Erinnerung an dunkle Zeiten: Gedenktafel für ehemaliges Zwangsarbeiterlager in Kalbach beschlossen

Zwangsarbeiterlager - Deutsche Carbone AG

Foto: Unbekannt, ca. 1900, Institut für Stadtgeschichte, Frankfurt Abbildung: schwarz-weiß Fotografie der Fabrik Carbone AG, Außenansicht

In der Talstraße 107 in Kalbach steht ein unscheinbares Bauwerk mit historisch bedeutendem Hintergrund. Es handelt sich um eine ehemalige Baracke der früheren Kohlenbürsten- und Elemente-Fabrik Deutsche Carbone AG (heute Mersen Deutschland), die während des 2. Weltkriegs als Unterkunft für Zwangsarbeiter diente.

Dieses Gebäude gilt heute als die letzte noch erhaltene Zwangsarbeiterbaracke in ganz Frankfurt am Main. Nun erhält der historische Ort nicht nur den Status eines Kulturdenkmals, sondern auch eine offizielle Gedenktafel.

Die Historie des Zwangsarbeiterlagers in der Talstraße

Während des 2. Weltkriegs arbeiteten im Deutschen Reich Millionen von zivilen Zwangsarbeitern und Kriegsgefangenen, um die Kriegswirtschaft und die Versorgung aufrechtzuerhalten. Auch in Frankfurt schufteten rund 25.000 Menschen unter oft menschenunwürdigen Bedingungen.

Auf dem Werksgelände der Carbone AG existierte ab November 1942 bis zum Einmarsch der Alliierten ein solches Zwangsarbeiterlager. Aus historischen Unterlagen des Instituts für Stadtgeschichte und Bauscheinen aus dem Jahr 1943 geht hervor, dass die Anlage aus zwei Mannschaftsbaracken sowie einer Küchenbaracke mit Speiseraum bestand. Diese erstreckten sich entlang der damaligen Horst-Wessel-Straße (heute Carbonestraße).

Dokumente und historische Untersuchungen belegen, dass dort mindestens 44 französische Zwangsarbeiter – darunter auch eine Frau – untergebracht waren. Andere Nachkriegsberichte der Polizei sprechen von bis zu 50 Insassen. Während deutsche Angestellte in Vorarbeiterpositionen aufstiegen, mussten die ausländischen Arbeitskräfte unter extremen Belastungen für die Industrieproduktion arbeiten.

Die Initiative des Ortsbeirats 12

Dass dieses dunkle Kapitel der Lokalgeschichte nicht in Vergessenheit gerät, ist vor allem dem engagierten Einsatz des Ortsbeirats 12 zu verdanken. Bereits im Mai 2023 fasste das Gremium auf Antrag der SPD den einstimmigen Beschluss, an dem historischen Gebäude eine Gedenktafel anbringen zu lassen. Diese soll über das Schicksal der dort untergebrachten Menschen informieren und an die Zwangsarbeit während des Nationalsozialismus erinnern.

Der Magistrat der Stadt Frankfurt begrüßte die Anregung ausdrücklich. Um eine zügige Umsetzung zu gewährleisten, bewilligte der Ortsbeirat im Dezember 2023 aus seinem eigenen Budget Finanzmittel in Höhe von 3.500 Euro für die Herstellung und Anbringung der Tafel.

Denkmalschutz und wissenschaftliche Aufarbeitung

Parallel zum Errichten der Erinnerungstafel setzte sich die Lokalpolitik für den Erhalt des gesamten historischen Komplexes ein. Der Magistrat und das Landesamt für Denkmalpflege Hessen leiteten eine Denkmalwertprüfung ein. Im Oktober 2026 folgte das erfolgreiche Ergebnis: Die letzte Frankfurter Zwangsarbeiterbaracke wurde offiziell unter Denkmalschutz gestellt und in das Denkmalverzeichnis aufgenommen.

Für die inhaltliche Gestaltung der Gedenk- und Informationstafel erarbeitet das Institut für Stadtgeschichte in Abstimmung mit den städtischen Fachämtern und dem Ortsbeirat den passenden Text. Neben der Aufstellung der Informationstafel ist geplant, das denkmalgeschützte Gebäude künftig auch für die Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Damit entsteht in Kalbach ein zentraler Lern- und Erinnerungsort für die gesamte Region.

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