Schlagwort: Wärmewende

Frankfurts Wärmeschatz: Messflüge und Pionierprojekte ebnen den Weg zur Energiewende

Das Messflugzeug auf dem Rollfeld

Frankfurt am Main hat sich ein ehrgeiziges Ziel gesetzt: Bis zum Jahr 2035 soll die Stadt klimaneutral sein, wobei die Strom- und Wärmeversorgung vollständig unabhängig von fossilen Energieträgern erfolgen soll. Ein zentraler Baustein in diesem Plan ist die Geothermie. Um das verborgene Potenzial im Untergrund der Mainmetropole präzise zu erfassen, laufen derzeit großangelegte Forschungsaktivitäten, die sowohl den Himmel als auch neue Stadtquartiere umfassen.

Nächtliche Messflüge über Frankfurt

Wer in den letzten Nächten ein Brummen am Himmel vernommen hat, wurde Zeuge eines wichtigen Schritts für die Frankfurter Wärmewende. Ein Spezialflugzeug überfliegt derzeit im Auftrag des Forschungsverbundes GeoProH das Gebiet von Lampertheim bis Bad Nauheim, einschließlich des Frankfurter Stadtgebiets.

Die Flüge finden bewusst in der Zeit zwischen 23:00 und 05:00 Uhr statt, um den regulären Betrieb am Frankfurter Flughafen nicht zu beeinträchtigen. Dabei führt die zweimotorige Maschine passive Messungen durch, die völlig geräuschlos für die Anwohner und ohne jegliche Strahlung ablaufen. Gemessen werden die Erdschwere sowie das Magnetfeld der Erde. Diese Daten ermöglichen präzise Rückschlüsse auf die geologischen Strukturen im Oberrheingraben und sind die Grundlage für ein fundiertes 3D-Untergrundmodell. Ziel ist es, Gebiete mit sogenannten „geothermischen Anomalien“ zu identifizieren – Orte, an denen die Untergrundtemperatur höher ist als üblich und somit ideale Bedingungen für die Wärmegewinnung bietet.

Das Hilgenfeld als klimaschonendes Vorzeigequartier

Während die Messflüge noch Daten sammeln, ist die praktische Nutzung der Erdwärme an anderer Stelle bereits in vollem Gange. Im Norden Frankfurts, am Frankfurter Berg, entsteht auf dem 17,7 Hektar großen Areal „Hilgenfeld“ ein modernes Klimaschutzquartier. Es gilt als Paradebeispiel für die Integration erneuerbarer Energien in den städtischen Wohnungsbau.

Für die dezentrale Wärmeversorgung der geplanten 860 Wohnungen hat der Energieversorger Mainova bereits 161 Erdwärmesonden in eine Tiefe von 120 Metern eingebracht. Verbunden durch ein rund 10.000 Meter langes Leitungsnetz, transportiert ein Wasser-Glykol-Gemisch die Erdwärme zu 3 Heizzentralen. Dort wird die Energie mittels Großwärmepumpen auf die notwendige Vorlauftemperatur für das Nahwärmenetz gebracht.

Das innovative Energiekonzept im Hilgenfeld sieht zudem eine intelligente Speicherung vor: Überschüssige Wärme von den 1.160 Photovoltaik-Solarthermie-Modulen auf den Dächern wird im Sommer in die Erdsonden im Boden geleitet und dort für den Winter zwischengespeichert. Durch dieses Zusammenspiel können jährlich knapp 2.000 Tonnen CO2 im Vergleich zu einer konventionellen Wärmeversorgung eingespart werden.

Ausblick: Geothermie als fester Bestandteil des Wärmemixes

Die Erkenntnisse aus den Messflügen und Pilotprojekten wie dem Hilgenfeld fließen in die kommunale Wärmeplanung ein, die bis Mitte 2026 fertiggestellt sein muss. Mainova plant bereits langfristig: Bis zum Jahr 2045 soll der Anteil der Geothermie an der gesamten Fernwärme bis zu 25 % betragen. Neben der oberflächennahen Geothermie, wie sie im Hilgenfeld genutzt wird, liegt der Fokus für die zentrale Versorgung dabei verstärkt auf der Tiefengeothermie. Die Forschungsbohrung am Rebstockbad, die in eine Rekordtiefe von 1.060 Metern vordrang und dort 61 °C warmes Wasser fand, unterstreicht das enorme Potenzial, das unter den Füßen der Frankfurter Bürger schlummert.


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Riedberger öffnen ihre Türen für die Wärmewende

Gemeinsamer Erfahrungsaustausch im Bonifatiusviertel

Am 29. Oktober fand auf dem Riedberg ein besonderer »Wärmespaziergang« rund um das Thema „klimafreundliches Heizen“ statt: Zwei engagierte Bewohner aus dem älteren Teil unseres Neubaugebietes, dem Bonifatiusviertel, öffneten ihre Häuser, um interessierten Gästen und Medienvertretern ihre installierten Wärmepumpen vorzustellen. Dabei gewährten sie auch Einblicke in die technischen Einbauten und teilten ihre persönlichen Erfahrungen mit der modernen Heiztechnik.

Gute Kontakte

Organisiert wurde der Termin gemeinsam vom Klimareferat Frankfurt und der Klimaschutz-Initiative Riedberg e. V. (KIR). Durch die enge Verbindung der KIR zu den Bewohnern konnte der direkte Kontakt zu den Hauseigentümern hergestellt werden. Neben Vertreterinnen des Klimareferats und der KIR nahmen auch Journalistinnen sowie ein Fachmann vom Energiepunkt Frankfurt Rhein-Main e. V. teil. Dieser führte vor Ort eine Schallmessung an den Wärmepumpen durch – das Ergebnis: Selbst bei Volllast lagen die Werte bei lediglich rund 50 Dezibel und damit im angenehm leisen Bereich.

Geräuschmessung an einer Wärmepumpe

Geräuschmessung an einer Wärmepumpe, © KIR

Auftaktveranstaltung

Die Veranstaltung diente als Auftakt zu einer größeren Informationsveranstaltung am 10. November um 18 Uhr im Saalbau Bornheim, die unter dem Motto „Wärmewende meistern“ steht. Dort erwartet die Besucher ein vielfältiges Programm mit drei spannenden Vorträgen, einer Podiumsdiskussion sowie einem „Markt der Möglichkeiten“, auf dem zahlreiche Infostände rund um das Thema Wärmewende und Wärmepumpen informieren.

Fühlen der Luftströmung der Wärmepumpe

Fühlen der Luftströmung der Wärmepumpe, © KIR

Klimafreundlichere Zukunft

Mit dieser Reihe möchte die Stadt Frankfurt ihre Bürger umfassend über die Chancen der Wärmewende informieren und sie auf dem Weg zu einer klimafreundlichen Zukunft begleiten.


Weitere Informationen zur Veranstaltung gibt es unter:

👉 https://klimaschutz-frankfurt.de/kommunale-waermeplanung/veranstaltungen/infoveranstaltung-zum-sanieren-und-heizen/

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Frankfurter Wärmewende: Zwischen Klimazielen und sozialer Gerechtigkeit

Sonne Wärme Energie

Podiumsdiskussion bei Senckenberg zeigt Herausforderungen auf

Sollten Sie zu denen gehören, die schon einmal das Kenner-Spiel des Jahres 2024 »eMission« gespielt haben, so kommt ihnen folgendes Szenario wohl bekannt vor: Sie sind auf grüne Energie umgestiegen und haben CO2-Emittenten reichlich abgebaut, aber das kooperative Spiel trotzdem verloren: Der Grund: Sie waren zu langsam und der Temperaturanstieg ging zu schnell. Die daraus resultierenden Krisen und Naturkatastrophen haben Sie „umgebracht“.

Auch Frankfurt steht vor einer gewaltigen Aufgabe: Bis 2035 sollte die Stadt klimaneutral werden. Doch bei einer Podiumsdiskussion im Senckenberg-Komplex wurde deutlich, dass die Wärmewende stockt – und Mieter zunehmend unter den Kosten leiden.

9 % in 35 Jahren: Tempo bleibt kritischer Faktor

Joachim Curtius (Klimabeirat Frankfurt) brachte es auf den Punkt: „Wir haben nur 9 % der notwendigen Maßnahmen in 35 Jahren umgesetzt.“ Angesichts steigender CO₂-Emissionen und explodierender Energiepreise drängt die Zeit. Moderatorin Anea Lang (Klimaentscheid Frankfurt) betonte: „Die Wärmewende muss sozial gerecht gestaltet werden – sonst verlieren Menschen ihre Wohnungen.“

Heizkostenexplosion trifft Mieter hart

Conny Petzold („Mieter helfen Mietern“) schilderte drastische Folgen:

  • 35 % Preisanstieg bei Frankfurter Fernwärme
  • Vierstellige Nachzahlungen für 60.000 Haushalte
  • Energetische Sanierungen treiben Mieten hoch – ein Verdrängungsmotor!

Helmut Paschlau (Netzwerk Saubere Energie München) verdeutlichte Vergleichszahlen: In München stiegen die Fernwärmepreise um 120 %, der Ausbau kostet dort 9,5 Mrd. Euro.

Mainova und Stadtpolitik unter Druck

Martin Giehl (Mainova-Vorstand) rechtfertigte die Preiserhöhungen mit dem Kohleausstieg: „Wir verdienen nichts daran.“ Als Lösungen nannte er:

  • Abwärme-Nutzung
  • Großwärmepumpen
  • Biomasse und Wasserstoff für Spitzenlasten

Klimadezernentin Tina Zapf-Rodríguez (Grüne) räumte ein: „Überall in der Stadt wird gebaut werden.“ Gleichzeitig verwies sie auf Unterstützungsangebote in Härtefällen. Betroffene können sich mit ihren Sorgen an die städtische Mailadresse kwp@stadt-frankfurt.de wenden.

Lösungsansätze: Wer zahlt?

Thomas Seifert (Scientists for Future) forderte Entlastungen:

  • Städtische Übernahme von Energiekosten in Härtefällen
  • Umverteilung auf „starke Schultern“

Curtius kritisierte: „Geld fließt in Urlaube statt Sanierungen.“ Paschlau schlug grüne Anleihen für Wohlhabende vor, während Zapf-Rodríguez die Bundespolitik in die Pflicht nahm: „Aktuell bremst sie uns aus.“

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