Schlagwort: Rundfunkgeschichte

Musik, Schokolade und Zeitgeschichte: 80 Jahre AFN im Frankfurter Raum

Sender Weisskirchen AFN

Vor genau 80 Jahren begann im Frankfurter Raum ein neues Kapitel der Rundfunk- und Kulturgeschichte: Der US-amerikanische Soldatensender American Forces Network (AFN) nahm im Herbst 1946 im Höchster Schloss seinen regulären Sendebetrieb als Europazentrale auf.

Für die von den Schrecken des 2. Weltkriegs gezeichnete Bevölkerung brachte der Sender nicht nur Nachrichten für die US-Truppen, sondern auch den Sound einer neuen Freiheit – mit Jazz, Blues und dem aufkommenden Rock ’n’ Roll.

Die geschichtliche Entwicklung des AFN in Frankfurt

Die Wurzeln des Senders lagen im Jahr 1943, als AFN in London gegründet wurde, um amerikanische Soldaten in Europa zu unterhalten und zu informieren. Nach der Befreiung Frankfurts richteten die US-Streitkräfte 1945 zunächst provisorische Sendestudios ein, darunter in einem Wohnhaus sowie mit behelfsmäßigen Anlagen unter dem Namen „Radio Frankfurt“.

Auf der Suche nach einer geeigneten Europazentrale stießen die Verantwortlichen auf das Höchster Schloss. Am 1. Oktober 1946 bezog AFN die Räumlichkeiten im Alten und Neuen Schloss. Von hier aus wurde das Programm für Millionen Hörer in ganz Europa ausgestrahlt. Zwei Jahrzehnte lang blieb das Höchster Schloss das Herzstück des Netzwerks, bis der Sender am 1. September 1966 in ein eigens errichtetes Sendegebäude an der Bertramstraße im Dornbusch umzog – in direkter Nachbarschaft zum Hessischen Rundfunk.

Die lokalen Auswirkungen und die Sendeanlage am Riedberg

AFN war weit mehr als ein Militärsender: Er prägte das gesellschaftliche und musikalische Leben der Nachkriegszeit entscheidend. Die lockere, unkonventionelle Moderation der US-Diskjockeys auf „Ohrenhöhe“ bildete einen deutlichen Kontrast zum damals steifen deutschen Rundfunk. Prominente Musiker wie Bill Ramsey arbeiteten in den Studios in Höchst, während unzählige deutsche Jugendliche über den Äther erstmals mit modernster Musik aus Übersee in Kontakt kamen.

Auch abseits der Radiowellen hinterließen die US-Soldaten Spuren im Stadtbild. Kontakte zwischen GIs und der Bevölkerung führten zu prägenden Begegnungen. Süßigkeiten wie Hershey-Schokolade oder Kaugummis wurden für viele Kinder zu Symbolen einer friedlicheren Zukunft.

Eine direkte Verbindung in den Norden Frankfurts bestand über die technische Infrastruktur: Am Ostrand des Oberurseler Stadtteils Weißkirchen, unmittelbar angrenzend an den Ortsbezirk Kalbach-Riedberg, betrieb der Sender über Jahrzehnte eine eigene Mittelwellen-Sendeanlage.

Die prägenden Masten im Feld blieben bis zur Abschaltung der Frequenz im Jahr 2013 ein vertrautes Bild für Anwohner am Riedberg. Im April 2015 wurden die Masten schließlich gesprengt und das Areal schrittweise zurückgebaut.

Der AFN brachte nicht nur moderne Radiostandards und Musik nach Frankfurt, sondern schuf auch dauerhafte Brücken zwischen der lokalen Bevölkerung und den amerikanischen Streitkräften. Die Geschichte des Senders bleibt mit Höchst und den technischen Anlagen nahe dem Riedberg fest in der Region verwurzelt.

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