Schlagwort: Preisentwicklung

Fernwärme in Frankfurt: Zwischen Kostenfalle und Klimawandel

Symbolbild: Preisanstieg Fernwärme

Die Fernwärmepreise der Mainova AG im Tarif „Wärme Classic“ bleiben für Frankfurter Haushalte ein Dauerthema. Zum 01.10.2026 steigen die Preise turnusgemäß erneut um durchschnittlich 4,9 %. Die Analyse der vergangenen acht Jahre zeigt eine Achterbahnfahrt aus rapiden Preissprüngen, temporären Entlastungen und umstrittenen Systemwechseln. Für die Kunden – insbesondere im Stadtteil Riedberg, wo weitgehend Anschlusszwang herrscht – stellt sich die Frage: Wie stichhaltig sind die Argumente des Energieversorgers?

Die Mechanik der Frankfurter Fernwärme-Bepreisung

Die Bepreisung der Fernwärme erfolgt nicht nach freien Marktpreisen, sondern über vertraglich verankerte Preisgleitklauseln. Diese teilen sich in einen festen Grundpreis und einen verbrauchsabhängigen Arbeitspreis auf. Obwohl Fernwärme oft das Image einer umweltfreundlichen Abwärmenutzung trägt, prägen fossile Energieträger wie Erdgas und Kohle den Frankfurter Wärmemix maßgeblich.

Die Preisformeln koppeln den Arbeitspreis an Indizes der internationalen Rohstoffbörsen, Lohnentwicklungen und die Erzeugerpreise. Diese Struktur birgt ein gravierendes Problem: Fernwärmekunden befinden sich in einem natürlichen Monopol. Ein Lieferantenwechsel ist technisch wie rechtlich unmöglich. Die Kalkulation bleibt für Laien wie Verbraucherschützer eine undurchsichtige mathematische Formel. Zudem belasten hohe Grundpreise die Haushalte unabhängig von ihrem Sparverhalten.

Begründungen der Mainova auf dem Prüfstand

Betrachtet man die Entwicklung von 2018 bis 2026, führt Mainova wechselnde Gründe für Anpassungen an:

  1. Geopolitik und Weltmarktpreise (2022 und 2026): Nach dem Ausbruch der europäischen Energiekrise verdoppelten sich 2022 die Abschlagszahlungen schlagartig. Auch die jüngste Erhöhung im Herbst 2026 begründet das Unternehmen mit Konflikten im Nahen Osten sowie gestiegenen Gas- und CO₂-Preisen. Ökonomisch ist diese Begründung nachvollziehbar, da der Erzeugungsanteil fossiler Brennstoffe hoch ist. Doch die Indexformeln reichen Preisspitzen an den Börsen zeitversetzt, aber in voller Härte an die Endkunden weiter. Sinkende Marktpreise – wie 2023 und 2024 – wurden zwar weitergegeben, fingen das vorherige Hoch jedoch nicht vollständig auf.
  2. Investitionen in die Wärmewende (2025): Im Sommer 2025 folgte ein enormer Preissprung von bis zu 36 %. Mainova begründete die Anpassung der Preisgleitklausel mit dem Kohleausstieg, dem Netzausbau und der Transformation des Heizkraftwerks West hin zu wasserstofffähigen Anlagen. Aus wirtschaftsjournalistischer Perspektive ist dieses Argument hochgradig strittig: Die Abwälzung langfristiger Investitionen und Transformationskosten auf die aktuellen Bestandskunden entlastet die Eigenkapitalseite des Konzerns auf Kosten der Verbraucher. Dass die Stadt Frankfurt mit 75 % Mehrheitseigner der Mainova ist und zugleich von deren Gewinnen profitiert, verleiht diesem Vorgehen eine doppelbödige Dynamik.
  3. CO₂-Bepreisung und Regulierung (seit 2021): Die schrittweise Anhebung der nationalen CO₂-Abgabe verteuert die Erzeugung folgerichtig. Zwar verweist der Versorger darauf, dass der Kohleausstieg die CO₂-Kosten künftig dämpfe, doch die jahrelang schleppende Umstellung auf erneuerbare Wärmequellen rächt sich nun direkt in den Rechnungen der Bürger.

Fazit

Die Argumente der Mainova basieren auf tatsächlichen Beschaffungs- und Transformationskosten. Die kritische Schwachstelle bleibt jedoch das System: Ein Monopolist wälzt unternehmerische Risiken und Umbaukosten des Netzes weitgehend auf Kunden ab, die keine Ausweichmöglichkeit haben.

 

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Auch Beerdigungen werden teurer

Trauer J. Mühlbauer

Die Stadt verwaltet 36 Friedhöfe. Die Kosten für Wasser- und Pflegekosten, sowie allgemeine Preissteigerungen bei Personal, Energie und Entsorgung sind gestiegen.

Die geringe Niederschlagsmenge sowie die anhaltende Wärme über die Monate führte zu erhöhtem Gieß- und Pflegebedarf. Gleichzeitig muss das Grünflächenamt aber auch Bäume auf ihre Standfestigkeit überprüfen, gegebenenfalls fällen und neue Bäume nachpflanzen. Auch das trägt zu den hohen Kosten bei.

Da auch die Rücklagen aus dem Gebührenhaushalt der Friedhöfe aufgebraucht sind, kann der Kostenanstieg nicht mehr abgefedert werden. Nicht nur das Klima, sondern auch die Bestattungskultur sind im Wandel. Die klassische Sargbestattung wird immer weniger nachgefragt. Darauf reagieren die Friedhöfe bereits seit einigen Jahren mit naturnahen Bestattungen wie etwa dem Trauerwald in Oberrad.

Die letzte Preisfestsetzung war im Jahr 2020. Ab 2023 gelten die neuen Gebührensätze. Bei einem durchschnittlichen Anstieg um etwa 12 % kostet eine Urnenbestattung dann 2.632 Euro. Eine Urnenbestattung 2.938 Euro.

Auch die Bestatterbranche wird aktuell von mehreren Krisen gleichzeitig getroffen. Gestörte Lieferketten, die Energiekrise sowie steigende Kosten für Holz, Löhne und vieles andere machen der Branche zu schaffen. Die Mehrheit der Krematorien arbeitet mit Gas. Und das wird sich so schnell auch nicht ändern, denn Umbauten müssen langfristig geplant und finanziert werden.

Viele Bestatter wollen erst mal den Jahreswechsel abwarten und sehen, wie sich die Preise weiter entwickeln. Doch der Kostendruck ist jetzt schon erheblich und wird bald in steigende Preise münden.

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