Frankfurter Zeitmesser im Sonnenlicht: Lokale Präzisionskunst in Kalbach ausgezeichnet

Sonnenuhr groß

In einer Zeit, in der Smartphones und digitale Armbanduhren die Tageszeit auf die Millisekunde genau angeben, mag der Blick auf eine Sonnenuhr wie eine entschleunigte Reise in die Vergangenheit wirken. Doch in Frankfurt besitzen die faszinierenden Zeitmesser am Himmelslauf nicht nur eine lange Tradition, sondern erfahren auch heute noch hohe wissenschaftliche und handwerkliche Wertschätzung.

Nationale Auszeichnung für Kalbacher Präzisionsarbeit

Aktuellen Anlass zur Freude gibt ein besonderer Erfolg im Frankfurter Norden: Thomas Meine aus Kalbach wurde von der Deutschen Gesellschaft für Chronometrie (DGC) mit einem 2. Platz in einem bundesweiten Wettbewerb ausgezeichnet. Grund dafür war ein Jubiläum der Fachgesellschaft, die seit vielen Jahren ein wissenschaftliches Verzeichnis bedeutender ortsfester Sonnenuhren in Deutschland, Österreich, der Schweiz, Liechtenstein und Luxemburg führt. Als sich die Katalognummer 20.000 näherte, rief die DGC einen Wettbewerb ins Leben, um herausragende Sonnenuhren hinsichtlich Idee, Gestaltung und handwerklicher Umsetzung zu würdigen.

Ausgezeichnet wurde die kleinere von zwei Sonnenuhren an der östlichen Hauswand von Thomas Meine im Kalbacher Grubweg. Meine entwickelte die Konstruktion gezielt für seine Hauswand, auf die die Sonne nur über einen beschränkten Zeitraum am Tag (unterschiedlich je nach Jahreszeit) scheint. Damit bewies er, dass funktionale Sonnenuhren auch an Standorten realisierbar sind, die keine ganztägige Besonnung aufweisen.

Sonnenuhr klein

© Thomas Meine

Hinter der schlichten Eleganz steckt ein enormer mathematischer Aufwand. Auf der Basis der Berechnungen wurde ein feinjustierbares Modell entwickelt und in Zusammenarbeit mit der Kalbacher »Schlosserei und Metallbau Gerhard Stamm« realisiert. Juniorchef Werner Stamm, ein erfahrener Kunstschmied, setzte die anspruchsvolle Konstruktion in Metall um. Das Werk folgt dem Prinzip „weniger ist mehr“ und zeigt, dass wissenschaftliche Präzision, handwerkliche Qualität und eine einfache Gestaltung perfekt harmonieren.

„Die Leute meinen oft, die Uhr geht falsch. Doch eine korrekt eingestellte Sonnenuhr zeigt immer die richtige Zeit an – die »Wahre Sonnenzeit«“, betont Thomas Meine schmunzelnd. Während sich moderne Uhren nach einer künstlichen Vereinbarung wie Zeitzonen und nach der Sommerzeit richten, kennt unser Zentralgestirn, die Sonne, diese Konventionen nicht.

Kupferne Äquatorialsonnenuhr am Mainufer

Die Auszeichnung in Kalbach reiht sich ein in die vielfältige Geschichte Frankfurter Sonnenuhren. Ein prägnantes Denkmal im öffentlichen Raum ist die Äquatorialsonnenuhr am Mainufer unterhalb der Schönen Aussicht. Entworfen wurde die 100 Kilogramm schwere Konstruktion aus Kupfer im Jahr 1949 von dem damals 29-jährigen Ingenieur und Uhrmachermeister Lothar M. Loske. Gebaut von den Heddernheimer Kupferwerken unter der Bauleitung der Ingenieurin Hildegard Langeloth und mit astronomischer Unterstützung ihres Ehemanns Kurt, wurde die Uhr 1951 im Nizza-Park eingeweiht. Damals galt sie als größte Äquatorialsonnenuhr der Welt.

Aufgrund von Schattenwurf durch heranwachsende Bäume zog das Kunstwerk 2004 an seinen heutigen Standort an der »Schönen Aussicht« um. Die Uhr verfügt über ein breites Skalenband mit 12 parallelen Monatsskalen, die den Zeitausgleich berücksichtigen und die Mitteleuropäische Zeit (MEZ) anzeigen. Ergänzt wird die Konstruktion durch einen Weltzeitring mit den Namen von 200 Städten. Wenn Witterung und Beschädigungen im öffentlichen Raum Nachbesserungen erfordern, setzt sich das städtische Grünflächenamt regelmäßig für den Erhalt dieses technischen Kulturdenkmals ein.

Historisch: Der Pomodoro-Brunnen: Astronomie im Herzen der Stadt

Ein weiteres faszinierendes Beispiel für „gnomonische Kunst“ bildete der Pomodoro-Brunnen am Goetheplatz. Der vom Mailänder Bildhauer Giò Pomodoro geschaffene Brunnen wurde 1983 eingeweiht. Sein zentrales Element war ein 7 Meter hoher Bronze-Obelisk, der als Gnomon (Schattenwerfer) dient. Am Tag der Sommersonnenwende fiel der Schatten der Stelenspitze zum astronomischen Mittag exakt auf die Trennlinie der zwei Wasserbecken. Obwohl das Kunstwerk im urbanen Alltag oft nur als Treffpunkt genutzt wurde, verbarg sich dahinter ein durchdachtes astronomisches Bauwerk. 2004 wurde der Brunnen abgebaut. Falls im Ortsbezirk Bedarf an weiteren Sonnenuhren ist, … es wird noch ein neuer Standort für ihn gesucht.

Ob in Kalbach, am Mainufer oder in der Innenstadt: Frankfurts Sonnenuhren verbinden Ästhetik, Handwerk und Himmelsmechanik – und erinnern daran, dass Zeit im Ursprung ein Geschenk der Sonne ist.


Hintergrundinfo

Um eine korrekte Sonnenuhr für einen Standort einzurichten und Korrekturwerte im Abgleich mit der offiziellen Zeit zu ermitteln, sind zahlreiche Überlegungen, Berechnungen und viel astronomisches Wissen vonnöten:

  • Neue Sonnenuhren sollten bereits auf die Mitteleuropäische Zeit eingerichtet sein, die sich am 15. Längengrad orientiert. Frankfurt liegt zwischen dem 8. und 9. Längengrad. So wird ein sonst notwendiges Korrekturelement beim Abgleich mit der offiziellen Zeit beseitigt.
  • Neben der Tageszeitanzeige können bei Bedarf zusätzliche Marker angebracht werden, wie für die Sonnenwenden, Datumslinien etc.
  • Wir haben unterschiedliche Tageslängen (24-Stunden Perioden). Einmal ist die Geschwindigkeit, mit der die Erde die Sonne umkreist, nicht konstant. Zum anderen liegt das an der Schieflage der Erdachse. Die Mitteleuropäische Zeit arbeitet mit gemittelten Stunden, was sich insgesamt aber wieder ausgleicht. Tageskorrekturen können mittels der Zeitgleichung errechnet werden.
  • Der Standort muss berücksichtigt werden, nicht nur bei der Berechnung der Winkel für die Anzeige. Bei der Sonneneinstrahlung können im Jahresverlauf Hindernisse in den Weg kommen. Der Sonnenhöchststand (und damit auch der Verlaufsbogen) schwankt, je nach Lage, zwischen Sommer und Winter. In Frankfurt am Main bewegt sich das in einem erheblichen Umfang, zwischen 60 Grad und 16 Grad.
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Dialog im Quartier: Die Grünen im Gespräch mit den Anwohnern

Der Infostand der Grünen

Auf dem Drehscheiben-Spielplatz am Riedberg luden die Grünen zum Bürgerdialog. Während Passanten Wünsche von Gastronomie bis zur Gestaltung von Spielplätzen äußerten, blickt die Partei auf fünf Jahre erfolgreiche Stadtteilpolitik zurück.

Direkter Austausch vor Ort statt Politik aus der Ferne: Auf dem Drehscheiben-Spielplatz am Riedberg veranstaltete die Partei »Die Grünen« im Rahmen ihrer Sommertour einen Bürgerdialog. Gut zwei Dutzend Anwohner nutzten die Gelegenheit, um ihre Wünsche und Sorgen auf bunte Kärtchen zu schreiben. Stadtverordnete Katharina Knacker und Ortsbeirätin Ulrike Neißner betonten, wie wichtig dieser direkte Austausch sei, um Betriebsblindheit zu vermeiden und konkrete Impulse für das Quartier mitzunehmen.

Die Wunschtafel des Bürgerdialogs

Die Wunschtafel des Bürgerdialogs

Vielfältige Bedürfnisse von Älteren und Jüngeren

Die geäußerten Anliegen spiegelten die unterschiedlichen Lebensrealitäten im Stadtteil wider. Ältere Passanten beschäftigte vor allem das soziale Miteinander und die örtliche Infrastruktur. Sabine Mann (65) aus Kalbach wies darauf hin, dass es im Ortsbezirk kaum noch Gastronomie gebe, in der Menschen abends zusammenkommen können. Gewünscht werden gemütliche Treffpunkte wie Pizzerien oder Bars.

Zudem forderten Bürger mehr öffentliche Toiletten (etwa Komposttoiletten), Trinkwasserspender an Spielplätzen sowie ausgewiesene Auslaufflächen für Hunde.

Auch die Sauberkeit im öffentlichen Raum wurde thematisiert: Anwohnerin Qiong Su (36) lobte zwar die hohe Aufenthaltsqualität am Riedberg, beklagte jedoch die Vermüllung von Wiesen durch Ausflügler aus anderen Stadtteilen und forderte wirksame Gegenmaßnahmen.

Auch die Wünsche jüngerer Passanten und Kinder traten deutlich hervor. Neben verständlichen Kinderwünschen nach Süßigkeitenläden standen sportliche und sichere Freizeitmöglichkeiten im Mittelpunkt. Gefordert wurden Fahrrad-Parcours-Bahnen, Klettermöglichkeiten, ein Skaterpark sowie mehr Sand auf dem Drehscheiben-Spielplatz zur Reduzierung des Verletzungsrisikos.

Der Parcours für die Kinder

Der Parcours für die Kinder

Erfolgreiche Bilanz der vergangenen fünf Jahre

Der Bürgerdialog bot zugleich Anlass, auf die grüne Bilanz der vergangenen fünf Jahre in der Frankfurter Kommunalpolitik zu blicken. In den nördlichen Stadtteilen und im gesamten Stadtgebiet wurden zentrale Vorhaben umgesetzt. So stieg beispielsweise die Zahl der Spielplätze und Freizeitanlagen stadtweit von 650 auf 678.

Ein bedeutendes Projekt vor Ort ist der erweiterte Kinderwanderweg am Riedberg. Unter Leitung der Ortsbeirätin Ulrike Neißner und der Kinderbeauftragten Eva Bieber wurde der Weg auf 8 Kilometer ausgebaut und umfasst nun 17 Stelen in Anlehnung an die 17 UN-Nachhaltigkeitsziele. In Zusammenarbeit mit lokalen Grundschulen und Gymnasien entstanden interaktive Fragen. Via QR-Codes können die Themen vertieft werden.

Auch in den Bereichen Umwelt und Verkehrsplanung zeigten sich Erfolge: Neben der Pflanzung von Tausenden neuen Stadtbäumen und dem Schutz regionaler Streuobstwiesen punktete Frankfurt bei der Mobilitätswende. Beim ADFC-Fahrradklima-Test 2024 belegte die Stadt den ersten Platz unter den deutschen Großstädten.

Der Bürgerdialog am Riedberg verdeutlichte, dass das Bedürfnis nach hoher Lebensqualität, Begegnungsorten und nachhaltiger Stadtentwicklung unverändert stark ist. Die eingebrachten Anregungen sollen nun in die künftige Arbeit im Ortsbeirat und im Stadtparlament einfließen.

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Erster Klima-Verein in Frankfurt gegründet

Gewitterwolke mit Blitz

Klimareferat unterstützt Engagement von Bürgern – Neues Angebot stärkt Initiativen in den Stadtteilen

Mit einem neuen Unterstützungsangebot begleitet das Klimareferat seit diesem Jahr Frankfurter Bürger, die sich gemeinsam für Klimaschutz und Klimaanpassung in ihrem Stadtteil engagieren möchten. Die neue Nachhaltigkeitsmanagerin Eva Wick unterstützt sie dabei – von der ersten Idee über Beratung und Vernetzung bis hin zu Informationen über Fördermöglichkeiten. Mit Erfolg: Inzwischen ist daraus der erste Verein entstanden – das „KlimaQuartier Preungesheim-Eckenheim“.

„Ich freue mich sehr, dass mit dem ,KlimaQuartier Preungesheim-Eckenheim‘ nun der erste Klima-Verein entstanden ist. Ich wünsche mir, dass viele weitere Stadtteile diesem Beispiel folgen. Denn Klimaschutz beginnt dort, wo wir leben: im eigenen Viertel und gemeinsam mit den Menschen, die ihren Stadtteil gestalten möchten“, sagt Klimadezernentin Tina Zapf-Rodríguez. „Die Bürger wissen selbst am besten, welche Projekte zu ihrem Stadtteil passen und wie sie ihre Nachbarschaft erreichen. Ich möchte die Frankfurter dazu ermutigen, sich für ihre Quartiere einzusetzen und ihren Stadtteil klimafreundlich weiterzuentwickeln.“

„Wir wollen Klima-Themen verständlicher und erlebbarer machen, denn Klimaschutz geht uns alle an“, sagt Jasmin El-Chanati, Initiatorin des Klima-Vereins „KlimaQuartier Preungesheim-Eckenheim“. „Wir haben viele Ideen zusammengetragen und ich bin gespannt, was wir als Verein in Zukunft bewegen können. Ich erhoffe mir, dass wir in den nächsten Jahren gemeinsam mit anderen Akteur wachsen und dass wir viele Mitglieder bekommen. Klima ist für uns alle wichtig und das fängt schon im Kleinen an: zu Hause, vor der eigenen Haustür und auch im Stadtteil.“

Die ersten Ideen reichen von einer gemeinsamen Begrünungsaktion über Mitmachaktionen für die Nachbarschaft bis hin zu Veranstaltungen für Kinder. Dazu zählen beispielsweise ein Kinder-Mitmach-Nachmittag oder ein Stadtteilfest, bei dem sich Kinder an verschiedenen Ständen mit Verpackungsmaterialien, der Bedeutung von Insekten oder dem Herstellen von Samenbomben beschäftigen können. Wichtig ist dem neuen Verein, die Themen Klimaschutz und Klimaanpassung lebendig und praxisnah im Stadtteil zu vermitteln.

Das Angebot ergänzt die bisherige finanzielle Unterstützung durch das Programm „Bürgerengagement für den Klimaschutz“. Hans-Georg Dannert, Leiter des Klimareferats, betont: „Es gibt in Frankfurt bereits Initiativen und Vereine, die sich für Klimaschutz und Klimaanpassung engagieren, sei es am Riedberg, in Rödelheim, Ginnheim oder Eschersheim. Auch die Frankfurter Bürgerenergiegenossenschaft FraBeG ist ein Beispiel für bürgerschaftliches Engagement. Nun können wir auch über das Fördergeld von bis zu 2.500 Euro hinaus unterstützen und Initiativen und Vereine persönlich bei der Umsetzung begleiten.“

Mit dem Flyer „Gemeinsam für den Stadtteil – Klima-Vereine in Frankfurt starten informiert das Klimareferat über die Angebote und zeigt zahlreiche Möglichkeiten, sich im Stadtteil zu engagieren: etwa mit Fassadenbegrünungen, Baum- oder Trinkbrunnenpatenschaften, Stadtteilfesten oder einem Stammtisch, um Ideen zu Klimaschutz und Klimaanpassung auszutauschen und Wissen beispielsweise zu Photovoltaik oder Wärmepumpen weiterzugeben.

Weitere Informationen zu Fördermöglichkeiten sind unter Bürgerförderprogramm Klimaschutz | Stadt Frankfurt am Main zu finden. Fragen und Kontaktwünsche können per E-Mail an klimavereine@stadt-frankfurt.de gerichtet werden.

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Mehr Schutz für Flora und Fauna: Wie der Urselbach von der 4. Klärstufe profitiert

Wilder Urselbach

Der Urselbach, der auf rund 18,5 Kilometern Länge von den Hängen des Taunus durch Oberursel und den Frankfurter Norden bis zur Mündung in die Nidda fließt, ist eine prägende Ader der regionalen Naturlandschaft. Doch als Bachtal im dicht besiedelten Ballungsraum stand das Gewässer jahrelang unter starkem ökologischen Druck. Eine Schlüsselrolle für die Zukunft des Baches nimmt die Kläranlage Oberursel in Weißkirchen ein: Mit der Aufrüstung um eine vierte Klärstufe gewinnt das Gewässer nachhaltig an Reinheit und biologischer Stabilität.

Das Problem mit den unsichtbaren Schadstoffen

Klassische Kläranlagen arbeiten üblicherweise mit drei Reinigungsstufen: der mechanischen, biologischen und der chemischen Stufe. Diese Verfahren entfernen zwar organische Stoffe sowie Nährstoffe wie Phosphat sehr effektiv, stoßen bei Mikroschadstoffen jedoch an ihre Grenzen. So gelangten täglich feinstgelöste Substanzen – darunter Rückstände von Medikamenten, Schmerzmitteln, Hormonen, Röntgenkontrastmitteln, Bioziden, Mikroplastik und Haushaltschemikalien – über das gereinigte Abwasser in das Fließgewässer.

Fachleute und Umweltverbände wie der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) warnten seit Jahren vor den Folgen dieser Dauerbelastung. Der Experten Prof. Dr. Jörg Oehlmann von der Goethe-Universität machte darauf aufmerksam, dass Spurenstoffe selbst in geringen Konzentrationen die Wasserwelt schädigen – etwa durch hormonelle Störungen bei Fischen oder die Beeinträchtigung empfindlicher Mikroorganismen. Auch die Nachweise von multiresistenten Keimen führten dazu, dass das Gesundheitsamt zeitweise von einem direkten Wasserkontakt abriet. Punktuelle Störfälle mit toten Fischen durch erhöhte Ammonium- und Cyanidwerte unterstrichen die Empfindlichkeit des Bachsystems zusätzlich.

Die vierte Klärstufe als entscheidender Meilenstein

Die Implementierung der vierten Reinigungsstufe schließt diese Lücke im Abwasserprozess gezielt. Durch hochentwickelte Verfahren wie die Behandlung mit Aktivkohle oder die Ozonung werden bislang unerreichte Reinigungsgrade erzielt. Schwer abbaubare Moleküle und Spurenstoffe werden gebunden oder gespalten und wirksam aus dem Abwasser gefiltert. Bis zu 80 %, 90 % der verbleibenden Mikroschadstoffe können dadurch eliminiert werden, bevor das geklärte Wasser wieder dem natürlichen Kreislauf zugeführt wird.

Bedeutung für Mensch, Natur und die Region

Für den Urselbach ist dieser technische Fortschritt ein wichtiger Gewinn. Als typisches Vordertaunusgewässer führt der Bach in heißen Sommern oft nur wenig Quellwasser. In Dürreperioden stammt ein beträchtlicher Teil der Gesamtwassermenge aus dem Ablauf der Kläranlage. Je reiner dieses Wasser eingeleitet wird, desto besser erholen sich die Bestände von Kleinlebewesen, Insektenlarven und heimischen Fischarten.

Auch für den benachbarten Frankfurter Norden mit Stadtteilen wie Niederursel und dem Mertonviertel ergibt sich eine spürbare Aufwertung der Umweltqualität. Die gesteigerte Gewässergüte erhöht den Wert des Urselbachtals als beliebtes Naherholungsgebiet und unterstützt bestehende Initiativen zur Bachrenaturierung im Rahmen von Programmen wie „100 Wilde Bäche“. Die Kläranlage Oberursel leistet damit einen entscheidenden Beitrag zur Erfüllung der EU-Wasserrahmenrichtlinie und übernimmt regionale Verantwortung für das gesamte Flusssystem.

Welche Baustellen sind noch offen?

Private Immobilien

Moderne Baugebiete, wie der Riedberg, das Mertonviertel und die Nordweststadt sind inzwischen mit getrennten Wasserläufen für Regenwasser und für Brauchwasser (Spülmaschine, Waschmaschine, Toilette, Waschbecken, …) ausgerüstet. Dumm allerdings, wenn die Handwerker bei der Installation die Wasserausgänge nicht an den Wasserstrang für das Brauchwasser sondern an den Wasserstrang für das Regenwasser angeschlossen haben. Dann läuft die Schmutzbrühe ungeklärt in die Flüsse. Stichprobenartige Untersuchungen haben ergeben, dass das in 5 % der Installationen der Fall ist.

Auch bei der Entwässerung der Dächer wurden Fehlentscheidungen getroffen und umgesetzt. Laut Gemeindeordnung sollen die Dächer über die Regenrinnen und Fallrohre in Grünflächen (z.B. der eigene Garten) entwässert werden. Das ist den Garten-Nutzern aber nicht so recht. Daher wurden die Fallrohre mit der Brauchwasserleitung verbunden und so gelangt das wertvolle Regenwasser wieder im Brauchwasser und belastet somit das lokale Abwassernetz. Anstatt im Boden zu versickern und so den örtlichen Grundwasserspiegel zu stärken.

Verbesserung der Abwasser-Infrastruktur

Wenn es in einem Gebiet zu intensiven Regenfällen kommt, müssen die Abwasserkanäle eine Menge Niederschlagswasser von den Straßen, den angrenzenden Gebieten, von landwirtschaftlichen Flächen, von Hausdächern und größeren Plätzen aufnehmen. Damit das System nicht überläuft (und die Kanaldeckel in die Höhe schießen), gibt es sogenannte Mischwasserentlastungen. Da wurde bei den Kanälen ein sogenannter Mischwasserüberlauf eingebaut, der das überschüssige Wasser aufnimmt und dann in den nächstgelegenen Bach einleitet. Dies ist dann jedoch nicht mehr reines Regenwasser, sondern eine Mischung aus Regenwasser und Brauchwasser. Dieses Gemisch schießt dann ungeklärt durch den entsprechenden Graben oder den Bach und landet dann beispielsweise in Niederursel, wo es entsprechende Überflutungen auslöst. Allein in Oberursel konnte man 10 Stellen identifizieren, an denen diese Problematik vorliegt.

Landwirtschaft

So manche Äcker haben ein natürliches Gefälle zu den tieferliegenden Bachläufen hin. Wird nun von den Bauern hangabwärts gepflügt, schießt das Wasser sofort Richtung Bach und lässt ihn volllaufen. Der Vorteil für den Bauern: das Feld wird schnell wieder trocken und kann wieder leicht bearbeitet werden. Die Nachteile: Die abführenden Bäche schwellen in kürzester Zeit an und werden zu reißenden Bächen, die ein Teil der Erdkrume wegspülen, und als Schlamm in tiefer gelegenen Ortsbereichen bei Überschwemmungen ablagern. Das schnell abgeführte Oberflächenwasser hat dann auch keine Chance, in die gerade in heißen Sommern strohtrockenen Böden einzudringen und im Anschluss den Pflanzen und dem Grundwasser zur Verfügung zu stehen. Weinberge werden inzwischen zu agrarischen Schwamm-Flächen umgeformt.

Kommunen

Da, wo Menschen siedeln und Gewerbe treiben, entstehen leider immer wieder kontaminierte Flächen. Meist ein Anlass zu langwierigen Diskussionen, wer die Kosten für Entsorgung und Reinigung zu tragen hat. Doch Niederschläge warten nicht, bis diese Themen endlich geklärt sind. Sie fallen nieder, lösen einen Teil der Verunreinigungen und spülen sie in die nächstgelegenen Wasserläufe oder Abwasserkanäle.

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Verborgene Industriegeschichte vor unserer Haustür: Das vergessene Bergwerk „Gnade Gottes“

Bergwerk-Lore

Wer heute auf dem Riedberg wohnt oder die A661 nutzt, ahnt meist nicht, dass sich in unmittelbarer Nachbarschaft einst ein echtes Bergwerk befand. Nur wenige Kilometer entfernt, in der Ebene bei Oberursel-Bommersheim – direkt auf der Strecke zwischen Frankfurt und Bad Homburg –, liegt ein fast vergessenes Relikt der regionalen Industriegeschichte: das Braunkohlebergwerk „Gnade Gottes“.

Kohleförderung im flachen Feld

Anders als die typischen Bergwerke im Mittelgebirge lag die Grube „Gnade Gottes“ nicht im Taunuskamm, sondern erstreckte sich über rund 22.000 Quadratmeter im flachen Bommersheimer Feld. Geologisch stammt die dortige Kohle aus dem Tertiär. Damals war die Region ein subtropisches Sumpfgebiet, was durch Funde von versteinerten Zimt- und Feigenblättern in den Bodenschichten belegt ist.

Gefördert wurde Braunkohle (Lignit), die von Zeitzeugen jedoch als „mulmig“ beschrieben wurde: Sie war sehr weich, fast erdig, besaß einen hohen Wassergehalt, rußte beim Verbrennen stark und hatte eine deutlich geringere Brennleistung als Steinkohle.

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Bergwerk „Gnade Gottes“

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Bergwerk „Gnade Gottes“ 50.202014, 8.629632

Zwei kurze, intensive Betriebsphasen

Der Abbau vollzog sich in zwei historisch völlig unterschiedlichen Epochen:

  • Die erste Phase (1830–1840): Der Ausbau der Grube begann bereits 1829 südlich des heutigen Standorts. Investiert hatten Frankfurter Handelshäuser, allen voran der Kaufmann Gottlieb Bansa. Unter der Leitung von zwei Steigern und dem Bergwerkverwalter Panthel wurden jährlich bis zu 50.000 Zentner Kohle aus drei Schächten gefördert. Doch die Schächte, die bis zu 31 Meter tief in die Erde reichten, hatten massiv mit eindringendem Grundwasser zu kämpfen. Weil die damaligen Pumpen unzureichend waren, die Flöze nur eine Dicke von zwei Metern aufwiesen und die Kohlequalität mäßig war, wurde der Betrieb 1840 eingestellt.
  • Die zweite Phase (1919–1926): Nach dem 1. Weltkrieg herrschte in Deutschland extreme Kohleknappheit und Inflation, was die Reaktivierung der Grube wirtschaftlich machte. Ab 1920 lief der Betrieb wieder an, und 1922 wurde ein weiterer Schacht abgeteuft. In den Spitzenjahren 1922/1923 wurden bis zu 12.000 Zentner Stückkohle gefördert. Sobald sich die Wirtschaft jedoch stabilisierte und hochwertigere Ruhrkohle wieder verfügbar war, wurde der Abbau unrentabel. 1926 schloss die Grube für immer.

Spurensuche in der Nachbarschaft

Heute ist das Bergwerk weitgehend aus der Landschaft verschwunden. Da die Schächte in der Ebene instabil waren, wurden sie nach der Schließung komplett verfüllt, um Einbrüche auf den landwirtschaftlichen Flächen zu verhindern. Das Gelände befindet sich heute in Privatbesitz, und die ehemaligen Betriebsgebäude wurden zu Wohnhäusern umgewandelt.

Wer aufmerksam auf dem Hölderlinpfad oder dem Regionalpark-Rundweg spazieren geht, kann jedoch noch historische Spuren entdecken:

  • Eine Gedenk-Stele des Regionalparks RheinMain markiert den ungefähren Standort und erklärt die Geschichte.
  • Mit geschultem Auge lassen sich auf den Feldern noch leichte Unebenheiten erahnen, wo einst die Schächte lagen.
  • Ein symbolischer, aufgestellter Lore-Wagen erinnert an die Bergbau-Tradition der Region.

Frankfurt und sein Hunger nach Bodenschätzen

Das Projekt in Bommersheim war kein Einzelfall, sondern fügt sich ein in die historische Rolle Frankfurts als Bergbau-Metropole. Zwar hielt die Stadtverwaltung selten direkte Anteile an Bergwerken, doch die wohlhabende Bürgerschaft und das Patriziat investierten massiv Kapital, um Rohstoffe für den Handel zu sichern.

Hierzu gehörten Engagements im Siegerland an der Eisenerzgrube „Stahlberg“ – wovon sich sogar der Name der Frankfurter Patrizierfamilie Stalburg ableitet – sowie die Finanzierung des Kupfer- und Silberbergbaus im Spessart. Auch die Familie Bansa, eine einflussreiche Frankfurter Bankiersfamilie, versuchte mit der Grube „Gnade Gottes“ die Region unabhängig mit Energie zu versorgen. Später, ab 1881, erreichte diese Entwicklung mit der in Frankfurt gegründeten „Metallgesellschaft AG“ globale Dimensionen.

Das kleine Bergwerk vor den Toren des Riedbergs zeigt eindrucksvoll, mit welchem Pioniergeist und Risiko im 19. und frühen 20. Jahrhundert versucht wurde, die Energieversorgung der Region Frankfurt autark zu sichern.

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Mainspiele vor dem Aus: Finanzielle Sorgen bedrohen Frankfurter Ferienklassiker

Abenteuerspielplatz Riederwald Spielmobil

Die Mainspiele am Sachsenhäuser Mainufer, gelegen zwischen dem Eisernen Steg und der Untermainbrücke, sind am 29. Juni 2026 in ihre 32. Auflage gestartet. Täglich von 11 Uhr bis 19 Uhr verwandelt sich das Ufer in ein Erlebnisareal für Kinder im Alter von 1 bis 14 Jahren. Doch trotz des enormen Zuspruchs droht der traditionsreichen Ferienaktion im kommenden Jahr das endgültige Aus.

Eine Erfolgsgeschichte seit über drei Jahrzehnten

Die geschichtliche Entwicklung der Mainspiele ist eng mit dem Verein Abenteuerspielplatz Riederwald e. V. verknüpft. Der Trägerverein konnte im Jahr 2024 bereits sein 50-jähriges Bestehen feiern. Im selben Jahr blickten die Verantwortlichen auf eine 30-jährige Tradition der „Mainspiele“ und „Opernspiele“ zurück. Inzwischen zieht die Ferienaktion im Jahr 2026 zum 32. Mal in Folge tausende Kinder an. Das Einzugsgebiet hat sich über die Jahrzehnte massiv ausgeweitet: Längst kommen die Besucher nicht mehr nur aus Frankfurt, sondern reisen aus Regionen von Mainz bis Würzburg und von Gießen bis Heidelberg an.

Das Fundament des Erfolgs bildet das vielseitige, betreute Spielangebot. Vor Ort kümmern sich 35 Mitarbeiter um das Vergnügen und die Sicherheit der jungen Gäste. Zu den Attraktionen gehören unter anderem Hüpfburgen, ein Bungee-Trampolin, Kistenklettern, Sandkästen, eine Rollrutsche, eine Speedbahn sowie Kreativangebote wie Holzarbeiten und T-Shirt-Druck. Ein Kinderhafenfeuerwehrboot liegt an der Kaimauer bereit, und sogar drei Holzpferde vom Abenteuerspielplatz Günthersburgpark wurden für die Aktion bereitgestellt.

Steigende Kosten und mangelnde städtische Förderung

Der Grund für das drohende Ende der Mainspiele ist rein finanzieller Natur. Die Gesamtkosten für die Durchführung der Großveranstaltung sind auf 220.000 Euro angewachsen. Die Stadt Frankfurt beteiligt sich jedoch lediglich mit einem Zuschuss in Höhe von 80.000 Euro. Zwar unterstützen langjährige Sponsoren wie die Mainova und die Frankfurter Sparkasse das Projekt, dennoch verbleibt ein ungedeckter Fehlbetrag von 100.000 Euro.

Michael Paris, der Vorsitzende des Vereins Abenteuerspielplatz Riederwald, äußert deutliche Kritik an der Verteilung der städtischen Gelder. Umgerechnet erhalte der Verein bloß 1,77 Euro pro Kind von der Stadt, was er als lächerlich bezeichnet. Er zieht einen direkten Vergleich zur lokalen Kultursubvention: Während das Angebot für Kinder finanziell am Limit agiere, werde im Schauspiel jeder einzelne Stuhl mit 500 Euro bezuschusst. Wenn die Stadt die Unterstützung nicht maßgeblich erhöht, sieht Paris keine Möglichkeit für eine Fortführung im nächsten Jahr.

Auch auf Seiten der Sponsoren herrscht Besorgnis. Thomas Kögler von der Mainova betont den gesamtgesellschaftlichen Mehrwert der Aktion, die sein Unternehmen bereits seit den Zeiten der Vorgängerfirma kontinuierlich begleitet. Für viele Familien und Stammgäste gehören die Mainspiele fest zu Frankfurt wie der Römer und der Apfelwein. Ob eine Lösung zur Rettung des Ferienklassikers gefunden wird, hängt nun von der Bereitschaft der politischen Entscheidungsträger ab.

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Frankfurts Norden und die Frauenfriedenskirche: Auf den Spuren von Hans Herkommer und der VDO

VDO - Spender der Fenster in Frauenfrieden

Wer durch die modernen Quartiere des Riedbergs spaziert oder das geschäftige Mertonviertel in Heddernheim durchquert, denkt vermutlich selten an die Sakralarchitektur der Zwischenkriegszeit im stadtnahen Bockenheim. Doch zwischen dem Frankfurter Norden und der dortigen Frauenfriedenskirche existieren faszinierende historische und städtebauliche Querverbindungen. Sie verknüpfen das Lebenswerk eines bedeutenden Kirchenbaumeisters der Moderne mit der Industriegeschichte eines weltbekannten Frankfurter Traditionsunternehmens.

Hans Herkommer und das monumentale Friedensgebet

Die Frauenfriedenskirche in der Bockenheimer Zeppelinallee gilt als eines der ungewöhnlichsten und eindrucksvollsten Gotteshäuser des 20. Jahrhunderts. Errichtet zwischen 1927 und 1929 auf Initiative des Katholischen Deutschen Frauenbundes, sollte der Bau als „steinernes Friedensgebet“ und Gedenkstätte für die Gefallenen des 1. Weltkriegs dienen. Mit der architektonischen Umsetzung wurde der aus Schwäbisch Gmünd stammende Architekt Hans Herkommer (1887–1956) betraut. Herkommer, ein Schüler der renommierten Stuttgarter Schule um Paul Bonatz und Theodor Fischer, schuf ein Meisterwerk an der Schnittstelle zwischen »Expressionismus« und »Neuer Sachlichkeit«. Er selbst beschrieb seinen markanten Stil oft als „sachliche Romantik“.

Typisch für Herkommers Arbeiten ist der monumentale, fast wehrhafte Charakter der Bauten. Bei der Frauenfriedenskirche nutzte er den damals hochinnovativen Baustoff Sichtbeton, kombiniert mit monumentalen Parabelbögen im Innenraum und einer klaren, kubischen Formensprache nach außen. Die wuchtige Frontseite mit der riesigen Portalnische zieht bis heute die Blicke auf sich und zeugt vom Mut zur architektonischen Moderne im Frankfurt der späten 1920er-Jahre.

Frauenfrieden im Bann des Ginnheimer Spargels

Ein Stück Architekturgeschichte auf dem Riedberg

Herkommers bleibende Verbindung zum Frankfurter Norden ist heute im Stadtbild festgeschrieben. Im Ortsbezirk Kalbach-Riedberg wurde eine Straße nach dem berühmten Baumeister benannt: Der Hans-Herkommer-Ring liegt inmitten einer attraktiven Wohngegend des Riedbergs. Diese Widmung stellt sicher, dass das Andenken an den Mann, der Bockenheim eines seiner markantesten Wahrzeichen schenkte, auch in den jüngeren Quartieren der Stadt lebendig bleibt. Abgesehen von einem nicht realisierten Wettbewerbsentwurf für ein Verwaltungsgebäude der Firma „H. Fuld & Co.“ im Jahr 1929 blieb die Frauenfriedenskirche Herkommers einziges realisiertes Werk in Frankfurt, bevor er sich nach dem 2. Weltkrieg wieder verstärkt auf den Stuttgarter Raum konzentrierte.

Licht und Farben aus dem Mertonviertel: Die Fensterspende der VDO

Die Frauenfriedenskirche überstand die Jahrzehnte jedoch nicht unbeschadet. Während der schweren Luftangriffe im Jahr 1944 wurde der Sakralbau durch Bomben stark beschädigt, wobei auch die ursprünglichen Kirchenfenster vollständig verlorengingen. Der Wiederaufbau in der Nachkriegszeit war eine Gemeinschaftsleistung der Frankfurter Bürgerschaft und der lokalen Wirtschaft. An dieser Stelle kommt eine feste historische Größe des Frankfurter Nordens ins Spiel: die VDO Adolf Schindling AG.

Das für Tachometer und Automobilelektronik weltweit bekannte Unternehmen übernahm im Zuge der Instandsetzungsarbeiten die Finanzierung für die Erneuerung der großen Fenster im Hauptschiff. Die Verbindung war zu diesem Zeitpunkt zutiefst lokaler Natur. Die VDO war eng in Bockenheim verwurzelt, da sich ihr historischer Stammsitz und das Hauptwerk jahrzehntelang in der nahegelegenen Bockenheimer Gräfstraße befanden. Erst Ende der 1980er-Jahre wurde diese Betriebsstätte im Zuge von Umstrukturierungen aufgegeben.

Die heutigen, farbgewaltigen Glasfenster wurden schließlich 1961 von dem bekannten Frankfurter Glasmaler und Bildhauer Joachim Pick entworfen und von der renommierten Glaswerkstatt Schillings realisiert. Sie stellen symbolisch den zerrissenen Vorhang von Golgotha dar und tauchen das Kirchenschiff in ein besonderes, andächtiges Licht. Ermöglicht wurde dieses bleibende Kunstwerk maßgeblich durch das mäzenatische Engagement der Firmenleitung von VDO.

Gleichzeitig schlägt die Geschichte des Unternehmens die Brücke direkt nach Heddernheim. Im heutigen Mertonviertel, südlich der U-Bahn-Station Sandelmühle an der Hadrianstraße, entstand in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts ein großes VDO-Zweigwerk. Hier war insbesondere die Spezialdivision VDO Luftfahrtgeräte Werk Adolf Schindling GmbH ansässig, die hochpräzise Fluginstrumente fertigte. Obwohl das Unternehmen später an Siemens und Continental überging und die Areale neu strukturiert wurden, bleibt das industrielle Erbe präsent: Teile des Geländes werden heute von Diehl Aerospace weiterhin für die Luftfahrtausrüstung genutzt. So verbindet die Frauenfriedenskirche über den Architekten Hans Herkommer und das Unternehmen VDO die Stadtteile Bockenheim, Heddernheim und den Riedberg zu einer gemeinsamen Erzählung aus Kunst, Architektur und Industriegeschichte.

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Kultur in der Aula: Einladung zum akustischen Ohrenschmaus mit »Feinschmeckerfolk«!

Gruppenbild auf Spielplatz

Der Riedberg darf sich auf ein ganz besonderes musikalisches Highlight freuen: Unter dem Motto „Kultur in der Aula“ lädt die Josua Gemeinde zu einem Konzert der Band Feinschmeckerfolk ein. Am Samstag, den 18. Juli 2026, verwandelt sich die Aula der Grundschule Riedberg I in eine musikalische Genussküche.

Die Band

Das vierköpfige „Küchenteam“, bestehend aus Sonja, Lui, Klaus und Bertram, serviert ein handgemachtes Menü ganz ohne künstliche Effekte und Schnickschnack. Akustische Stimmen und Instrumente klingen hier so, wie sie wirklich sind. Das Publikum erwartet eine perfekt abgestimmte Mischung aus amerikanischem, irischem und schottischem Folk, verfeinert mit einer Prise Bluegrass, eigenen Songs und vertonten Rilke-Gedichten. Passend zur Philosophie einer nachhaltigen Küche ist das Programm der Musiker aus dem Rhein-Main-Gebiet stets saisonal geprägt.

Erleben Sie einen Abend voller Nahbarkeit, bei dem das gemeinsame Erlebnis im Vordergrund steht. Seien Sie dabei, wenn die Band den musikalischen Kochlöffel schwingt, und lassen Sie sich in den warmen Feinschmeckerstrudel hineinziehen!

Alles auf einen Blick

  • Was: Feinschmecker-Folk mit der Band Feinschmeckerfolk
  • Wann: Samstag, 18.07.2026, Beginn um 19:30 Uhr
  • Wo: In der Aula der Grundschule Riedberg I, Zur Kalbacher Höhe 15, 60438 Frankfurt am Main
  • Veranstalter: Josua Gemeinde
  • Eintritt: 14 € (ermäßigt: 12 €) | Im Vorverkauf: 12 € (ermäßigt: 10 €)
  • Vorverkauf & Infos per eMail: info@josua-gemeinde.net
  • Wichtiger Hinweis: Vorbestellte Karten müssen bis spätestens 20 Minuten vor Beginn abgeholt werden.

 

Dank freundlicher Unterstützung des Kulturamts der Stadt Frankfurt am Main.

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Spitzenforschung auf dem Campus Riedberg: Von Quantensprüngen in der Magnettechnologie zur europäischen Bio-Datenbank

Kernspinresonanz-Spektrometer

Der Campus Riedberg der Goethe-Universität Frankfurt hat seine Position als eines der europaweit führenden Zentren für biomolekulare Spitzenforschung im Bereich der Kernspinresonanzspektroskopie (NMR) weiter gefestigt.

Mit der Inbetriebnahme eines der weltweit größten NMR-Spektrometer und dem aktuellen Aufbau einer neuen europäischen Forschungsdatenbank schlägt das Zentrum für Biomolekulare Magnetische Resonanz (BMRZ) eine Brücke zwischen technologischer Innovation und digitaler Zukunft.

Ein technologischer Meilenstein: Das 1,2-Gigahertz-Spektrometer

Bereits im Jahr 2014 bewilligte der Wissenschaftsrat Mittel in Höhe von 24 Millionen Euro für ein NMR-Spektrometer der nächsten Generation. Davon flossen 18 Millionen Euro in das Großgerät und 6 Millionen Euro in einen eigens dafür errichteten Anbau auf dem Campus Riedberg. Die Investition, die je zur Hälfte vom Bund und vom Land Hessen getragen und später durch die Goethe-Universität ergänzt wurde, belief sich am Ende auf insgesamt 30 Millionen Euro für Gerät und Gebäude.

Das im Jahr 2023 offiziell eingeweihte 1,2-Gigahertz-Spektrometer ist ein technologisches Schwergewicht: Es wiegt rund 10 Tonnen und ragt 4 Meter in die Höhe. Um die Anlage baulich sicher zu betreiben, wurde die Gebäudehülle mit einer speziellen Glasfaser-Bewehrung im Beton ausgestattet.

Die Konstruktion des Magneten stellte den Entwickler Bruker vor extreme technische Herausforderungen. Das Magnetfeld in der kleinen Untersuchungskammer ist 600.000-mal so stark wie das Erdmagnetfeld und muss in einem aktiven Kernvolumen von nur einem Kubikzentimeter zu 99,99999999 Prozent absolut homogen sein. Da klassische Niedertemperatur-Supraleiter auf Niobzinn-Basis bei einer Feldstärke nahe 23,5 Tesla versagen, kamen neuartige Hybrid-Drähte zum Einsatz. Diese nutzen Hochtemperatur-Supraleiter aus mit Yttrium-Barium-Kupferoxid (YBCO) beschichtetem Edelstahlband. Da diese Bänder kilometerlang sein müssen, war die Erreichung der notwendigen Homogenität eine Meisterleistung der Ingenieurskunst.

Neue Dimensionen für die Medizin und Biologie

Für die Wissenschaftler um den geschäftsführenden BMRZ-Direktor Prof. Clemens Glaubitz und den Hauptantragsteller Prof. Harald Schwalbe eröffnet das Gerät völlig neue Dimensionen. Durch die gesteigerte Empfindlichkeit und höhere Auflösung lassen sich chemische und biochemische Reaktionen in biologisch relevanten Zeitskalen beobachten. Die Beobachtung von Proteinfaltungen ist nun um den Faktor 10 schneller möglich als zuvor.

Dies liefert wichtige Impulse für die Frankfurter RNA- und Membranproteinforschung. Forscher können damit:

  • Kurzlebige Zwischenprodukte und Proteine (wie Insulin oder RNAs) direkt in der Zelle strukturell charakterisieren.
  • Die Entstehung von Krankheiten wie Alzheimer, Krebs und Herzerkrankungen besser verstehen, die oft durch Fehler in sogenannten „intrinsisch ungeordneten Proteinen“ ausgelöst werden.
  • Die Mechanismen der Signalweiterleitung an G-Protein-gekoppelten Rezeptoren (GPCRs) – der pharmakologisch wichtigsten Klasse von Membranproteinen – entschlüsseln.

Frankfurt als Knotenpunkt der europäischen Datenvernetzung

Da ein immer größerer Anteil der weltweiten NMR-Strukturdaten aus Europa stammt, folgt nun der nächste logische Schritt in der Digitalisierung. Unter der Leitung von Harald Schwalbe baut das BMRZ derzeit eine neue europäische Forschungsdatenbank namens BMRBe auf. Das Projekt wird von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) zunächst für eineinhalb Jahre mit 530.000 Euro gefördert und vom Center for Scientific Computing der Universität begleitet.

Die BMRBe fungiert künftig als zentraler europäischer Knotenpunkt und ergänzt die bestehenden Datenbanken in den USA (BMRB) und Japan (BMRBj). Ziel ist die Entwicklung einer Software, die experimentelle NMR-Daten direkt von den Spektrometern aus ganz Europa fehlergeprüft in die Datenbank überträgt und der internationalen Forschungsgemeinschaft bereitstellt.

Obwohl das jährliche Datenvolumen mit etwa einem Terabyte relativ gering ist, soll die europäische Datenbank inhaltlich über die US-amerikanische Schwester hinausgehen. Neben den reinen dreidimensionalen Strukturdaten wird die BMRBe auch die Reaktivität von Biomolekülen erfassen. Sie wird präzise dokumentieren, welche Substanzen bestimmte Proteine am besten hemmen.

Diese sorgfältig kuratierte Datengrundlage ist von unschätzbarem Wert für die moderne Arzneimittelforschung und die Analyse von Stoffwechselprodukten (Metabolomics). Sie dient insbesondere dazu, verlässliche Trainingsdaten für künstliche Intelligenzen bereitzustellen, die in der medizinischen Wirkstoffentwicklung eine immer zentralere Rolle einnehmen. Der Campus Riedberg festigt damit eindrucksvoll seine Rolle als internationaler Schrittmacher in der biomedizinischen Forschung.

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Bürgerfest markiert offiziellen Baustart für den Windpark Schäferköppel

Entwicklungsweg eines Windrads

Mit einem gemeinsamen Bürgerfest haben der Energiedienstleister Mainova, die Partnerkommunen Frankfurt am Main, Bad Homburg und Karben sowie die Frankfurter Bürgerenergiegenossenschaft eG (FraBeG) den Baustart des Windparks „Schäferköppel“ offiziell eingeläutet. Am gestrigen Freitag, dem 3. Juli, nutzten zahlreiche interessierte Bürger die Gelegenheit, sich direkt vor Ort auf dem zukünftigen Windparkgelände über das Großprojekt zu informieren.

Das Fest, welches nachmittags stattfand und über die Steinstraße erreichbar war, bot neben umfassenden Informationsständen auch ein Rahmenprogramm für Familien. Der Energieversorger stellte hierbei kostenlose Snacks, Getränke sowie ein spezielles Kinderprogramm bereit. Die Besucher gewannen direkt auf dem Areal im Dreieck zwischen Nieder-Erlenbach, Ober-Erlenbach und Kloppenheim einen persönlichen Eindruck vom aktuellen Baufortschritt.

Aufsichtsratsvorsitzender der FraBeG Andreas Heming und Oberbürgermeister Mike Josef im Gespräch

Aufsichtsratsvorsitzender der FraBeG Andreas Heming und Oberbürgermeister Mike Josef (rechts)

Erstes Windenergieprojekt auf Frankfurter Gemarkung

Der Windpark Schäferköppel gilt als ein zentraler Meilenstein für die regionale Energiewende, da er die erneuerbare Stromerzeugung unmittelbar in das Rhein-Main-Gebiet bringt. Es handelt sich dabei um das erste Windenergieprojekt, welches anteilig auf Frankfurter Stadtgebiet realisiert wird. In einem ausgewiesenen Windvorranggebiet entstehen insgesamt 4 moderne Windenergieanlagen des Typs Nordex N175.

Die technischen Dimensionen der Anlagen sind beachtlich: Bei einer Nabenhöhe von 179 Metern und einem Rotorradius von 87,5 Metern weisen die Windräder eine Gesamthöhe von 266,5 Metern auf. Jede Anlage verfügt über eine Nennleistung von 6,8 Megawatt, was eine Gesamtleistung des Windparks von 27,2 Megawatt ergibt. Mit einem prognostizierten Jahresertrag von rund 54 Gigawattstunden grünem Strom können rechnerisch etwa 22.000 Zwei-Personen-Haushalte in der Region verlässlich versorgt werden. Der erzeugte Strom wird über eine noch zu verlegende Kabeltrasse in das bestehende Umspannwerk in Ober-Erlenbach eingespeist.

Politisches Lob für regionale Kooperation

Frankfurts Oberbürgermeister Mike Josef hob im Rahmen des Baustarts die Bedeutung der interkommunalen Zusammenarbeit hervor: Wenn Kommunen Hand in Hand agieren und die Bürger aktiv beteiligt werden, schaffe dies das notwendige Vertrauen, Akzeptanz und einen konkreten Nutzen für die gesamte Region. Auch der Vorstandsvorsitzende der Mainova AG unterstrich den partnerschaftlichen Ansatz auf Augenhöhe, der eine faire Teilhabe an der Energiewende sichere.

Die umliegenden Kommunen profitieren auch finanziell direkt von dem Projekt. Über die gesetzliche Regelung nach § 6 des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) erhalten betroffene Städte und Gemeinden eine freiwillige Zuwendung von 0,2 Cent pro erzeugter Kilowattstunde Strom.

Modell zur finanziellen Bürgerbeteiligung

Ein Kernaspekt des Projekts ist die direkte finanzielle Einbindung der Bevölkerung über die Frankfurter Bürgerenergiegenossenschaft (FraBeG). Die Genossenschaft übernimmt einen Anteil von 15 % am gesamten Windparkprojekt. Um eine faire und ausgewogene lokale Teilhabe zu garantieren, werden die Beteiligungen schrittweise in drei Zeichnungsrunden vergeben. In der ersten Runde haben ausschließlich Einwohner der direkt angrenzenden Ortsteile Nieder-Erlenbach, Ober-Erlenbach, Kloppenheim und Petterweil Zugriff auf die Anteile. Erst in den darauffolgenden Runden wird der Radius erweitert.

Ein Strohhut der FraBeG

Bauarbeiten im Plan

Die vorbereitenden Maßnahmen auf dem Gelände laufen bereits seit März dieses Jahres. Bislang konzentrierten sich die Erdarbeiten auf den Ausbau der Transportwege sowie die Stabilisierung der Kranstellflächen und Fundamentbereiche. Der Zeitplan sieht vor, dass im vierten Quartal dieses Jahres der eigentliche Fundamentbau sowie die Verlegung der internen und externen Kabeltrassen beginnen. Die Anlieferung und Montage der tonnenschweren Turmbauteile und Rotorblätter sind für das Jahr 2027 projektiert.

Mit dem offiziellen Baustart wandelt sich die Schäferköppel nun sichtbar in einen modernen Produktionsort für saubere Energie, der Klimaschutz und regionale Wertschöpfung erfolgreich miteinander verknüpft.

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