Das Riedberg-Jahr 2017 in Bildern

Der Countdown zur Silvesternacht hat schon begonnen. Wie wär’s also mit einem Rückblick ins Riedberg-Jahr 2017? Hier eine kleine Auswahl Bildern – und ihre Geschichte.

Wir sind fast 13.000 Riedberger

Mit Bekanntgabe der offiziellen Frankfurt-Statistik war es amtlich: Der Riedberg hat bereits 2016 die 12.000-Einwohner-Schwelle „geknackt“. Die amtliche Zahl lag bei 12.492 Einwohnern. Inzwischen werden bis zu 13.000 Riedbergerinnen und Riedberger hier leben. Insgesamt ist die Main-Metropole im Jahr 2016 um mehr 5000 Einwohner auf fast 730.000 gewachsen.

Das Bürgeramt Statistik und Wahlen war aber so nett, für MAINRiedberg die Zahlen auszuhändigen, die nur unser Neubaugebiet, übrigens eines der größten ins ganz Europa, betreffen. Obwohl das letzte Quartier, der so genannte Westflügel, noch nicht fertiggestellt ist, leben hier bereits 6260 weibliche Einwohner, 6232 männliche. Mehr als 9500 Riedberger haben einen deutschen Pass, mehr als 2500 eine ausländische Staatsbürgerschaft. Äußerst interessant ist aber auch die Altersstatistik: Rund 500 Frauen und Männer sind 65 und älter, 8800 zwischen 15 und 64 Jahren – und exakt 3216 unter 15 Jahren. Damit dürfte der Riedberg das Gebiet mit dem mit Abstand jüngsten Einwohner-Anteil Frankfurts sein!

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Großer Neustart für Billabong


Im Februar war es noch eine Baustelle…


…am 28. September um exakt 14.04 Uhr, war Schlüsselübergabe für die neuen Räumlichkeiten des Familienzentrums Billabong in der Graf-von-Stauffenberg-Allee 46b

Judith McCrory von Billabong Family spricht davon, dass „diese Räumlichkeiten ein Geschenk sind“. Diese Räume – das sind fast 600 Quadratmeter im Erdgeschoss eines Neubaus in der Graf-von-Stauffenberg-Allee. Diese Räume – das ist das neue Zentrum des Vereins, der bisher das Jugendhaus Riedberg mitnutzen konnte. Und mit dem umfangreichen Angebot für Jung und Alt vor allem an räumliche Grenzen gestoßen war.

Hier gibt es ab sofort ein Café mit offener Küche, Kinderspielecke und mehr als 30 gemütlichen Sitzgelegenheiten, einen Multimedia-Raum, einen Kreativ- und Werkraum, einen großen Raum für Sport und Fitness plus einen Spezialbereich, der etwa auch zum Tanzen oder für Sportarten wie Teakwondo besonders geeignet ist. Das Café ist kein Lokal im eigentlichen Sinne, sondern für Treffen, zum Verweilen und auch für spezielle Angebote wie Koch-Workshops gedacht. Das Programm wird, so Vorstand Sabine Fiedler, „viel bunter werden“. Das Familienzentrum fungiert jetzt auch als Mehrgenerationenhaus für den Stadtteil.

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Neuer Stadtteiltreff im Jugendhaus

Seit Mai 2017 noch ein neues Riedberg-Projekt für alle: Seit einem Jahr schon arbeiten Jugendhaus-Leiterin Pia Straßburger und Markus Schaufler sowie Michel Gladis von der IG Riedberg an der „Umsetzung“ eines Stadtteiltreffs. Eines unkonventionellen Treffpunkts für alle, wie es in unserem Neubaugebiet bislang noch nicht gibt. Das neue „Dessauer“, nach der Adresse des Jugendhauses in der Friedrich-Dessauer-Straße und dem Physiker, Publizisten und Politiker Friedrich Dessauer benannt, soll ein Treffpunkt werden, wo man sich nett unterhalten kann, ohne gleich etwas konsumieren zu müssen. Wo verschiedenste Menschen zusammentreffen und sich neue Ideen für den Stadtteil entwickeln können. Wo sich diejenigen einbringen, die bisher schon zu den Gesichtern des Riedbergs gehörten, und neue „Gesichter“ kennenlernen.

In dem Gemeinschaftsraum rechts neben dem Haupteingang zum Jugendhaus soll es neben offenen Treffen auch Film- oder Kartenspiel-Abende geben. Erste Veranstaltungen gab es schnell.

Am 28. Januar 2018 lädt die IG Riedberg zu der nächsten Etappe der kulinarischen Weltreise ein. Ab 18 Uhr wird es Leckeres aus dem deutschen Norden geben. Grünkohl wird auf jeden Fall mit dabei sein. Siehe www.ig-riedberg.de

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Eine besondere Schule – die neue IGS Kalbach-Riedberg

Am 15. August um 14.30 Uhr startete die Feier zur Eröffnung der neuen IGS Kalbach-Riedberg. Direktorin Dr. Susanne Gölitzer sprach vorab von einer „besonderen Schule, wie sie meines Wissens in ganz Hessen nicht existiert“. Die neue Gesamtschule hat den Schwerpunkt Sprache und Kommunikation und ist Ganztagsschule sowie als „Teamschule“. Das heißt, dass Lehrer die Kinder über mehrere Jahre begleiten. Die Lernfelder sind Naturwissenschaften, Gesellschaftslehre und Ästhetische Bildung. Als Fremdsprachen werden Englisch, Französisch und Spanisch unterrichtet. Die Schule nimmt viele Kinder auf, die Deutsch nicht als Muttersprache sprechen, und man nimmt gezielt Schüler mit Sprachheilbedarf auf. Etwas über 20 Prozent der Kinder haben einen sonderpädagogischen Förderanspruch und werden inklusiv unterrichtet. Die Schülerinnen und Schüler erhalten individuelle Aufgaben und werden nicht in Leistungskursen getrennt unterrichtet. In speziellen Projekten werden echte Fragen gestellt und geknackt.

Die IGS startete in einer provisorischen Holz-Containeranlage im neuen Quartier Westflügel mit mehr als 100 Fünftklässlern. Platz im Provisorium ist für einen weiteren Schuljahrgang. Die gute Nachricht für die Zukunft kam aber Anfang Oktober: Weil die Gymnasiale Oberstufe schneller als geplant aus der Container-Anlage in der Gräfin-Dönhoff-Straße nahe der U-Bahn-Station Riedberg ausziehen kann, kann früher als geplant die IGS exakt dorthin, also an den endgültigen Standort, gelangen. Mit den Planungen und der Ausschreibung für den Neubau soll bald begonnen werden.

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Der Riedberg rockt…

Wie erging es den sechs Männern von Riedberg Underground beim ersten großen Auftritt am Riedberger Sommerfest? „Ich habe mir in die Hosen geschissen vor dem ersten Auftritt“, gestand einer der Männer an der Gitarre zwischendurch. Da hatten die Hobby-Musiker mit reichlich Rock im Blut schon die ersten Songs von Ecstasy of Gold von Metallica bis zu Neil Young gespielt. Am Abend vor dem Sommerfest, nachdem sie gemeinsam bei der Traditionself des SC Riedberg gekickt hatten, hatten sich die Sänger Tobi und Gerd noch mal spätabends zurückgezogen. Um zu üben. Sie hatten keine Band-Erfahrung am Mikro. Die anderen an Bass, Gitarre und Drums überwiegend schon. Aber das war teils schon lange her. Warum sich ein Sales Manager, ein Business Analyst, ein Key-Account-Manager, ein Jurist, ein Apron Controller vom Airport und ein Pharma-Experte, alle Familienväter zwischen 40 und 50, trotzdem auf die Bühne wagten? Es hat auf jeden Fall nichts mit der Midlife-Crisis zu tun, wie sie auf der Bühne anmerkten (weil das manche wohl mutmaßten). Es macht schlicht verdammt viel Spaß, mit guten Freunden – und dem dazu passenden Song von den Böhsen Onkelz – den Riedberg zu rocken. Ob 2018 vielleicht sogar mal eigene Songs folgen?

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barbed wire to demarcate the border does not open

Begegnung mit Zeitzeugin Trude Simonsohn

Warum hab’ ich überlebt? Diese Frage stellt sich Trude Simonsohn immer wieder. Vor ihr liegen der gelbe Judenstern und Lagergeld aus dem Ghetto Theresienstadt. Den Stern hält sie dort an die Brust, wo es die Nationalsozialisten ab 1941 befohlen hatten. Das Geld gibt sie durch die Reihen. Die Scheine waren nur Blendwerk, dienten auch zur weiteren Enteignung der Juden. Sie hat sie noch bei sich getragen, als sie im Oktober 1944 nach Auschwitz kam. Im Edith-Stein-Zentrum am Riedberg ist es still. Niemand wagt, etwas zu sagen. Die Dame vorne will diese Distanz überwinden. „Stellen Sie Fragen, es gibt keine Tabus“, sagt sie und freut sich sichtlich über junge Besucher bei diesem Begegnungsabend.

Trude Simonsohn ist 96 Jahre alt und erste Ehrenbürgerin Frankfurts. Für sie ist es unverzeihlich, dass danach „plötzlich keiner mehr von etwas gewusst haben will“. Andererseits will sie deutlich machen, wie unvorstellbar der Vernichtungswillen der Nazis für ihre Generation gewesen ist. Sie ist „glücklicherweise bis 1939 in einer Demokratie großgeworden“. Sie ist in Olmütz, im heutigen Tschechien, zweisprachig aufgewachsen. Sie besuchte ein Realgymnasium, lernte Latein, Englisch und Französisch, hatte Freundinnen und Freunde und hat in der Schule mit den anderen auch „viele Streiche gemacht“. Eines Tages ging es um einen Artikel des antisemitischen Hetzblatts „Der Stürmer“. Der Rest der Klasse hat applaudiert. Sie war „wie gelähmt“.

Nach dem Einmarsch der deutschen Wehrmacht wurde ihr als Jüdin eine Berufsausbildung verweigert. Ihr Vater wurde bereits 1939 verhaftet, in das KZ Buchenwald verschleppt und danach im KZ Dachau ermordet. Ihre Mutter wurde später im KZ Auschwitz ermordet.

Im Juni 1942 geriet sie selbst wegen angeblichen Hochverrats und illegaler kommunistischer Tätigkeit in Haft. Irrwitz des Systems: Damit war sie politische Gefangene, was minimal bessere Chancen auf ein Überleben mit sich brachte. Nach sechs Monaten Haft kam sie ins Ghetto Theresienstadt, wo viele Tausende Juden lebten. Auch dort muss man sich vorstellen, „dass wir versucht haben, ein bisschen Menschlichkeit und Normalität aufrechtzuerhalten“. Es gab Schulunterricht und Vorträge teils bedeutender jüdischer Wissenschaftler – während immer jemand Schmiere stand, um vor Wachen zu warnen. Hier prophezeite ihr eine Zigeunerin, dass sie weiterleben und „die Liebe ihres Lebens“ finden werde. Hier lernte sie den Sozialpädagogen und Juristen Berthold Simonsohn kennen und lieben.

Als ihre Mutter zum ersten Mal auf der Deportationsliste nach Auschwitz stand, konnte sie durch Beziehungen den Namen streichen lassen. Mutter und Tochter wurden später dennoch in das Vernichtungslager deportiert. Zu einem Zeitpunkt, als die Niederlage der Nazis längst besiegelt war. Sie mussten sich nackt ausziehen, wurden kahlgeschoren und mussten in die Kleiderkammer, wo sie die KZ-Häftlingskleidung bekamen. „Zu allem spielte in Auschwitz die Musik.“ Die Frauenkapelle. Die Kinder und Kranken waren schon vorher aussortiert worden, weil sie als nicht arbeitsfähig galten. Das bedeutete das Todesurteil. Trude Simonsohn spricht noch von Appellen und davon, dass am 2. November die ersten Krematorien gesprengt wurden. Als der SS-Apparat damit begann und versuchte, die Spuren des Massenmordes an mehr als einer Million Juden zu beseitigen, und die russische Armee heranrückte.

Nach dem Krieg gelang es Trude und Berthold Simonsohn tatsächlich, einander wiederzufinden. Sie zogen zunächst in die Schweiz, später nach Hamburg und schließlich nach Frankfurt. Die 96-Jährige lächelt. „Hier in Frankfurt habe ich das Gefühl, zuhause zu sein.“

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Die Ergebnisse der Bundestagswahl

Historische Negativergebnisse für CDU und SPD, eine spontane Demonstration in Frankfurt gegen den Erfolg der Rechten – und drei Politiker, die aus unserem Wahlkreis 183 in den den Bundestag einziehen. Das ist die Kurz-Bilanz der Bundestagswahl am 25. September. Ulli Nissen (SPD), die schon bei der letzten Wahl über die Landesliste nach Berlin gelangte, Omid Nouripour (Grüne), bisher außenpolitischer Sprecher seiner Partei und Mitglied im auswärtigen Ausschuss des Bundestages, kamen über die Liste in den Bundestag. Das Direktmandat gewann klar Bettina Wiesmann (50), bisher Landtagsabgeordnete der CDU, die sich in einer Kampfkandidatur gegen den CDU-Fraktionsvorsitzenden im Römer, Michael zu Löwenstein, durchgesetzt hatte.

Das Ergebnis der Zweitstimmen: Wie auch im zweiten Frankfurter Wahlkreis, wo Matthias Zimmer (CDU) das Direktmandat gewann, weichen die Ergebnisse der Zweitstimmen insbesondere in einem Punkt vom Bundes-Trend ab: Die Grünen sind klar drittstärkste Kraft, knapp vor der wiedererstarkten FDP – und die AfD erreicht keine 10 Prozent. Im Wahlkreis 183, zu dem der Riedberg gehört, erreichten die CDU erreichten 26,8 Prozent, die SPD 19,6 Prozent.

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Das Sams in der Schule

Wussten Sie schon? Wilde Wiesel wollen wissen, wo warme Würstchen wachsen. Der gestiefelte Skater Adelbert will das Herz der Katzendame Ramira gewinnen. Und um das Sams auf eine Leinwand in der Marie-Curie-Schule zu zeichnen, braucht Autor Paul Maar nur die Farben Schwarz, Rot, Grün und Blau und nicht mal fünf Minuten. Kein Wunder also, dass zuerst zwei Klassen in der Bibliothek der Grundschule und dann fast 500 Schülerinnen und Schüler in der Aula des Gymnasiums, in die man aus Platzgründen auswich, begeistert waren. Am 26. September ab kurz nach 9 Uhr war der Schriftsteller, Illustrator, Übersetzer, Drehbuch – und Theaterautor am Riedberg zu Besuch, auf Einladung des Freundeskreises der Schule. Dabei gewährte der Mann, der bald seinen 80zigsten feiert und immer noch neugierig-spitzbübisch lächeln kann, auch einen Blick hinter die Geschichte des Sams und weiterer Fantasie-Figuren – und auf sein Leben.

Warum hat der Sams eine Schweine-Nase? Warum schreiben Sie Kinderbücher? Das und noch viele andere Fragen stellten die Kinder vorab. „Die Schweine-Nase hat auf jeden Fall nichts damit zu tun, dass ich aus Schweinfurt komme“, begann Maar. Als er vor mehr als 40 Jahren schon längst die Idee zur Geschichte hatte, hatte er keine gute Idee, wie das Sams aussehen soll. Also fragte er seine drei Kinder und zeichnete los. Nein, das sieht komisch aus. Nein, das sieht aus wie ein Alien – so lautete zunächst das vernichtende Urteil. Bis der Schriftsteller dem Sams eine runde Nase verpasste und drauflos weitermalte. Bis die berühmte Schweinenase entstanden war. Übrigens sind die Sams-Bücher inzwischen in mehr als 40 Sprachen übersetzt. Maar hatte auch sein neues Buch „Das Sams feiert Weihnachten“ dabei. Anschließend begeisterten der Kinderbuch-Autor, die Musiker Konrad Haas und Wolfgang Stute als „Das schiefe Märchen-Trio“ Kinder der Grundschule.

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Weitere Berichte zum Jahr 2017 folgen morgen. Jetzt macht sich das MAINRiedberg-Team auch fertig für Silvester – und wünscht allen einen

guten Rutsch

in ein hoffentlich gesundes & erfolgreiches Jahr 2018!