Mein Tanzabenteuer in New York

Haben Sie in unserem aktuellen MAINRiedberg-Magazin über das Tanzabenteuer von neun Riedberger Ladies und einem Mann in New York City gelesen? Es ist eine Gruppe des Thom Hecht Ballettförderzentrums, die dort vor wenigen Wochen Prüfungen ablegten. Jetzt hat unsere Autorin Monika Nowicka mit dem Hobby-Tänzer und einzigen männlichen Teilnehmer gesprochen. Hier ist das unterhaltsame Resümee, das Monika „Tanzvergnügen, Schlemmerei und Höhenangstüberwindung“ nennt. 

Nachdem Strumpfhosen, Trikots und Ballettschuhe eingepackt waren, ging es für Stefan, der von seinem Freund begleitet wurde, auf die große Reise. Einer der Highlights, von denen Stefan zuerst erzählt, war der Kauf von Spitzenschuhen beim in Tanzkreisen berühmten Anbieter Gaynor Minden, dem Geschäft für Point-Schuhe. „Nachdem ich etliche Paare mit dem Kommentar „It’s still painful“ zurückgehen habe lassen, schien die Verkäuferin einen Einfall zu haben, verschwand wieder kurz im Lager und hatte dann ein Paar bei sich, das für meine „squishy feet“ am besten geeignet war. Nach etwa einer Stunde war ich dann im Besitz meiner ersten Spitzenschuhen.“

Was war Deine ganz persönliche Belohnung?

Stefan machte sich schon vor der Reise ein ungewöhnliche Gedanken, als er erfahren hat, dass es beim American Ballet Theatre ein festgeschriebenes Outfit für die Prüfung gibt, sozusagen eine Kleiderordnung, damit alle einheitlich aussehen. „So kam es, dass ich gerade auf das, was ich am liebsten mag, nämlich Süßigkeiten und fettiges Fast-Food verzichten musste. Absurderweise auch für ein Land, das für Fastfood und generell ungesundes Essen bekannt ist. Und es hat sich ausgezahlt. Bis zur Prüfung habe ich dann einige Kilos runterbekommen.“ So konnte er sich voll und ganz aufs Tanzen konzentrieren.

Natürlich mit einer wunderbaren Belohnung! Denn nach der bestandenen Prüfung machte er einen „Großeinkauf in einem Geschäft am Union Square, in welchem es ausschließlich Süßigkeiten gab“.

Wie war Dein Eindruck von der wohl weltweit renommiertesten Ballett-Institution?

„Wir hatten einen festgelegten Ablauf darüber, wie unser Prüfungstag aussehen wird. Wir durften beispielsweise das Gebäude nur zu der uns zugeteilten Uhrzeit betreten und uns nur in dem Raum aufhalten, die für uns reserviert wurde. Es herrschte normaler Unterrichtsbetrieb und demnach war es spannend zu sehen, was das für Leute sind, für die Tanzen ihr normaler täglicher Job ist. Manchmal konnte man einen Blick in die verschiedenen Räume werfen und großartige Tänzerinnen und Tänzer sehen. Man hatte die ganze Zeit das Gefühl in einem ganz besonderen Gebäude, an einem ganz besonderen Ort zu sein. Oder besser gesagt: sein zu dürfen.“

Wie war die Prüfung selbst?

„Zum Glück war unsere Gruppe als Erstes dran und wir mussten nicht mehr warten – sonst hätte sich die Aufregung wahrscheinlich in’s Unermessliche gesteigert. Bevor es losging, hatten wir aber erst ein sogenanntes „Spacing“, bei dem uns Thom Hecht gezeigt hat, wo etwa unser Platz an der Stange ist. Der Boden war ein besonderes Highlight: Man konnte darauf viel höher springen als in Frankfurt, da er extra dafür präpariert wurde. Dann kam auch schon die Prüferin um die Ecke und wir mussten den Prüfungssaal verlassen, um uns im Flur für den Einmarsch aufzustellen. Ein letztes „Toi toi toi“ und dann setzte auch schon die Musik ein. Jetzt gab es kein zurück mehr.“

Anspannung pur bei der Prüfung – bei Stefan…

…und den erfolgreichen Ballett-Tänzerinnen

Nachdem sich alle vorgestellt hatten, ging es dann endlich los. Die Prüfung lief so ab, wie man sie einstudiert hatte. Allerdings unter den kritischen Blicken der Prüferin, Meghan Love, die sich während des Ganzen reichlich Notizen machte. Bodenübung, Stange, Übungen in der „Mitte“ und theoretischen Fragen – die Zeit verging wie im Flug.

Was hast Du gefühlt, als Du erfahren hast, dass Du die Prüfung bestanden hast?

„Wir waren alle extrem erleichtert, die Prüfung überhaupt, ohne größere Patzer, hinter uns gebracht zu haben. Wir waren mit unseren Leistungen zufrieden und hatten hart trainiert.“

Wie habt Ihr gefeiert?

„Gefeiert wurde in einer Rooftop-Bar. Nur leider konnte ich nicht dabei sein. Die Anspannung der letzten Tage und der Jetlag haben mich um 10 Uhr ins Bett fallen lassen.“

Dein absolutes Highlight der Reise?

Der Ausblick am One World Observatory mit einem fantastischen Panorama-Blick war einfach unbezahlbar! Stefan und sein Freund haben beide Höhenangst. Trotzdem machten sie sich auf dem Weg dorthin. „Je näher wir dem imposanten Gebäude kamen, desto größer wurde die Anspannung, schließlich ist der Wolkenkratzer das höchste Gebäude der westlichen Welt. Die Aussicht war unglaublich und in einem 360°-Rundgang hatte man einen einmaligen Blick auf Sehenswürdigkeiten, wie das Empire State Building, Statue of Liberty oder die Brooklyn Bridge.“

Mal wieder ein wunderbares Beispiel, dass es sich immer lohnt seine Ängste zu überwinden! Die Geschichte mit dem Hochhaus scheint auch an Stefans Abenteuer mit dem Tanzen zu erinnern. Man steht zunächst ganz unten und der Weg nach oben erscheint weit und unerreichbar. Aber wenn man sich Schritt für Schritt auf dem Weg nach Oben macht, dann wird man mit etwas Atemberaubendem belohnt und fühlt sich am Ende wie ein Sieger…

Weitere Infos zum Thom Hecht Ballettförderzentrum am Riedberg unter www.thomhecht-ballett.de

Text: Monika Nowicka

Fotos: Thom Hecht Ballettförderzentrum