Mitarbeiterinnen der Clearingstelle für Krankenversicherungsschutz helfen Menschen zurück in die Krankenversicherung
Krank ohne Krankenversichersicherungsschutz – davon sind mehr Menschen betroffen, als viele vermuten. Werden sie krank, müssen sie die teils immens hohen Kosten für die Behandlung selbst tragen, eine Verschuldung kann drohen. Gleichzeitig führt der fehlende Zugang zu frühzeitiger medizinischer Versorgung zu höheren Folgekosten für die Kommunen und Kliniken, da Erkrankungen häufiger erst im Notfall behandelt werden müssen. Für diese Menschen ist das dreiköpfige Beraterinnenteam der Clearingstelle für Krankenversicherungsschutz des Gesundheitsamtes da. Sie nehmen sie an die Hand, lotsen sie durch herausfordernde Behördenprozesse und ebnen ihren Klienten so den Weg zurück in die Regelversorgung. Hier geben die beiden Sozialarbeiterinnen Kristina Ivanova und Maria Wirth Hanschmann stellvertretend Einblick in ihre Arbeit.
Ihre Arbeit ist nicht immer einfach, wie Wirth Hanschmann sagt. Zum einen, weil für viele ihrer Klienten die fehlende Krankenversicherung nur eine von vielen Herausforderungen sei. Zum anderen, weil sie die Nerven behalten müssen, selbst wenn ihnen selbst ein Fall sehr nahe geht. Etwa wenn eine Klientin an Krebs erkrankt ist. Denn dann beginnt für die Kolleginnen der Clearingstelle ein Rennen gegen die Zeit. „Eine solche Klientin braucht schnell die passende Therapie“, sagt Wirth Hanschmann. „Schaffen wir es, einen bestehenden Anspruch auf Krankenversicherung rechtzeitig herzustellen?“ Was Ivanova und Wirth Hanschmann in so einem Fall Zuversicht spendet? „Begleitung durch Supervision. Und unser gutes Miteinander im Team“, sagt Ivanova. Die Mitarbeiterinnen der Clearingstelle tauschen sich untereinander aus, unterstützen sich gegenseitig, bearbeiten besonders knifflige Fälle auch mal zu zweit. So bewegend und anspruchsvoll die Fälle auch sein mögen: „Ich komme immer mit einem guten Gefühl zur Arbeit“, sagt Ivanova über ihre sinnstiftende Aufgabe.
Seit November 2020 finden Menschen in der Clearingstelle einen Anlaufpunkt. Drei Mitarbeiterinnen unterstützen ratsuchende Menschen dreimal wöchentlich bei der Klärung ihres Versicherungsschutzes und helfen ihnen, nach Möglichkeit den richtigen Weg in die gesundheitliche Regelversorgung zu finden. Auch wenn Menschen bereits krank sind, finden sie hier Unterstützung und können in die Humanitären Sprechstunden des Gesundheitsamts vermittelt werden.
„Die Clearingstelle ist deutschlandweit die Einzige, die organisatorisch direkt in einem Gesundheitsamt integriert ist. Wir sind sehr froh, dass wir den Menschen in der Stadt dieses Angebot machen können“, sagt Prof. Dr. Peter Tinnemann, Leiter des Gesundheitsamtes. „Wir erleben ständig, wie groß der Bedarf ist. Und wir sehen auch, wie erfolgreich die Arbeit unserer Beraterinnen ist: Im Jahr 2025 erhielt rund ein Drittel unserer Klienten wieder einen vollständigen Krankenversicherungsschutz in der gesetzlichen oder privaten Krankenversicherung.“ Neben der Anbindung an Krankenversicherungsschutz spielt auch die psychosoziale Unterstützung Klienten durch die Beraterinnen eine große Rolle.
Ihre Arbeit umfasst sehr viele psychosoziale und rechtliche Aspekte. Gefragt sind Empathie, Akribie und auch Geduld. Ivanova erklärt: „Es kann allein über eine halbe Stunde dauern, bis man die verantwortliche Person bei der Krankenkasse ans Telefon bekommt.“ Das allein reiche schon als Hürde, die manche Klienten aufgeben lässt, bevor es überhaupt losgeht. Dazu kämen mitunter schwer verständliche Schriftstücke, Formulare und Fragen.
Ivanova erinnert sich an einen Klienten, der nach vielen Jahren im Ausland ohne Krankenversicherungsschutz nach Frankfurt zurückgekommen war und nun mit Ende 70 in ein Alter gekommen ist, in dem er sich um seine Gesundheit sorgt. Selbst dafür zu sorgen, wieder in der Krankenversicherung aufgenommen zu werden, war für den Mann allerdings nahezu unmöglich – zu viel Bürokratie, zu viele offene Fragen, zu viele unbeantwortete Anrufe. Also wandte er sich an die Clearingstelle. Und konnte binnen eines halben Jahres in die Krankenversicherung vermittelt werden.
Das Statistische Bundesamt geht für 2023 von 72.000 Menschen ohne Krankenversicherungsschutz aus. Die tatsächliche Zahl der Betroffenen ist wegen einer großen Dunkelzimmer aber nur schwer einzuschätzen. Experten zufolge liegt die Anzahl zwischen 500.000 und einer Million bundesweit. Treffen kann es jeden: Menschen, die im Ausland gelebt haben, Selbstständige, die zu wenig verdienen, um Krankenkassenbeiträge zu bezahlen, Studierende, die nicht mehr über die Familienversicherung geschützt sind, Menschen ohne Obdach, Haftentlassene, EU-Bürger, die im Heimatland versichert sind und deren Schutz in Deutschland nicht akzeptiert wird oder die nicht krankenversichert sind.
„Unsere Zielgruppe ist sehr divers“, sagt Ivanova. Und so divers wie die Zielgruppe sind auch die Fälle. „Es gibt kein Schema, nach dem wir die Fälle abarbeiten können. Jeder Fall ist anders und jeder ist auf seine Art kompliziert. Anders als unsere Klienten wissen wir aber, wo wir suchen müssen, um weiterzukommen.“
Von nicht enden wollenden Warteschleifen am Telefon lassen sich die Beraterinnen der Clearingstelle nicht abschrecken. Schriftstücke und Akten begutachten sie mit Know-how und Akribie. Sie wissen, welche Unterlagen gebraucht werden. Und wenn die Klienten einverstanden sind, lassen sie sich bevollmächtigen, den Schriftverkehr mit den Krankenkassen zu führen. Das allein habe oft große Wirkung, sagt Ivanova. „Wenn die Kassen eine E-Mail oder einen Brief mit unserem Absender bekommen, reagieren sie meist schneller.“
Und wenn die Reaktion der Krankenkasse positiv ausfällt, der Klient erfolgreich vermittelt werden konnte und nun wieder vollständig krankenversichert ist, ist das für Ivanova, Wirth Hanschmann und ihre Kollegin „immer wieder eine große Freude“. „Es gibt uns ein gutes Gefühl“, sagt Wirth Hanschmann. Und es schenkt ihnen die Zuversicht, auch beim nächsten Fall etwas bewirken zu können.

