An den Grundschulen auf dem Riedberg offenbart sich ein besorgniserregender Zustand: Im Ernstfall fehlt es an grundlegenden Möglichkeiten zur Notfall-Kommunikation. In modernen Schulbauten verhindert eine starke Dämmung und Bauweise aus Stahlbeton oft jeglichen Mobilfunkempfang. Wo das Smartphone versagt und keine interne Infrastruktur existiert, werden Sekunden zur Ewigkeit. Wie dramatisch diese Lücke ist, machten die Schulleitungen in der jüngsten Sitzung des Ortsbeirats 12 unmissverständlich deutlich.
Unterschiedliche Krisen erfordern differenzierte Systeme
Der Handlungsbedarf erstreckt sich über völlig verschiedene Gefahrenlagen, die jeweils eine spezifische Alarmierung verlangen:
- Medizinische Notfälle: Kollabiert ein Kind im Unterricht, zählt jede Minute. Fehlt in den Räumen das Mobilfunksignal, müssen Lehrkräfte erst ins Freie laufen, um den Rettungsdienst zu verständigen. Ein solcher Vorfall ereignete sich vor anderthalb Jahren an der Grundschule Riedberg 1 in einem überhitzten Klassenraum.
- Extreme Wetterlagen: Bei Blitzeis, Unwettern oder Sturm gilt die Devise: Kinder müssen im Gebäude Schutz suchen. Der einzige in vielen Schulen vorhandene Hausalarm veranlasst jedoch pauschal das Verlassen des Gebäudes. Ohne Sprachdurchsage lässt sich keine differenzierte Anweisung geben.
- Amok- und Bedrohungslagen: Bei einer akuten äußeren Gefahr müssen Klassenräume sofort von innen verriegelt werden. Ein flächendeckender Alarm oder digitale Push-Nachrichten an das Kollegium sind hier lebensrettend, um eine Evakuierung ins Freie zu verhindern.
- Alltägliche Schulvorfälle: An integrativen Schulen mit Kindern, die ausgeprägte Weglauftendenzen zeigen, erfordert das Entweichen eines Kindes eine sofortige interne Koordinierung. Ohne funktionierenden Flurfunk oder Rauminterntelefon müssen Lehrkräfte persönlich durch das unübersichtliche Areal rennen, um die Schulleitung zu informieren.
Selbst banale Infrastrukturausfälle verdeutlichen das Problem: Als an der Marie-Curie-Schule das Wasser abgestellt werden musste, musste die Schulleiterin jeden Raum einzeln abklappern, um das Kollegium zu informieren.
Behörden-Schieberei statt schneller Lösungen
Die Dringlichkeit ist unbestreitbar, doch die Reaktion der städtischen Verantwortlichen offenbart gravierende Schwächen. Die Problematik an der Marie-Curie-Schule besteht seit ihrer Eröffnung vor rund 12 Jahren. Seit mehr als einem Jahrzehnt wird die Schulleitung zwischen dem Schulamt und dem Amt für Bau und Immobilien (ABI) aufgerieben. Dieses parlamentarische und bürokratische Kompetenz-Hickhack verhindert wirksame Ergebnisse.
Zudem greift die bisherige Ausstattungslogik der Stadt viel zu kurz:
- Kein Empfang trotz WLAN: WLAN wird von der Stadt rein nach Schülerquoten für ausgewählte „Lernzonen“ bereitgestellt. Flure, Betreuungsräume oder Büros bleiben oft außen vor. An der Marie-Curie-Schule endet das Netz direkt vor der Bürotür der Schulleitung.
- Realitätsferne Argumente: Anträge auf Warnsysteme für Grundschulen werden von der Verwaltung teils mit dem Argument abgetan, Amokläufe seien an Grundschulen noch nicht vorgekommen.
Lösungsansätze wie Mobilfunkrepeater, Festnetztelefone in den Räumen, WLAN-Calling oder das nachträgliche Lasern von Isolierglasscheiben zur Erhöhung der Durchlässigkeit liegen auf dem Tisch und wurden vom Ortsbeirat per Antrag gefordert. Bisher fehlen von den zuständigen Ämtern jedoch verbindliche Termine und eine zügige Umsetzung. Es darf nicht gewartet werden, bis eine verzögerte Alarmierung fatale Folgen hat.

