Schlagwort: Frankfurt-Nordwest

BUND kritisiert „Stadtteil der Quartiere“: Nachhaltigkeit in Gefahr?

Neuer Stadtteil der Quartiere

Der BUND Kreisverband Frankfurt äußert erhebliche Bedenken gegen das geplante Großprojekt „Stadtteil der Quartiere“ an der Autobahn A5. Obwohl der Magistrat der Stadt Frankfurt erst im November 2025 die Nachhaltigkeitsstrategie 2030+ verabschiedet hat, sieht der Umweltverband in der aktuellen Planung des neuen Stadtteils massive Widersprüche zu diesen Zielen. Am 11.12.2025 beschloss die Stadtverordnetenversammlung mit breiter Mehrheit die städtebauliche Satzung für das Areal, was den Startschuss für die Bebauungspläne markiert.

Klimaschutz und Bodenverlust

Ein zentraler Kritikpunkt betrifft die Versiegelung wertvoller Flächen. Während die Stadt betont, dass der regionale Grünzug westlich der A5 erhalten bleibt, warnt der »BUND«, dass die östliche Hälfte des Grünzugs durch das geplante Lachgrabenquartier bebaut werden soll. Dieser Bereich besteht aus fruchtbarem Lehmlössboden, der für die Landwirtschaft und den Wasserhaushalt von hoher Bedeutung ist. Zudem fungiert die Fläche als wichtiges Kaltluftentstehungsgebiet, das in heißen Nächten die angrenzenden Stadtteile wie Praunheim und Heddernheim kühlt. Eine geplante Lärmschutzwand, die inklusive Wall eine Höhe von bis zu 16 Metern erreichen könnte, würde zudem wie eine Barriere wirken und den Kaltluftfluss von Westen her blockieren.

Widersprüche im Verkehrskonzept

Auch die Verkehrsplanung wird scharf kritisiert. Laut BUND verspricht die Politik zwar eine Entlastung für den Ortskern von Praunheim, verzichtet jedoch gleichzeitig auf die seit Jahrzehnten zugesagte Umgehungsstraße. Stattdessen soll der Verkehr für 17.000 Einwohner und 5.000 Arbeitsplätze sowie der Durchgangsverkehr durch die neuen Quartiersstraßen geleitet werden. Dies führe laut Planungsunterlagen zu einer hohen Lärmbelastung von bis zu 70 Dezibel am Tag, was die Lebensqualität in den neuen Wohngebieten gefährde.

Verzögerungen durch Hochspannungsleitung

Ein technisches Hindernis könnte die Realisierung weiter Teile des Projekts zudem um Jahre verzögern. Eine bestehende 380-KV-Höchstspannungsleitung verläuft derzeit östlich der Autobahn. Aufgrund geltender Vorschriften müssen Wohngebäude einen Mindestabstand von 400 Metern zu solchen Leitungen einhalten. Eine Verlegung der Leitung auf die Westseite durch den Betreiber Tennet wird voraussichtlich erst in den 2030er Jahren abgeschlossen sein. Solange dieser Umbau nicht erfolgt ist, können weite Teile des Lachgrabenquartiers und der Neu-Weststadt nicht gebaut werden (ohne gegen die bestehenden Vorschriften zu verstoßen).

Der BUND fordert den Magistrat auf, die Planung im Sinne der Hitze-Resilienz und einer ehrlichen Verkehrsplanung zu überarbeiten.


Hintergrund: Was ist der BUND?

Hinter der Abkürzung »BUND« verbirgt sich nicht die Bundesregierung, sondern der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland. Es handelt sich um eine unabhängige Umweltorganisation, die sich für den Erhalt der natürlichen Lebensgrundlagen einsetzt. Der Kreisverband Frankfurt am Main begleitet kritisch städtische Bauvorhaben und setzt sich gezielt für den Klimaschutz sowie den Erhalt lokaler Grünflächen ein. Als einer der großen Naturschutzverbände arbeitet der BUND unabhängig von staatlichen Stellen, um ökologische Belange gegenüber der Politik zu vertreten.

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