Regionalverband Frankfurt und Offenbach beschloss das Ende des traditionsreichen „EFO-Magazins“ zum Jahresende. Hohe Versandkosten und veränderte Lesegewohnheiten machten die Weiterführung wirtschaftlich untragbar.
  • Rückzug aus überregionalen Formaten: Die Wochenzeitung „Die Zeit“ stellt ihre Sonderseiten „Christ & Welt“ im Herbst ein. Berichte über religiöse und ethische Themen sollen künftig vorrangig im Digitalen oder im allgemeinen Teil der Zeitung stattfinden.

Zugleich verschiebt sich der Fokus innerhalb der Institutionen selbst: Statt unabhängigen, kritischen Journalismus zu unterstützen, investieren viele Kirchenleitungen vermehrt in die eigene Öffentlichkeitsarbeit und PR.

Die Konsequenzen für die Gesellschaft

Das Verschwinden konfessioneller Medien hat spürbare Auswirkungen auf das gesellschaftliche Miteinander. Kirchliche Zeitungen fungierten stets als Brücke zwischen Kirche und Zivilgesellschaft. Sie griffen ethische, soziale und wertbezogene Fragestellungen auf, die im hektischen Tagesgeschehen oft zu kurz kommen.

Fachleute und Journalistenverbände warnen vor den Folgen:

  1. Verlust ethischer Orientierung: Mit dem Niedergang unabhängiger christlicher Medien geht eine Plattform für fundierte Debatten über Werte, Seelsorge, Hilfsangebote und soziale Verantwortung verloren.
  2. Einflussverlust auf den öffentlichen Diskurs: Wenn sich kirchliche Stimmen aus der gedruckten Presse zurückziehen, überlassen sie das Feld vermehrt den Algorithmen sozialer Netzwerke. Dort dominieren jedoch häufig geschürte Emotionen und Polarisierung statt differenzierter Einordnung.
  3. Gefährdung der Vielfalt: Die kirchenfinanzierte Publizistik verstand sich lange als Teil der demokratischen Infrastruktur. Der Rückzug auf reine Eigen-PR verengt die Perspektive und schwächt die mediale Vielfalt.

Der Versuch der Kirchen, verlorenes Terrain über digitale Angebote oder soziale Medien zurückzugewinnen, steht erst am Anfang. Ob reine Online-Kanäle die inhaltliche Tiefe, Bindungskraft und gesellschaftliche Relevanz der gedruckten Zeitungen vollständig ersetzen können, bleibt abzuwarten.

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Neue Regeln im Westend und neue Konzepte für Pendler: Wie Frankfurt das Parken neu ordnet

Symbolbild Parkraumbewirtschaftung in Frankfurt

Die Stadt Frankfurt steht verkehrspolitisch vor grundlegenden Herausforderungen: Rund eine halbe Million Berufstätige pendeln täglich in die Mainmetropole, etwa 60 % von ihnen nutzen dafür das eigene Fahrzeug. Um die Straßen zu entlasten, Emissionen zu reduzieren und das Wohnumfeld für die Bevölkerung attraktiver zu gestalten, setzt die Stadt auf eine Neuausrichtung der Parkraumbewirtschaftung sowie den Ausbau von Park-and-Ride-Kapazitäten (P+R).

Westend Nord: Vollständige Bewirtschaftung ab dem 9. September

Eine entscheidende Neuerung betrifft den Frankfurter Westen. Im Bewohnerparkgebiet 16 (Westend Nord), das von der Siesmayerstraße, dem Grüneburgweg, der Fürstenbergerstraße, dem Reuterweg und der Bockenheimer Landstraße begrenzt wird, gelten ab dem 9. September geänderte Regelungen.

Bislang war der öffentliche Parkraum getrennt geregelt: Während eine Straßenseite für Bewohner mit speziellem Ausweis reserviert war, konnte auf der Gegenseite kostenfrei geparkt werden. Ab sofort wird das gesamte Quartier montags bis freitags von 07:00 Uhr bis 22:00 Uhr bewirtschaftet. Wer einen gültigen Bewohnerparkausweis für das Gebiet 16 besitzt, parkt weiterhin gebührenfrei. Für alle übrigen Verkehrsteilnehmer wird das Parken kostenpflichtig.

Hintergrund dieser Maßnahme ist unter anderem ein verwaltungsgerichtliches Verfahren im Kontext des Luftreinhalteplans, um Dieselfahrverbote abzuwenden. Ähnliche Umstellungen wurden bereits in den Jahren 2020 und 2021 in Teilen des Nordends und des Westends umgesetzt. Das Ziel ist eine bessere Parkplatzverfügbarkeit für Anwohner und eine geordnete Steuerung des Parkraums.

Die Maßnahme ist Teil des städtischen Zwei-Stufen-Plans. Erst nach dem vollständigen Abschluss der Umstellung bestehender Zonen auf Parkraumbewirtschaftung sollen in weiteren Stadtteilen mit hohem Parkdruck neue Bewohnerparkzonen eingerichtet werden.

Neues P+R-Konzept: Entlastung durch 2.000 neue Stellplätze

Parallel zur Regulierung des Parkraums in den Wohnquartieren treibt das Mobilitätsdezernat die Vernetzung von Verkehrsmitteln voran. Das neue P+R-Konzept ist Bestandteil der Teilstrategie „Intermodale und Regionale Vernetzung“ im Masterplan Mobilität (SUMP) und hat das Ziel, die Kapazitäten für Umsteiger vom Pkw auf den öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) um rund 2.000 Stellplätze zu erweitern.

Da im Stadtgebiet eine hohe Flächenkonkurrenz herrscht, wurden im Rahmen einer umfassenden Bewertungsmatrix 18 potenzielle Parkplatz-Suchräume untersucht. Dabei spielten Kriterien wie ÖPNV-Taktung, Verkehrsanbindung, Sicherheitsstandards und Flächenverfügbarkeit die entscheidende Rolle.

5 Standorte wurden dabei für den Ausbau priorisiert:

  1. Borsigallee: Gute Anbindung im Osten.
  2. Kalbach: Strategisch günstig für den nördlichen Pendlerverkehr.
  3. Preungesheim: Ausbau der bereits stark ausgelasteten Bestandsanlage.
  4. Römerhof West: Großes Flächenpotenzial in zentraler Lage.
  5. Taunusblick (Praunheim): Optimale Erreichbarkeit über die Autobahnanbindung.

Neubauten an Standorten wie Kalbach, Taunusblick und dem Frankfurter Berg sollen allein 836 neue Stellplätze schaffen.

Übergangslösungen und Flächenknappheit

Da große Infrastrukturprojekte eine lange Planungs- und Bauzeit beanspruchen, setzt die Stadt kurzfristig auf Kooperationen mit privaten Partnern. Ein Beispiel ist die bereits laufende Zusammenarbeit mit dem Hessen-Center sowie die Mehrfachnutzung von Parkflächen bei Großveranstaltungen am Stadion.

Dennoch bleibt die Flächenverfügbarkeit in Frankfurt ein verkehrspolitisches Nadelöhr. Nachprüfungen des Magistrats verdeutlichen, dass kurzfristig kaum freie Arealoptionen für P+R-Anlagen zur Verfügung stehen. Der konsequente Ausbau und Kooperationen mit Dritten bleiben daher Schlüsselbausteine der Frankfurter Verkehrswende.

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60 Jahre Familienbildung – Die Katholische Familienbildung Frankfurt feiert mit der großen BabyLounge „on stage“ im NordWestZentrum

Die BabyLounge der Katholischen Familienbildung

Seit 60 Jahren ist die katholische Familienbildung ein fester Bestandteil in der Nordweststadt. Zu diesem runden Jubiläum geht die Einrichtung dorthin, wo die Familien sind: mitten ins Einkaufszentrum. Am Montag, den 14.09.2026, von 10:00 Uhr bis 12:00 Uhr, verwandelt die Katholische Familienbildung Frankfurt die große Bühne im NordWestZentrum in eine Live-BabyLounge und lädt alle Familien mit den Kleinsten zu einem ungezwungenen Schnupper-Vormittag ein.

„Wir bringen die Bühne zum Krabbeln“, beschreibt Yvonne Homann von der Katholischen Familienbildung Frankfurt das ungewöhnliche Format. Familien haben die Möglichkeit, das Team, andere Eltern und das Angebot für Babys und Kleinkinder kennenzulernen – ganz ohne Anmeldung und kostenfrei.

Das erwartet die Besucher:

  • Live-BabyLounge: Krabbelmatten, Spielideen, Bewegungslieder und vieles mehr – einfach dazukommen und ausprobieren.
  • Essen und Trinken: Ein kleines Frühstück lädt zum Verweilen und zum guten Gespräch ein.
  • Beratung und Austausch: Das Team stellt die Angebote der Baby- und FamilienLounges, Eltern-Kind-Gruppen, Eltern-Kind-Aktionen und Elternkurse vor.
  • Infostand: Flyer, Kurstermine und kleine Jubiläums-Überraschungen warten auf die Gäste.

Die Veranstaltung findet statt am Montag, 14.09.2026, von 10.00 bis 12.00 Uhr auf der Bühne mitten im NordWestZentrum. Der Eintritt ist frei, eine Anmeldung ist nicht erforderlich.


Über die Katholische Familienbildung Frankfurt
Die Katholische Familienbildung Frankfurt begleitet seit 60 Jahren Familien durch das Familienleben, stärkt Gemeinschaft und schafft Räume, in denen Entwicklung möglich ist. Mit offenen Treffs wie Baby- und FamilienLounges, Eltern-Kind-Gruppen, Elternkursen und kreativen Angeboten an vielen Standorten in Frankfurt ist sie ein verlässlicher Partner für Familien mit kleinen Kindern.

Termin im Überblick

  • Was: Große BabyLounge „on stage“ – 60 Jahre Familienbildung
  • Wann: Montag, 14.09.2026, 10.00–12.00 Uhr
  • Wo: Auf der Bühne im NordWestZentrum, Frankfurt am Main
  • Eintritt: frei, keine Anmeldung erforderlich
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Keltersaison 2026 bei Rapp’s startet: Apfelannahme und Keltern erstmals komplett in Maintal-Hochstadt

Streuobst-Wiese

Die Keltersaison 2026 der Rapp’s Kelterei steht bevor. In diesem Jahr gibt es eine wesentliche Neuerung in den Betriebsabläufen: Die Annahme sowie das Pressen und Keltern der Äpfel erfolgen erstmals ausschließlich bei der Landkelterei Höhl in Maintal-Hochstadt. Dort wird das angelieferte Obst kostenfrei gewogen und die Annahme abgewickelt.

Zeiten und Bedingungen für Anlieferer

Für Privatanlieferer öffnet die Annahmestelle für Kelteräpfel sowie Birnen und Quitten ab Freitag, dem 4. September 2026. Die Anlieferung ist von Montag bis Freitag jeweils zwischen 08:00 Uhr und 16:00 Uhr sowie samstags von 08:00 Uhr bis 12:00 Uhr möglich. Informationen zu Abgabe-Preisen und weitere Details stehen online unter www.der-alte-hochstaedter.de/kelterzeit bereit.

Körbe voller Äpfel

© Rapp’s

Herausforderungen durch Witterung und Trockenheit

Der Start der diesjährigen Ernte ist von schwierigen Rahmenbedingungen geprägt. Anhaltende Trockenheit und Hitze setzen den Streuobstwiesen stark zu. Obwohl der Verband der deutschen Fruchtsaft-Industrie (VdF) bundesweit ursprünglich eine Streuobsternte von rund 450.000 Tonnen prognostiziert hatte, zeichnet sich durch die Witterung der letzten Wochen eine veränderte Lage ab. Es wird davon ausgegangen, dass die Apfelernte auch in Hessen unter dem Niveau des Vorjahres liegen könnte.

Sicherung regionaler Rohstoffe

Zusätzlich zur Witterung erschweren der Klimawandel, fehlende Betriebsnachfolgen sowie die Aufgabe von Flächen die Pflege von Streuobstwiesen. Um diesem Trend entgegenzuwirken und eine langfristig gesicherte regionale Rohstoffbasis aufzubauen, hat Rapp’s das Projekt „Rapp’s Kelterobstwiesen“ ins Leben gerufen.

In Zusammenarbeit mit landwirtschaftlichen Partnerbetrieben wurden in den vergangenen Jahren rund 180 Hektar Kelterobstwiesen neu aufgebaut – ein Großteil davon in der Wetterau und den angrenzenden Landkreisen. Die dort nach ökologischen sowie konventionellen Standards erzeugten Äpfel fließen in die Herstellung der Produkte der Marken „Rapp’s“ und „Der alte Hochstädter“ ein.

Frau Eva-Maria Scheubeck, Marketingleiterin von Rapp’s, betont die Bedeutung dieses Ansatzes: Ziel sei es, die regionale Herkunft der Äpfel langfristig zu sichern, die Zusammenarbeit mit der hessischen Landwirtschaft zu stärken und somit heimische Landwirtschaft mit der Produktion regionaler Saft- und Apfelweinspezialitäten zu verbinden.


Hintergrund zu den Traditionsbetrieben

Die Landkelterei Höhl in Hochstadt blickt auf eine lange Tradition zurück: Seit 1779 werden dort Apfelweine gekeltert. Der Betrieb ging 1934 an Wilhelm Höhl über und gehört seit 2008 zur Rapp’s Kelterei sowie zur HassiaGruppe. Rapp’s selbst gilt als führender Fruchtsafthersteller in Hessen mit mehr als 40 verschiedenen Fruchtsäften, Nektaren, Schorlen und Apfelweinen im Sortiment. Die Kelterei ist ebenfalls eine hundertprozentige Tochtergesellschaft der HassiaGruppe.

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Vorstoß im Ortsbeirat 12: Mehr Wahlfreiheit bei der Heizenergie auf dem Riedberg

Symbolbild Fernwärme

Der Ortsbeirat 12 fordert mehr Flexibilität bei der lokalen Wärmeversorgung. Mit einem fraktionsübergreifenden Antrag der Grünen vom 08.06.2026 wird der Magistrat der Stadt Frankfurt aufgefordert, die bestehende Fernwärmesatzung für den Riedberg anzupassen. Ziel ist die Einführung eines Sonderkündigungsrechts, das Abnehmern nach 10 Jahren den Ausstieg aus dem bisherigen Anschluss- und Benutzungszwang ermöglicht, sofern sie auf eine nachweislich klimaneutrale und abgasfreie Alternative umsteigen.

Der Status quo: Anschlusszwang seit 2014

Seit dem Erlass der städtischen Fernwärmesatzung im Jahr 2014 gilt für Eigentümer im Neubaugebiet „Riedberg“ eine Verpflichtung, ihre Gebäudewärme von dem Netzbetreiber Mainova zu beziehen. Diese Regulierung wurde damals begründet mit den hohen Investitionskosten für den Netzaufbau sowie dem Mangel an ausgereiften, umweltfreundlichen Alternativen. Ein zentrales Argument war zudem die effiziente Verwertung der Abwärme der nahegelegenen Müllverbrennungsanlage.

Inzwischen haben sich die Rahmenbedingungen grundlegend geändert. Das Frankfurter Fernwärmenetz wurde vernetzt, sodass die Abwärme der Müllverbrennungsanlage mittlerweile im gesamten Stadtgebiet genutzt wird. Der Riedberg besitzt damit in diesem Punkt kein Alleinstellungsmerkmal mehr. Gleichzeitig argumentiert der Antragsteller, dass die langjährigen Einnahmen des Netzbetreibers die ursprünglichen Bau- und Erschließungskosten mittlerweile weitgehend abgedeckt haben dürften.

Monopolstrukturen und moderne Technologien

Ein Kritikpunkt des Antrags betrifft die einseitige Marktstruktur. Während Verbraucher in Bereichen wie Strom, Telefon oder Internet zwischen Anbietern wählen können, besteht bei der Fernwärme ein lokales Monopol. Die Bindung an einen einzigen Versorgungsdienstleister ohne Wechselmöglichkeit belastet viele Eigentümer, insbesondere vor dem Hintergrund vergangener Preissteigerungen.

Gleichzeitig hat die Heiztechnik Fortschritte gemacht. Umweltfreundliche Alternativen wie modernste Wärmepumpen, betrieben mit Strom aus erneuerbaren Energien (Sonne, Wind oder Wasser), stehen serienmäßig zur Verfügung und arbeiten vollkommen abgasfrei und emissionsfrei vor Ort.

Anpassung des § 5 der Fernwärmesatzung gefordert

Der Antrag schlägt eine konkrete Ergänzung des § 5 der Fernwärmesatzung Riedberg vor. Demnach sollen Anschlussnehmer nach einer Mindestlaufzeit von 10 Jahren ihre Fernwärmeversorgung mit einer Frist von 3 Monaten kündigen können. Bedingung hierfür ist der lückenlose Nachweis, dass das Gebäude künftig über ein eigenes, klimaneutrales und abgasfreies Heizsystem für Raumwärme und Warmwasser verfügt. Ergänzend soll der Magistrat Regelungen für die fachgerechte Stilllegung der Anschlüsse und die Prüfstandards der Ersatzsysteme festlegen.

Nach Einschätzung des Ortsbeirats wird die Umrüstungsoption voraussichtlich nur von wenigen Hausbesitzern genutzt werden, da ein Systemwechsel mit entsprechenden Investitionen verbunden ist. Dennoch sei eine zeitlich unbegrenzte Bindung an einen Monopolisten rechtlich und wirtschaftlich nicht mehr vermittelbar. In anderen Rechtsbereichen, etwa bei Verbraucherdarlehen, sind Sonderkündigungsrechte nach zehn Jahren gesetzlicher Standard. Längere Bindungsfristen seien Privatpersonen kaum zuzumuten.

Der Vorstoß liegt nun beim Magistrat der Stadt Frankfurt zur weiteren Prüfung und Entscheidung.

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Medizinforschung: Maßgeschneiderte Medikamente aus dem 4D-Drucker

4D-PRODRUG-Quadrat

Ein neues Forschungsprojekt am Riedberg verspricht die Medizin revolutionieren zu können: Unter dem Namen „4D-PRODRUG“ entwickeln Forschende des Frankfurt Institute for Advanced Studies (FIAS), der Goethe-Universität und der Glatt GmbH intelligente Trägermaterialien, die Wirkstoffe im Körper gezielt freisetzen. Das vom Bund geförderte Vorhaben startet am 01.09.2026.

Ob Sterne, Dreiecke oder Kugeln – was auf den ersten Blick wie eine geometrische Spielerei wirkt, hat einen handfesten medizinischen Hintergrund: Je nach Form veränderten sich das Verhältnis von Oberfläche zu Volumen und damit die Geschwindigkeit, mit der ein verpacktes Medikament im menschlichen Körper abgegeben wird. So lassen sich Wirkstoffe künftig punktgenau steuern – angepasst an die individuelle Dosierung und den idealen Wirkzeitraum für Patienten.

Biologie trifft synthetische Chemie

Grundlage des neuen Verfahrens sind sogenannte Elastin-like Proteins (ELPs). Diese Proteine ähneln einem körpereigenen Faserprotein, greifen das Immunsystem nicht an und zeichnen sich durch hohe Flexibilität aus. Im Labor werden sie chemisch so modifiziert, dass sie unter Lichteinfluss polymerisieren¹. Es entstehen biohybride Hochleistungsmaterialien, die nicht nur formbar sind, sondern auch aktiv auf Umwelteinflüsse wie die Temperatur oder den pH-Wert im Körper reagieren.

Verarbeitet werden diese Biohybride in einem modernen 4D-Druckverfahren². Zum Einsatz kommt dabei das Light-Sheet Laser-Writing³. Hierbei lösen Laserstrahlen in hauchdünnen Licht-Ebenen berührungslos und extrem schnell das Aushärten des Materials aus – ideal für die sterile Verarbeitung pharmazeutischer Wirkstoffe.

Druckverfahren 4D-PRODRUG

Das Druckverfahren von 4D-PRODRUG verwendet Laserstrahlen in Licht-Ebenen. Sie lösen die Polymerisation des veränderten Strukturproteins Elastin aus. Quelle: Francesco Pampaloni, GU.

Interdisziplinäre Zusammenarbeit auf dem Campus

An der Entwicklung sind Wissenschaftler verschiedener Fachrichtungen beteiligt:

  • Stefan Schiller (Institut für Pharmazeutische Technologie, Goethe-Universität) entwickelt die modulare Protein-Plattform aus veränderten Aminosäuren.
  • Francesco Pampaloni (Institut für Zellbiologie und Neurowissenschaften, Goethe-Universität) steuert die lichtgesteuerte Vernetzung der Biomoleküle bei.
  • Sebastian Thallmair (Senior-Fellow am FIAS) unterstützt das Projekt mit physikbasierten Computersimulationen. Durch datenbasierte Erfassung und den Einsatz von künstlicher Intelligenz lassen sich zeitaufwendige Laborexperimente einsparen und die Materialeigenschaften systematisch vorhersagen.
  • Die Glatt GmbH bringt als Industriepartner ihr Fachwissen bei der Verarbeitung und Formulierung von Wirkstoffen ein.

Zusätzlich erfasst das Team die Eigenschaften der neuen Werkstoffe in einer umfassenden Datenbank. Diese systematische Bestandsaufnahme, analog zu biologischen Datensammlungen als „Materiomics“ bezeichnet, soll künftigen Forschungsvorhaben als wertvoller Fundus dienen⁴.

Ziel: Personalisierte Medizin der Zukunft

Das Projekt wird für drei Jahre vom Bundesministerium für Bildung, Familie, Technologie und Forschung (BMFTR) gefördert; als Projektträger fungiert der Verein Deutscher Ingenieure (VDI). Ziel der Förderperiode ist ein marktfähiges biohybrides Material, mit dem Schmerzmittel oder Blutdrucksenker individuell und passgenau für jeden Patienten verpackt werden können.


Erklärungen der Fachbegriffe

¹ Polymerisation / polymerisieren: Ein chemischer Prozess, bei dem sich kleine Einzelmoleküle (Monomere) zu langen Ketten oder dreidimensionalen Netzwerken (Polymeren) zusammenschließen. Dadurch wird ein flüssiger oder weicher Stoff fest und formstabil.

² 4D-Druck: Eine Weiterentwicklung des dreidimensionalen 3D-Drucks. Die vierte Dimension beschreibt die Zeit: Das gedruckte Objekt kann nach der Herstellung seine Form oder Eigenschaft verändern, sobald es auf bestimmte Umweltreize (wie Temperatur, Feuchtigkeit oder pH-Wert) trifft.

³ Light-Sheet Laser-Writing (Lichtblatt-Laserschreiben): Ein drucktechnisches Verfahren, bei dem feine Laserlicht-Ebenen eingesetzt werden, um flüssige Materialien punktgenau und kontaktfrei an den belichteten Stellen zu verfestigen.

⁴ Materiomics: Die systematische Erforschung und Erfassung aller Materialeigenschaften sowie der Wechselwirkungen von Werkstoffen in einem Gesamtsystem, analog zu Genomik (Erfgut-Erforschung) oder Proteomik (Eiweiß-Erforschung) in der Biologie.

 

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