„Digitales Ballett“ im Thom Hecht Ballettförderzentrum

Die Corona-Krise zwingt Deutschland in die Knie und bringt das soziale Leben zum Erliegen. Nicht nur die Bildungseinrichtungen wie Kitas, Schulen und Universitäten sind betroffen, sondern auch Hobbies, Freizeit- und Kulturveranstaltungen fallen fast gänzlich weg. Das Thom Hecht Ballettförderzentrum trotzt der Pandemie und versucht, das Beste aus dieser Situation zu machen. Ganz nach dem Motto „The Show must go on“, wurden bereits in der ersten Woche, in der Bundeskanzlerin Angela Merkel soziale Distanzierung empfahl, kleine Video-Tutorials für die Ballettkinder der „Children’s Division“ gedreht und diese Übungen per Email versendet. Für die erwachsenen Balletteleven, die zum Teil schon mehrere Ballettprüfungen am American Ballet Theatre in New York erfolgreich abgelegt haben, gab es am Sonntag unter der Leitung von Dr. Thom Hecht eine Premiere mit einer Live-Ballettklasse auf der Kommunikationsplattform Zoom.

Für Hecht, der bereits seit 2008 E-Learning als alternative Lernmethoden im Hochschulbereich einsetzt, ist in Zeiten von Corona eine „Digital Ballett“-Lösung die beste Alternative zum Präsenzunterricht. Als Lehrbeauftragter für Tanzgeschichte und Tanzpädagogik an der Palucca Hochschule für Tanz in Dresden lehrt er bereits seit einigen Jahren zu 95% im E-Learning Format. Eine Ballettklasse per Live Streaming zu unterrichten sei jedoch auch Neuland für ihn, aber der erste Testlauf aus dem eigenen Wohnzimmer verlief ausgesprochen gut, die Resonanz der Teilnehmer war sehr positiv, obwohl natürlich Nachbesserungsbedarf besteht.

Wie muss der Raum ausgeleuchtet sein? Wo muss man die Kamera positionieren? Wie verbessere ich die Qualität der Musikübertragung? Nicht nur das sind Fragen, die man sich bisher nicht stellen musste.

Das Digital Ballet Angebot bringt auch einige Vorteile, so Hecht. Der soziale Aspekt, doch noch als Gruppe zusammen Ballett zu trainieren in Zeiten von „Social Distancing“, ist ein wichtiger Bestandteil, denn obgleich kontaktlos, aber doch am sozialen Leben teilhaben zu können. Hecht spricht von einer „positiven Disziplin“ im Live Streaming, da alle Balletteleven sich auf die Übungen konzentrieren müssen, die per Video übertragen werden und somit nicht abgelenkt werden können. Im gleichen Zuge gibt es aber auch Korrekturen und Feedback für die Teilnehmer. Die Kamera sieht alles!

Für die nächsten Wochen plant Hecht nun eine sukzessive Umstellung der Kurse im Ballettförderzentrum auf „Digital Ballett“, zumindest solange, wie die Pandemie und die von der Bundesregierung angeordnete Kontaktsperre es erfordern. Jeder Kurs muss neu überdacht und die Lernziele didaktisch und pädagogisch reflektiert werden. Während für die erwachsenen Balletteleven und die größeren Schulkinder der Präsenzunterricht nahezu 1:1 übertragen werden kann, benötigt es für die jüngsten Ballettkinder eine innovative Lösung. Diesen Herausforderungen will er stellen, ist aber zuversichtlich, diese Hürden mit kreativen Wegen zu meistern.

Mit Blick auf Kollegen, denen fast alle Einnahmen wegbrechen und deren Auftritte ausnahmslos abgesagt werden, sagt er: „Für uns Künstler und Kreative ist die Corona-Krise eine Katastrophe.“ Das werde bei der aktuellen Diskussion um die vielen kleinen und größeren Unternehmen, die jetzt um ihre Existenz bangen, oft vergessen. Thom Hecht hat in den vergangenen Jahren mit viel Engagement sein Ballettförderzentrum hier am Riedberg aufgebaut und will auch mit ebenso viel Engagement und seinem digitalen Ballettunterricht der Krise trotzen. 

Fotos: Thom Hecht Ballettförderzentrum

Nach dem Motto „The show must go on!“ bietet Thom Hecht jetzt digitalen Ballettunterricht an