Vor dem Aus: Das schleichende Ende der kirchlichen Medienlandschaft

Sterben des EVO

Die deutsche Medienlandschaft erlebt einen tiefgreifenden Wandel, der nun mit voller Härte die konfessionelle Publizistik erfasst. Was über Jahrzehnte als feste Säule der Berichterstattung und des gesellschaftlichen Diskurses galt, steht vor dem Rückbau. Mit Sparbeschlüssen, Reduzierungen und der Einstellung traditionsreicher Formate zieht sich die kirchliche Presse schrittweise aus der Fläche zurück.

Die aktuelle Entwicklung: Druck auf allen Ebenen

Die Gründe für den Niedergang kirchlicher Zeitungen und Magazine sind vielschichtig. Zum einen führt der anhaltende Verlust von Kirchenmitgliedern zu sinkenden Einnahmen aus der Kirchensteuer. Dies zwingt die Landeskirchen und Diözesen zu drastischen Einsparungen. Gleichzeitig belasten stark gestiegene Druck-, Papier- und Portokosten das Ausgeben gedruckter Medien enorm.

Zum anderen fordert der allgemeine Medienwandel seinen Tribut. Das Interesse an klassischen Printprodukten schrumpft seit Jahren branchenweit, wovon die konfessionelle Presse besonders stark betroffen ist. Junge Zielgruppen lassen sich über traditionalistische Zeitungsformate kaum noch erreichen.

Die Konsequenzen dieser Rahmenbedingungen zeigen sich bundesweit:

  • Streichung kirchlicher Zuschüsse: Die Evangelisch-Lutherische Kirche in Bayern kündigte die Zuwendungsvereinbarung mit dem Evangelischen Presseverband für Bayern. Damit stehen reichweitenstarke Medien wie das „Sonntagsblatt“ und weitere publizistische Angebote vor einer ungewissen Zukunft.
  • Einstellung regionaler Sprachrohre: Der Evangelische Regionalverband Frankfurt und Offenbach beschloss das Ende des traditionsreichen „EFO-Magazins“ zum Jahresende. Hohe Versandkosten und veränderte Lesegewohnheiten machten die Weiterführung wirtschaftlich untragbar.
  • Rückzug aus überregionalen Formaten: Die Wochenzeitung „Die Zeit“ stellt ihre Sonderseiten „Christ & Welt“ im Herbst ein. Berichte über religiöse und ethische Themen sollen künftig vorrangig im Digitalen oder im allgemeinen Teil der Zeitung stattfinden.

Zugleich verschiebt sich der Fokus innerhalb der Institutionen selbst: Statt unabhängigen, kritischen Journalismus zu unterstützen, investieren viele Kirchenleitungen vermehrt in die eigene Öffentlichkeitsarbeit und PR.

Die Konsequenzen für die Gesellschaft

Das Verschwinden konfessioneller Medien hat spürbare Auswirkungen auf das gesellschaftliche Miteinander. Kirchliche Zeitungen fungierten stets als Brücke zwischen Kirche und Zivilgesellschaft. Sie griffen ethische, soziale und wertbezogene Fragestellungen auf, die im hektischen Tagesgeschehen oft zu kurz kommen.

Fachleute und Journalistenverbände warnen vor den Folgen:

  1. Verlust ethischer Orientierung: Mit dem Niedergang unabhängiger christlicher Medien geht eine Plattform für fundierte Debatten über Werte, Seelsorge, Hilfsangebote und soziale Verantwortung verloren.
  2. Einflussverlust auf den öffentlichen Diskurs: Wenn sich kirchliche Stimmen aus der gedruckten Presse zurückziehen, überlassen sie das Feld vermehrt den Algorithmen sozialer Netzwerke. Dort dominieren jedoch häufig geschürte Emotionen und Polarisierung statt differenzierter Einordnung.
  3. Gefährdung der Vielfalt: Die kirchenfinanzierte Publizistik verstand sich lange als Teil der demokratischen Infrastruktur. Der Rückzug auf reine Eigen-PR verengt die Perspektive und schwächt die mediale Vielfalt.

Der Versuch der Kirchen, verlorenes Terrain über digitale Angebote oder soziale Medien zurückzugewinnen, steht erst am Anfang. Ob reine Online-Kanäle die inhaltliche Tiefe, Bindungskraft und gesellschaftliche Relevanz der gedruckten Zeitungen vollständig ersetzen können, bleibt abzuwarten.

Teile diesen Beitrag mit Freunden

Neue Regeln im Westend und neue Konzepte für Pendler: Wie Frankfurt das Parken neu ordnet

Symbolbild Parkraumbewirtschaftung in Frankfurt

Die Stadt Frankfurt steht verkehrspolitisch vor grundlegenden Herausforderungen: Rund eine halbe Million Berufstätige pendeln täglich in die Mainmetropole, etwa 60 % von ihnen nutzen dafür das eigene Fahrzeug. Um die Straßen zu entlasten, Emissionen zu reduzieren und das Wohnumfeld für die Bevölkerung attraktiver zu gestalten, setzt die Stadt auf eine Neuausrichtung der Parkraumbewirtschaftung sowie den Ausbau von Park-and-Ride-Kapazitäten (P+R).

Westend Nord: Vollständige Bewirtschaftung ab dem 9. September

Eine entscheidende Neuerung betrifft den Frankfurter Westen. Im Bewohnerparkgebiet 16 (Westend Nord), das von der Siesmayerstraße, dem Grüneburgweg, der Fürstenbergerstraße, dem Reuterweg und der Bockenheimer Landstraße begrenzt wird, gelten ab dem 9. September geänderte Regelungen.

Bislang war der öffentliche Parkraum getrennt geregelt: Während eine Straßenseite für Bewohner mit speziellem Ausweis reserviert war, konnte auf der Gegenseite kostenfrei geparkt werden. Ab sofort wird das gesamte Quartier montags bis freitags von 07:00 Uhr bis 22:00 Uhr bewirtschaftet. Wer einen gültigen Bewohnerparkausweis für das Gebiet 16 besitzt, parkt weiterhin gebührenfrei. Für alle übrigen Verkehrsteilnehmer wird das Parken kostenpflichtig.

Hintergrund dieser Maßnahme ist unter anderem ein verwaltungsgerichtliches Verfahren im Kontext des Luftreinhalteplans, um Dieselfahrverbote abzuwenden. Ähnliche Umstellungen wurden bereits in den Jahren 2020 und 2021 in Teilen des Nordends und des Westends umgesetzt. Das Ziel ist eine bessere Parkplatzverfügbarkeit für Anwohner und eine geordnete Steuerung des Parkraums.

Die Maßnahme ist Teil des städtischen Zwei-Stufen-Plans. Erst nach dem vollständigen Abschluss der Umstellung bestehender Zonen auf Parkraumbewirtschaftung sollen in weiteren Stadtteilen mit hohem Parkdruck neue Bewohnerparkzonen eingerichtet werden.

Neues P+R-Konzept: Entlastung durch 2.000 neue Stellplätze

Parallel zur Regulierung des Parkraums in den Wohnquartieren treibt das Mobilitätsdezernat die Vernetzung von Verkehrsmitteln voran. Das neue P+R-Konzept ist Bestandteil der Teilstrategie „Intermodale und Regionale Vernetzung“ im Masterplan Mobilität (SUMP) und hat das Ziel, die Kapazitäten für Umsteiger vom Pkw auf den öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) um rund 2.000 Stellplätze zu erweitern.

Da im Stadtgebiet eine hohe Flächenkonkurrenz herrscht, wurden im Rahmen einer umfassenden Bewertungsmatrix 18 potenzielle Parkplatz-Suchräume untersucht. Dabei spielten Kriterien wie ÖPNV-Taktung, Verkehrsanbindung, Sicherheitsstandards und Flächenverfügbarkeit die entscheidende Rolle.

5 Standorte wurden dabei für den Ausbau priorisiert:

  1. Borsigallee: Gute Anbindung im Osten.
  2. Kalbach: Strategisch günstig für den nördlichen Pendlerverkehr.
  3. Preungesheim: Ausbau der bereits stark ausgelasteten Bestandsanlage.
  4. Römerhof West: Großes Flächenpotenzial in zentraler Lage.
  5. Taunusblick (Praunheim): Optimale Erreichbarkeit über die Autobahnanbindung.

Neubauten an Standorten wie Kalbach, Taunusblick und dem Frankfurter Berg sollen allein 836 neue Stellplätze schaffen.

Übergangslösungen und Flächenknappheit

Da große Infrastrukturprojekte eine lange Planungs- und Bauzeit beanspruchen, setzt die Stadt kurzfristig auf Kooperationen mit privaten Partnern. Ein Beispiel ist die bereits laufende Zusammenarbeit mit dem Hessen-Center sowie die Mehrfachnutzung von Parkflächen bei Großveranstaltungen am Stadion.

Dennoch bleibt die Flächenverfügbarkeit in Frankfurt ein verkehrspolitisches Nadelöhr. Nachprüfungen des Magistrats verdeutlichen, dass kurzfristig kaum freie Arealoptionen für P+R-Anlagen zur Verfügung stehen. Der konsequente Ausbau und Kooperationen mit Dritten bleiben daher Schlüsselbausteine der Frankfurter Verkehrswende.

Teile diesen Beitrag mit Freunden

60 Jahre Familienbildung – Die Katholische Familienbildung Frankfurt feiert mit der großen BabyLounge „on stage“ im NordWestZentrum

Die BabyLounge der Katholischen Familienbildung

Seit 60 Jahren ist die katholische Familienbildung ein fester Bestandteil in der Nordweststadt. Zu diesem runden Jubiläum geht die Einrichtung dorthin, wo die Familien sind: mitten ins Einkaufszentrum. Am Montag, den 14.09.2026, von 10:00 Uhr bis 12:00 Uhr, verwandelt die Katholische Familienbildung Frankfurt die große Bühne im NordWestZentrum in eine Live-BabyLounge und lädt alle Familien mit den Kleinsten zu einem ungezwungenen Schnupper-Vormittag ein.

„Wir bringen die Bühne zum Krabbeln“, beschreibt Yvonne Homann von der Katholischen Familienbildung Frankfurt das ungewöhnliche Format. Familien haben die Möglichkeit, das Team, andere Eltern und das Angebot für Babys und Kleinkinder kennenzulernen – ganz ohne Anmeldung und kostenfrei.

Das erwartet die Besucher:

  • Live-BabyLounge: Krabbelmatten, Spielideen, Bewegungslieder und vieles mehr – einfach dazukommen und ausprobieren.
  • Essen und Trinken: Ein kleines Frühstück lädt zum Verweilen und zum guten Gespräch ein.
  • Beratung und Austausch: Das Team stellt die Angebote der Baby- und FamilienLounges, Eltern-Kind-Gruppen, Eltern-Kind-Aktionen und Elternkurse vor.
  • Infostand: Flyer, Kurstermine und kleine Jubiläums-Überraschungen warten auf die Gäste.

Die Veranstaltung findet statt am Montag, 14.09.2026, von 10.00 bis 12.00 Uhr auf der Bühne mitten im NordWestZentrum. Der Eintritt ist frei, eine Anmeldung ist nicht erforderlich.


Über die Katholische Familienbildung Frankfurt
Die Katholische Familienbildung Frankfurt begleitet seit 60 Jahren Familien durch das Familienleben, stärkt Gemeinschaft und schafft Räume, in denen Entwicklung möglich ist. Mit offenen Treffs wie Baby- und FamilienLounges, Eltern-Kind-Gruppen, Elternkursen und kreativen Angeboten an vielen Standorten in Frankfurt ist sie ein verlässlicher Partner für Familien mit kleinen Kindern.

Termin im Überblick

  • Was: Große BabyLounge „on stage“ – 60 Jahre Familienbildung
  • Wann: Montag, 14.09.2026, 10.00–12.00 Uhr
  • Wo: Auf der Bühne im NordWestZentrum, Frankfurt am Main
  • Eintritt: frei, keine Anmeldung erforderlich
Teile diesen Beitrag mit Freunden

Keltersaison 2026 bei Rapp’s startet: Apfelannahme und Keltern erstmals komplett in Maintal-Hochstadt

Streuobst-Wiese

Die Keltersaison 2026 der Rapp’s Kelterei steht bevor. In diesem Jahr gibt es eine wesentliche Neuerung in den Betriebsabläufen: Die Annahme sowie das Pressen und Keltern der Äpfel erfolgen erstmals ausschließlich bei der Landkelterei Höhl in Maintal-Hochstadt. Dort wird das angelieferte Obst kostenfrei gewogen und die Annahme abgewickelt.

Zeiten und Bedingungen für Anlieferer

Für Privatanlieferer öffnet die Annahmestelle für Kelteräpfel sowie Birnen und Quitten ab Freitag, dem 4. September 2026. Die Anlieferung ist von Montag bis Freitag jeweils zwischen 08:00 Uhr und 16:00 Uhr sowie samstags von 08:00 Uhr bis 12:00 Uhr möglich. Informationen zu Abgabe-Preisen und weitere Details stehen online unter www.der-alte-hochstaedter.de/kelterzeit bereit.

Körbe voller Äpfel

© Rapp’s

Herausforderungen durch Witterung und Trockenheit

Der Start der diesjährigen Ernte ist von schwierigen Rahmenbedingungen geprägt. Anhaltende Trockenheit und Hitze setzen den Streuobstwiesen stark zu. Obwohl der Verband der deutschen Fruchtsaft-Industrie (VdF) bundesweit ursprünglich eine Streuobsternte von rund 450.000 Tonnen prognostiziert hatte, zeichnet sich durch die Witterung der letzten Wochen eine veränderte Lage ab. Es wird davon ausgegangen, dass die Apfelernte auch in Hessen unter dem Niveau des Vorjahres liegen könnte.

Sicherung regionaler Rohstoffe

Zusätzlich zur Witterung erschweren der Klimawandel, fehlende Betriebsnachfolgen sowie die Aufgabe von Flächen die Pflege von Streuobstwiesen. Um diesem Trend entgegenzuwirken und eine langfristig gesicherte regionale Rohstoffbasis aufzubauen, hat Rapp’s das Projekt „Rapp’s Kelterobstwiesen“ ins Leben gerufen.

In Zusammenarbeit mit landwirtschaftlichen Partnerbetrieben wurden in den vergangenen Jahren rund 180 Hektar Kelterobstwiesen neu aufgebaut – ein Großteil davon in der Wetterau und den angrenzenden Landkreisen. Die dort nach ökologischen sowie konventionellen Standards erzeugten Äpfel fließen in die Herstellung der Produkte der Marken „Rapp’s“ und „Der alte Hochstädter“ ein.

Frau Eva-Maria Scheubeck, Marketingleiterin von Rapp’s, betont die Bedeutung dieses Ansatzes: Ziel sei es, die regionale Herkunft der Äpfel langfristig zu sichern, die Zusammenarbeit mit der hessischen Landwirtschaft zu stärken und somit heimische Landwirtschaft mit der Produktion regionaler Saft- und Apfelweinspezialitäten zu verbinden.


Hintergrund zu den Traditionsbetrieben

Die Landkelterei Höhl in Hochstadt blickt auf eine lange Tradition zurück: Seit 1779 werden dort Apfelweine gekeltert. Der Betrieb ging 1934 an Wilhelm Höhl über und gehört seit 2008 zur Rapp’s Kelterei sowie zur HassiaGruppe. Rapp’s selbst gilt als führender Fruchtsafthersteller in Hessen mit mehr als 40 verschiedenen Fruchtsäften, Nektaren, Schorlen und Apfelweinen im Sortiment. Die Kelterei ist ebenfalls eine hundertprozentige Tochtergesellschaft der HassiaGruppe.

Teile diesen Beitrag mit Freunden

Vorstoß im Ortsbeirat 12: Mehr Wahlfreiheit bei der Heizenergie auf dem Riedberg

Symbolbild Fernwärme

Der Ortsbeirat 12 fordert mehr Flexibilität bei der lokalen Wärmeversorgung. Mit einem fraktionsübergreifenden Antrag der Grünen vom 08.06.2026 wird der Magistrat der Stadt Frankfurt aufgefordert, die bestehende Fernwärmesatzung für den Riedberg anzupassen. Ziel ist die Einführung eines Sonderkündigungsrechts, das Abnehmern nach 10 Jahren den Ausstieg aus dem bisherigen Anschluss- und Benutzungszwang ermöglicht, sofern sie auf eine nachweislich klimaneutrale und abgasfreie Alternative umsteigen.

Der Status quo: Anschlusszwang seit 2014

Seit dem Erlass der städtischen Fernwärmesatzung im Jahr 2014 gilt für Eigentümer im Neubaugebiet „Riedberg“ eine Verpflichtung, ihre Gebäudewärme von dem Netzbetreiber Mainova zu beziehen. Diese Regulierung wurde damals begründet mit den hohen Investitionskosten für den Netzaufbau sowie dem Mangel an ausgereiften, umweltfreundlichen Alternativen. Ein zentrales Argument war zudem die effiziente Verwertung der Abwärme der nahegelegenen Müllverbrennungsanlage.

Inzwischen haben sich die Rahmenbedingungen grundlegend geändert. Das Frankfurter Fernwärmenetz wurde vernetzt, sodass die Abwärme der Müllverbrennungsanlage mittlerweile im gesamten Stadtgebiet genutzt wird. Der Riedberg besitzt damit in diesem Punkt kein Alleinstellungsmerkmal mehr. Gleichzeitig argumentiert der Antragsteller, dass die langjährigen Einnahmen des Netzbetreibers die ursprünglichen Bau- und Erschließungskosten mittlerweile weitgehend abgedeckt haben dürften.

Monopolstrukturen und moderne Technologien

Ein Kritikpunkt des Antrags betrifft die einseitige Marktstruktur. Während Verbraucher in Bereichen wie Strom, Telefon oder Internet zwischen Anbietern wählen können, besteht bei der Fernwärme ein lokales Monopol. Die Bindung an einen einzigen Versorgungsdienstleister ohne Wechselmöglichkeit belastet viele Eigentümer, insbesondere vor dem Hintergrund vergangener Preissteigerungen.

Gleichzeitig hat die Heiztechnik Fortschritte gemacht. Umweltfreundliche Alternativen wie modernste Wärmepumpen, betrieben mit Strom aus erneuerbaren Energien (Sonne, Wind oder Wasser), stehen serienmäßig zur Verfügung und arbeiten vollkommen abgasfrei und emissionsfrei vor Ort.

Anpassung des § 5 der Fernwärmesatzung gefordert

Der Antrag schlägt eine konkrete Ergänzung des § 5 der Fernwärmesatzung Riedberg vor. Demnach sollen Anschlussnehmer nach einer Mindestlaufzeit von 10 Jahren ihre Fernwärmeversorgung mit einer Frist von 3 Monaten kündigen können. Bedingung hierfür ist der lückenlose Nachweis, dass das Gebäude künftig über ein eigenes, klimaneutrales und abgasfreies Heizsystem für Raumwärme und Warmwasser verfügt. Ergänzend soll der Magistrat Regelungen für die fachgerechte Stilllegung der Anschlüsse und die Prüfstandards der Ersatzsysteme festlegen.

Nach Einschätzung des Ortsbeirats wird die Umrüstungsoption voraussichtlich nur von wenigen Hausbesitzern genutzt werden, da ein Systemwechsel mit entsprechenden Investitionen verbunden ist. Dennoch sei eine zeitlich unbegrenzte Bindung an einen Monopolisten rechtlich und wirtschaftlich nicht mehr vermittelbar. In anderen Rechtsbereichen, etwa bei Verbraucherdarlehen, sind Sonderkündigungsrechte nach zehn Jahren gesetzlicher Standard. Längere Bindungsfristen seien Privatpersonen kaum zuzumuten.

Der Vorstoß liegt nun beim Magistrat der Stadt Frankfurt zur weiteren Prüfung und Entscheidung.

Teile diesen Beitrag mit Freunden

Medizinforschung: Maßgeschneiderte Medikamente aus dem 4D-Drucker

4D-PRODRUG-Quadrat

Ein neues Forschungsprojekt am Riedberg verspricht die Medizin revolutionieren zu können: Unter dem Namen „4D-PRODRUG“ entwickeln Forschende des Frankfurt Institute for Advanced Studies (FIAS), der Goethe-Universität und der Glatt GmbH intelligente Trägermaterialien, die Wirkstoffe im Körper gezielt freisetzen. Das vom Bund geförderte Vorhaben startet am 01.09.2026.

Ob Sterne, Dreiecke oder Kugeln – was auf den ersten Blick wie eine geometrische Spielerei wirkt, hat einen handfesten medizinischen Hintergrund: Je nach Form veränderten sich das Verhältnis von Oberfläche zu Volumen und damit die Geschwindigkeit, mit der ein verpacktes Medikament im menschlichen Körper abgegeben wird. So lassen sich Wirkstoffe künftig punktgenau steuern – angepasst an die individuelle Dosierung und den idealen Wirkzeitraum für Patienten.

Biologie trifft synthetische Chemie

Grundlage des neuen Verfahrens sind sogenannte Elastin-like Proteins (ELPs). Diese Proteine ähneln einem körpereigenen Faserprotein, greifen das Immunsystem nicht an und zeichnen sich durch hohe Flexibilität aus. Im Labor werden sie chemisch so modifiziert, dass sie unter Lichteinfluss polymerisieren¹. Es entstehen biohybride Hochleistungsmaterialien, die nicht nur formbar sind, sondern auch aktiv auf Umwelteinflüsse wie die Temperatur oder den pH-Wert im Körper reagieren.

Verarbeitet werden diese Biohybride in einem modernen 4D-Druckverfahren². Zum Einsatz kommt dabei das Light-Sheet Laser-Writing³. Hierbei lösen Laserstrahlen in hauchdünnen Licht-Ebenen berührungslos und extrem schnell das Aushärten des Materials aus – ideal für die sterile Verarbeitung pharmazeutischer Wirkstoffe.

Druckverfahren 4D-PRODRUG

Das Druckverfahren von 4D-PRODRUG verwendet Laserstrahlen in Licht-Ebenen. Sie lösen die Polymerisation des veränderten Strukturproteins Elastin aus. Quelle: Francesco Pampaloni, GU.

Interdisziplinäre Zusammenarbeit auf dem Campus

An der Entwicklung sind Wissenschaftler verschiedener Fachrichtungen beteiligt:

  • Stefan Schiller (Institut für Pharmazeutische Technologie, Goethe-Universität) entwickelt die modulare Protein-Plattform aus veränderten Aminosäuren.
  • Francesco Pampaloni (Institut für Zellbiologie und Neurowissenschaften, Goethe-Universität) steuert die lichtgesteuerte Vernetzung der Biomoleküle bei.
  • Sebastian Thallmair (Senior-Fellow am FIAS) unterstützt das Projekt mit physikbasierten Computersimulationen. Durch datenbasierte Erfassung und den Einsatz von künstlicher Intelligenz lassen sich zeitaufwendige Laborexperimente einsparen und die Materialeigenschaften systematisch vorhersagen.
  • Die Glatt GmbH bringt als Industriepartner ihr Fachwissen bei der Verarbeitung und Formulierung von Wirkstoffen ein.

Zusätzlich erfasst das Team die Eigenschaften der neuen Werkstoffe in einer umfassenden Datenbank. Diese systematische Bestandsaufnahme, analog zu biologischen Datensammlungen als „Materiomics“ bezeichnet, soll künftigen Forschungsvorhaben als wertvoller Fundus dienen⁴.

Ziel: Personalisierte Medizin der Zukunft

Das Projekt wird für drei Jahre vom Bundesministerium für Bildung, Familie, Technologie und Forschung (BMFTR) gefördert; als Projektträger fungiert der Verein Deutscher Ingenieure (VDI). Ziel der Förderperiode ist ein marktfähiges biohybrides Material, mit dem Schmerzmittel oder Blutdrucksenker individuell und passgenau für jeden Patienten verpackt werden können.


Erklärungen der Fachbegriffe

¹ Polymerisation / polymerisieren: Ein chemischer Prozess, bei dem sich kleine Einzelmoleküle (Monomere) zu langen Ketten oder dreidimensionalen Netzwerken (Polymeren) zusammenschließen. Dadurch wird ein flüssiger oder weicher Stoff fest und formstabil.

² 4D-Druck: Eine Weiterentwicklung des dreidimensionalen 3D-Drucks. Die vierte Dimension beschreibt die Zeit: Das gedruckte Objekt kann nach der Herstellung seine Form oder Eigenschaft verändern, sobald es auf bestimmte Umweltreize (wie Temperatur, Feuchtigkeit oder pH-Wert) trifft.

³ Light-Sheet Laser-Writing (Lichtblatt-Laserschreiben): Ein drucktechnisches Verfahren, bei dem feine Laserlicht-Ebenen eingesetzt werden, um flüssige Materialien punktgenau und kontaktfrei an den belichteten Stellen zu verfestigen.

Materiomics: Die systematische Erforschung und Erfassung aller Materialeigenschaften sowie der Wechselwirkungen von Werkstoffen in einem Gesamtsystem, analog zu Genomik (Erfgut-Erforschung) oder Proteomik (Eiweiß-Erforschung) in der Biologie.

 

Teile diesen Beitrag mit Freunden

Mehr Platz für die Kalbacher Rettungskräfte: Ortsbeirat macht Weg frei für zusätzliche Feuerwehr-Parkplätze

Einsatzwagen der Freiwilligen Feuerwehr Kalbach

Die Frage nach einer schnellen Ausrückzeit im Ernstfall hat im Stadtteil Kalbach-Riedberg zu intensiven Debatten geführt. Im Mittelpunkt stand dabei in den vergangenen Wochen die Parksituation rund um das Feuerwehrgerätehaus in der Kalbacher Hauptstraße und dem Alten Rathaus.

Nun hat der Ortsbeirat 12 eine wegweisende Entscheidung getroffen und der Reservierung von zwei Stellplätzen ausschließlich für die Einsatzkräfte der Freiwilligen Feuerwehr Kalbach zugestimmt.

Der Anlauf und die Hintergründe des Antrags

Die Debatte um die Parkplätze vor dem Feuerwehrhaus reicht weiter zurück. Bereits im Mai 2026 brachte die Fraktion Bürger für Frankfurt (BFF) einen Antrag (OF 10/12) in den Ortsbeirat ein. Ziel war es, zwei allgemeine Parkflächen zwischen dem Gerätehaus und dem »Alten Rathaus« so umzugestalten, dass sie dauerhaft und verkehrsrechtlich abgesichert nur von Einsatzkräften genutzt werden dürfen.

Zur Begründung hieß es, dass privat parkende Fahrzeuge regelmäßig die unmittelbaren Flächen am Gerätehaus blockieren. Wenn Alarm geschlagen wird, verlieren die herbeieilenden Feuerwehrleute wertvolle Zeit bei der Suche nach einer Abstellmöglichkeit für ihre Privat-Pkw. Da Verzögerungen beim Ausrücken die Effektivität der Gefahrenabwehr gefährden, sei die Umnutzung im Sinne der öffentlichen Sicherheit geboten.

In der Sitzung am 19. Juni wurde der Antrag auf Grund der noch offenen Fragen zunächst einstimmig zur weiteren Beratung zurückgestellt. Vor der Sommerpause fand das Anliegen mit der ursprünglichen Forderung keine Mehrheit, da berechtigte Parkplatzinteressen der benachbarten Bürger und Besucher noch abgewogen werden mussten.

Entscheidende Wende durch Auftritt von Thomas Schmidt

In der jüngsten Sitzung des Ortsbeirats nahm das Thema schließlich eine entscheidende Wende, nachdem die BFF den Antrag erneut vorgelegt hatte. Den Ausschlag für das Umdenken im Stadtteilgremium gab maßgeblich der engagierte Vortrag von Thomas Schmidt während der Bürgerstunde. Schmidt, selbst aktiver Feuerwehrmann, trat als sachkundiger Fachmann der Freiwilligen Feuerwehr Kalbach auf.

Er verdeutlichte den Beiratsmitgliedern anschaulich die taktische Notwendigkeit der Maßnahme: Einige Einsatzkräfte müssen im Alarmfall erst vom benachbarten Riedberg nach Kalbach anfahren und benötigen sofort eine freie Abstellmöglichkeit. Um das erste Löschfahrzeug umgehend besetzen zu können, werden mindestens 6 Einsatzkräfte benötigt. Genau aus diesem Grund reichten die bisherigen reservierten Stellplätze nicht aus, weshalb die Aufstockung zwingend erforderlich sei. Schmidt wies darauf hin, dass die öffentlichen Stellplätze am Rathaus häufig tagelang durch zivile Fahrzeuge blockiert seien, was im Notfall ein unnötiges Risiko darstelle.

Beschluss im Ortsbeirat und Ausblick

Die praxisnahen und eindringlichen Argumente überzeugten das Gremium schlussendlich. Der erweiterte Antrag ging schließlich mit großer Mehrheit. Die Entscheidung verschafft den Ehrenamtlichen eine spürbare Entlastung im Einsatzalltag, da die örtliche Feuerwehr ohnehin vor baulichen Herausforderungen steht. Die seit Jahren zugesagte Erweiterung des in die Jahre gekommenen Feuerwehrhauses verzögert sich aufgrund fehlender Planungskapazitäten bei der Stadt weiter auf unbestimmte Zeit. Die gesicherten Parkflächen vor der Tür stellen somit einen wichtigen Baustein dar, um die Einsatzbereitschaft im Stadtteil Kalbach-Riedberg auch unter den bestehenden Bedingungen bestmöglich zu gewährleisten.

Teile diesen Beitrag mit Freunden

Sicherung der finanziellen Handlungsfähigkeit und des Vertrauensschutzes der Frankfurter Ortsbeiräte

Symbolbild Sparschwein-Plünderung

Die Budgets der 16 Frankfurter Ortsbeiräte stellen kein bloßes Anhängsel des städtischen Haushalts dar, sondern bilden das materielle Fundament der dezentralen kommunalen Selbstverwaltung. Als Instrument der bürgernahen Demokratie ermöglichen sie es den ehrenamtlich tätigen Gremien, unmittelbar auf lokale Bedürfnisse zu reagieren und die Identität der Stadtbezirke durch gezielte Projektförderung zu stärken.

Die finanzielle Ausstattung ist somit eine strategische Grundvoraussetzung für die Wirksamkeit lokaler Mitbestimmung. Seit der Einführung im Jahr 2007 – ursprünglich mit 1 Euro pro Einwohner dotiert und 2012 auf 50 Cent halbiert – fungieren diese Mittel als unverzichtbares Werkzeug zur Förderung kleinerer Investitionen und des lokalen Vereinslebens. Die aktuelle Entscheidung, diese gewachsenen Strukturen durch den unangekündigten Einzug von Rücklagen zu beschneiden, stellt eine Zäsur dar, welche die partnerschaftliche Zusammenarbeit zwischen dem Magistrat und der Stadtteilpolitik grundlegend in Frage stellt.

Was bedeutet die aktuellen Haushaltsentscheidung im Kontext der Konsolidierung

Angesichts eines bilanzierten Defizits von rund 400 Millionen Euro im Jahresabschluss 2025 sieht sich die Stadt Frankfurt zu massiven Konsolidierungsanstrengungen gezwungen. In diesem Zusammenhang hat der Magistrat Maßnahmen ergriffen, die die Ortsbeiräte im laufenden Jahr 2026 vor vollendete Tatsachen stellen. Die Kernpunkte dieser Entscheidung lassen sich wie folgt zusammenfassen:

  • Unangekündigter Einzug von Rücklagen: Die Budgetüberträge aus den Jahren 2024 und 2025 wurden ohne Vorwarnung zur Deckung von Haushaltslöchern im städtischen Gesamthaushalt eingezogen.
  • Gesamtvolumen: Die betroffenen Mittel belaufen sich auf circa 700.000 Euro über alle 16 Ortsbezirke hinweg.
  • Administrative Inkonsistenz: Besonders kritisch zu bewerten ist die Paradoxie, dass Fachämter wie das Grünflächenamt in der Vergangenheit regelmäßig die Ortsbeiräte explizit um finanzielle Unterstützung für städtische Pflichtaufgaben, etwa Spielplatz-Nachrüstungen, baten, während derselbe Magistrat nun die verbliebenen Mittel pauschal entzieht.

Analytisch betrachtet offenbart sich hier ein eklatantes Missverhältnis zwischen der geringen fiskalischen Entlastungswirkung (700.000 Euro gegenüber 400 Millionen Euro Defizit) und dem massiven politischen Flurschaden. Diese Maßnahme muss daher weniger als zwingende haushaltspolitische Notwendigkeit, sondern vielmehr als ein symbolpolitisches Versagen der Prioritätensetzung gewertet werden, das die Handlungsfähigkeit der bürgernächsten Gremien zugunsten eines marginalen Buchungserfolgs opfert.

Operativen und soziale Konsequenzen

Um ihrer Rolle als „Gestalter statt Verwalter“ gerecht zu werden, sind die Ortsbeiräte auf Planungssicherheit angewiesen. Der plötzliche Entzug der Mittel führt zu einer unmittelbaren Lähmung der Stadtteilpolitik.

  • Gefährdung von Vereinsförderung und Ehrenamt: Lokale Kulturträger wie das Filmforum Höchst oder das Neue Theater sind unmittelbar betroffen. Ein besonders gravierendes Beispiel ist der Verein „100 Jahre Eingemeindung 2028“: Trotz bereits gegebener Zusagen für eine Anschubfinanzierung sind die Mittel durch den Rücklageneinzug faktisch nicht mehr vorhanden.
  • Blockade investiver Maßnahmen: Projekte zur Aufwertung des öffentlichen Raums, wie die Nachrüstung von Spielgeräten oder die Aufstellung öffentlicher Bücherschränke, kommen zum Stillstand.
  • Finanzielle Instabilität: Die operativen Folgen zeigen sich exemplarisch im Ortsbeirat 6 (Frankfurter Westen). Durch den Wegfall der eingeplanten Restmittel ist das Gremium faktisch mit 14.000 Euro ins Defizit geraten. In der Sitzung am 11.08.2026 musste Hauptamtsleiter Peter Dommermuth bereits intervenieren, um die Wogen zu glätten und die verunsicherten Mandatsträger über die verbliebene Handlungsfähigkeit aufzuklären.

Die Unfähigkeit, bereits gegebene Zusagen gegenüber bürgerschaftlichen Initiativen einzuhalten, beschädigt die Glaubwürdigkeit der Lokalpolitik nachhaltig. Wenn bürgerschaftliches Engagement durch nachträglichen Mittelentzug bestraft wird, droht eine dauerhafte Entfremdung zwischen Bürgern und städtischen Institutionen.

Die Bedeutung des Vertrauensschutzes in der Haushaltsführung

Der Vertrauensschutz ist ein im Kommunalverfassungsrecht verankerter, wenn auch ungeschriebener Grundsatz der partnerschaftlichen Zusammenarbeit. Die bisherige Praxis der Mittelübertragung war im „Handbuch der Stadtverordnetenversammlung für die XIX. Wahlperiode“ unter dem Stichpunkt Ortsbeiratsbudget-Beschluss (OIB) klar dokumentiert. Auf diese Beständigkeit durften die Gremien vertrauen, insbesondere um durch Ansparen auch größere, langfristige Projekte realisieren zu können.

Das Vorgehen des Magistrats verstößt gegen die Prinzipien der Haushaltswahrheit und Haushaltsklarheit, indem wesentliche Budgetveränderungen ohne transparente Kommunikation im Rahmen der Jahresabschlussrechnung „versteckt“ wurden. Eine solche „Politik nach Kassenlage“ ohne frühzeitige Einbindung der Betroffenen zerstört die Grundlage einer verantwortungsvollen Haushaltsführung vor Ort. Wenn politische Entscheidungen die Verlässlichkeit kommunaler Zusagen untergraben, wird das Vertrauen in die kommunale Selbstverwaltung als Ganzes erschüttert.

Lösungsoptionen

Zur Wiederherstellung des politischen Friedens und der Funktionsfähigkeit der Ortsbeiräte ist eine Rückkehr zur Verlässlichkeit unumgänglich. Folgende Schritte sind strategisch geboten:

  1. Sofortige Restitution: Die eingezogenen Rücklagen müssen vollständig zurückgegeben werden, um die aktuelle Defizitsituation (insb. OBR 6) zu beenden und die Auszahlung bereits gebundener Mittel sicherzustellen.
  2. Strukturelle Stärkung: Gemäß Koalitionsvertrag ist das Budget umgehend auf einen Euro pro Einwohner zu erhöhen, um dem gestiegenen Kostendruck und der Bedeutung der Stadtteilarbeit Rechnung zu tragen.
  3. Prozessuale Transparenz: Die Implementierung einer verbindlichen, frühzeitigen Beteiligung der Ortsbeiräte bei budgetrelevanten Entscheidungen muss sichergestellt werden.

Eine Chance für diesen Neuanfang bietet die personelle Neuausrichtung im Dezernat II. Die designierte Stadtkämmerin Susanne Serke verfügt als ehemalige Ortsvorsteherin des Ortsbeirats 6 über profunde Kenntnisse der dezentralen Strukturen. Es ist zu erwarten, dass sie die angekündigten „Denkansätze für eine Lösung“ im Sinne einer Stärkung der Stadtteilautonomie ausgestaltet.

Die Handlungsfähigkeit der Frankfurter Ortsbeiräte ist kein „Nice-to-have“, sondern eine fundamentale Säule der kommunalen Demokratie in Frankfurt. Die einseitige Kürzung der Mittel stellt einen strategischen Fehler dar, der in keinem vertretbaren Verhältnis zum fiskalischen Nutzen steht. Eine vitale Stadtgesellschaft bedarf der Verlässlichkeit und Transparenz in der Haushaltsführung. Es liegt nun in der Verantwortung des Magistrats, durch eine Rückkehr zur bewährten Haushaltspraxis die Planungssicherheit der Ortsbeiräte wiederherzustellen und damit das Fundament der lokalen Mitbestimmung dauerhaft zu sichern.

Teile diesen Beitrag mit Freunden

FIAS-Forschende entschlüsseln Molekülfaltung in Rekordzeit

Von der Messung zum Modell

Einem Forschungsteam am Frankfurt Institute for Advanced Studies (FIAS) auf dem Campus Riedberg ist ein bedeutender methodischer Durchbruch in der Biophysik gelungen. Die Wissenschaftler um FIAS-Senior-Fellow Roberto Covino und Doktorand Lars Dingeldein entwickelten in Kooperation mit der Goethe-Universität Frankfurt, der University of Alberta und dem Flatiron Institute in New York ein Verfahren, das die räumliche Faltung von Molekülen innerhalb weniger Sekunden präzise rekonstruieren kann. Ihre Arbeit wurde in der renommierten Fachzeitschrift Physical Review Letters veröffentlicht und dort als sogenannte „Editors’ Suggestion“ besonders gewürdigt.

Das Problem bisheriger Messverfahren

Proteine und Nukleinsäuren sind die fundamentalen Bausteine des Lebens. Um ihre biologischen Funktionen zu erfüllen, müssen sie sich in exakt definierte dreidimensionale Strukturen falten. Kommt es dabei zu Fehlern, können schwere Erkrankungen wie die Creutzfeldt-Jakob-Krankheit oder Amyotrophe Lateralsklerose (ALS) entstehen.

Um solche Faltungsprozesse in Echtzeit zu beobachten, nutzt die Forschung hochsensitive optische Pinzetten(1). Bei dieser Form der Einzelmolekül-Kraftspektroskopie(2) wird ein einzelnen Molekül unter leichte Spannung gesetzt. Die Herausforderung: Das Messgerät zeichnet nie die Bewegung des Moleküls allein auf. Das gemessene Signal ist stets ein Gemisch aus der Eigenbewegung des Moleküls, den elastischen Eigenschaften der molekularen Verbindungsglieder (Linker) und der Eigendynamik des Messgeräts. Um diese Einflussfaktoren voneinander zu trennen, waren bisher zeitintensive Messreihen – oft die 20- bis 100-fache Datenmenge – sowie aufwendige Kalibrierungen nötig.

KI vereinfacht die Signaltrennung

Das Team um Covino wählte einen völlig neuen Ansatz: Statt das Messgerät mühsam separat zu kalibrieren, simulierten die Forschenden das gesamte Experiment – inklusive Molekül, Linker und Messvorrichtung – im Computer. Anschließend trainierten sie ein neuronales Netz(3) mittels simulationsbasierter Inferenz (Simulation-Based Inference) darauf, aus den gemessenen Signalen direkt auf die zugrundeliegenden Faltungsmodelle zu schließen.

„Wir charakterisieren das Messgerät nicht mehr separat“, erläutert Roberto Covino das Prinzip. „Wir simulieren das Molekül zusammen mit dem Messgerät, und das neuronale Netz findet dann selbst heraus, welcher Anteil der gemessenen Bewegung vom Molekül stammt.“

Die Ergebnisse demonstrieren die Effizienz des Verfahrens:

  • Zwei Sekunden Messdaten einer einzelnen DNA-Haarnadelstruktur genügen, um deren Energielandschaft(4) der Faltung ebenso exakt zu rekonstruieren wie mit bisherigen Langzeitmessungen.
  • Fünf Sekunden Daten reichen aus, um vier verschiedene Faltungszustände eines sogenannten RNA-Riboswitch-Aptamers aufzulösen.

Relevanz für die Wirkstoffentwicklung

Die dramatische Verkürzung der Messzeit ermöglicht es erstmals, Faltungsprozesse systematisch und in hoher Durchsatzzahl zu vergleichen. Das ist insbesondere für die pharmazeutische Forschung von Bedeutung.

Das neue Verfahren wird bereits bei der Untersuchung bakterieller Riboswitches eingesetzt, die als potenzielle Zielstrukturen für neuartige Antibiotika gelten. Auch bei der Analyse fehlgefalteter Proteine im Zusammenhang mit neurodegenerativen Erkrankungen verspricht die Methode Fortschritte. Da sich nun aus minimalen Datenmengen präzise Modelle gewinnen lassen, rückt die breite Nutzung von Faltungslandschaften in der computergestützten Wirkstoffentwicklung in greifbare Nähe.


Wissenschaftliche Fachbegriffe erklärt

(1) Optische Pinzette: Ein physikalisches Instrument, das stark fokussierte Laserstrahlen nutzt, um mikroskopisch kleine Objekte oder einzelne Moleküle ohne direkten mechanischen Kontakt zu halten und zu bewegen.

(2) Einzelmolekül-Kraftspektroskopie: Eine experimentelle Methode, mit der die mechanischen Eigenschaften und Verformungen einzelner Moleküle gemessen werden, indem kontrollierte Kräfte im Pikonewton-Bereich auf sie ausgeübt werden.

(3) Neuronales Netz: Ein Algorithmus aus dem Bereich der Künstlichen Intelligenz, der nach dem Vorbild des menschlichen Gehirns aufgebaut ist und in der Lage ist, komplexe Muster in Daten zu erkennen und Zuordnungen zu erlernen.

(4) Energielandschaft (Faltungslandschaft): Eine mathematische und physikalische Darstellung aller möglichen räumlichen Anordnungen eines Moleküls und der dazugehörigen Energiezustände. Sie zeigt auf, welche Zustände stabil sind und welche Wege das Molekül bei der Faltung bevorzugt.

Teile diesen Beitrag mit Freunden

Engpass auf der A-Strecke: SPD fordert Fahrplan für die Instandsetzung der Maybachbrücke

Maybachbrücke

Ausdünnung des Takts belastet Pendler im Frankfurter Norden – Campus Riedberg wächst ab dem Wintersemester 2027 um über 5.000 Studierende.

Die infrastrukturellen Schwachstellen der Frankfurter Brückenbauwerke treffen den öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) an einer empfindlichen Ader. Aufgrund der reduzierten Tragfähigkeit der Maybachbrücke sowie Einschränkungen an der nahen Brücke »Am Weißen Stein« rollen auf der stark frequentierten A-Strecke der U-Bahn weniger Züge als gewohnt. Vor dem Hintergrund des anstehenden Wachstums am Universitätscampus Riedberg fordert die SPD-Fraktion im Ortsbeirat 12 nun Transparenz und einen verbindlichen Zeitplan vom Magistrat.

Statische Defizite drosseln U-Bahn-Takt

Ein intaktes Nahverkehrsnetz bildet das Rückgrat der städtischen Mobilität. Doch ausgerechnet auf der zentralen A-Linie, welche die U-Bahn-Verbindungen U1, U2, U3 und U8 bündelt, müssen Fahrgäste seit dem Frühjahr spürbare Kapazitätskürzungen hinnehmen. Seit den Osterferien wurde das Leistungsangebot auf der Trasse von ursprünglich 24 auf nur noch 20 Fahrten pro Stunde ausgedünnt.

Der Grund für die Ausdünnung liegt im baulichen Zustand der Brückeninfrastruktur. Rein rechnerische statische Defizite – insbesondere im Bereich der Quertragsysteme und der Schubtragfähigkeit der Brückenplatten – haben dazu geführt, dass Sicherheitsauflagen erlassen werden mussten. Auf dem Bauwerk gilt ein striktes Begegnungsverbot für U-Bahn-Züge. Entgegenkommende Bahnen dürfen den kritischen Abschnitt nicht zeitgleich befahren; eine Bahn muss warten, was den Verkehrsfluss bremst und die Gesamtkapazität der Trasse drosselt.

Die Verringerung der Zugzahlen hat direkte Folgen für die Pendlermodelle im Frankfurter Norden. Auf der Linie U2, die früher im 7/8-Minuten-Takt verkehrte und mittlerweile regulär im 10-Minuten-Takt betrieben wird, führen die Ausfälle zu einer erheblichen Überlastung. Selbst beim Einsatz von Vier-Wagen-Zügen sind zu Spitzenzeiten in den Morgenstunden sämtliche Sitzplätze ab der Station Kalbach oft vollständig belegt. Bereits dort müssen Fahrgäste stehen; bis Heddernheim herrscht dichte Enge in den Waggons. Auch in den Abendstunden in Richtung Kalbach ist die Auslastung hoch. Angesichts des gut genutzten Park-and-Ride-Platzes Kalbach droht die Attraktivität des ÖPNV-Umstiegs Schaden zu nehmen.

Neubau der Informatik verstärkt Handlungsdruck

Besondere Dringlichkeit erhält die Debatte durch die städtebauliche und akademische Entwicklung im Stadtteil Riedberg. Mit dem Beginn des Wintersemesters 2027/2028 zieht der Neubau für Mathematik und Informatik der Johann Wolfgang Goethe-Universität auf den Campus Riedberg. Damit werden sich schlagartig gut 5.000 zusätzliche Studierende sowie rund 200 Wissenschaftler am Standort aufhalten.

Dieser Zuwachs an Pendlern ist ohne eine voll leistungsfähige A-Strecke kaum zu bewältigen. Ein funktionierender Takt der U-Bahn-Linien ist essenziell, um die Tausenden Studierenden und Beschäftigten pünktlich zum Campus und wieder zurück in die Innenstadt zu befördern.

Forderungen der SPD: Transparenz und Neubau-Planung

In einem aktuellen Antrag (OF 42/12) bittet die SPD-Fraktion den Magistrat um Aufklärung. Konkret fordert die Partei Antworten auf folgende Punkte:

  1. Planungstand: Inwieweit Ingenieurleistungen der Objekt- und Tragwerksplanung bereits ausgeschrieben sind und wann mit Ergebnissen zu rechnen ist.
  2. Begegnungsverkehr: Wann nach dem Monitoring-System für die Bauwerksdiagnostik wieder mit rechnerisch sicherem Begegnungsverkehr der U-Bahnen gerechnet werden kann.
  3. Neubau-Zeitplan: Wann mittelfristig mit Beginn und Fertigstellung eines Ersatzneubaus zu rechnen ist.
  4. Öffentlichkeitsarbeit: Die Vorstellung der Ergebnisse in einem Bericht und einer Präsentation vor dem Ortsbeirat 12 und der Öffentlichkeit.

Um die Sicherheit zu gewährleisten, wird an den Bauwerken ein System zur automatisierten Bauwerksdiagnostik eingesetzt. Erst nach einer Phase der Datenerhebung kann geprüft werden, ob der Begegnungsverkehr vorübergehend wieder zugelassen werden kann. Ein dauerhafter Ersatzneubau gilt jedoch mittelfristig als unumgänglich, um weitere Schadensentwicklungen und Mehrkosten abzuwenden.

 


Weiterführende Links

Teile diesen Beitrag mit Freunden