Abi ohne Party

Die erste große Hürde ist geschafft! Bis gestern haben mehr als 22.500 Schülerinnen und Schüler in ganz Hessen, davon 125 am Gymnasium Riedberg, die schriftlichen Abiturprüfungen abgelegt. Doch was ist das für ein Gefühl, in Zeiten von Corona Abi zu schreiben? „Es war schon seltsam, die Schule zu betreten, und alles war fast menschenleer“, berichtet Roman Gräf (17). Als er am 19. März, dem Datum der ersten Abiturprüfungen in Englisch, zum Gebäude in der Altenhöferallee ging, war selbst der Fahrradabstellplatz abgesperrt. „Und einen Tag vorher hatte noch keiner von uns gewusst, ob die Prüfungen überhaupt stattfinden werden oder nicht.“ Die Entwicklung der Corona-Krise hatte nicht nur Schüler, Eltern und Lehrer überrollt. Zu einem Zeitpunkt, als bereits ein weitgehendes Kontaktverbot galt und andere Bundesländer eine Verschiebung oder sogar vollständige Absage der Prüfungen diskutierten,  fiel die Entscheidung pro Abitur im Hessischen Kultusministerium sehr kurzfristig.

„Es war schon seltsam, die Schule zu betreten, und alles war fast menschenleer“, berichtet Roman Gräf (17) Foto: privat

Wie geht man damit um? „Wir haben viel miteinander gechattet. Aber ich glaube, die meisten von uns waren froh, dass es losging“, sagt Roman rückblickend. Viele hätten zwei Monate oder zumindest einige Wochen dafür gelernt „und jetzt wollten wir, dass das Lernen nicht umsonst war,  jetzt wollten wir das auch hinter uns bringen“. Die Prüfungen selbst, für Roman waren das die Fächer Englisch, Informatik und Mathematik, fanden dann erstaunlich reibungslos und unaufgeregt statt. „Wir hatten immer zwei Meter oder mehr Abstand zueinander und in Mathe waren wir beispielsweise nur zu viert in einem Klassenraum.“ Alles war entsprechend der Corona-Beschränkungen vorbereitet, beeinträchtigt habe das die meisten kaum, „ich habe sogar ein richtig gutes Gefühl, was die Prüfungen anbelangt“.

Kein Abi-Party im Grüneburgpark – Polizei setzt Drohne ein

Abitur in Zeiten von Corona heißt aber auch: Kein Abklatschen oder Umarmungen, wenn man’s geschafft hat. Kein Treffen bei Freunden. Keine Party. Der hessische Kulturminister Alexander Lorz hatte gestern noch einmal an die Abiturienten appelliert, wegen der weiterhin bestehenden Ansteckungsgefahr auf die üblichen Feierlichkeiten zu verzichten.

Auch das traditionelle „Abisaufen“ im Frankfurter Grüneburgpark nach den schriftlichen Abiprüfungen muss ausfallen. Die Frankfurter Polizei will eine Drohne einsetzen, die durch die Hessische Polizeifliegerstaffel geflogen wird, „um eine bessere Übersicht über die in Frage kommenden Areale zu haben“. Und Feiern zu unterbinden.

Abiprüfungen ohne Zwischenfälle

Kultusminister Alexander Lorz zeigte sich mit dem Ablauf der Prüfungen insgesamt zufrieden und zog ein erstes positives Fazit: An den 11 Prüfungstagen wurden in 28 allgemeinbildenden Fächern und zusätzlich 20 berufsbezogenen Fächern auf Grund- oder Leistungskursniveau insgesamt rund 70.000 schriftliche Abiturprüfungen ablegt. Die Teilnahmequote sei in diesem Jahr mit rund 96 Prozent etwas niedriger ausgefallen als üblich, erklärte der Minister. Dies sei zum einen darauf zurückzuführen, dass ein Teil der Abiturientinnen und Abiturienten am Prüfungstag unter Quarantäne gestanden habe oder wegen leichter Symptome wieder nach Hause geschickt worden sei. 

Es besteht die Möglichkeit, die schriftlichen Prüfungen am Nachtermin abzulegen. Nachprüfungen finden von 23.04. bis 07.05.2020 statt, die mündlichen Prüfungen von 25.05. bis 04.06.2020.

Roman Gräf will ab Herbst Informatik in Karlsruhe studieren. Auch bei dieser Entscheidung spielten die acht Jahre am Gymnasium Riedberg, einer Schule mit naturwissenschaftlichem MINT-Schwerpunkt, eine Rolle. Schön wär’s allerdings, wenn im Mai oder Juni doch noch der Abiball stattfinden könnte. Wenn sämtliche Prüfungen vorbei sind und sich die Pandemie hoffentlich abgeschwächt hat. Sonst bleibt auch dann nur die Party per Videochat.

Foto oben: MAINRiedberg