Wohnen, Kitas, Parks: Ein Zeugnis für den Riedberg

Der Riedberg ist natürlich unser Frankfurter Lieblings-Stadtteil. Dennoch gibt es aktuelle Probleme und Fehler bei der Planung. Grundlage für unser „Zeugnis“ sind eine Umfrage des Institutes für Humangeographie zur Wohnsituation von Familien am Riedberg sowie Ergebnisse eines Seminars zur „Wohnraumerweiterung am Riedberg“ am Institut für sozial-ökologische Forschung der Goethe-Universität.

+ Warum sind Sie an den Riedberg gezogen? Die Antwort auf diese Frage fällt den meisten leicht: Der Riedberg wird als grüner, eher ruhiger und vor allem familienfreundlicher Stadtteil wahrgenommen. Mitentscheidend ist auch die Lage am Stadtrand, kombiniert mit der guten Erreichbarkeit der Innenstadt.

Der Riedberg ist eine der größten städtebaulichen Entwicklungsmaßnahmen in Deutschland. Während man in den Anfangsjahren, bis ungefähr 2010, noch vergleichsweise günstig Eigentum am Riedberg erwerben oder Wohnraum mieten konnte, fehlen günstige oder bezahlbare Wohnungen zunehmend. In Folge der Entwicklung der Finanzmärkte und des Immobilienbooms wird seit Jahren verstärkt im hochpreisigen Wohnungsmarktsegment gebaut.

+ Fragt man nur Familien, steht in puncto Unzufriedenheit der Bedarf an mehr Ärzten an erster Stelle, speziell an Kinderärzten und Hausärzten für gesetzlich Versicherte.

+ Die Betreuung der Kinder ist von grundlegender Bedeutung für die Alltagsorganisation von Familien. Während die Zufriedenheit mit dem vorhandenen Angebot überwiegend hoch ist, kritisieren insgesamt drei Viertel der Befragten den Mangel an Betreuungsplätzen – von der U3-Betreuung bis zum Hort bzw. der erweiterten schulischen Betreuung.

+ Ein großer Pluspunkt: Die Anbindung an den öffentlichen Nahverkehr, insbesondere die U-Bahn.

Angesichts von mehr als 3000 Kindern unter 14 Jahren steht zu erwarten, dass in den nächsten Jahren die Zahl der Jugendlichen deutlich steigen wird. Deshalb gibt es laut der Umfrage eine „große Unzufriedenheit mit dem geringen Angebot für Jugendliche“. Als Wünsche werden unter anderem ein Skatepark, ein Bolzplatz, mehr Tischtennisplatten und ein Pavillon als Rückzugsort genannt. Ein weiterer Aspekt in puncto Stadtplanung: Am Riedberg sind keine Stadtbibliothek, ebenso wenig Multifunktionsräume für Vereine vorhanden.

+ Im Stadtteil sind etwa 94 Hektar für Parkanlagen, Grünzüge und integrierte Landschaftsflächen reserviert, die vielfältige Funktionen übernehmen. Dazu zählen Flächen für Naherholung, Sport und Spiel, Naturschutz, aber auch für die Frischluftversorgung.

+ Überwiegend sind die Riedberger zufrieden mit den Einkaufsmöglichkeiten. Allerdings wird beim Einzelhandel eine bessere Versorgung des Westflügels gewünscht, außerdem dezentrale Bäcker, ein Obst-/ Gemüseladen und ein Bioladen. Auch besteht der Wunsch nach mehr Gastronomie und Ausgehmöglichkeiten. 

+ Die Energieversorgung am Riedberg folgt einem nachhaltigen Energiekonzept. Der gesamte Stadtteil wird durch Fernwärme aus dem nahegelegenen Müllheizkraftwerk in der Nordweststadt versorgt. Die Grundschule Riedberg war 2004 die erste in Passivbauweise errichtete Schule in ganz Deutschland. Gymnasium Riedberg, Marie-Curie-Schule und Kitas, aber auch private Passivhäuser folgten.

+ Auch das „Wassermanagement“ wird überwiegend positiv beur-
teilt. Regenwasser und Schmutzwasser werden getrennt abgeleitet. Das Schmutzwasser gelangt durch die städtische Kanalisation in die Kläranlage Niederrad/ Griesheim. Das Regenwasser wird durch Regenrückhaltebecken in den Parks aufgefangen, gedrosselt und den natürlichen Bächen zugeleitet. Allerdings sollte in den Haushalten das abfließende Trinkwasser möglichst reduziert und mehr Regenwasser genutzt werden.

Am Riedberg ist die soziale Mischung – aus Sicht moderner Stadtplanung – nicht nachhaltig. Hier sind sehr viele Ein- und Zweifamilienhäuser entstanden (rund 30 Prozent) und Wohnungen mit fünf oder mehr Zimmern. Im Kontrast dazu werden in Frankfurt bis 2030 verstärkt 2-, 3- und 4-Zimmer-Wohnungen benötigt. Auch der Anteil geförderter Wohnungen ist zu gering.

+ Die von den Studierenden des Instituts für Humangeographie befragten Familien sind „zufrieden bis sehr zufrieden mit ihrem Stadtteil“. Auch die VerfasserInnen der sozial-ökologischen Analyse kommen zu dem Schluss: „Die Identifizierung der Bewohner zu ihrem Stadtteil ist in Riedberg vorhanden.“

Die Ergebnisse der Befragung von Riedberger Familien finden Sie unter www.humangeographie.de/riedberg

Foto: Kimberly Farmer on Unsplash