Gegenwind gegen neue Kita- und Hort-Pläne

Auf dem Informationsblatt für die Eltern sind zwei kleine Häuser und ein großes Haus zu sehen. Oben mit den aktuellen Kindergarten- und Hortplätzen sowie den Plätzen der Erweiterten Schulischen Betreuung (ESB). Unten mit der neuen Planung. Ganz einfach zu verstehen ist das auf den ersten Blick nicht. Tatsache ist: Die Kita Sonnenwind, eine der ältesten Einrichtungen im Stadtteil, soll aufgelöst werden. Weil es zum wiederholten Male deutlich mehr Kinder gibt, als städtische Prognosen vorhergesagt haben. Ziel ist es, künftig rund 500 Mädchen und Jungen der Grundschule Riedberg eine Nachmittagsbetreuung bieten zu können. Direkt im Schulgebäude. Dort, wo bisher die Kita Sonnenwind untergebracht ist. Im Gegenzug werden die Hortplätze in den nahen Einrichtungen „Schatzinsel“ und „Weltraum“ abgebaut, um dort wiederum mehr Kindergartenplätze zu schaffen.

2020 sollen die Umstrukturierungen beginnen. Unterm Strich soll es aber nach den großen Veränderungen nur rund 20 Kindergartenplätze mehr geben – was beim Elterninformationsabend am Mittwoch teils für Reaktionen von Unverständnis bis Protest führte. Einige laute Wortmeldungen waren auch dabei. Es war von „Unruhe“, „Riesen-Chaos“, „Dauerbaustelle“ und „Abwicklung“ die Rede. Auch von der Sorge, dass die verbleibenden Kinder nicht mehr optimal betreut werden würden.

Jasmin Misev, Referentin im Bildungsdezernat, leitete den Abend und versuchte klarzustellen: Es geht kein Betreuungsplatz verloren. Für bestehende Verträge gilt Bestandsschutz. Es wird auch ein laufender Prozess sein. Bezüglich der Wortmeldungen der Eltern sagte sie mehrfach: „Das nehme ich mit und gebe es weiter.“ Auch die Schulleiterin der Grundschule Riedberg, Heike Finster, machte deutlich: „Wir haben im Moment schon zwei Klassen in Räumen, die keine Klassenzimmer sind.“ Die zusätzlichen Räumlichkeiten werden also dringend gebraucht. Angesichts der Containeranlage, um die die Schule demnächst erweitert wird, sei auch ein Umdenken in puncto Nachmittagsbetreuung zwingend notwendig.

Eltern hoffen auf zweite Veranstaltung mit der Dezernentin

Dr. Christoph Lichtenberg, Elternbeirat der Kita Schatzinsel in der Christiane-Vulpius-Straße, bilanziert später: „Geplant war die Information über eine endgültige Entscheidung. Das Stadtschulamt war aber sichtlich überrascht über den intensiven Gegenwind, der den Plänen seitens des Auditoriums entgegenschlug.“

Nun hoffen Elternvertreter, dass möglicherweise doch noch etwas Bewegung in die Angelegenheit kommt. Eine weitere Veranstaltung, möglichst unter Beteiligung der Bildungsdezernentin Sylvia Weber, erscheint zumindest nicht unwahrscheinlich.

Einsatz für 13. Kita und Fortbestand der Kita Sonnenwind

Vor allem geht es vielen Eltern darum, die Kindertagesstätte Sonnenwind zu erhalten. Notfalls an einem anderen Standort oder in Containern. Einerseits könnte damit verhindert werden, dass ein funktionierendes Betreuerteam auseinandergerissen wird und Erzieher den Arbeitgeber oder an andere Einrichtungen des Trägers Caritas wechseln müssten. Andererseits könnten damit neue Kindergartenplätze geschaffen werden, die am Riedberg so dringend benötigt werden. Manche Kitas haben Wartelisten mit mehr als 100 Kindern, aufgrund von Mehrfachmeldungen sollen laut Stadtschulamt aber aktuell nur 60 Kinder noch keinen Betreuungsplatz haben.

Kleines Detail am Rande: Noch 2014 ging die Stadt davon aus, dass keine weiteren Kindergartenplätze benötigt werden und befreite die Frankfurter Wohnungsbaugesellschaft ABG davon, eine weitere Einrichtung zu bauen. Ein Vater fragte am Mittwoch: „Was ist, wenn Ihre Prognosen diesmal wieder nicht stimmen?“

Direkt neben der Grundschule Riedberg wird ein Komplex mit mehr als 300 Wohneinheiten gebaut, am Fuß des Riedberg werden nochmals über 100 Wohnungen entstehen. Der Bezirk „Westflügel“ ist ohnehin noch nicht fertig bebaut. Auch dort werden in absehbarer Zeit zahlreiche Kinder wohnen, die zur Schule und in den Kindergarten gehen. Rainer Lossa vom Stadtschulamt, der den Riedberg von Anfang an mitbetreut hatte, verwies darauf, dass im Sommer eine dritte Grundschule in einem Provisorium im Norden des Stadtteils startet und aktuell eine zwölfte Kindertagesstätte mit sechs Gruppen in Bau ist. Deren Plätze sind allerdings schon überwiegend vergeben.

Zudem, für viele Anwesende überraschend, erklärte er: Man habe das zuständige Amt für Bau und Immobilien bereits gebeten, „einen 13. Standort für eine weitere Kita zu suchen.“ Könnte hier vielleicht die beliebte Kita Sonnenwind weitergeführt werden? Wäre das noch rechtzeitig genug? Eine Antwort auf diese Frage konnte es am Mittwoch nicht geben.

Fotos: MAINRiedberg