Schlagwort: Naturschutzbund Frankfurt

Stunde der Wintervögel – Vögel in Frankfurt unter Druck

Vogelzählung

Zählergebnisse spiegeln Herausforderungen wider, die in den Wahlprogrammen zur Kommunalwahl kaum eine Rolle spielen

Die Ergebnisse der vom NABU initiierten „Stunde der Wintervögel“ zeigen für Frankfurt am Main eine klare Tendenz: Die Zahl der beobachteten Vögel liegt deutlich unter den Werten früherer Jahre. Selbst häufige Arten wie Haussperling, Kohlmeise und Amsel wurden seltener gesichtet.

Insgesamt meldeten 797 Teilnehmende aus 590 Gärten 14.839 Vögel. Das entspricht einem Durchschnitt von 25 Vögeln pro Garten. Zum Vergleich: Bundesweit wurden durchschnittlich 32 Vögel pro Garten gezählt, im Jahr 2022 lag dieser Wert noch bei 46 Vögeln.

Diese Entwicklung steht in engem Zusammenhang mit zwei zentralen Herausforderungen der Stadt: der zunehmenden Flächenversiegelung und dem Rückgang der Artenvielfalt. Beide Themen finden sich in den Wahlprogrammen zur anstehenden Kommunalwahl bislang kaum wieder.

Ein differenziertes Bild zeigt sich bei einzelnen Arten: Der Vogel des Jahres 2026, das Rebhuhn, wies bei der letzten Zählung in Frankfurt eine stabile Population auf – allerdings auf insgesamt niedrigem Niveau. Deutlich kritischer ist die Situation beim Steinkauz, der im Jahr 2025 einen besonders schlechten Bruterfolg verzeichnete.

Flächenversiegelung als strukturelles Problem – und politisches Kernthema

Frankfurt gehört zu den am stärksten verdichteten Städten Deutschlands. Die Wintervogelzählung macht sichtbar, was Fachleute seit Jahren betonen: Je stärker Flächen versiegelt werden, desto weniger Lebensräume bleiben für Vögel und andere Tierarten.

Typische Folgen der Flächenversiegelung, die sich auch in den Zählergebnissen widerspiegeln, sind:

  • Verlust von Hecken, Brachen und alten Bäumen
  • Rückgang naturnaher Gärten
  • Entstehung von Hitzeinseln in dicht bebauten Quartieren
  • Rückgang von Insekten – und damit der Nahrungsgrundlage vieler Vogelarten

Der Rückgang vieler Vogelarten ist kein isoliertes Phänomen, sondern Teil eines umfassenden Verlusts biologischer Vielfalt. In Frankfurt wird dieser Trend insbesondere durch

  • intensive Bautätigkeit,
  • hohe Verkehrsbelastung,
  • Fragmentierung von Grünflächen sowie
  • den Verlust von Insektenlebensräumen

weiter verstärkt.

Die Ergebnisse der „Stunde der Wintervögel“ zeigen, wie dringend gegengesteuert werden muss – denn zunehmend geraten auch bislang als robust geltende Arten unter Druck.

Fazit

Die Frankfurter Ergebnisse der „Stunde der Wintervögel“ sind ein deutliches Warnsignal: Die Vogelwelt der Stadt steht unter zunehmendem Druck. Die damit verbundenen Herausforderungen spiegeln sich jedoch kaum in den aktuellen politischen Debatten zur Kommunalwahl wider – insbesondere in den Bereichen Stadtentwicklung, Grünflächenpolitik und Artenschutz.

Eine nachhaltige, naturfreundliche Stadtplanung ist entscheidend, um die biologische Vielfalt zu erhalten und Frankfurt auch künftig lebenswert zu gestalten.


Warum die Wintervogelzählung für die Kommunalpolitik relevant ist

Die Frankfurter Daten zeigen deutlich, wie sich städtische Entscheidungen langfristig auf die Natur auswirken. Sie machen klar:

  • Naturnahe Stadtentwicklung ist aktiver Artenschutz.
  • Flächenversiegelung hat messbare ökologische Folgen.
  • Naturnahe Strukturen sind kein Luxus, sondern notwendiger Bestandteil zukunftsfähiger Stadtentwicklung.

Der NABU Frankfurt fordert daher:

  • den Ausbau vernetzter Grünzüge,
  • die Förderung biodiverser Parks und Grünflächen,
  • wirksame Maßnahmen gegen das Insektensterben,
  • eine konsequent ökologische Stadtplanung,
  • strengere ökologische Vorgaben für Neubauprojekte,
  • den Schutz alter Baumbestände, insbesondere durch die Ausweisung von Prozessschutzflächen für einen Großteil des Stadtwaldes,
  • die Förderung naturnaher Gärten und Fassadenbegrünung,
  • eine naturnahe Pflege kommunaler Flächen („Mehr Wildnis wagen!“),
  • die zügige Umsetzung des Arten- und Biotopschutzkonzeptes (ABSK),
  • sowie die weitere Umsetzung der Wasserrahmenrichtlinie für die Frankfurter Bäche.
Teile diesen Beitrag mit Freunden

Wer zählt die vielen Vögel nur

Vogelzählung

Der Naturschutzbund (NABU) ruft gemeinsam mit dem Landesbund für Vogelschutz (LBV) und der Naturschutzjugend im NABU (NAJU) zur 19. „Stunde der Gartenvögel“ auf. Vom 12.05. bis zum 14.05.2022 sollen die Bewohner Frankfurts Vögel zählen.

Seit Frühlingsbeginn bieten uns Vögel in Gärten und Parks ihre einmaligen Frühlingskonzerte. Welche Arten und wie viele es noch sind, die uns vor allem morgens mit ihrem Gesang erfreuen, wird das kommende Wochenende zeigen.

Deutschlands größte wissenschaftliche Mitmachaktion

Je mehr Menschen bei der Stunde der Gartenvögel mitmachen, desto besser können die unsere NABU-Ornithologen den Zustand der Vogelpopulationen in unseren Siedlungen einschätzen. Im letzten Jahr nahmen mehr als 140.000 Menschen an der Aktion teil und meldeten aus über 95.000 Gärten und Parks mehr als 3,1 Millionen Vögel. Gemeinsam mit der Schwesteraktion „Stunde der Wintervögel“ handelt es sich daher bei dieser Aktion um Deutschlands größte wissenschaftliche Mitmachaktion.

Ziel der Aktion ist es, Trends bei den Beständen über die Jahre hinweg zu verfolgen. Weil die „Stunde der Gartenvögel“ bereits seit 2006 stattfindet, können die Ornithologen beim NABU bereits auf einen umfangreichen Datenschatz zurückgreifen. Aber auch wer wenig über Vögel weiß, kann an der Aktion teilnehmen.

Für unerfahrene Teilnehmer macht eine Zählhilfe das Erkennen der Vögel einfach. Außerdem bietet der NABU eine kostenlose App, die „NABU-Vogelwelt“, welche beim Identifizieren hilft. Wichtig ist es außerdem, eigene Beobachtungen zu melden, selbst wenn während der Zählung nur wenige Vögel gesichtet werden, denn auch diese Informationen stellen wichtige Daten für die Auswertungen des NABU dar. Schlussendlich geht es nicht um einen Wettbewerb, wer die meisten Vögel zählt, sondern darum, eine realistische Momentaufnahme zu erhalten.

Wer piept dort auf dem Schulgelände?

Mit der „Schulstunde der Gartenvögel“ lädt die Jugendorganisation NAJU alle jungen Vogelfreunde dazu ein, sich mit der heimischen Vogelwelt zu beschäftigen. (https://www.naju.de/f%C3%BCr-kinder/schulstunde-der-gartenv%C3%B6gel/)

Stunde der Gartenvögel gibt Aufschluss über die Lage der Schwalben

Die Aktion gibt auch Aufschluss über den Brutbestand der Vögel. Denn im Mittelpunkt stehen Arten, die in Deutschland brüten. Somit hat beispielsweise der Bestand der Schwalben, welche Ende März aus ihren Winterquartieren in Afrika zurückgekommen sind, in den vergangenen Jahrzehnten stark abgenommen. Die Rauchschwalbe steht bereits auf der Vorwarnliste und die Mehlschwalbe gilt schon als gefährdet. Daher ist es wichtig, Garten und Hinterhof als Mini-Naturschutzgebiet zu gestalten, Insekten zu fördern und Brutmöglichkeiten am Haus und im Garten zu schaffen.

Und so funktioniert die Vogelzählung

Von einem ruhigen Plätzchen im Garten, Park, auf dem Balkon oder vom Zimmerfenster aus wird von jeder Vogelart die höchste Anzahl notiert, die im Laufe einer Stunde gleichzeitig beobachtet werden konnte. Notieren Sie dabei von jeder Vogelart die höchste Anzahl, die Sie während dieser Stunde gleichzeitig sehen konnten. Das ist wichtig, damit Vögel, die zwischendurch ja auch wieder wegfliegen, nicht doppelt gezählt werden.
Beobachtet werden kann zu einer beliebigen Stunde vom 12. bis zum 14. Mai 2023.

So können die Beobachtungen gemeldet werden

Die Beobachtungen können am besten online unter www.stundedergartenvoegel.de gemeldet werden, aber auch per Post oder Telefon – kostenlose Rufnummer am 13. Mai von 10:00 Uhr bis 18:00 Uhr: 0800 – 1157-115.
Gemeldet werden kann auch mit der kostenlosen NABU-Vogelwelt-App, erhältlich unter http://www.nabu.de/vogelwelt. Meldeschluss ist der 22.05.2023.


  • Zählhilfe: PDF-Dokument zum Herunterladen
  • Flyer und Meldebogen: PDF-Dokument zum Herunterladen
  • Video: Wie mache ich mit?

Quelle: https://www.nabu.de/

Teile diesen Beitrag mit Freunden