Zwei Gemeinden, eine Geschichte: Die Kirchen in Bonames

Aufrisszeichnung des Oktogons

Aufrisszeichnung des Oktogons

Die Kirchengeschichte des Frankfurter Stadtteils Bonames blickt auf eine über 1200-jährige, eng miteinander verwobene Historie zurück. Ihre Ursprünge reichen bis in das Jahr 799 n. Chr. zurück, als das Stift Fulda die Crutzen-Kirche auf dem nahegelegenen Riedberg errichten ließ. Diese betreute die umliegenden Siedlungen, darunter auch Bonames, bis der Pfarr- und Kirchensitz im 15. Jahrhundert direkt in den befestigten Kern des Ortes verlegt wurde.

Statue des Sankt Bonifatius

Sankt Bonifatius

Mit dem Jahr 1532 hielt die Reformation Einzug in Bonames, und es wurde der erste lutherische Gottesdienst abgehalten. Nur wenige Jahre später, im Schmalkaldischen Krieg 1546, zerstörten kaiserliche Truppen unter Graf Maximilian von Beuren die spätgotische Dorfkirche sowie die hiesige Burg vollständig. Bedingt durch Folgebrände und die Wirren des Dreißigjährigen Krieges blieb das Gotteshaus fast ein Jahrhundert lang eine Ruine. Erst 1642 begann auf den alten Fundamenten der Wiederaufbau im frühbarocken Stil. Die 1643 fertiggestellte Kirche prägt bis heute das Ortsbild und dient der evangelischen Gemeinde als spirituelle Heimat. Während Bonames lutherisch blieb, kehrten ehemalige Filialen wie Kalbach und Harheim ab 1618 zum katholischen Bistum Mainz zurück.

Symbolbild: Jesus der Zimmermann

Jesus der Zimmermann

Die katholische Gemeinde in Bonames entstand erst im 20. Jahrhundert neu, als nach dem 1. Weltkrieg durch den Bezug einer Kriegsbeschädigtensiedlung (1921) wieder viele Katholiken in den Ort zogen. Unter der Leitung des Kalbacher Pfarrers wurde 1932 eine Kapelle – das sogenannte „Oktagon“ – nach Plänen des Architekten Martin Weber errichtet und dem Heiligen Bonifatius geweiht. Im November 1939 stieg die Gemeinde zu einem selbstständigen Seelsorgebezirk auf.

In der Nachkriegszeit erlebten beide Konfessionen eine rege Bautätigkeit. Die katholische Gemeinde ersetzte das zu klein gewordene Oktagon im Jahr 1966 durch einen modernen Kirchenneubau samt Kindergarten und Pfarrheim; das historische Oktagon wurde später zum Pfarrsaal umgestaltet. Die evangelische Gemeinde erweiterte ihre Infrastruktur 1962 um einen Kindergarten und 1977 um einen Sakristeianbau. Nach umfassenden Renovierungen und Modernisierungen – darunter die Instandsetzung der evangelischen Kirche im Jahr 1994 und die Anschaffung einer katholischen Pfeifenorgel 1987 – präsentieren sich beide Gemeinden heute als lebendige Säulen der lokalen Gemeinschaft.

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