Schlagwort: Stadtplanung

Neugestaltung des Riedbergplatzes: Ein Kompromiss für mehr Schatten und Lebensqualität

Riedbergplatz Juni 2018

Der Riedbergplatz steht vor einer umfassenden Transformation. Nach jahrelangen Planungen und intensiven politischen Diskussionen konkretisiert sich das Bild eines klimafreundlichen Stadtteilzentrums, das den Herausforderungen steigender Temperaturen begegnen soll. Ein zentrales Element dieser Neugestaltung sind drei großflächige Schattendächer, deren Materialwahl und technische Ausführung zuletzt für hitzige Debatten zwischen dem Ortsbeirat 12 und der Stadtverwaltung sorgten.

Vom „Beton-Schock“ zum Material-Kompromiss

Ursprünglich sah die im Frühjahr 2025 vorgestellte Bau- und Finanzierungsvorlage des Magistrats Schattendächer in massiver Betonbauweise vor. Dies stieß im Ortsbeirat auf geschlossenen Widerstand. Die Stadtteilpolitiker kritisierten, dass man den Platz mühsam von Beton befreien wolle, um dann neue Betonstrukturen in der Höhe zu errichten. Man erinnerte an ursprüngliche Zusagen aus dem Jahr 2021, die leichtere Holzkonstruktionen vorgesehen hatten.

In einem konstruktiven Abstimmungsprozess zwischen dem Grünflächenamt und Vertretern des Ortsbeirates wurde im August 2025 schließlich ein Kompromiss erzielt. Das Ergebnis: Der Beton ist vom Tisch. Stattdessen werden die Pergolen nun als Hybridkonstruktion geplant. Die tragenden Stützen und der äußere Rahmen bestehen aus belastbarem Stahl, während die schattenspendenden Elemente als Holzlamellen ausgeführt werden. Diese Kombination vereint Langlebigkeit mit einer ansprechenden Ästhetik und ist zudem rund 30 % kostengünstiger als die ursprüngliche Betonvariante.

Präzise Schattenplanung nach Sonnenstand

Die technische Planung der Dächer ist hochgradig spezialisiert. Um eine optimale Kühlwirkung zu erzielen, werden die Holzlamellen je nach Standort in unterschiedlichen Winkeln ausgerichtet. Eine Schattenfallstudie bildet die Grundlage dafür, dass die Bereiche genau dann geschützt sind, wenn sie am stärksten genutzt werden:

  • Das östliche Dach bietet ab 12:30 Uhr maximalen Schatten.
  • Das mittlere Dach ist auf den Sonnenstand um 14:00 Uhr optimiert.
  • Das westliche Dach über dem Kleinkinderspielbereich erreicht seine höchste Schutzwirkung um 16:00 Uhr, wenn die Frequenz am Spielplatz am höchsten ist.

Ergänzend wird für das mittlere und östliche Dach eine Begrünung mit Kletterpflanzen wie wildem Wein oder Knöterich geprüft, um die Verdunstungskühlung zu erhöhen. Am Spielbereich wird auf eine Berankung verzichtet, um die Fallschutzbereiche freizuhalten und die Sichtbarkeit nicht einzuschränken.

Herausforderungen im Zeitplan

Trotz der inhaltlichen Einigung sieht sich das 3,2 Millionen Euro teure Gesamtprojekt zeitlichen Verzögerungen gegenüber. Eine europaweite Ausschreibung für die Landschaftsarchitekturleistungen blieb zunächst erfolglos, da keine geeigneten Angebote eingingen. Zudem beendete das bisher beauftragte Hochbauarchitekturbüro die Zusammenarbeit aufgrund fehlender Kapazitäten, was eine Neuausschreibung für die Pergolen-Planung erforderlich machte.

Nach aktuellem Stand wird ein Baubeginn für Ende 2026 angestrebt. Mit der Fertigstellung des neu gestalteten Platzes, der neben den Dächern auch 29 neue Bäume und großflächige Entsiegelungen erhalten soll, ist frühestens Ende 2027 zu rechnen. Bis die neuen Bäume wie Magnolien oder Amberbäume groß genug sind, um selbst signifikanten Schatten zu spenden, werden die nun geplanten Pergolen die wichtigste Schutzfunktion auf dem Riedbergplatz übernehmen.

Teile diesen Beitrag mit Freunden

BUND kritisiert „Stadtteil der Quartiere“: Nachhaltigkeit in Gefahr?

Neuer Stadtteil der Quartiere

Der BUND Kreisverband Frankfurt äußert erhebliche Bedenken gegen das geplante Großprojekt „Stadtteil der Quartiere“ an der Autobahn A5. Obwohl der Magistrat der Stadt Frankfurt erst im November 2025 die Nachhaltigkeitsstrategie 2030+ verabschiedet hat, sieht der Umweltverband in der aktuellen Planung des neuen Stadtteils massive Widersprüche zu diesen Zielen. Am 11.12.2025 beschloss die Stadtverordnetenversammlung mit breiter Mehrheit die städtebauliche Satzung für das Areal, was den Startschuss für die Bebauungspläne markiert.

Klimaschutz und Bodenverlust

Ein zentraler Kritikpunkt betrifft die Versiegelung wertvoller Flächen. Während die Stadt betont, dass der regionale Grünzug westlich der A5 erhalten bleibt, warnt der »BUND«, dass die östliche Hälfte des Grünzugs durch das geplante Lachgrabenquartier bebaut werden soll. Dieser Bereich besteht aus fruchtbarem Lehmlössboden, der für die Landwirtschaft und den Wasserhaushalt von hoher Bedeutung ist. Zudem fungiert die Fläche als wichtiges Kaltluftentstehungsgebiet, das in heißen Nächten die angrenzenden Stadtteile wie Praunheim und Heddernheim kühlt. Eine geplante Lärmschutzwand, die inklusive Wall eine Höhe von bis zu 16 Metern erreichen könnte, würde zudem wie eine Barriere wirken und den Kaltluftfluss von Westen her blockieren.

Widersprüche im Verkehrskonzept

Auch die Verkehrsplanung wird scharf kritisiert. Laut BUND verspricht die Politik zwar eine Entlastung für den Ortskern von Praunheim, verzichtet jedoch gleichzeitig auf die seit Jahrzehnten zugesagte Umgehungsstraße. Stattdessen soll der Verkehr für 17.000 Einwohner und 5.000 Arbeitsplätze sowie der Durchgangsverkehr durch die neuen Quartiersstraßen geleitet werden. Dies führe laut Planungsunterlagen zu einer hohen Lärmbelastung von bis zu 70 Dezibel am Tag, was die Lebensqualität in den neuen Wohngebieten gefährde.

Verzögerungen durch Hochspannungsleitung

Ein technisches Hindernis könnte die Realisierung weiter Teile des Projekts zudem um Jahre verzögern. Eine bestehende 380-KV-Höchstspannungsleitung verläuft derzeit östlich der Autobahn. Aufgrund geltender Vorschriften müssen Wohngebäude einen Mindestabstand von 400 Metern zu solchen Leitungen einhalten. Eine Verlegung der Leitung auf die Westseite durch den Betreiber Tennet wird voraussichtlich erst in den 2030er Jahren abgeschlossen sein. Solange dieser Umbau nicht erfolgt ist, können weite Teile des Lachgrabenquartiers und der Neu-Weststadt nicht gebaut werden (ohne gegen die bestehenden Vorschriften zu verstoßen).

Der BUND fordert den Magistrat auf, die Planung im Sinne der Hitze-Resilienz und einer ehrlichen Verkehrsplanung zu überarbeiten.


Hintergrund: Was ist der BUND?

Hinter der Abkürzung »BUND« verbirgt sich nicht die Bundesregierung, sondern der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland. Es handelt sich um eine unabhängige Umweltorganisation, die sich für den Erhalt der natürlichen Lebensgrundlagen einsetzt. Der Kreisverband Frankfurt am Main begleitet kritisch städtische Bauvorhaben und setzt sich gezielt für den Klimaschutz sowie den Erhalt lokaler Grünflächen ein. Als einer der großen Naturschutzverbände arbeitet der BUND unabhängig von staatlichen Stellen, um ökologische Belange gegenüber der Politik zu vertreten.

Teile diesen Beitrag mit Freunden

Weiter Redebedarf hinsichtlich Stadtteils der Quartiere im Frankfurter Nordwesten

Neuer Stadtteil der Quartiere

Bauvorhaben östlich der A 5

Die Frage nach der Umsetzung des Neubaugebiets „Stadtteil der Quartiere“ im Frankfurter Nordwesten ist noch nicht ausdiskutiert. Am Donnerstag, 26. Juni, erläuterte Planungsdezernent Marcus Gwechenberger (SPD) den aktuellen Planungsstand des Projekts und stellte sich im Saalbau Titus-Forum den Fragen der Bürger. In der Sitzung des Ortsbeirats 8 nahm Form an, wie künftig rund 6.800 Wohneinheiten entlang der A 5 ein neues Zuhause für 17.000 Menschen schaffen können, wohlgemerkt unter Berücksichtigung ökologischer Faktoren.

Bei der aktuellen Fassung des Projekts handelt es sich um eine Überarbeitung. Im Februar dieses Jahres hatte die Regionalversammlung Südhessen dem „Zielabweichungsantrag“ der Stadt Frankfurt zugestimmt. Dieser strich die geplanten 12.000 Wohneinheiten auf rund die Hälfte zusammen und beschnitt die zu bebauende Fläche um den gesamten Westanteil: Nicht beidseitig der A 5, sondern ausschließlich im Osten der Autobahn sollen sich die nunmehr drei statt vier Quartiere erstrecken. Anstelle der Schaffung eines Ballungsraums soll im Westen Platz für eine „koproduktive Landschaft“ entstehen – ein multifunktionaler Grünraum unter Erhalt der dort angesiedelten landwirtschaftlichen Flächen.

Zwischen Umweltschutz und Wohnungsnot

Mit dem abgeänderten Entwurf reagierte die Stadt Frankfurt auf Sorgen von Nachbarkommunen und Naturschützern: Der Umweltverband BUND befürchtete durch die Bodenversiegelung eine signifikante Beeinträchtigung der Kaltluftproduktion sowie die Vergeudung des fruchtbaren Lehmlössbodens im Frankfurter Nordwesten. Die Kommunen Oberursel, Eschborn und Steinbach sahen durch die geplante Bebauung an der A5 eine Zerstörung von Erholungsgebieten und eine Überlastung der Infrastruktur auf sich zukommen: Eine gesteigerte Lärm- und Schadstoffbelastung verringere die Lebensqualität vor Ort.

Befürworter des Projekts dagegen hoben von Beginn an die Bedeutung des Neubaugebiets für die Beruhigung des angespannten Frankfurter Wohnungsmarktes hervor. Das Stadtplanungsamt Frankfurt geht davon aus, dass allein bis 2030 rund 68.000 neue Wohnungen gebraucht werden, denn die Bevölkerung der Main-Metropole wächst beständig. Die Neubebauung entlang der A 5 soll dem Wohnungsmangel in der Region aktiv entgegenwirken. Unter anderem soll der Stadtteil der Quartiere sozial verträgliches Wohnen durch Förderprogramme für Auszubildende, systemrelevante Gruppen und einkommensschwache Familien ermöglichen.

Schrittweise Entwicklung

Ob der vorgenommenen Änderungen, die Gwechenberger bereits Ende Februar als „besseres Ergebnis“ konstruktiver Gespräche mit der Regionalversammlung lobte, ist das Thema weiter debattenfähig. Kritik kommt nach wie vor von Seiten der Kommunen, die sich auch am Donnerstag mit ihren Anliegen nicht ausreichend berücksichtigt sahen. Wie die Frankfurter Rundschau berichtete, herrscht vor allem Unmut hinsichtlich des vorliegenden Mobilitätskonzepts: Es überlaste die Heerstraße (Oliver Schulte, CDU) und sei zu autofreundlich (Yvonne Gondolf, Grüne).

Wie Stephanie Mohr-Hauke (SPD), die ein „übergreifendes Mobilitätskonzept Nord-West“ fordert, zeigen sich die Mitglieder des Ortsbeirats aber lösungsorientiert und werfen bereits neue Ideen in den Raum. Schon die Jury zur vorbereitenden Untersuchung zum Stadtteil der Quartiere aus dem Jahr 2020 hatte den Wert des Diskutierens, Verbesserns, Änderns und Konkretisierens betont (wir berichteten). Schrittweise wird sich der neue Stadtteil auch heute im Dialog weiterentwickeln. Das 2018 ins Leben gerufene Projekt hat bereits eine 7-jährige Planungsgeschichte hinter sich und dürfte die Region noch einige Jahre beschäftigen: Vor 2029 soll der Bau der Quartiere nicht starten. Bis dahin wird die schrittweise Erarbeitung des Stadtteils weiter für Redebedarf im Frankfurter Nordwesten sorgen.

Teile diesen Beitrag mit Freunden