Mädchen und Jungs, habt keine Angst!

Es ist die Geschichte eines kleinen Mädchens vom türkischen Marmarameer, das zu einer starken Frau geworden ist. Dr. med. Zahide Özkan-Rashed, Ärztin für Kardiologie und Innere Medizin, hat einen autobiografischen Roman geschrieben, mit dem sie Brücken bauen und Mut machen will (MAINRiedberg berichtete). Vergangene Woche besuchte die Autorin, die jetzt am Riedberg wohnt, nach mehr als 35 Jahren ihr ehemaliges Gymnasium und las aus ihren Buch mit dem Titel „Hab keine Angst”. Zu verdanken hat sie das für sie sehr berührende Erlebnis ihrer ehemaligen Schulkameradin Daniela Kling, die heute an der Schule Lehrerin für Religion und Sport ist.

Etwa vierzig Schülerinnen und Schüler aus zwei Klassen plus Lehrer haben am Gymnasium Goetheschule in Neu-Isenburg den Erinnerungen von Dr. Zahide Özkan-Rashed gelauscht. Auf 138 Seiten hält sie Momente aus ihrer Kindheit und Jugend fest, die prägend für sie waren: Ihr Alter Ego Feride träumt als Kind davon, Ärztin zu werden. Dafür gilt es gesellschaftliche Hürden zu überwinden, Konflikte mit der Familie auszutragen und immer wieder ausdauernd zu kämpfen. Denn mit dem Bildungsausstieg ändert sich unweigerlich die Beziehung zu der Herkunftsfamilie.

Stolze Eltern

Nach der Lesung luden die Lehrkräfte zu einer Diskussion ein. Lehrer Dr. Köberle sagte, dass er die Erfahrungen der Autorin gut nachvollziehen könne, weil auch er ein Arbeiterkind sei. Der Erste, der auf dem Gymnasium war. Der Erste, der studieren sollte. Er könne sich gut an Lehrer erinnern, die ihn „wie einen Exoten” behandelt hätten, weil sie wussten, welche Berufe seine Eltern ausübten. „Meine Mutter hat sich geschworen, sich drei Tage lang zu betrinken, wenn ich das Abi schaffe.” So groß war die Aufregung, so groß der Stolz auf den erfolgreichen Sohn. Ähnlich wie die Mutter der Autorin, die drei Tage fasten wollte, wenn die Tochter das Abitur bestanden hatte.

Kulturelle Unterschiede – kein Problem!

Überraschend waren die Reaktionen der Jugendlichen mit und ohne Migrationshintergrund. „Wir merken es gar nicht, ob jemand biodeutsche Wurzeln hat oder nicht”, sagte eine Schülerin. Eine andere erzählte von diskriminierenden Bemerkungen, wenn sie etwa mit ihrer Freundin unterwegs sei, die ein Kopftuch trägt.

Zahide Özkan-Rashed: „Erfrischende Erfahrung”

Die Autorin berichtete danach von berührenden Momenten. „Es war für mich eine erfrischende Erfahrung, vor einer so jungen Gruppe zu sprechen. Ich war überrascht, wie interessiert sie zugehört haben und wie angeregt diskutiert wurde.“ Sie freute sich, dass ihre Erfahrungen des Anders- und Fremdseins unter der neuen Generation offenbar eine weit geringere Rolle spielten als damals, als ein kleines türkisches Mädchen davon träumte, Ärztin zu werden.

Das Buch von Zahide Özkan-Rashed ist im Buchhandel erhältlich

 

Informationen & Foto: Retap Verlag