Der Riedbergplatz steht vor einer umfassenden Transformation. Nach jahrelangen Planungen und intensiven politischen Diskussionen konkretisiert sich das Bild eines klimafreundlichen Stadtteilzentrums, das den Herausforderungen steigender Temperaturen begegnen soll. Ein zentrales Element dieser Neugestaltung sind drei großflächige Schattendächer, deren Materialwahl und technische Ausführung zuletzt für hitzige Debatten zwischen dem Ortsbeirat 12 und der Stadtverwaltung sorgten.
Vom „Beton-Schock“ zum Material-Kompromiss
Ursprünglich sah die im Frühjahr 2025 vorgestellte Bau- und Finanzierungsvorlage des Magistrats Schattendächer in massiver Betonbauweise vor. Dies stieß im Ortsbeirat auf geschlossenen Widerstand. Die Stadtteilpolitiker kritisierten, dass man den Platz mühsam von Beton befreien wolle, um dann neue Betonstrukturen in der Höhe zu errichten. Man erinnerte an ursprüngliche Zusagen aus dem Jahr 2021, die leichtere Holzkonstruktionen vorgesehen hatten.
In einem konstruktiven Abstimmungsprozess zwischen dem Grünflächenamt und Vertretern des Ortsbeirates wurde im August 2025 schließlich ein Kompromiss erzielt. Das Ergebnis: Der Beton ist vom Tisch. Stattdessen werden die Pergolen nun als Hybridkonstruktion geplant. Die tragenden Stützen und der äußere Rahmen bestehen aus belastbarem Stahl, während die schattenspendenden Elemente als Holzlamellen ausgeführt werden. Diese Kombination vereint Langlebigkeit mit einer ansprechenden Ästhetik und ist zudem rund 30 % kostengünstiger als die ursprüngliche Betonvariante.
Präzise Schattenplanung nach Sonnenstand
Die technische Planung der Dächer ist hochgradig spezialisiert. Um eine optimale Kühlwirkung zu erzielen, werden die Holzlamellen je nach Standort in unterschiedlichen Winkeln ausgerichtet. Eine Schattenfallstudie bildet die Grundlage dafür, dass die Bereiche genau dann geschützt sind, wenn sie am stärksten genutzt werden:
- Das östliche Dach bietet ab 12:30 Uhr maximalen Schatten.
- Das mittlere Dach ist auf den Sonnenstand um 14:00 Uhr optimiert.
- Das westliche Dach über dem Kleinkinderspielbereich erreicht seine höchste Schutzwirkung um 16:00 Uhr, wenn die Frequenz am Spielplatz am höchsten ist.
Ergänzend wird für das mittlere und östliche Dach eine Begrünung mit Kletterpflanzen wie wildem Wein oder Knöterich geprüft, um die Verdunstungskühlung zu erhöhen. Am Spielbereich wird auf eine Berankung verzichtet, um die Fallschutzbereiche freizuhalten und die Sichtbarkeit nicht einzuschränken.
Herausforderungen im Zeitplan
Trotz der inhaltlichen Einigung sieht sich das 3,2 Millionen Euro teure Gesamtprojekt zeitlichen Verzögerungen gegenüber. Eine europaweite Ausschreibung für die Landschaftsarchitekturleistungen blieb zunächst erfolglos, da keine geeigneten Angebote eingingen. Zudem beendete das bisher beauftragte Hochbauarchitekturbüro die Zusammenarbeit aufgrund fehlender Kapazitäten, was eine Neuausschreibung für die Pergolen-Planung erforderlich machte.
Nach aktuellem Stand wird ein Baubeginn für Ende 2026 angestrebt. Mit der Fertigstellung des neu gestalteten Platzes, der neben den Dächern auch 29 neue Bäume und großflächige Entsiegelungen erhalten soll, ist frühestens Ende 2027 zu rechnen. Bis die neuen Bäume wie Magnolien oder Amberbäume groß genug sind, um selbst signifikanten Schatten zu spenden, werden die nun geplanten Pergolen die wichtigste Schutzfunktion auf dem Riedbergplatz übernehmen.

