Schlagwort: Filialsterben

KiK auf Sparkurs – Was wird aus den Frankfurter Filialen?

Symbolbild von KiK-Laden

Der deutsche Einzelhandel befindet sich im Umbruch. Prognosen zufolge wird die Zahl der stationären Geschäfte in Deutschland im Jahr 2026 erstmals seit der Wiedervereinigung unter die Marke von 300.000 sinken. In diesem schwierigen Marktumfeld, geprägt von Kaufzurückhaltung und erstarkender Online-Konkurrenz, hat nun auch der Branchenriese KiK eine umfassende Restrukturierung angekündigt.

Vom rasanten Aufstieg zur Konsolidierung

Seit der Gründung durch Stefan Heinig im Jahr 1994 in Düsseldorf-Gerresheim kann KiK auf eine beeindruckende Wachstumsgeschichte zurückblicken. Das Akronym für „Kunde ist König“ wurde zum Programm eines konsequenten Discount-Modells für Textilien nach dem Vorbild von Lebensmitteldiscountern wie Aldi. Binnen 15 Jahren expandierte das Unternehmen auf über 3.000 Filialen und ist heute mit rund 4.300 Standorten in 14 europäischen Ländern vertreten. Die Mehrheit am Unternehmen hält die Tengelmann-Gruppe.

Nach einer Phase der „Über-Expansion“ und Imagekrisen infolge von Kritik an Produktionsbedingungen (etwa nach dem Rana-Plaza-Unglück 2013) setzt das Management unter CFO Christian Kümmel im Jahr 2026 auf „Gesundschrumpfen“. Ziel ist es, die Profitabilität pro Standort zu erhöhen, nachdem die Strategie, durch schiere Masse immer neue Kunden zu gewinnen, nicht vollständig aufgegangen ist.

Ein Marktumfeld unter Druck

KiK sieht sich 2026 einem verschärften Wettbewerb gegenüber, der nicht mehr nur stationär ausgetragen wird. Während Mitbewerber wie Takko Fashion, NKD oder Woolworth um ähnliche Standorte in Fachmarktzentren konkurrieren, erwächst die größte Bedrohung aus dem digitalen Sektor. Chinesische Ultra-Fast-Fashion-Plattformen wie Shein und Temu dominieren zunehmend Trends und Preise im Internet. Zudem drängt mit Lefties, dem Budget-Ableger von Inditex (Zara), ein neuer starker Akteur auf den deutschen Markt.

Die strategische Neuausrichtung: Masterplan 2028

Um wettbewerbsfähig zu bleiben, verfolgt KiK bis 2028 eine umfassende Neuausrichtung:

  • Portfolio-Optimierung: Unrentable Filialen oder Standorte mit gegenseitiger „Kannibalisierung“ – also Geschäfte, die sich gegenseitig die Kunden wegnehmen – werden geschlossen. Bis Ende 2026 sollen europaweit rund 300 Filialen wegfallen, davon 135 in Deutschland.
  • Modernisierung: Die verbleibenden Standorte werden auf ein neues Store-Konzept umgestellt, das eine hellere Atmosphäre, moderne Shop-in-Shop-Systeme und digitale Kassen vorsieht.
  • Digitalisierung: Der Online-Handel wird massiv ausgebaut, um eine Brücke zwischen Webshop und stationärem Geschäft (Click & Collect) zu schlagen.
  • Effizienzsteigerung: Neben Schließungen prüft das Unternehmen auch verkürzte Öffnungszeiten in umsatzschwachen Randstunden, um Personalkosten zu sparen.

Fokus Frankfurt: Welche Filialen sind bedroht?

In Frankfurt betreibt KiK aktuell rund 10 Filialen. Da das Unternehmen Standorte schließen will, die weniger als 1 Kilometer auseinanderliegen, rücken bestimmte Gebiete in den Fokus:

  • Innenstadt/Zeil: Die Filiale auf der Zeil 41 steht unter massivem Wettbewerbsdruck durch den Online-Handel und Großflächenanbieter wie Primark.
  • Gallus/Griesheim: Die Filiale in der Mainzer Landstraße 341 deckt ein wichtiges Quartier ab, muss sich jedoch an ihrer individuellen Profitabilität messen lassen.
  • Höchst: Der Standort in der Königsteiner Straße 11-13 ist ein zentraler Anlaufpunkt im Frankfurter Westen.
  • Heddernheim (Nordwestzentrum): Die Filiale im Nidarcorso 15 gilt als räumlich ausreichend isoliert und liegt in einem starken Einzugsgebiet, was sie als potenziell sicher erscheinen lässt, sofern die Kennzahlen stimmen.

Besonders kritisch wird es im angrenzenden Offenbach, wo Filialen in der Waldstraße (Nummer 38 und 46) fast unmittelbar nebeneinander liegen – hier ist eine Konsolidierung auf einen Standort sehr wahrscheinlich.

Obwohl bereits Schließungen in Hessen (wie Bad Soden-Salmünster) bestätigt wurden, hat KiK für Frankfurt noch keine finale Liste vorgelegt. Fest steht: Der Textildiscounter will sich auf seine Kernzielgruppe – preisbewusste Familienmanagerinnen zwischen 30 und 60 Jahren – konzentrieren und das Filialnetz deutlich straffen, um langfristig zu überleben.


Weiterführende Links

Teile diesen Beitrag mit Freunden

Persönlichen Kontakt wollen wir uns nicht mehr leisten

Blick auf Bankentürme in der City

Seit November 2023 ist die Filiale der Raiffeisenbank in der Hauptstraße von Kalbach nicht mehr verfügbar. Die Filiale der Sparkasse wurde schon 2017 geschlossen. Weitere Bankfilialen gibt es in dem Ort, der 1972 zu Frankfurt kam nicht mehr.

Erst durch die Besiedlung des Riedbergs und den Ausbau des Martinszehnten in den letzten 20 Jahren wurden eine Zweigstelle der Sparkasse und eine Zweigstelle einer Bank der Volks- und Raiffeisenbank-Gruppe neu eröffnet. Immerhin hat der Ortsteil Kalbach-Riedberg inzwischen 23.000 Einwohner. Eine Stadt wie Neu-Anspach hat dagegen nur 15.000 Einwohner.

Trotz Intervention des Ortsbeirats wurde die kaufmännische Entscheidung nicht revidiert. Auch kein anderes Kreditinstitut hatte Interesse, in die Marktlücke einzuspringen. Geldautomatensprengungen, Voranschreiten der Digitalisierung, Kosten für Personal, Räume und Technik führten dazu, diesem Trend weiter zu folgen.

Klare Aussagen: „Die Kundenfrequenz an allen betroffenen Standorten habe zuletzt nur noch zwei Kunden pro Stunde betragen – auch in Kalbach, wo die Filiale bereits seit einigen Monaten nur noch an einem Tag pro Woche geöffnet war.“ und „Die Zahl der Bargeldabhebungen habe derweil bei unter zehn pro Tag gelegen.“

Zu den ersten Opfern der abnehmenden Kundennähe gehören all die Menschen, die im geschäftlichen Alltag Unterstützung benötigen:

Um nur einige betroffene Gruppen exemplarisch aufzuführen:

  • Senioren, die mit Smartphones nichts anfangen können oder dieser Technik nicht vertrauen
  • Menschen mit Gehbehinderung, die nur kurze Strecken zurücklegen können und das können auch junge Menschen sein, die einen Unfall gehabt haben.
  • Menschen mit Einschränkungen beim Sehen, beim Bedienen von Geräten, mit Angst vor moderner EDV-Technik, …
  • Menschen, die sich aus finanziellen Gründen weder Smartphones noch Mobilfunkverträge mit Datenvolumen leisten können
  • Menschen mit Demenz, Parkinson und ähnlichen Krankheitsbildern

Zu Recht wird darauf verwiesen, dass Bargeldabhebungen auch in manchen Einzelhandelsgeschäften möglich sind. Dabei wird aber oft vergessen, dass das vor allem Discounter sind, die ihre Filialen außerhalb der städtischen Ballungsgebiete angesiedelt haben, sodass oft ein Auto notwendig ist, um sie zu erreichen. Ein weiteres Problem ist, dass dieses System nur funktioniert, solange noch genügend Kunden ihre täglichen Einkäufe bar bezahlen.

Fragen Sie doch mal nach, wenn der Betrieb morgens eröffnet hat, ob Sie 200 Euro abheben können. Der Kassierer mit der neu bestückten Kasse wird bedauernd mit der Schulter zucken. Außerdem ist bei 200 Euro Schluss. Für größere Abhebungen müssen Sie entweder noch bei einem anderen Einzelhandelsgeschäft einkaufen oder doch wieder zum Geldausgabeautomaten rennen.

Noch ist die Bargeldabhebung bei Erreichen eines Mindestumsatzes kostenlos. Müssen die Geschäfte jedoch Geld zukaufen, um die fehlenden Barzahlungen zu ersetzen, damit ihre Kunden abheben können, ist es mit der Gebührenfreiheit sicherlich auch bald vorbei. Keine schönen Aussichten.

Die Zahl der Bankfilialen in Deutschland ist inzwischen unter 20.000 gesunken. Im letzten Jahr wurden immerhin 4,6 % der Filialen gestrichen. Wenn das so weitergeht, wird sich die Zahl der Filialen in den nächsten 10 bis 15 Jahren noch einmal halbieren. (Reine Automaten-Standorte wurden in der Statistik nicht berücksichtigt)

Um nicht zu viele Kunden zu verlieren, versuchen Banken, abseits von festen Standorten ihre Präsenz in der Fläche aufrechtzuerhalten: beispielsweise durch Videoberatung, Beratungscenter mit längeren Öffnungszeiten auch am Samstag, mit Sparkassen-Bussen oder geteilten Filialen über Institutsgrenzen hinweg. Für Geschäftsleute, Vereine und andere Kunden, die auf eine gute Bargeldversorgung und auch auf Bargeld-Abnahme angewiesen sind, nicht immer eine Lösung.

Klassische Geschäftsfelder wie Goldverkauf, Sortenverkauf, Schließfächer wurden vor Jahren schon aufgegeben oder reduziert. Wer noch ein Schließfach ergattert hat, reicht es in der Familie weiter, wenn er es nicht mehr benötigt.

Spannend ist auch immer die Frage, wie Menschen geholfen werden kann, die in finanziellen und technischen Schwierigkeiten stecken.

Auch hier ein paar Beispiele als Anregung:

  • Opfer von Kriminalität (Enkeltrick, falsche Polizeibeamte, angebliche Staatsanwaltschaft, …)
  • Technische Ausfälle (Internet, Haustechnik, Router, PC-Absturz, Handy verloren, Kreditkarten gestohlen, …)
  • Plötzliche Erkrankungen, Unfälle, Krankenhauseinweisungen, …

Sofern Familienangehörige entsprechende Vollmachten haben und zeitlich und räumlich einspringen können, kann das noch aufgefangen werden. Einsame oder vereinsamte Menschen werden dann von Geldversorgung und Bankdienstleistungen abgeschnitten.

Technische Pannen und Kosten

Wer mit physischen Belegen (Überweisungsformulare, Kontoauszüge, …) arbeitet, wird nicht nur mit höheren Gebühren zur Kasse gebeten, sondern hat auch noch Anfahrtskosten, sei es ein Ticket für den öffentlicher Personennahverkehr oder Spritkosten und Parkgebühren für den Pkw. Wenn dann noch Geräte ausfallen und der Weg zur Bank vergeblich war, addieren sich Frust und Ärger. Noch tragischer wird jedoch die Abschaffung von Kontoauszügen und Überweisungsbelegen empfunden.

Konsequenzen für Banken

Während die nachwachsende Generation zum überwiegenden Teil mit dem Smartphone „verheiratet“ ist, kennen sie weder Bankfilialen noch klassische Bankbelege. Auch Kontakte zu Kundenberatern sind ihnen oft fremd. Ihr Bezugspunkt zum Kreditinstitut ist dann nur noch die Leistungsfähigkeit der jeweiligen App. Dienstleistungen werden wie Rosinen ausgewählt. Die besten Konditionen werden zum Maß aller Dinge.

Direktbanken mit langer Erfahrung und ausgefeilter Technik haben hier die Nase vorn. Die ING-DiBa wurde 1965 als Bank für Sparanlagen und Vermögensbildung AG (BSV) in Frankfurt am Main unter maßgeblicher Beteiligung des damaligen Vorsitzenden der IG Bau-Steine-Erden, Georg Leber, gegründet. Heute ist sie von der holländischen ING assimiliert und mit 9 Millionen Kunden im Jahr 2022 die größte Direktbank Deutschlands und zählt zu den 10 größten Banken des Landes.

Für die übrig gebliebenen deutschen Großbanken eine immer stärkere Konkurrenz. Vor allem nachdem die Deutsche Bank gezeigt hat, dass ihre EDV-Kompetenz bei der Integration der Postbank doch sehr zu wünschen ließ, so dass das Bundesaufsichtsamt fürs Finanzwesen einen Sonderbeauftragten abstellen musste. Der Trend zeigt: Wer die Bindung zum Kunden verliert, verliert langfristig auch den Kunden. Eine teuflische Sackgasse!

Teile diesen Beitrag mit Freunden

Bargeldversorgung im Krisenfall

Geldscheine

Im Forschungsprojekt »Resilienz der Bargeldversorgung – Sicherheitskonzepte für Not- und Krisenfälle (BASIC)« hat ein Verbund aus Wissenschaft und den wichtigsten Akteuren im Bargeldkreislauf bzw. der Bargeldlogistik den Bargeldkreislauf auf seine Ausfallsicherheit hin untersucht und Empfehlungen herausgearbeitet, wie dieser Kreislauf widerstandsfähiger gestaltet werden kann.

Die Bargeldversorgung in Not- und Krisenfällen

Im Falle einer Naturkatastrophe oder einer vom Menschen verursachten Krise, eines Stromausfalls oder auch eines Ausfalls des IT- und Kommunikationsnetzes funktionieren elektronische Zahlungssysteme in der Regel nicht mehr. Jeder wirtschaftliche Tausch muss in diesen Fällen mithilfe von Bargeld erfolgen. Die Möglichkeit, auch in Not- und Krisenfällen weiter wirtschaften zu können ist wichtig. Die jüngsten Entwicklungen wie der russische Krieg in der Ukraine und Unsicherheiten bei der Energieversorgung haben Krisenszenarien wahrscheinlicher werden lassen.

Bargeldversorgung krisensicherer machen

Die Akteure des Bargeldkreislaufs verfügen über eigene Notfall- und Krisenkonzepte. Diese sind in den meisten Fällen auch inhaltlich umfassend aufgestellt. Defizite hingegen bestehen bei der gegenseitigen Berücksichtigung der anderen Akteure in diesen Konzepten bzw. der Kenntnis darüber, wie sich andere Akteure im Not- und Krisenfall verhalten werden. Das Verständnis der Bargeldakteure für die Anforderungen der jeweils anderen ist also von zentraler Bedeutung für die erfolgreiche Notfall- und Krisenbewältigung.

Das Sicherheitskonzept

Das aktuelle Sicherheitskonzept wurde gemeinsam von Bundesbank, Geschäftsbanken, Handelsunternehmen, Geld- und Wertdienstleistern sowie Forschungseinrichtungen entwickelt. Es ist auf einen langfristigen Zeitraum ausgelegt und berücksichtigt alle involvierten Akteure und deren Bedürfnisse.

Im Not- und Krisenfällen können häufig nicht mehr alle Geldautomaten und Filialen der Kreditinstitute wie gewohnt betrieben werden, da es beispielsweise an notwendigen Ressourcen fehlt (z. B. Personal bei Geld- und Wertdienstleistern). Daher wurde von Mathematikern ein Optimierungsalgorithmus entwickelt. Die Forschenden bestimmten für gewisse Szenarien mit mathematischen Methoden die optimale Bargeldbelieferung: Sie zeigten auf, welche Daten für eine Optimierung im jeweiligen Krisenfall vorliegen müssen. Und sie berechneten auf Basis der verfügbaren Daten die relevantesten Bargeldbezugspunkte, um diese priorisiert beliefern oder z. B. mit Notstromaggregaten krisensicher ausstatten zu können.

Vorstellung der Projektergebnisse – das Sicherheitskonzept

Die Ergebnisse in Form des Sicherheitskonzepts sind nun auch online verfügbar – das Sicherheitskonzept steht hier zum kostenfreien Download bereit: http://www.scs.fraunhofer.de/basic-sicherheitskonzept.

Kommentar: Die weitere Reduzierung von Bankfilialen und Geldausgabeautomaten erhöht die Anfälligkeit der Bargeldversorgung in Krisenzeiten. Dies sollte bei weiteren Konzentrationsprozessen besser beachtet werden.


Verwandte Links

 

 

Teile diesen Beitrag mit Freunden