Der Fraktionsvorsitzende Kolja Müller und einige seiner Kollegen besuchten am vergangenen Mittwoch erneut den Riedberg. Der letzte Besuch liegt inzwischen ein Jahr zurück und eigentlich hatten die Besucher gehofft, den Riedbergplatz im Umbau vorzufinden.
Frau Kassold aus dem Ortsbeirat 12 hieß die Besucher willkommen und berichtete, dass Frau Zapf-Rodrigues (Stadträtin und Dezernentin für Klima, Umwelt und Frauen) erst kürzlich in einem Interview darauf hingewiesen hatte, dass zum Erhalt von gewährten Bundeszuschüssen (für die finale Realisierung des aktuellen Bauplans) das Projekt noch einmal ausgeschrieben wird. Die Fertigstellung der Umgestaltung des Riedbergplatzes, die ursprünglich Ende dieses Jahres erfolgt sein sollte, wird daher eher Ende 2027 erwartet.
Das Thema klimafreundliches Entsiegeln des Riedbergplatzes nähert sich daher langsam seinem 20-jährigen Jubiläum. Aber das traurige Thema Entsiegelung war diesmal nicht der Anlass für den Besuch der SPD-Abgeordneten auf dem Riedberg.
Im Fokus stand diesmal die Auswirkung des Neubaus der Mathematik und der Informatik der Goethe-Universität Frankfurt auf dem Universitätscampus Riedberg, der organisatorisch zum Ortsbeirat Niederursel gehört. Deshalb waren auch Vertreter der beiden Ortsbeiräte (8 Niederursel und 12 Kalbach-Riedberg) bei dem Treffen hier vor Ort anwesend.
Was macht den Kapazitätsausbau der Naturwissenschaften für den Riedberg so problematisch?
Problem Nummer 1: Der laufende und ruhende Verkehr
Auch wenn ein guter Teil der etwa 5.600 Studenten, die im Fachbereich 12 (Informatik und Mathematik) derzeit eingeschrieben sind, mit öffentlichen Verkehrsmitteln anreisen bzw. im Tagesverlauf auch zwischen den Studienstandorten (Riedberg und Westend) pendeln, wird ein nicht unerheblicher Rest ein privates Fahrzeug nutzen. Durch die neuen Gebäude sind etwa 160 Parkplätze weggefallen. Zusätzlich zu den Studierenden werden auch Professoren, wissenschaftliche Mitarbeiter und Hilfskräfte in den neuen Räumlichkeiten ihren Arbeitsplatz finden. Das heißt, da werden noch einmal etwa 500 Arbeitskräfte vor Ort eingesetzt. Benötigen nur 10 % der etwa 6.100 Personen einen Parkplatz (610), müssen zusammen mit den 160 weggefallenen Plätzen rechnerisch bis zu 770 Parkplätze kompensiert werden. Dazu kommt noch der zusätzliche Verkehr der durch diese Fahrzeuge ausgelöst wird.
Problem Nummer 2: Studentenwohnungen
Das erklärte Ziel der Stadt Frankfurt ist, etwa 10 % der Studierenden mit bezahlbaren Wohnungen auszustatten. Derzeit wird schon dieses Ziel höchstens zur Hälfte erreicht. Nur zwei bis drei der Studentenwohnheime rund um den Uni Campus Riedberg bieten Wohnraum auf förderfähigem Preisniveau an. Alle anderen Wohnheime werden von privaten Investoren betrieben und sind in der Regel mindestens doppelt so teuer und damit nur von einer begüterten Klientel nutzbar. Doch weitere Wohnheime benötigen Bauplätze, die es am Riedberg – nachdem er nahezu komplett bebaut worden ist – nicht mehr gibt. Da müsste von der öffentlichen Hand viel Geld investiert werden, um Bestandsimmobilien z.B. im Mertonviertel anzukaufen und diese für studentische Nutzung umzurüsten.
Problem Nummer 3: Energie & Wärmeversorgung
Forschungslabore, Reinräume, Tierhaltung und leistungsfähige Rechenzentren führen zu einem überdurchschnittlich hohen Energiebedarf. Durch die Computer der Mathematik und Informatik wird der Energiebedarf noch mal gesteigert. Die Goethe-Universität bezieht seit Mitte 2016 für alle ihre Standorte ausschließlich Ökostrom. Der Campus Riedberg erhält seinen Strom daher über das öffentliche Stromnetz, jedoch im Rahmen eines Ökostrom-Liefervertrags.
Auf dem Dach des neuen Wohnheimes mit International House erzeugt eine Dach-PV-Anlage rund 100.000 kWh Strom pro Jahr. Auch auf den Dächern von Mathematik und Informatik soll inzwischen eine Photovoltaikanlage installiert werden. Für die eigentlichen Universitätsgebäude spielen Photovoltaikanlagen bislang jedoch eher eine ergänzende Rolle. Der überwiegende Strombedarf wird weiterhin aus dem öffentlichen Netz gedeckt.
Der Campus Riedberg ist an das Frankfurter Fernwärmenetz angeschlossen. Dieses Netz versorgt neben dem Riedberg auch die Campi Westend, Bockenheim und Ginnheim. Die Fernwärme stammt aus dem Frankfurter Kraftwerksverbund. Die Wärme wird überwiegend über das modernisierte Müllheizkraftwerk Nordweststadt bereitgestellt, das gleichzeitig Strom und Wärme erzeugt (Kraft-Wärme-Kopplung). Allerdings stößt das Müllheizkraftwerk in der Nordweststadt inzwischen auch an Grenzen.
Problem Nummer 4: Universitäre Infrastruktur
Auch hier ist zu prüfen, ob Mensen und Cafeterien, Bibliothek, Studierplätze und andere Dinge, die Studenten in ihrer täglichen Arbeit benötigen, dem kommenden Ansturm gewachsen sind.

Frau Kassold und Herr Müller
Aussicht
Beim nächsten Besuch der SPD-Fraktion auf dem Riedberg in einem Jahr können wir gespannt sein, wie weit die Umgestaltung des Riedbergplatzes gediehen ist und welche Lösungsansätze für die vielfältigen Auswirkungen der Neubauten am Campus gefunden werden konnten.
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- https://zeitung.faz.net/data/885/reader/reader.html?social#!preferred/0/package/885/pub/1238/page/37/content/169661
- https://www.fr.de/frankfurt/frankfurt-campus-riedberg-der-goethe-uni-ist-bald-komplett-92548459.html

