Flüchtlingsunterkunft am Ende der „Römischen Straße“

Standplatz Judith-Kerr-Grundschule

Da, wo einst die Judith-Kerr-Grundschule in weißen und grünen Metallcontainern untergebracht war, will die Stadt eine neue Flüchtlingsunterkunft bauen. Die Grundschule ist mit ihrem Inventar inzwischen in das Holzprovisorium an der Carl-Hermann-Rudloff-Allee umgezogen. Die damals dort beheimatete IGS Kalbach-Riedberg hat dagegen ihren Neubau an der Gräfin-Dönhoff-Straße bezogen.

Auf dem Riedberg sollten ursprünglich – so die Verlautbarung vom 12.11.2016 – am nördlichen und südlichen Ende der „Römischen Straße“ über 70 Kleingartenparzellen realisiert werden. Insgesamt 1,6 Millionen Euro sollten in dieses Projekt gesteckt werden. 38 Parzellen waren im Süden geplant und 36 im Norden.

Das Interesse bei den Bürgern war groß und so wurde 2019 ein Kleingartenverein gegründet. Die Interessenten an einer Parzelle konnten sich damals in eine Warteliste eintragen, die im Herbst 2019 geschlossen wurde, weil es bereits mehr als 400 Eintragungen gab.

Allerdings war der Bau der nördlichen Anlage eng verknüpft mit dem Umzug der Judith-Kerr-Grundschule in das Gebäude in der Carl-Hermann-Rudloff-Allee, der im Sommer 2022 vollzogen wurde. Gebaut werden sollte in der nördlichen Anlage etappenweise – zunächst 19 Parzellen und nach dem Umzug der Schule sowie dem Rückbau der Pavillons weitere 17 Parzellen.

Doch wenn die Menschen auf Erden Pläne machen, fangen die Engel im Himmel an zu kichern. Bei der südlichen Kleingartenanlage die 2022 vom Bewuchs befreit wurde und wo die Gräben für die Verlegung von Rohrleitungen ausgehoben wurden, ist der Baufortschritt zum Erliegen gekommen. Für die Stadt überraschenderweise ist die ausführende Firma pleite gegangen.

Zurückgeblieben sind Kies- und Schutthaufen, sowie rot-weiße Absperrbarken. Die Natur nutzt die Gelegenheit und erobert sich Stück für Stück die Fläche wieder zurück. Das soll so auch noch eine ganze Zeit lang bleiben, denn die beauftragte Firma befindet sich in einem Insolvenzverfahren. Eine Verzögerung bis (weit) ins Jahr 2023 wird erwartet.

Die ursprünglich geplanten 1,6 Millionen Euro reichen inzwischen nur noch für die südlichen Parzellen und einen kleinen Teil der nördlichen Parzellen. Der Teil des Geländes, der im Norden von der ehemaligen Judith-Kerr-Grundschule belegt wurde, kann mit den vorhandenen Mitteln nicht mehr realisiert werden. Dafür müssten im Haushalt 2024 weitere Haushaltsmittel angemeldet werden.

Inzwischen hat sich – wie allgemein bekannt – die politische Situation ebenfalls geändert. Durch den Krieg, den Russland in der Ukraine führt, mussten viele Menschen ihre Heimat verlassen und sind jetzt beispielsweise auf Unterkünfte in Frankfurt angewiesen. Eine Zeit lang wurde die Sporthalle in Kalbach als Notunterkunft hergenommen. Diese Halle wurde inzwischen geräumt und kann von den ortsansässigen Sportvereinen wieder genutzt werden.

Dafür wurde entschieden, dass auf dem ehemaligen Gelände der Judith-Kerr-Grundschule Flüchtlingsunterkünfte für 120 Menschen, vor allem Familien, errichtet werden sollen. Allerdings gibt es noch keinen konkreten Zeitpunkt für den Beginn der Bauaktivitäten. Für Herrn Christoph Baumann, dem Vorsitzenden des Kleingartenvereins Riedberg, eine denkbar schlechte Nachricht. Die Fertigstellung der Kleingartenanlagen im Norden wie im Süden rückt somit in (weite) Ferne.

Das Projekt „Flüchtlingsunterkünfte“ ist auf fünf Jahre angelegt. Mal sehen, wie es dann weitergeht.


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