Schlagwort: Naturlotsen Frankfurt

Zwischen Naturschutz und Naherholung: Die Entwicklung der Frankfurter Naturlotsen

Naturlotsinnen im Einsatz - Zeichnung Philip Wächter

Frankfurt ist weit mehr als eine Stadt aus Glas und Beton. Rund ein Drittel des Stadtgebiets besteht aus Grünflächen, wobei der Frankfurter GrünGürtel mit seinen 8.000 Hektar das ökologische Herzstück bildet. In diesem Spannungsfeld zwischen intensiver Freizeitnutzung durch die Stadtbevölkerung und dem Schutz sensibler Ökosysteme agieren die Naturlotsen als unverzichtbare Vermittler.

Von der Landschaftspflege zur Naturvermittlung: Eine historische Entwicklung

Die Geschichte der heutigen Naturlotsen begann vor über 15 Jahren unter einem anderen Namen: den »Landschaftslotsen«. Ursprünglich von der »Naturschule Hessen« ins Leben gerufen, lag der Fokus dieser Pioniere vor allem auf dem »Alten Flugplatz« in Bonames und später auch im Schwanheimer Unterfeld. Über 1.500 Führungen leiteten die Landschaftslotsen in anderthalb Jahrzehnten und erreichten dabei Tausende von Menschen.

Mit dem Jahreswechsel 2022/2023 endete diese Ära in ihrer ursprünglichen Form. Die Stadt Frankfurt und der Regionalpark RheinMain entschieden sich, das Projekt auf eine breitere Basis zu stellen und institutionell im Umweltamt zu verankern. Aus den Landschaftslotsen wurden die Naturlotsen – kurz „NaLos“. Dieser Namenswechsel markierte auch eine inhaltliche Neuausrichtung: Weg von einer eher statischen Betrachtung der Landschaft hin zu einer dynamischen Vermittlung von biologischer Vielfalt, Klimaschutz und Artenreichtum. Seit 2023 ist das Projekt in seiner neuen Struktur fester Bestandteil der Frankfurter Stadtnatur.

Ausbildung und Aufgaben: Die Augen und Ohren des GrünGürtels

Die Ausbildung und der Einsatz der Naturlotsen folgen heute einem strukturierten Leitfaden, der in Kooperation mit dem Regionalpark RheinMain und dem Naturpark Taunus entwickelt wurde. Die Lotsen sind meist ehrenamtlich tätig oder über Projektstellen angebunden. In ihrer Qualifizierung lernen sie nicht nur ökologische Grundlagen über Flora und Fauna, sondern werden auch intensiv in Kommunikation und Konfliktmanagement geschult.

Die Aufgaben der Naturlotsen sind vielfältig und lassen sich in 3 Kernbereiche unterteilen:

  1. Präsenz und Kommunikation: Die Lotsen sind vor Ort ansprechbar. Sie erklären Besuchern die Besonderheiten der Natur und werben für ein rücksichtsvolles Miteinander. Dabei setzen sie nicht auf Verbote, sondern auf Aufklärung und das Prinzip der Einsicht.
  2. Monitoring: Als „Augen und Ohren“ des Umweltamtes dokumentieren sie Veränderungen in den Gebieten, melden Vandalismus, Müllablagerungen oder illegale Feuerstellen und behalten die Entwicklung geschützter Arten im Blick.
  3. Umweltbildung: Durch regelmäßige Führungen und Informationsangebote machen sie die Stadtnatur erlebbar. Sie erklären beispielsweise, warum Totholz im Wald verbleibt oder warum bestimmte Wiesen nur zu festen Zeiten gemäht werden.

Aktuelle Aktivitäten in der Saison 2026

In der aktuellen Saison, die am 14.03.2026 startete, liegt ein besonderer Schwerpunkt auf dem »Alten Flugplatz in Bonames/Kalbach« – einem Ort, an dem Naturschutz, Umweltbildung und Naherholung direkt aufeinandertreffen. Bis zum 18. Oktober sind die Naturlotsen an 32 Wochenenden sowie an Feiertagen im Einsatz.

Ein zentrales Thema im Frühjahr ist die sogenannte Brut- und Setzzeit. Die Lotsen weisen Spaziergänger und Hundebesitzer freundlich darauf hin, dass Hunde ab dem 1. März im GrünGürtel angeleint werden müssen, um Bodenbrüter wie die Nachtigall oder den Zilpzalp nicht zu gefährden.

Modern und multimedial präsentiert sich das Projekt in diesem Jahr durch den verstärkten Einsatz von QR-Codes auf Plakaten vor Ort. Diese führen zu neu produzierten Videos auf dem YouTube-Kanal der Stadt Frankfurt, die über die ökologische Bedeutung der Standorte informieren. Neben der ständigen Präsenz an ihrem Info-Container bieten die Lotsen jeden Sonntag um 15 Uhr eine kostenlose Naturführung in die „Stadtwildnis“ an, die ohne vorherige Anmeldung besucht werden kann. Auch bei stadtweiten Aktionen wie dem „Frankfurt Cleanup“ bringen sich die Naturlotsen aktiv ein und verbinden praktischen Naturschutz mit Bürgerbeteiligung.

Wir profitieren alle

Die Entwicklung vom Landschaftslotsen zum modernen Naturlotsen zeigt, wie wichtig eine professionelle Kommunikation im Naturschutz geworden ist. In einer wachsenden Stadt wie Frankfurt sorgen sie dafür, dass der GrünGürtel nicht nur als Erholungsraum wahrgenommen wird, sondern als kostbarer Lebensraum, dessen Schutz im Interesse aller Bürger liegt.

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