Die Schilasmühle in Niederursel feiert in diesem Jahr gleich zwei runde Jubiläen. Vor 250 Jahren wurde die historische Anlage am Urselbach gegründet, und seit genau 10 Jahren engagiert sich der zugehörige Verein für den Erhalt und die pädagogische Neuausrichtung des Areals. Heute vereint das denkmalgeschützte Ensemble ein erfolgreiches naturpädagogisches Zentrum, einen Kindergarten und einen Hort unter einem Dach.
Vom Handwerksbetrieb zum Sanierungsfall
Die Geschichte der Schilasmühle reicht weit zurück. Sie wurde im Jahr 1776 errichtet und nach dem Niederurseler Weber Johann Jakob Schila benannt. In ihren Anfängen diente sie als sogenannte Walkmühle für die lokale Textilveredlung. Über ein vom Urselbach angetriebenes Wasserrad wurden Holzhämmer in Bewegung gesetzt, um in Bottiche eingelegte Wollstoffe zu klopfen. Dieser Prozess befreite die Stoffe von Fettresten sowie Unreinheiten und führte zu einer Verdichtung und Verfilzung des Materials, das zu Loden und Filz weiterverarbeitet wurde.
Nachdem der Mühlenbetrieb vor mehr als einhundert Jahren eingestellt und das Areal zwischenzeitlich landwirtschaftlich genutzt wurde, zog in den 1980er-Jahren der Reitclub Niederursel auf das Gelände. Als dieser den Hof im Jahr 2015 verließ, drohte dem historischen Vierseithof der Verfall. Angesichts der Erhaltungssatzung und des Denkmalschutzes stellte der sanierungsbedürftige Zustand den darauffolgenden Umbau vor erhebliche strukturelle Herausforderungen.
Die Geburtsstunde der Naturfarm
Im Juni 2016 gründeten engagierte Bürger den Verein Schilasmühle, um das historische Gehöft auf Erbpachtbasis zu retten und als offenen Erlebnisraum neu zu beleben. Das innovative Konzept sah von Beginn an vor, im urbanen Raum Frankfurts eine Naturoase für Kinder und Familien zu schaffen, in der traditionelles Handwerk, Umwelterziehung und Tierbegegnungen im Fokus stehen.
Nach intensiven Planungen startete im Jahr 2017 der Betrieb als naturpädagogisches Zentrum. Es folgten Jahre umfassender Sanierungsarbeiten. Im Zuge dessen wurde unter anderem der ehemalige Kuhstall mit Unterstützung von Stiftungen wie der Postcode-Lotterie sowie durch Unternehmen im Rahmen von „Social Days“ zu einer modernen Werkstatt ausgebaut. Im Jahr 2021 erhielt der Verein schließlich die finale Baugenehmigung für die Kernsanierung des maroden Wohnhauses und des Zwischenbaus, die rund 3 Millionen Euro in Anspruch nahm.
Ein lebendiger Ort für Kinder und Tiere
Im Februar 2023 konnte das frisch sanierte, ehemalige Wohngebäude offiziell bezogen werden. Seitdem beherbergt es zwei Gruppen des Naturkindergartens (betrieben vom Verein „Mit Kindern leben“) mit insgesamt 40 Plätzen sowie den Hort „Die Gaukler“. Die pädagogische Arbeit setzt auf das freie Spiel in der Natur und das Erleben ökologischer Kreisläufe. In den eigenen Küchen mahlen die Kinder Getreide und backen Brot, während im Außenbereich ein ehrenamtlich gepflegter Garten die Basis für eine künftige Farmküche bildet.
Ein wesentlicher Bestandteil der Schilasmühle sind die tierischen Bewohner. Aktuell leben auf dem 5.800 Quadratmeter großen Areal 2 Esel, 2 Katzen, 3 Pferde, 8 Schafe und 20 Hühner. Das pädagogische Angebot ist breit gefächert: Neben der wöchentlichen „Farmzeit“ am Mittwochnachmittag, bei der Grundschulkinder Futterstellen bauen oder Holunderpfeifchen schnitzen, veranstaltet das Zentrum eine eigene Ferienbetreuung. Das beliebte geführte Eselreiten und After-Work-Eselspaziergänge bieten auch Familien und Erwachsenen einen Ausgleich zum Alltag.
Inklusion, Ehrenamt und Zukunftsvisionen
Unter der Leitung des Geschäftsführers Laurens Lohn legt die Schilasmühle großen Wert auf einen integrativen Ansatz. Im „Naturhafen Mühleninsel“ wird eine pädagogische Fördergruppe für aktuell 8 Kinder mit körperlichen, psychischen oder sozial-emotionalen Beeinträchtigungen angeboten, die dort im geschützten Umfeld Verantwortung übernehmen lernen.
Das gesamte Projekt wächst stetig, getragen von einem Team aus 7 Festangestellten und vielen ehrenamtlichen Helfern. Für die Zukunft sind bereits weitere Verbesserungen wie eine feste Feuerstelle, der Ausbau des Kaninchengeheges geplant. Da das Projekt stark auf Spenden, Tierpatenschaften und Sponsoren angewiesen ist, hoffen die Verantwortlichen langfristig auf eine stärkere finanzielle Unterstützung.

