Schlagwort: Urselbach

Mehr Schutz für Flora und Fauna: Wie der Urselbach von der 4. Klärstufe profitiert

Wilder Urselbach

Der Urselbach, der auf rund 18,5 Kilometern Länge von den Hängen des Taunus durch Oberursel und den Frankfurter Norden bis zur Mündung in die Nidda fließt, ist eine prägende Ader der regionalen Naturlandschaft. Doch als Bachtal im dicht besiedelten Ballungsraum stand das Gewässer jahrelang unter starkem ökologischen Druck. Eine Schlüsselrolle für die Zukunft des Baches nimmt die Kläranlage Oberursel in Weißkirchen ein: Mit der Aufrüstung um eine vierte Klärstufe gewinnt das Gewässer nachhaltig an Reinheit und biologischer Stabilität.

Das Problem mit den unsichtbaren Schadstoffen

Klassische Kläranlagen arbeiten üblicherweise mit drei Reinigungsstufen: der mechanischen, biologischen und der chemischen Stufe. Diese Verfahren entfernen zwar organische Stoffe sowie Nährstoffe wie Phosphat sehr effektiv, stoßen bei Mikroschadstoffen jedoch an ihre Grenzen. So gelangten täglich feinstgelöste Substanzen – darunter Rückstände von Medikamenten, Schmerzmitteln, Hormonen, Röntgenkontrastmitteln, Bioziden, Mikroplastik und Haushaltschemikalien – über das gereinigte Abwasser in das Fließgewässer.

Fachleute und Umweltverbände wie der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) warnten seit Jahren vor den Folgen dieser Dauerbelastung. Der Experten Prof. Dr. Jörg Oehlmann von der Goethe-Universität machte darauf aufmerksam, dass Spurenstoffe selbst in geringen Konzentrationen die Wasserwelt schädigen – etwa durch hormonelle Störungen bei Fischen oder die Beeinträchtigung empfindlicher Mikroorganismen. Auch die Nachweise von multiresistenten Keimen führten dazu, dass das Gesundheitsamt zeitweise von einem direkten Wasserkontakt abriet. Punktuelle Störfälle mit toten Fischen durch erhöhte Ammonium- und Cyanidwerte unterstrichen die Empfindlichkeit des Bachsystems zusätzlich.

Die vierte Klärstufe als entscheidender Meilenstein

Die Implementierung der vierten Reinigungsstufe schließt diese Lücke im Abwasserprozess gezielt. Durch hochentwickelte Verfahren wie die Behandlung mit Aktivkohle oder die Ozonung werden bislang unerreichte Reinigungsgrade erzielt. Schwer abbaubare Moleküle und Spurenstoffe werden gebunden oder gespalten und wirksam aus dem Abwasser gefiltert. Bis zu 80 %, 90 % der verbleibenden Mikroschadstoffe können dadurch eliminiert werden, bevor das geklärte Wasser wieder dem natürlichen Kreislauf zugeführt wird.

Bedeutung für Mensch, Natur und die Region

Für den Urselbach ist dieser technische Fortschritt ein wichtiger Gewinn. Als typisches Vordertaunusgewässer führt der Bach in heißen Sommern oft nur wenig Quellwasser. In Dürreperioden stammt ein beträchtlicher Teil der Gesamtwassermenge aus dem Ablauf der Kläranlage. Je reiner dieses Wasser eingeleitet wird, desto besser erholen sich die Bestände von Kleinlebewesen, Insektenlarven und heimischen Fischarten.

Auch für den benachbarten Frankfurter Norden mit Stadtteilen wie Niederursel und dem Mertonviertel ergibt sich eine spürbare Aufwertung der Umweltqualität. Die gesteigerte Gewässergüte erhöht den Wert des Urselbachtals als beliebtes Naherholungsgebiet und unterstützt bestehende Initiativen zur Bachrenaturierung im Rahmen von Programmen wie „100 Wilde Bäche“. Die Kläranlage Oberursel leistet damit einen entscheidenden Beitrag zur Erfüllung der EU-Wasserrahmenrichtlinie und übernimmt regionale Verantwortung für das gesamte Flusssystem.

Welche Baustellen sind noch offen?

Private Immobilien

Moderne Baugebiete, wie der Riedberg, das Mertonviertel und die Nordweststadt sind inzwischen mit getrennten Wasserläufen für Regenwasser und für Brauchwasser (Spülmaschine, Waschmaschine, Toilette, Waschbecken, …) ausgerüstet. Dumm allerdings, wenn die Handwerker bei der Installation die Wasserausgänge nicht an den Wasserstrang für das Brauchwasser sondern an den Wasserstrang für das Regenwasser angeschlossen haben. Dann läuft die Schmutzbrühe ungeklärt in die Flüsse. Stichprobenartige Untersuchungen haben ergeben, dass das in 5 % der Installationen der Fall ist.

Auch bei der Entwässerung der Dächer wurden Fehlentscheidungen getroffen und umgesetzt. Laut Gemeindeordnung sollen die Dächer über die Regenrinnen und Fallrohre in Grünflächen (z.B. der eigene Garten) entwässert werden. Das ist den Garten-Nutzern aber nicht so recht. Daher wurden die Fallrohre mit der Brauchwasserleitung verbunden und so gelangt das wertvolle Regenwasser wieder im Brauchwasser und belastet somit das lokale Abwassernetz. Anstatt im Boden zu versickern und so den örtlichen Grundwasserspiegel zu stärken.

Verbesserung der Abwasser-Infrastruktur

Wenn es in einem Gebiet zu intensiven Regenfällen kommt, müssen die Abwasserkanäle eine Menge Niederschlagswasser von den Straßen, den angrenzenden Gebieten, von landwirtschaftlichen Flächen, von Hausdächern und größeren Plätzen aufnehmen. Damit das System nicht überläuft (und die Kanaldeckel in die Höhe schießen), gibt es sogenannte Mischwasserentlastungen. Da wurde bei den Kanälen ein sogenannter Mischwasserüberlauf eingebaut, der das überschüssige Wasser aufnimmt und dann in den nächstgelegenen Bach einleitet. Dies ist dann jedoch nicht mehr reines Regenwasser, sondern eine Mischung aus Regenwasser und Brauchwasser. Dieses Gemisch schießt dann ungeklärt durch den entsprechenden Graben oder den Bach und landet dann beispielsweise in Niederursel, wo es entsprechende Überflutungen auslöst. Allein in Oberursel konnte man 10 Stellen identifizieren, an denen diese Problematik vorliegt.

Landwirtschaft

So manche Äcker haben ein natürliches Gefälle zu den tieferliegenden Bachläufen hin. Wird nun von den Bauern hangabwärts gepflügt, schießt das Wasser sofort Richtung Bach und lässt ihn volllaufen. Der Vorteil für den Bauern: das Feld wird schnell wieder trocken und kann wieder leicht bearbeitet werden. Die Nachteile: Die abführenden Bäche schwellen in kürzester Zeit an und werden zu reißenden Bächen, die ein Teil der Erdkrume wegspülen, und als Schlamm in tiefer gelegenen Ortsbereichen bei Überschwemmungen ablagern. Das schnell abgeführte Oberflächenwasser hat dann auch keine Chance, in die gerade in heißen Sommern strohtrockenen Böden einzudringen und im Anschluss den Pflanzen und dem Grundwasser zur Verfügung zu stehen. Weinberge werden inzwischen zu agrarischen Schwamm-Flächen umgeformt.

Kommunen

Da, wo Menschen siedeln und Gewerbe treiben, entstehen leider immer wieder kontaminierte Flächen. Meist ein Anlass zu langwierigen Diskussionen, wer die Kosten für Entsorgung und Reinigung zu tragen hat. Doch Niederschläge warten nicht, bis diese Themen endlich geklärt sind. Sie fallen nieder, lösen einen Teil der Verunreinigungen und spülen sie in die nächstgelegenen Wasserläufe oder Abwasserkanäle.

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Baustopp am Urselbach: Gift-Fund stoppt Renaturierung im Mertonviertel

Symbolbild Kontaminierter Boden am Urselbach

Kontaminierte Erde und fehlende Deponiekapazitäten verzögern ökologische Ausgleichsmaßnahmen am Eschersheimer Wehr.

Mertonviertel

Die ambitionierten Renaturierungsmaßnahmen am Urselbach im Mertonviertel sind unerwartet zum Stillstand gekommen. Bei Ausgrabungsarbeiten im Bereich der Sandelmühle und am Oberwasser des Eschersheimer Wehrs stießen Arbeiter auf erheblich kontaminierten Boden. Da die belastete Erde aufgrund akuten Deponiemangels nicht abgetragen werden kann, ruhen die Arbeiten vorerst komplett. Dies sorgt für erhebliche Unruhe im Ortsbeirat 8, der nun eine rasche Aufklärung fordert.

Das Ausmaß der Kontamination

Konkret betrifft der Fund eine Tieferlegung des Urselbach-Bachbetts auf einer Länge von rund 400 Metern sowie die Schaffung einer neuen Verbindung zwischen der Nidda und dem Urselbach. Nach Angaben von Christine Holch, Fraktionsmitglied der Grünen im Ortsbeirat 8, sind die Arbeiter bei den Ausgrabungen auf giftige Schichten gestoßen. Besonders brisant: Auf dem Gelände des ehemaligen Campingplatzes wurde eine Verseuchung mit Bromabfall festgestellt, die bis in eine Tiefe von 30 Zentimetern reicht.

Gesundheitsgefahren durch offene Lagerung

Neben der Verzögerung des Projekts wirft die aktuelle Situation akute Sicherheitsfragen auf. Die Fraktionsmitglieder des Ortsbeirats äußerten sich besorgt über den Zustand der Baustelle. Die kontaminierte Erde liegt derzeit völlig ungeschützt auf dem Gelände – sie ist weder abdeckungstechnisch gesichert noch in Schutztüten verpackt. Angesichts der anhaltend trockenen Witterung besteht die Gefahr, dass giftiger Staub weit über das Areal verweht wird. Dies stellt eine ernsthafte gesundheitliche Gefährdung für Anwohner und Passanten dar, da das Niddaufer rund um die Urselbachmündung als Naherholungsgebiet sehr beliebt ist.

Politischer Druck im Ortsbeirat

Der Ortsbeirat 8 (Heddernheim, Niederursel, Nordweststadt) reagierte prompt. Die Fraktionen von Grünen und SPD brachten separate Dringlichkeitsanträge ein, die im Gremium zu einem gemeinsamen interfraktionellen Antrag zusammengefasst und einstimmig verabschiedet wurden. Die Lokalpolitik fordert von der Stadt Frankfurt eine zügige Aufklärung über die genauen Fundorte, unverzügliche Schutzmaßnahmen gegen Staubaufwirbelungen sowie einen verlässlichen Zeitplan für den Fortgang der Arbeiten.

Hintergrund: Historische Altlasten an der Sandelmühle

Für Kenner der Region kommt der Gift-Fund nicht völlig überraschend. Das Areal an der Sandelmühle blickt auf eine jahrzehntelange industrielle Nutzung zurück. Neben dem ehemaligen städtischen Gaswerk Heddernheim betrieb hier auch die VDO Adolf Schindling AG (später Continental AG) Produktionsstätten. Obwohl bis zum Jahr 2013 umfangreiche Altlastensanierungen stattfanden und die Stadt im Jahr 2024 eine akute Gefährdung des Grundwassers weitgehend ausschloss, warnte der Magistrat bereits damals, dass schadstoffhaltige Reste künstlicher Auffüllungen im Boden verblieben sein könnten. Bereits 2021 hatte der Ortsbeirat aufgrund von Berichten über einen im Jahr 2013 ausgelaufenen Großtank sowie Spuren einer Phosphorbombe zusätzliche Bodenproben gefordert.

Systemisches Problem: Der hessische Deponienotstand

Dass die Arbeiten nun komplett ruhen müssen, deckt ein tiefgreifendes infrastrukturelles Problem in Hessen auf: den akuten Mangel an Deponiekapazitäten. Hessen leidet seit Jahren unter einer drastischen Verknappung von Deponieraum für mineralische Abfälle. Während die Entsorgungskosten im Bereich der Erdarbeiten in den vergangenen Jahren massiv gestiegen sind, hat sich die Lage im Jahr 2026 zu einem echten Notstand zugespitzt. Belasteter Erdaushub kann regional kaum noch ordnungsgemäß untergebracht werden, was kritische Infrastruktur- und Naturschutzprojekte massiv ausbremst.

Bedeutung für die lokale Infrastruktur

Die Verzögerung am Urselbach betrifft ein wichtiges ökologisches Großprojekt. Die Renaturierung wird von der Deutschen Bahn als gesetzliche Ausgleichsmaßnahme für den viergleisigen Ausbau der Bahnstrecke von Frankfurt nach Bad Vilbel durchgeführt. Sie ist eng mit dem Umbau des Eschersheimer Wehrs verknüpft, das seit Anfang 2025 für rund 5 Millionen Euro ökologisch aufgewertet wird. Hier entstehen ein naturnaher Umfluter zur Wiederherstellung der Durchgängigkeit für Fische sowie verbesserte Hochwasserschutzanlagen. Eigentlich sollten die Arbeiten Ende 2026 abgeschlossen sein – ob dieser Zeitplan durch den jetzigen Baustopp zu halten ist, bleibt ungewiss.

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Die Renaturierung der Urselbach-Mündung durch die Deutsche Bahn

Stilllegung der alten Mündung

Die Deutsche Bahn hat seit Anfang des Jahres ein bedeutendes Umweltprojekt im Rahmen des viergleisigen Ausbaus der Bahnstrecke zwischen Frankfurt-West und Bad Vilbel begonnen. Mit einer Investition von rund 5 Millionen Euro wird die Renaturierung der Urselbach-Mündung in die Nidda in Eschersheim realisiert.

Dieses Projekt, das Ende Januar 2025 beginnt und voraussichtlich bis Ende 2026 abgeschlossen sein soll, zielt darauf ab, die Biodiversität in der Region zu fördern und den Hochwasserschutz zu verbessern.

Details des Projekts

Die Renaturierung umfasst die Herstellung der Durchgängigkeit im Oberwasser des Eschersheimer Wehrs. Die Verbindung zwischen der Nidda und dem Urselbach wird umgebaut, indem das Bachbett des Urselbachs auf einer Länge von etwa 400 Metern tiefer gelegt und verbreitert wird. Diese Maßnahmen sind notwendig, da die Sohle des Urselbachs noch höher liegt als der Stauwasserspiegel der Nidda.

Der trocken gelegte alte Urselbachlauf.

Der trocken gelegte alte Urselbachlauf.

Zusätzlich wird die kaskadenförmige Mündung des Urselbachs angepasst, was nicht nur zur ökologischen Aufwertung beiträgt, sondern auch den Hochwasserschutz verbessert. Das bestehende Eschersheimer Nidda-Wehr bleibt erhalten, und durch die neue Querprofilgestaltung wird dem Gewässer mehr Raum für seine natürliche Entwicklung gegeben.

Temporäre Umleitung des Nidda-Wassers

Temporäre Umleitung des Nidda-Wassers

Infrastrukturmaßnahmen

Im Zuge der Bauarbeiten wird der parallel zur Nidda verlaufende Uferweg unterbrochen. Um die Erreichbarkeit für Fußgänger und Radfahrer sicherzustellen, werden zwei neue Brücken errichtet. Die bestehende Brücke über den Urselbach in der Straße „An der Sandelmühle“ wird durch eine neue Straßenbrücke ersetzt. Zudem wird zwischen der Sandelmühle und dem Alexander-Riese-Weg eine neue Wegeverbindung zum Schwimmbad Eschersheim geschaffen.

Die neue Brücke

Die neue Brücke.

Umwelt- und Naturschutz

Die Deutsche Bahn verfolgt mit diesem Projekt nicht nur die ökologischen Aufwertungsziele, sondern erfüllt auch umweltschutzrechtliche Vorgaben, die Ausgleichsflächen für betroffene Pflanzen und Tiere erfordern. In der Vergangenheit wurden bereits verschiedene Maßnahmen ergriffen, darunter die Schaffung von Ersatzhabitat für Zauneidechsen und die naturnahe Umgestaltung des Praunheimer Wehrs.

Die Renaturierung des Urselbachs ist Teil eines umfassenden Plans, der auch die Bedürfnisse des Regional- und Fernverkehrs berücksichtigt. Der viergleisige Ausbau der Strecke zwischen Frankfurt-West und Bad Vilbel ist eines der wichtigsten Infrastrukturprojekte in der Rhein-Main-Region. Mit der Fertigstellung im Februar 2024 erhielt die S6 eigene Gleise, was eine schnellere und zuverlässigere Verbindung ermöglicht.

Mächtige Rohre ermöglichen das Überqueren des Flusses.

Mächtige Rohre ermöglichen das Überqueren des Flusses.

Auswirkungen auf die Natur

Trotz der positiven Aspekte der Renaturierung gibt es Bedenken hinsichtlich der aktuellen Wasserknappheit in der Nidda. Der Wasserstand wurde für die ökologischen Maßnahmen gesenkt, was zu einem temporären Rückgang des Wasserpegels führte. Experten wie Stefanie Toth von der Stadtentwässerung Frankfurt betonen jedoch, dass diese Maßnahme notwendig ist, um langfristige ökologische Vorteile zu erzielen. Die DB plant, die Wasserstände schrittweise wieder zu erhöhen, um die Auswirkungen auf die lokale Flora und Fauna zu minimieren.

Ein wichtiger Schritt

Die Renaturierung des Urselbachs durch die Deutsche Bahn stellt einen wichtigen Schritt in Richtung ökologischer Nachhaltigkeit und Verbesserung des Hochwasserschutzes dar. Mit einer sorgfältigen Planung und der Zusammenarbeit mit der Stadtentwässerung Frankfurt wird dieses Projekt nicht nur zur Förderung der Biodiversität beitragen, sondern auch den Anwohnern und Besuchern der Region zugutekommen. Die DB setzt damit ein Zeichen für verantwortungsbewusste Infrastrukturentwicklung im Einklang mit der Natur.


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Renaturierungsmaßnahme am Urselbach

Anfang Februar verkündete die Deutsche Bahn (DB) eine weitere Umwelt-Ausgleichmaßnahme im Rahmen des viergleisigen Streckenausbaus zwischen Frankfurt-West und Bad Vilbel.

An dem Verlauf des Urselbachs zwischen Eingang Sandelmühle und der Nidda-Mündung am Eschersheimer Freibad soll auf einer Strecke von etwa 400m eine Renaturierungsmaßnahme durchgeführt werden. Die DB beschreibt die Maßnahme wie folgt:
Die DB stellt die Durchgängigkeit im Oberwasser der Staustufe Eschersheim her.
Es entsteht eine Verbindung von der Nidda zum Urselbach (Umfluter). Da die Sohle des
Urselbachs höher liegt als der Stauwasserspiegel der Nidda, muss das Bachbett auf einer
Länge von rund 400 Metern tiefer gelegt und verbreitert werden. Die Vertiefung ist zudem  erforderlich, um den kaskadenförmig herabfließenden Mündungsbereich des Urselbachs anzupassen. Gleichzeitig verbessert die DB damit auch den Hochwasserschutz. Das bewegliche Eschersheimer Nidda Wehr bleibt erhalten. Mit der neuen Querprofilgestaltung wird dem Gewässer mehr Raum für seine eigene Entwicklung gegeben.“

Neben der Renaturierung werden zwei neue Brücken für Fußgänger und Radfahrer errichtet:

  1. Die bestehende Brücke über den Urselbach in der Straße „An der Sandelmühle“ wird durch eine neue Straßenbrücke am vorhandenen Standort ersetzt.
  2. Zwischen der Straße „An der Sandelmühle“ und dem Alexander-Riese-Weg entsteht eine neue Wegeverbindung zum Schwimmbad Eschersheim.

Der Fußgängerweg rechts der Nidda wurde komplett kurz hinter dem Wehr gesperrt und bietet derzeit keinerlei Durchgang.

Wie es heißt, folge die DB „damit den umweltschutzrechtlichen Vorgaben, nach denen Ausgleichsflächen für betroffene Pflanzen und Tiere an anderen Stellen im selben Naturraum geschaffen werden müssen.“
Das Projekt mit einem Investitionsumfang von rund fünf Millionen Euro werde in enger Kooperation mit dem Stadtentwässerung Frankfurt umgesetzt.

Bei einer Besichtigung vor einigen Tagen offenbarte die ‚Baustelle‘ jedoch ein unerwartetes Bild: links und rechts des Urselbachs war zwischen Sandelmühle und Mündung eine breite Schneise in den bestehenden Baumbestand geschlagen worden. Längs der Nidda und seitlich der Brücke zur Sandelmühle häuften sich die gefällten Bäume.


Das war nicht das, was man sich im Allgemeinen unter dem Begriff „Renaturierung“ vorstellt, d.h. eine Rückführung anderweitig genutzter Flächen in einen naturnahen Zustand. Hier wurde stattdessen ein gesunder Baumbestand platt gemacht! Spaziergänger und Anwohner, mit denen wir sprechen konnten, waren entsetzt.


Es ist zu vermuten, dass diese Baumfällungen durchgeführt wurden, um das Bachbett tiefer zu legen und zu verbreitern.
Aber musste das um den Preis der Zerstörung von Natur geschehen? Gab es keine Alternativen zur Fällung, die eine vergleichbare Wirkung gehabt hätten? Und reicht eine Verbreiterung/Vertiefung auf einer Länge von gerade mal 400m kurz vor der Mündung tatsächlich aus, einen wirksamen Hochwasserschutz über den ganzen Verlauf des Urselbachs zu gewährleisten?

MainRiedberg fragte deshalb bei der DB nach und bat um Auskunft.
Die Antwort liefern wir hier ungekürzt und unkommentiert:

Ihre Einschätzung, dass die Fällungen im Zusammenhang mit der Vertiefung und Verbreiterung des Bachbetts stehen, ist korrekt. Eine naturnahe Umgestaltung des Urselbachs, insbesondere die Wiederherstellung eines natürlichen Flusslaufs, erfordert den ungehinderten Zugang zum Gewässer (für Bau-Maschinen, wie Bagger etc.).

Das bedeutet, dass Bäume, die sich in unmittelbarer Nähe befinden, entfernt werden müssen, um die notwendigen Arbeiten durchführen zu können. Die Fällungen und Aufforstungen erfolgen in enger Abstimmung mit der Stadtentwässerung Frankfurt (SEF) und dem Grünflächenamt.

Zudem waren einige Bäume auch alles andere als gesund und zeigten massive Krankheitssymptome.

Wichtig ist auch, dass die Eingriffe in die Flora nicht dauerhaft sind. Die Wiederaufforstung ist ein fester Bestandteil der Maßnahme, so dass die entfernten Bäume nach Abschluss der Arbeiten durch geeignete Neupflanzungen kompensiert werden. Die Arbeiten werden darüber hinaus von erfahrenen Bauüberwacher:innen aus Fischökologie und Gewässerbau begleitet, die im Auftrag der Deutschen Bahn (DB) agieren. Das beauftragte gewässerökologische Bauüberwachungs-Unternehmen hat eine 30-jährige Erfahrung in der Renaturierung rund um die Nidda.

Ziel der Renaturierung ist es, den Bach aus seinem bisherigen künstlichen Trapezprofil zu lösen und ihm durch den Rückbau von Wasserbausteinen eine naturnähere, ursprüngliche Struktur zu verleihen. Dadurch wird nicht nur die ökologische Qualität des Gewässers verbessert, sondern langfristig auch die Hochwasserresilienz optimiert.

Die Verbreiterung und Vertiefung auf einer Länge von 400 Metern stellt dabei einen wichtigen Abschnitt in einem größeren Gesamtkonzept dar, das langfristig zur ökologischen Aufwertung und Verbesserung des Hochwasserschutzes entlang des gesamten Bachverlaufs beitragen soll.“

 

 

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Neue Pläne für den Hochwasserschutz am Urselbach

Urselbach

Das Amt für Stadtentwässerung (SEF) hat neue Pläne, wie gefährliche Hochwasser-Gefahren am Urselbach in den Griff zu kriegen sind. Stefanie Toth, Sachgebietsleiterin beim Amt für Stadtentwässerung hat die Tage den Niederurselern ihre Pläne vorgestellt.

Das Risiko von Starkregen hat zugenommen, da …

  • es an Rückhaltebecken in Oberursel fehlt,
  • da landwirtschaftliche Flächen zunehmend überbaut, versiegelt und verdichtet werden,
  • höhere Temperaturen auch mehr Wasserdampf aufnehmen und bei Abkühlung in Form von Regen abgeben,
  • auch in Niederursel einstige potenzielle Überschwemmungsflächen zugebaut worden sind,

Die aktuelle Planung sieht nun vor, …

  • Zwischen dem Sportplatz Niederursel und der Schilasmühle das Gelände abzuflachen.
  • Das Gleiche soll am Ufer parallel zur Spielsgasse geschehen.
  • Dort sollen auch zwei kleine Brücken abgerissen werden, da an den Stegen immer wieder Treibgut festhängt, das den Durchfluss behindert.
  • Als Ersatz soll eine neue Brücke vom Oberurseler Weg auf Höhe des Restaurants Lahmer Esel zu den Kleingärten gebaut werden.
  • Im Ortsbezirk Heddernheim soll der Urselbach um den Campingplatz Sandelmühle einen Altarm bekommen und bis zur Einmündung in die Nidda vertieft und verbreitert werden.
  • Es sollen zwei zusätzliche Brücken gebaut werden, um den Campingplatz und den Nidda-Uferweg zum Eschersheimer Freibad anzubinden.

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Urselbach

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Urselbach 50.167900, 8.620300

„Die Stadtentwässerung macht die Planung in diesem Bereich, aber das Vorhaben muss die Bahn als Ausgleich zum S6-Ausbau ausführen“, berichtete Frau Toth.

Diskussion gab es bei dem Thema „Aufgabe des Mühlgrabens“: Beim Mühlgraben handelt es sich um kein natürlich fließendes Gewässer. Er wurde 1720 künstlich angelegt, 1952 wurde die Mühle aufgegeben und das Mühlenrecht an das Land zurückgegeben.

Die Unterhaltungslast des Gewässers liegt laut dem Hessischen Wassergesetz allerdings beim Eigentümer. Und dieser ist vom Abzweig des Urselbaches bis zur Obermühlgasse privat. Lediglich ab der Obermühlgasse bis zur Spielsgasse ist der Mühlgraben in städtischem Eigentum.

Hohe Unterhaltungskosten für den Mühlgraben belasten die städtischen Budgets. Bei einem Hochwasser am Urselbach könnte der Mühlgraben sowieso nur rund 2 % des Gesamtabflusses des Urselbachs aufnehmen.

Auf der anderen Seite ist der Mühlgraben nie ganz trocken, sodass er sich zu einem Kleinod für Flora und Fauna entwickelt hat. Allerdings auch mit dem Nachteil, dass der feuchte Schlamm ein idealer Brutplatz für Mücken ist.

Die Anregungen wurden von den Vertretern der Stadtentwässerung mitgenommen und sollen bei der weiteren Planung berücksichtigt werden. Es wird noch eine Reihe weiterer Gespräche geben müssen, bis ein gangbarer Weg gefunden wird.

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Die Wege des Urselbaches durch Niederursel

Urselbach

Der 18 km lange Urselbach kommt aus der Hohemark über Oberursel in unseren Nachbar-Stadtteil Niederursel. Dabei unterquert er zahlreiche Brücken. Die bekannteste davon ist die Urselbachtalbrücke der Bundesautobahn 5, die 1936 während des Ausbaus der Reichsautobahn eröffnet wurde. Von Oberursel bis zur Mündung bei Heddernheim sind insgesamt 42 historische, die Wasserkraft nutzende Gewerbebetriebe bekannt. Von 20 davon sind durch Abriss und jüngere Überbauungen keine oberirdisch sichtbaren Spuren mehr vorhanden.

In Niederursel befanden sich im Jahr 1885 insgesamt 10 Wassermühlen. Sechs Fruchtmühlen, eine Tabaksmühle, eine Papiermühle, eine Farbmühle und eine Ölmühle. Den meisten bekannt sein, dürften die Krebsmühle und die Schilasmühle. Mitten im alten Ortskern von Niederursel gelegen, befindet sich die Obermühle – die alte Bannmühle von Niederursel – auf dem Gelände der ehemaligen Burg.

Noch vor dem alten Ortskern gibt es einen Abzweig des Urselbaches hin zu Obermühle. Es handelt sich um den sogenannten Mühlgraben. Er wurde 1720 angelegt, um die Obermühle mit Wasserenergie zu versorgen. Seit der Stilllegung der Obermühle 1952, entlastet der Mühlgraben nur noch gelegentlich den Urselbach bei Hochwasser. Auf Höhe der Obermühle fließt der Bach inzwischen unterirdisch. Erst an der Obermühlgasse tritt er wieder ans Tageslicht.

Mühlgraben

Kartendaten © 2022 GecBasis-DE/BKG (®2009).Google

Von seiner Abzweigung bis zur Obermühlgasse fließt der Bach über Privatgelände. Danach, bis zur Spielsgasse kommt er wieder in die Obhut der Stadt Frankfurt. Da fließendes Wasser Erosion in seinem Bachbett erzeugt, wurde die Wasserzufuhr für den Graben durch einen Schieber gesperrt. Dies ist für die Hochwassergefahr insoweit nicht bedeutend, als der Mühlgraben sowieso nur einen kleinen Teil (≈ 1,5 m3 pro Sekunde) eines Urselbach-Hochwassers aufnehmen könnte.

Bei Normalwasser wäre der Bach eine Bereicherung des Altstadtkerns. Murmelnde Bachgeräusche und die kühlende Wirkung sind willkommen. Allerdings müsste dazu sichergestellt sein, dass es zu keinerlei Schäden an den Gebäuden kommt. Auch muss geregelt werden, wer die Kosten für die laufende Pflege dieses Bachabschnitts übernimmt.

Da der Mühlgraben nicht mehr durch fließendes Wasser regelmäßig freigespült wird, kommt es dort wegen des vorhandenen Schlamms gelegentlich zu erheblichen Geruchsbelästigungen.

2021 wurde letztmals bei einem Starkregen die Spielsgasse in Teilen überflutet. Fast jedes Jahr sind die Straßen rund um den Bach überflutet, wenn es heftig regnet oder es Schneeschmelze im Taunus gibt. Weiter unten in Heddernheim sind viele Flächen versiegelt, die somit als Ablaufflächen wegfallen. Bei einem Jahrhunderthochwasser, das zum Beispiel durch sehr hohe Niederschläge am Taunuskamm hervorgerufen werden kann, muss beim Urselbach statt mit 0,3 m3 Wasser pro Sekunde mit etwa 20 m3 Wasser pro Sekunde (= 20.000 Liter) gerechnet werden.

Im Januar 2022 hat der Verein „Deutsch-Bengalische Gesellschaft“ (aus der Franziska-Kessel-Str. 21) die Mitbürger aufgefordert, mit einer Unterschriftenaktion für mehr Hochwasserschutz einzutreten. Über die Ufer tretendes Wasser hatte schon Vereinstiere ertrinken lassen und das, obwohl die Gehege neben dem gepflasterten Weg leicht erhöht sind, damit das Wasser sie nicht erwischt. Auch das Aufschütten von Erde und bereitstehende Sandsäcke konnte die Tiere nicht retten. Mehr als 30 Anwohner waren zusammengekommen, um sich zu informieren, Anwohner, die Sorge haben, dass ihre Häuser und Wohnungen wie im Jahr 2003 wieder voller Wasser laufen.

Einmal im Jahr, meistens im Frühjahr, erfolgt durch die Vertreter der Unteren Naturschutzbehörde eine Gewässerschau. Dabei wird der Urselbach in seiner vollen Länge von 4,5 km (nur Frankfurter Gebiet) abgeschritten. Bei den Überprüfungen wird die Wasserqualität des Gewässers und seines Umfeldes geprüft. Ob es irgendwelche Verstöße gibt (illegale Bauten), ob man irgendetwas verbessern kann, oder ob Anzeigen erstattet werden müssen …

Gegenüber vom Freibad Eschersheim fließt der Urselbach letztendlich in die Nidda. Urselbach und Nidda sind als einzige Flüsse Frankfurts Teil des Renaturierungsprogramms „100 wilde Bäche“ des hessischen Umweltministeriums. Von 2020 bis 2023 soll den Gewässern ein unberührtes Ufer und ein natürliches Bachbett zurückgegeben werden. Damit verbunden ist auch die Hoffnung, dass seltene Fischarten wie die Groppe oder das Bachneunauge zurückkehren.

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Keimbelastung im Urselbach

Urselbach

Der Urselbach, entspringt im Hochtaunuskreis und fließt 16 Km durch Oberursel, Weißkirchen nach Niederursel und mündet dann in Heddernheim in die Nidda. Er führte bis ins 19. Jahrhundert genug Wasser und lieferte durch sein Gefälle von 250 Meter Höhenunterschied Energie, um an seinem Lauf eine Vielzahl von Wassermühlen zu betreiben. Allein in Niederursel standen die Krebsmühle, die Schilasmühle, die Obermühle, die Untermühle und andere Mühlen.

Die zunehmende Trockenheit, sowie die Nutzung des Baches zur Bewässerung, führten vor allem in den warmen Sommermonaten zu immer weniger Wasserzufuhr. Zwischen Ober- und Niederursel befindet sich ein Klärwerk, das die Abwässer von Oberursel reinigt. In heißen Sommermonaten können diese Abwässer der einzig verbleibende nennenswerte Eintrag an Wasser in den Bachlauf sein.

2017 hatte nun sich Jemand nach einem Sturz in den Eschbach mit einem multiresistenten Keim infiziert und war daran verstorben. Dies führte dazu, dass im Folgejahr der Ortsbeirat von Niederursel sich mit einer Frage an den Magistrat der Stadt Frankfurt wandte, um zu erfahren, wie es mit diesen Keimen im Urselbach aussieht.

Jetzt liegt das Ergebnis vor. Bei Messungen vor und nach der Kläranlage in Oberursel wurden Erreger im Urselbach – wie befürchtet – gefunden.

Daher sollten in den benachbarten Grünanlagen die Nutzpflanzen nicht mit Wasser aus dem Urselbach bewässert werden. Das Schwimmen in Frankfurter Gewässern (Bächen und Seen) ist sowieso nicht gestattet.  Nach direktem Kontakt mit Wasser oder Schlamm aus dem Urselbach, sollten die Hände gründlich gewaschen werden.

Erstaunlicherweise war die Wasserqualität (mit Eignungsklasse 3) vor der Kläranlage in Oberursel sogar besser, als danach (mit Eignungsklasse 4).


Weitere Infos zum Urselbach: https://de.wikipedia.org/wiki/Urselbach

Details zur Auskunft des Magistrats: https://www.stvv.frankfurt.de/

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