Schlagwort: Transgenerationales Trauma

Z(w)eitzeuginnengespräch: Das vererbte Trauma in den Familien der Holocaust-Überlebenden

Eva Szepesi & ihre Tochter Anita Schwarz

Ein außergewöhnlicher und tief bewegender Abend erwartet die Besucher auf dem Riedberg: Im Rahmen der etablierten Veranstaltungsreihe „Riedberg ökumenisch“ laden die Organisatoren zu einem besonderen Zeitzeugengespräch ein. Unter dem Titel „Das vererbte Trauma in den Familien der Holocaust-Überlebenden“ berichten die Auschwitz-Überlebende Eva Szepesi und ihre Tochter Anita Schwarz von einem schmerzvollen Kapitel ihrer Familiengeschichte und dem Weg aus dem jahrzehntelangen Schweigen.

Die Lebensgeschichte von Eva Szepesi ist von unvorstellbarem Leid, aber auch von unbändigem Lebensmut geprägt. 1932 in Budapest geboren, wurde sie als elfjähriges Mädchen von ihrer Mutter getrennt und floh in die Slowakei. Mit zwölf Jahren wurde sie entdeckt und in das Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau deportiert. Dort überlebte sie nur, weil sie sich auf Anraten einer fremden Frau als 16-Jährige ausgab. Als die Rote Armee das Lager am 27.01.1945 befreite, war sie eines von nur rund 400 überlebenden Kindern – halb verhungert und schwer krank.

Nach der ungarischen Revolution gelangte die Familie im Jahr 1956 nach Frankfurt. Fünfzig Jahre lang schwieg Eva Szepesi aus Scham und Angst über die erlebten Schrecken – selbst gegenüber ihrem Ehemann und ihren Kindern. Erst 1995 brach sie während einer Auschwitz-Reise unerwartet ihr Schweigen. Seither hat sie das Aufklären zu ihrer Lebensaufgabe gemacht: Sie verfasste das Buch „Ein Mädchen allein auf der Flucht“, spricht unermüdlich an Schulen und hielt im Februar 2024 eine vielbeachtete Rede vor dem Deutschen Bundestag. Für ihr Engagement wurde sie 2017 mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet.

Doch das Trauma endet nicht mit der Befreiung. An diesem Abend kommt auch die zweite Generation zu Wort: Ihre Tochter Anita Schwarz, die 1964 in Frankfurt geboren wurde und heute das elterliche Traditionsgeschäft „Pelze am Dornbusch“ leitet, berichtet eindrücklich über das vererbte Trauma. Sie schildert, wie die transgenerationale Traumatisierung das Leben der Nachkommen durch Ängste und Tabus überschattet und wie wichtig es ist, diese Last aktiv aufzuarbeiten.

Dieser Abend verspricht tiefe Einblicke, bewegende persönliche Entdeckungen – wie das späte Wiederfinden von überlebenden Verwandten über DNA-Tests im Jahr 2022 – und eine hochaktuelle Mahnung gegen das Schweigen und das Wegschauen.

Die Veranstaltungsdetails auf einen Blick:

  • Termin: Mittwoch, 17. Juni 2026, um 19:30 Uhr
  • Ort: Evangelische Riedberggemeinde, Riedbergallee 61, 60438 Frankfurt a.M.
  • Veranstalter: die evangelische Riedberggemeinde, die katholische Gemeinde Sankt Edith Stein und die Josua Gemeinde
  • Eintritt: Frei

Alle Interessierte sind herzlich eingeladen, an diesem bedeutenden Gespräch teilzunehmen und ein Zeichen des gemeinsamen Erinnerns zu setzen.

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