10 Jahre schulische Entwicklung

Neue Gymnasiale Oberstufe (NGO)

Eine neue gymnasiale Oberstufe (NGO) wurde 2012/2013 als Außenstelle der Max-Beckmann-Schule aus Bornheim am Riedberg gegründet. Ein Gesetz hinderte die NGO daran, eigenständig zu agieren[1]. Die grauen Container waren damals nicht gerade ein „Hingucker“. Doch die 300 Schüler und Lehrer der NGO waren mit den Bedingungen am provisorischen Standort auf dem Riedberg durchaus zufrieden.

Die Containeranlage war ursprünglich für das Gymnasium Riedberg errichtet worden und war bestens ausgestattet. Unzufrieden war die Schulgemeinde allerdings mit ihrem Status als Außenstelle der Max-Beckmann-Schule. Sie forderte ihre Unabhängigkeit – und wandte sich in diesem Sinne auch an den damaligen Oberbürgermeister. Da dessen damalige Bildungsministerin sich zu wenig in den Schulen blicken ließ, besuchte der OB jeden Monat eine der zahlreichen Frankfurter Schulen. Dies verband er geschickt mit einer Werbung für die Nutzung der Lehrstellen bei der Stadt Frankfurt.

Der gute Zusammenhalt der Schulgemeinde, die Entwicklung eines ganz eigenen Profils und moderne Konzepte wie „Lernateliers“ führten zu dem ausgeprägten Wunsch, bald eigenständig zu werden. Die Schüler waren aus 65 verschiedenen Schulen – von der Hauptschule bis zum Gymnasium – auf die NGO gewechselt. Die Zahl der Jugendlichen mit Migrationshintergrund lag höher als an Gymnasien und den anderen Oberstufen. So entwickelte die Schule ihr eigenes ganz besonders Flair.

Im Februar 2017 war es so weit. Die NGO zog von der Gräfin-Dönhoff-Straße in ein neues Provisorium nach Bockenheim in die Voltastraße 1b um. Aber graduell war es eine deutliche  Verbesserung. Keine Container mehr, sondern ein richtiges Gebäude, ein ehemaliger Bürokomplex, der bereits von einer Privatschule (Mundanis-Schule) genutzt worden war. Die Stadt hatte das Gebäude für mindestens 10 Jahre gemietet und dann für die Bedürfnisse der NGO umgebaut.

Die Schulgemeinde zog mit einem lachenden und einem weinenden Auge um. Zwei Jahrgänge hatte man durchs Abitur auf dem Riedberg gebracht. Für die Abiturienten waren das auch Erinnerungen an ihre Zeit auf dem Riedberg. Doch der Umzug hatte die Schule ihrem finalen Standort räumlich deutlich nähergebracht, sodass sie in ihrem zukünftigen Schulgebiet schon mal Wurzeln schlagen konnte.

Ihren endgültigen Standort soll die NGO zwischen Krifteler und Idsteiner Straße im Bildungscampus Gallus erhalten und damit in direkter Nachbarschaft zur Paul-Hindemith-Schule.

Der Befreiungsschlag

Durch den Umzug wurden drei wichtige Dinge ermöglicht:

  1. Die Oberstufe konnte endlich in ein Gebäude umziehen, das nah am endgültigen Standort im Gallus war.
  2. Die Container der NGO wurden frei für das neue Gymnasium Mitte-West, das am Römerhof starten sollte.
  3. Früher als erwartet konnte mit den Planungen und der Ausschreibung für den Neubau der integrierten Gesamtschule »Josephine Baker« begonnen werden.

Ein neuer Name für die NGO

2021 durfte sich die NGO einen neuen Namen geben. Sie wurde zur Toni-Sender-Oberstufe. Eine auffallende Figur war die Politikerin Toni Sender (1888-1964) in vielerlei Hinsicht – nicht nur wegen ihrer Kleidung. Noch viel wichtiger waren die politischen Verdienste von Frau Sender. Sie saß von 1919 bis 1924 in der Frankfurter Stadtverordnetenversammlung, wo sie sich in verschiedenen Ämtern für Frauenrechte und gegen das NS-Regime einsetzte.

Von 1927 bis 1933 war sie Reichstagsabgeordnete in Berlin. Ihren Kampf gegen das NS-Regime setzte sie im Exil fort, nachdem ihr in Deutschland mit dem Tod gedroht wurde. Da viele der Schüler einen Migrationshintergrund haben, war Toni Sender ein gutes Vorbild.


[1] Das hessische Schulgesetz verbot damals die Eröffnung eigenständiger Schulen, an denen nur die Klassen 11-13 unterrichtet werden.


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