Fernwärme: Kunde spricht von Marktmissbrauch

Die neuen Mainova-Preise für Fernwärme sorgen auch nach dem Informationstag des Energieversorgers in der vergangenen Woche für Diskussionen. Seit 1. Januar 2018 gelten die neuen Verträge. Das betrifft alle Riedberger, da hier ein Anschlusszwang für diese umweltfreundliche Energieform gilt. Bei der Mainova spricht man von leichter Entlastung für die Verbraucher, Transparenz, hohen Investitionen in die Netze und neuen Entwicklungen auf dem Wärmemarkt. Kunden im Stadtteil jedoch befürchten teilweise steigende Preise und bemängeln die „Hängepartie“, bis man „vor vollendete Tatsachen gestellt wurde“. Ein Bürger hat heute Marktmissbrauchsbeschwerde beim Kartellamt gegen das neue Preissystem eingelegt. Denn die Mainova ist in Frankfurt-Riedberg der alleinige Lieferant für Energie.

„Damit wird Energiesparen bestraft“

Dr. Tobias Volk berichtet, wie sich in der Nachbarschaft im Quartier Ginsterhöhe Ost im Laufe der Zeit erheblicher Unmut angestaut hatte. „Erst war es die fragwürdige Informationspolitik und dann waren wir überrascht, dass sich die Preisstruktur so massiv geändert hat.“ Vor allem in eine Richtung, die man so nicht erwartet hatte. Denn nicht der Arbeitspreis, also der Preis für den tatsächlichen Energieverbrauch, sondern der Grundpreis für die Bereitstellung der Fernwärme wurden massiv angehoben. Der Jurist und Mainova-Kunde betont: „Damit wird Energiesparen bestraft. Das ist nach meiner Auffassung auch aus politischer Sicht nicht vertretbar. “

Der Riedberger Jurist Dr. Tobias Volk legte heute Beschwerde beim Kartellamt ein

Konkret lauten die Zahlen: Der Grundpreis von netto 19,89 Euro pro Kilowatt vorgehaltener Wärmeleistung wurde auf 39,60 Euro verdoppelt. Diese Erhöhung ging mit einer geringen Absenkung des Arbeitspreises von 5,93 auf nun 5,30 Cent pro Kilowatt-Stunde einher. Für einen für den Riedberg typischen Eigenheim-Anschluss würde das nach Berechnungen von Volk und weiteren Kunden eine klare Steigerung bedeuten, da aufgrund der energiesparenden Bauweise der Verbrauch vermutlich weder deutlich steigen noch fallen wird. Mieter erfahren in der Regel erst über die Nebenkostenabrechnungen von den neuen Preisen. Hier betont die Mainova, dass man insbesondere mit den Wohnungsbaugesellschaften ABG und Nassauische Heimstätte in engem Kontakt stehe, um Einsparpotentiale zu finden.

Das Landeskartellamt hat den Erhalt dieser Beschwerde bereits bestätigt

Tobias Volk hat im Rahmen seiner Recherchen, unter anderem bei den Interessenverbänden der Energiewirtschaft, Folgendes herausgefunden: Im Marktvergleich deutscher Nah- und Fernwärmeanbieter „belegt die Mainova mit den neuen Preisen mehrere Spitzenplätze“. Einerseits liege der nun aufgerufene Grundpreis absolut an der Spitze des bundesdeutschen Vergleichs. Andererseits sei auch das relative Verhältnis beider Preis-Kategorien „am oberen Ende der Spanne“. Dies alles deute „auf eine marktmissbräuchliche Preisgestaltung hin“.

Die Kartellbehörden werden aktiv

Die entsprechende E-Mail wurde in Kopie an das Bundeskartellamt, die Bundesnetzagentur, die Grünen-Fraktion im Römer, weitere Medien und die Mainova gesandt. Vom unmittelbar zuständigen hessischen Landeskartellamt hat der Riedberger Jurist bereits heute eine Eingangsbestätigung plus eine Fallnummer erhalten. „Die Beschwerde ist also angekommen“, stellt er gegenüber MAINRiedberg fest. Jetzt werden die zuständigen Behörden aktiv. Das sei allerdings „längerfristig“ zu sehen. Sprich: Eine Entscheidung wird dauern.

(Text: cd/ Foto: MAINRiedberg)