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„Meister Bockert“ am Erlenbach: Biber lockt hunderte Bürger nach Nieder-Erlenbach

Biber

Die Rückkehr eines tierischen Baumeisters sorgt in Frankfurt für großes Aufsehen: Rund 280 interessierte Bürger versammelten sich am vergangenen Sonntag im SAALBAU, um mehr über den neuen Bewohner des Erlenbachs zu erfahren. Zu der Informationsveranstaltung hatte der NABU Frankfurt Nord eingeladen, nachdem im November 2025 ein Biber in unmittelbarer Nähe zum Sportgelände der TSG Nieder-Erlenbach entdeckt worden war.

Ein Rückkehrer mit Geschichte

Andreas Frey, Vorstandsmitglied des NABU Frankfurt Nord, hatte das Tier und seinen eindrucksvollen Damm am Parkplatz der Fußballfelder gemeldet. Dass die Ansiedlung auf so großes öffentliches Interesse stößt, liegt auch an der Seltenheit des Tieres in der Region. Wie Manfred Sattler, ehrenamtlicher Revierbetreuer des Regierungspräsidiums Darmstadt, ausführte, galt der Biber in Europa aufgrund der Jagd auf sein dichtes Fell lange Zeit als fast ausgerottet.

Erst durch gezielte Auswilderungen im Spessart Ende der 1980er-Jahre konnte sich die Population in Hessen wieder erholen. Heute ist das Tier zwar nicht mehr unmittelbar vom Aussterben bedroht, genießt aber weiterhin einen strengen gesetzlichen Schutzstatus.

Ökologischer Nutzen und Herausforderungen

Der Biber gilt als natürlicher Landschaftsgestalter, der Lebensräume ohne bürokratischen Aufwand und kostenfrei umgestaltet. Seine Dämme schaffen wertvolle Stillwasserzonen, die zahlreichen Fischarten, Vögeln und Amphibien als Versteck dienen. Zudem fungieren die Bauwerke als Sedimentfallen, die Schadstoffe zurückhalten und die Selbstreinigung des Gewässers fördern. Ein wesentlicher Vorteil für die Anwohner ist der Hochwasserschutz: Bei Starkregen verlangsamen die Biberteiche den Abfluss des Wassers erheblich.

Trotz dieser Vorteile gibt es auch Konfliktpotenzial. Gottfried Lehr von der IG Nidda wies darauf hin, dass Biberdämme insbesondere bei niedrigem Wasserstand ein Hindernis für wandernde Fischarten wie die Meerforelle darstellen können.

Management und gesetzliche Schranken

Christian Kehrenberg von HessenForst erläuterte während der Veranstaltung die rechtlichen Rahmenbedingungen des hessischen Bibermanagements. Da Biber weder gestört noch vertrieben werden dürfen, stehen Präventionsmaßnahmen im Vordergrund. Dazu gehören etwa Umzäunungen zum Schutz von Bäumen vor Fraßschäden oder technische Lösungen zur Sicherung von Zu- und Abflüssen.

Eindringlich wurde davor gewarnt, Biberdämme eigenmächtig zu entfernen. Dies ist nicht nur illegal, sondern führt in der Regel dazu, dass das Tier an derselben Stelle einen noch größeren und stabileren Damm errichtet.

Das neue Biberrevier am Erlenbach mit seinen charakteristischen angenagten Bäumen und kleinen Wasserfällen wurde von Experten bereits als eines der schönsten Reviere der Region bezeichnet. Der NABU Frankfurt Nord zeigte sich erfreut über den gelungenen Abend und das große Interesse der Bürgerschaft an diesem besonderen neuen Nachbarn.


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Kontakt
NABU-KV Frankfurt am Main e.V.
Kasseler Straße 1 a
60486 Frankfurt am Main
E-Mail: nabu@nabu-frankfurt.de

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