Wo ist Platz für uns?

Der Riedberg hat 19 Spielplätze und Spielecken für Kinder. Die meisten sind neu und wunderschön, wie der erst jüngst eröffnete „Bauernhof-Spielplatz“ ganz im Norden. Unter anderem mit Holz-Traktor, Seilen und einer Mühle zum Klettern, Rutschen und Versteckspielen. Dann gibt es aber auch folgende Zahlen: Aktuell sind am Riedberg 2087 Mädchen und Jungen zwischen 6 und 14 Jahre sowie 391 zwischen 15 und 18 Jahre. Tendenz stark steigend. Und immer mehr Teenager fragen: „Wo ist Platz für uns?“

„Es gibt hier viele Spielplätze, aber es gibt kaum einen Ort für Jugendliche“, beklagte der bisherige Schulsprecher des Gymnasiums Riedberg, Gianluca Guccione, vor wenigen Wochen gegenüber MAINRiedberg. Andere sprechen von „nur wenigen altersgerechten Beschäftigungsmöglichkeiten außerhalb eines Vereins“. Jetzt gibt es einen mutigen Elfjährigen, der per Internet-Petition für ein ganz konkretes Projekt kämpft: Einen Skatepark. Für Skateboarder, Skater, begeisterte BMX-Biker wie ihn selbst, aber auch für alle meist Kleineren, die lieber mit dem Scooter über alles drüberflitzen. Mit Sprüngen, Rails, Wallride und anderen Elementen. Ja, da ist seit 2015 ein Skatepark, der vielen Riedbergern kaum bekannt sein dürfte und kurioserweise ziemlich abseits liegt. Mitten im Gewerbegebiet Kalbach hinter dem Frischezentrum. Aber der ist für Kinder aus unserem Stadtteil schwer bis gar nicht erreichbar. „Deswegen ist man dort oft einsam und fühlt sich nicht wirklich sicher.“

„Wir müssen jetzt handeln, bald ist alles bebaut“

Sebastian Reißmann sitzt zuhause am Esstisch, neben ihm liegt sein Fahrradhelm. Vor der Tür steht sein BMX-Rad. Er will klarmachen, dass das alles kein Hirngespinst ist und so ein Anliegen berechtigt. Darauf weist auch seine Mutter Christine hin, die ihren Sohn unterstützt. Nicht nur, weil auch seine beiden jüngeren Brüder bereits beginnen, sich auf Spielplätzen zu langweilen. Sie sagt: „Wir müssen jetzt handeln, sonst ist alles bebaut.“ Sie nennt mit Blick auf mögliche Kosten die Realisierbarkeit „womöglich fraglich“. Aber auch schon eine abgespeckte Version eines Skateparks könne viel bewirken. Wenn der Aufbau des Parks im Vorfeld auch mit Jugendlichen abgestimmt ist.

Sein Traum, sagt Sebastian, ist ein ähnlicher Park wie in Kalbach. Nicht nur mit Mini-Hindernissen und so „unglaublich langweilig“ wie der im Nidda-Park. Aber natürlich nicht so teuer und groß, wie Frankfurts Vorzeige-Skatepark im Osthafen. Dann zeigt er draußen mit seinem BMX ein paar „Bunny Hops“, Sprünge über Bordsteinkanten, klettert beim Fahren mit den Füßen auf Sattel und Lenker. Oder hebt nur mit dem Vorderrad ab, steht fast senkrecht in der Luft. Für noch viel mehr wäre ein Skatepark perfekt. Sebastian erzählt auch von der „gechillten“ Atmosphäre auf Skateplätzen. Davon, dass man sich gegenseitig hilft und die neuesten Tricks erklärt. „Das Coole am Skatepark ist auch, dass Dir keiner vorschreibt, was Du machen sollst.“ Kein Lehrer, keine Eltern, kein Verein, keine Institution.

Vorschlag: Ein möglicher Standort

Auch einen möglichen Standort schlägt er vor: Im westlichen Teil des Kätcheslachparks, hinter dem Basketballfeld und dem Piratenspielplatz. In unmittelbarer Nähe zu Gymnasium und Jugendhaus. Also dort, wo schon jetzt einer der wenigen Orte für ältere Kids und Jugendliche ist. „Da sind die Bauarbeiten noch nicht ganz fertig, da ist doch noch Platz.“

Sebastian und seine Freunde mit dem BMX-Rad, mit Scootern und auch viele Jugendliche mit Skateboard oder Blades aus unserem Stadtteil testen immer neue Tricks und coole Sprünge…
…aber der 2015 eröffnete Skatepark mitten im Gewerbegebiet von Kalbach (hinter dem Frischezentrum) ist oft recht einsam – und für viele zu weit weg

Die Petition auf der Beteiligungs-Plattform der Stadt Frankfurt läuft noch, das erforderliche Quorum von mehr als 200 Unterschriften ist längst erreicht. Die Stadt wird sich also mit der Forderung der Jugendlichen auseinandersetzen. Ein erster kleiner Sieg. Auch die SPD will demnächst im Ortsbeirat mit einem Antrag die Skatepark-Pläne unterstützen. Während Sebastian darauf hinweist, dass natürlich weitere Unterstützer und Unterschriften wichtig sind, sagt sein neunjähriger Bruder, kurz bevor’s für alle drei Jungs der Familie zum Klettern geht: „Hier werden immer neue Spielplätze gebaut, aber nichts für Jugendliche. Aber dann beschwert man sich, wenn sie zuhause sind und zocken.“

Die Petition für einen Skatepark am Riedberg läuft unter https://www.ffm.de/frankfurt/de/ideaPtf/45035/single/844 Der Skatepark wird voraussichtlich auch Thema in der nächsten Ortsbeiratssitzung am 14. Juni ab 19 Uhr im Familienzentrum Billabong sein.

Fotos: MAINRiedberg