Die Europäische Schule Frankfurt soll am bisherigen Standort am Praunheimer Weg in Niederursel einen Erweiterungsbau erhalten. Der Magistrat der Stadt Frankfurt hat dem Vorhaben am 8. Mai zugestimmt. Geplant ist ein modernes Gebäude in Holzmodulbauweise mit zusätzlichen Klassenräumen, Fachräumen und einer Mensa. Die Kosten für das Projekt liegen laut Magistratsvorlage bei rund 58 Millionen Euro.
Das Projekt „Europäische Schule“
Die Europäische Schule Frankfurt wurde 2002 gegründet und ist eine der europaweit 13 Schulen, die von den Mitgliedsstaaten der Europäischen Union getragen werden. Unterrichtet wird am Standort in Frankfurt auf Deutsch, Englisch, Französisch, Italienisch und Spanisch, da viele Kinder von Mitarbeitenden europäischer Institutionen die Schule besuchen. Durch das Wachstum Frankfurts als internationaler Standort steigt seit Jahren die Anzahl der Schüler, die sich aktuell bereits auf rund 1.600 beläuft. Auch die Ansiedlung der neuen europäischen Anti-Geldwäschebehörde AMLA in Frankfurt dürfte den Bedarf weiter erhöhen.
Langfristig soll die Schule auf den sogenannten „Campus Ginnheim“ auf das Gelände der Bundesbank umziehen. Bis dieser Neubau fertig ist, soll die Zwischenlösung am Praunheimer Weg den dringend benötigten Platz schaffen. Vorgesehen sind bis zu 30 zusätzliche Klassenräume sowie Räume für Naturwissenschaften, Musik, Werken und die Verwaltung. Insgesamt soll der Erweiterungsbau rund 7.600 Quadratmeter Nutzfläche umfassen.
Damit das Projekt schneller umgesetzt werden kann, soll es nachträglich in die Frankfurter Schulbauoffensive aufgenommen werden. Nach Angaben der Stadt könnte sich die Bauzeit dadurch um bis zu einem Jahr verkürzen. Die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA) soll das Gebäude später von der Stadt anmieten. Die Stadt rechnet dadurch mit Mieteinnahmen, die einen Teil der Investitionskosten ausgleichen sollen. Auch nach dem späteren Umzug der Europäischen Schule soll das Gebäude weiterhin für schulische Zwecke genutzt werden.
Offene Fragen bei Kosten und Refinanzierung
Parallel zur politischen Zustimmung gibt es innerhalb der Stadtverwaltung allerdings Diskussionen über Finanzierung und Kalkulation des Projekts. Interne Stellungnahmen von Kämmerei und Revisionsamt äußern Zweifel daran, ob die Finanzierung bislang vollständig dargestellt wurde. Kritisiert werden unter anderem unterschiedliche Angaben zu eingeplanten Mitteln im Investitionsprogramm sowie offene Fragen bei Folgekosten und der späteren Refinanzierung des Gebäudes.
Auch einzelne Kostenansätze werden laut interner Angaben noch überprüft. So sehen die Kritiker unter anderem bei Ausstattungskosten und technischen Planungen weiteren Klärungsbedarf. Grundsätzliche Einwände gegen den Erweiterungsbau selbst erheben weder Kämmerei noch Revisionsamt. Beide betonen die Dringlichkeit zusätzlicher Schulplätze.
Bevor das Projekt endgültig starten kann, müssen noch die Stadtverordneten zustimmen. Für viele Familien und Beschäftigte rund um die Europäische Schule dürfte die Entscheidung dennoch ein wichtiges Signal sein: Die seit Jahren diskutierte Erweiterung bekommt erstmals eine konkrete Perspektive.
Was ist eine Kämmerei?
Die Kämmerei bildet einen Teil der Finanzverwaltung in der Kommunalverwaltung Frankfurts. Sie befasst sich u.a. mit dem Haushaltsplan und dessen Durchsetzung sowie mittelfristigen Finanz- und Investitionsplänen der Stadt.
Was ist das Revisionsamt?
Das Revisionsamt ist die unabhängige Innenrevision der Stadt. Es unterstützt die Gremien bei ihrer Entscheidungsfindung, wobei die Aufgaben hauptsächlich die Prüfung der Haushaltswirtschaft und des gesamten wirtschaftlichen Handelns der Stadtverwaltung umfassen.
