Frankfurt nimmt Abschied von einer außergewöhnlichen Persönlichkeit. Im Alter von 96 Jahren ist der Unternehmer, Investor und Mäzen Dr. h.c. Josef Buchmann verstorben. Sein Leben war gezeichnet von tiefsten menschlichen Abgründen, aber auch von einem beispiellosen Wiederaufbauwille, unerschütterlicher Schaffenskraft und tiefempfundener Großzügigkeit.
Als 1930 im polnischen Łódź geborener junger Mensch erlitt Buchmann das Unfassbare: Die Schrecken der Konzentrationslager Auschwitz und Bergen-Belsen raubten ihm die Jugend, seine Eltern und nahezu seine gesamte Familie. Nach der Befreiung kam er 1945 nach Frankfurt am Main – ohne elterlichen Schutz und ohne Chance auf eine geregelte Schulbildung. Dass dieser leidgeprüfte junge Mann in den folgenden Jahrzehnten zu einem der erfolgreichsten Unternehmer der Mainmetropole aufsteigen sollte, gleicht einem Wunder deutscher Nachkriegsgeschichte.
Prägende Gestalt für das Frankfurter Stadtbild
In den 1950er Jahren begann Buchmann seine Laufbahn als Gastronom im Bahnhofsviertel, bevor er mit Weitblick in die Immobilienwirtschaft einstieg. Als Pionier der Frankfurter Skyline ließ er 1966 das Shell-Hochhaus am Alleenring errichten – das damals höchste Gebäude der Stadt. Auch die Grundlagen für die charakteristischen Doppeltürme der Deutschen Bank gehen auf seine Initiative zurück.
Besondere Verdienste erwarb er sich zudem mit dem Kauf und der Neuausrichtung des Nordwestzentrums, das er ab Mitte der 1980er Jahre zu einem florierenden Mittelpunkt für Handel und Begegnung gestaltete. Doch Buchmann dachte nie nur in Beton und Renditen. Sein wirtschaftlicher Erfolg war stets geprägt von dem Wunsch, seiner Wahlheimat etwas zurückzugeben.
Geleitet von tiefem Bürgersinn unterstützte er kulturtragende Institutionen wie das Senckenberg Museum oder das Jüdische Museum und engagierte sich intensiv in der medizinischen Versorgung, etwa durch Spenden für das Zentrum für Kinderheilkunde und Jugendmedizin am Uniklinikum. Auf persönlicher Ebene bewies er stillen Heldenmut und Menschlichkeit: Über viele Jahre unterstützte er den finanziell in Not geratenen Judenretter Oskar Schindler.
Ein meilensteinartiges Erbe auf dem Unicampus Riedberg
Für die Wissenschaft und ganz besonders für den Wissenschaftsstandort Riedberg hinterlässt Josef Buchmann ein unvergessenes Fundament. Er verstand früh, dass Bildung und exzellente Forschung Schlüssel für die Weiterentwicklung der Gesellschaft sind – Werte, die ihm in seiner eigenen Kindheit gewaltsam verwehrt worden waren.
Mit einer außerordentlichen Zuwendung ermöglichte er den Ausbau der Spitzenforschung an der Goethe-Universität. Als Zeichen der Dankbarkeit für sein jahrzehntelanges Engagement trägt das Forschungsgebäude des Exzellenzclusters auf dem Campus Riedberg seinen Namen: das Buchmann Institut für Molekulare Lebenswissenschaften.
Hier arbeiten international renommierte Forschergruppen disziplinübergreifend zusammen, um fundamentale Prozesse des Lebens und die Entstehung schwerer Krankheiten wie Krebs oder neurodegenerativer Leiden zu ergründen. Durch ein von ihm ins Leben gerufenes Stipendienprogramm förderte er zudem über Jahrzehnte hinweg gezielt junge Nachwuchswissenschaftler und schuf eine lebendige Brücke zwischen der Goethe-Universität und der Tel Aviv University. Die Goethe-Universität würdigte diesen unermesslichen Einsatz, indem sie ihn 2013 zum Ehrensenator ernannte.
Josef Buchmann hinterlässt eine Lücke, die kaum zu füllen ist. Frankfurt verliert einen Visionär, dessen Lebenswerk in den Bauten der Stadt fortlebt und dessen Herzensgüte in den Laboren des Riedbergs weiterwirkt.

