Klein, aber fein

Klein, aber fein – so lautet das Motto von Jungunternehmerin Isabelle Schilder in ihrem neuen Bistro in der Hanauer Landstraße. Die ehemalige Restaurantleiterin zählt zu den ersten Riedbergerinnen am Bonifatius-Park.

Punkt 13 Uhr. Ich betrete das „La Fourchette Tricolore“ in der Hanauer Landstraße 48. „Bonjour“ grüßt es mir von einer Fußmatte in großen roten Lettern freundlich entgegen. Vorsicht! Stufe! Den Blick wieder nach oben gerichtet, beleuchten mich rechts und links zwei Lampenschirme – auf mannshohen Eiffeltürmen platziert – und unterstreichen mit ihrem warmen Licht das französische Ambiente des kleinen, aber feinen Bistros.

Fast zeitgleich mit meinem Eintreffen kommt sie aus der Küche, die Chefin de la Cuisine und Jungunternehmerin Isabelle. Sie begrüßt mich auf französische Art, Küsschen links, rechts, links. Sogar Ihre blütenweiße Berufskleidung verbreitet französisches Flair, mit blau/roten Knopfreihen auf der Kochjacke.

Obwohl wir verabredet waren, und es um diese Zeit im Bistro ruhiger zugehen sollte, habe ich zunächst keine Chance, meine beruflich bedingte Neugier zu befriedigen. Praktisch immer, wenn ich Luft hole und zu einer Frage anhebe, kommen neue Gäste und ich erlebe hautnah, wie Isabelle mit französischem Charme ihre Gäste bewirtet und berät.

Heute stehen Auberginen-Türmchen als Vorspeise auf dem Speiseplan, ergänzt durch ein zartrosa gebratenes Lamm-Carré. Dazu gibt es wahlweise Kartoffelgratin oder eine Spinat-Mousse, verfeinert durch geriebene Orangenschalen. Zur Wahl stehen täglich ein Menü mit zwei Beilagen, zusätzlich ein vegetarisches Gericht und immer eine vegane Suppe. Heute besteht das vegetarische Gericht aus großen Raviolis, gefüllt mit pouchierten Steinpilzen in einer Ziegenkäse-Pfeffersoße. Hmmm! Lecker! Oder wie wir Frankfurter sagen: „Da möschste disch am libste neisetze.“

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In Isabelle’s Bistro stehen täglich ein Menü mit zwei Beilagen, ein vegetarisches Gericht sowie eine vegane Suppe zur Wahl – und feinste Pâtisserie

Während ich auf einem Hocker an einem der fünf Bistrotische die Ravioli in der Ziegenkäse-Pfeffersoße genieße, herrscht weiter reger Andrang. Diesmal zwei Herren, vermutlich Anwälte – man bekommt einen Blick für sowas. Die adretten Advokaten bestellen das volle Programm: Auberginen-Türmchen als Vorspeise, dann das leckere Lamm und als Nachtisch den obligatorischen französischen Kaffee mit einer Pâtisserie. Die, so versichert mir die charmante Chefin, backt sie jeden Morgen frisch. Der Teig dazu ist original aus Frankreich, da er „dort mehr Butter enthält“. Tipp: Wer am nächsten Tag kommt, der kann für nur 1 € die Croissants vom Vortag erwerben, die immer noch lecker schmecken, aber nicht mehr tagesfrisch sind. Den Anlass gab ein Schulmädchen, verrät die Jungunternehmerin, die eines Tages mit einem Euro an der Theke stand und traurig fragte, was sie dafür bekäme. Schon war der Gedanke vom 1 € Croissant (oder vier/fünf kleinen Croissants) vom Vortag geboren. Die Schülerin dankt es und kommt jeden Tag.

Ursprünglich, so erklärt mir Isabelle zwischen zwei Gästen, war der Laden dreimal so groß und beherbergte eine Schlecker-Drogerie. Als die schließen mussten, wurde die Gesamtfläche in drei Parzellen aufgeteilt. Dann jedoch wieherte der Amtsschimmel und es dauerte acht Monate, bis die Nutzungsänderung genehmigt wurde. Stolz berichtet die charmante Chefin, dass sie genau vor fast vier Monaten, exakt am 4. April, eröffnet hat.

Begonnen hat das Ganze mit einem Online-Shop vor drei Jahren. Dort bot Isabelle französische Spezialitäten an und startete ein Probeessen. Heute hat sie das Bistro, einen Koch, eine Mini-Jobberin und eine Praktikantin.

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Hier berät und serviert die Chefin noch selbst. Isabelle Schilder würde sich natürlich auch über mehr Besuch vom Riedberg freuen

Während das alles aus ihr heraussprudelt, erfahre ich auch, dass der Job morgens um 7 Uhr beginnt mit Croissants-Backen. Um 8 Uhr öffnet das Bistro und dann geht es durch bis abends um 19 Uhr. Kein Job für Bedächtige. „Zwischendurch“, so Isabelle, „kommt noch das Catering dazu. Ab nachmittags Kaffee, Tee und Kuchen. Ich bereite Menüs vor für zwei bis 50 Personen. Nicht mehr, sonst kann ich meine Qualität nicht halten. Denn: klein, aber fein, lautet meine Devise.“

Wieder muss die Chefin das Gespräch unterbrechen, Gäste kommen. Das Lammcarré ist praktisch ausverkauft. Täglich kocht Isabelle rund ein Dutzend Menüs von den Hauptgerichten sowie der veganen Suppe kann es auch mal mehr sein. Hauptstütze des Umsatzes fürs junge Unternehmen ist jedoch (noch) das Catering. Aber langsam spricht es sich herum, im Umkreis der EZB, dass da ein kleines, aber feines Bistro ist, in dem mit viel Liebe und frischen Zutaten ein leckeres Essen zubereitet und von der charmanten Chefin persönlich serviert wird. Ich danke herzlich für das Gespräch und die Gastfreundschaft, wieder Küsschen zum Abschied und beim Durchschreiten der imaginären Lichtschranke zwischen zwei Eiffeltürmen grüßt die Matte vom Boden freundlich: á bientot – bis bald!

Autor & Fotos: Klaus Emmerling

Weitere Informationen unter www.la-fourchette-tricolore.com