Schlagwort: Versorgungssicherheit

Modernisierung im Frankfurter Norden: Stromnetz verschwindet unter die Erde

Ersatz von Freileitungen durch Erdleitungen, Symbolbild

Die Energieversorgung im Frankfurter Norden steht vor einem bedeutenden technologischen Wandel. In Stadtteilen wie Harheim und Nieder-Eschbach werden seit einiger Zeit die jahrzehntelang prägenden Freileitungen demontiert und durch moderne Erdkabel ersetzt. Diese Maßnahmen sind Teil einer umfassenden Infrastrukturstrategie, um das Stromnetz für künftige Anforderungen zu rüsten und die Versorgungssicherheit massiv zu erhöhen.

Gemeinsamkeiten beim Ausbau der Strom-Infrastruktur

Ein zentrales Motiv für die Erneuerung in allen betroffenen Stadtteilen ist die veraltete Technik der bestehenden Freileitungen, die den modernen Belastungen – etwa durch den verstärkten Einsatz von Wärmepumpen und Elektroautos – nicht mehr dauerhaft standhalten können. Durch die Verlegung der Kabel unter die Erde wird das Stromnetz deutlich robuster gegenüber äußeren Einflüssen.

Die Vorteile der Erdverkabelung im Überblick:

  • Witterungsbeständigkeit: Unterirdische Leitungen sind immun gegen Sturmschäden, Blitzeinschläge oder Schneelast, die bei Freileitungen regelmäßig zu Störungen führen.
  • Höhere Kapazität: Die neuen Niederspannungskabel (230/400 Volt) sind auf eine höhere Leistungsfähigkeit ausgelegt.
  • Optische Aufwertung: Das Stadtbild profitiert durch das Verschwinden der Masten und der auf den Dächern installierten Dachständer.
  • Wartungskosten: Sind geringer als bei Freileitungen.

Die Nachteile:

  • Baggerarbeiten beschädigen immer wieder mal verlegte Leitungen, was zu Stromausfällen führt, deren Reparatur dann langwieriger und aufwendiger ist, als bei Freileitungen.
  • Kosten: Die Verlegung ist teurer.

Regionale Unterschiede: Harheim und Nieder-Eschbach

Trotz der gemeinsamen Ziele weisen die Projekte in den einzelnen Stadtteilen spezifische Besonderheiten auf. In Harheim investierten die Netzdienste Rhein-Main (NRM) rund 600.000 Euro in die Modernisierung. Hier wurden auf einer Strecke von 1,5 Kilometern Freileitungen demontiert und durch etwa 2,5 Kilometer Erdkabel ersetzt. Ein technisches Detail in Harheim ist die Kopplung der Maßnahmen mit der Erneuerung der Straßenbeleuchtung, die nun ebenfalls über Erdkabel versorgt wird.

Ein markanter Unterschied zu anderen Projekten ist der in Harheim aufgeflammte Konflikt um die notwendigen Kabelverteilerschränke. Da die Technik nun am Boden installiert wird, um Zugang bei Wartungsarbeiten zu ermöglichen, wurden zahlreiche etwa 1,2 Meter hohe graue Kästen im öffentlichen Raum platziert. Dies führte zu Unmut bei Anwohnern, die eine „Verschandelung“ des Ortsbildes beklagen und zusätzliche Risiken bei Hochwasser sehen.

In Nieder-Eschbach hingegen liegt der Fokus primär auf dem technischen Generationswechsel. Die dortigen Maßnahmen folgen dem Ziel, das Ende der Freileitungs-Ära konsequent umzusetzen, um die technische Zuverlässigkeit zu garantieren, ohne dass hier über vergleichbare ästhetische Debatten wie in Harheim berichtet wurde. Außerdem nutzt man Synergieeffekte: Der Ausbau der Stromleitungen erfolgt teilweise zeitgleich mit der dringend notwendigen Erneuerung von Wasserleitungen, um die Baustellenbelastung für die Bürger zu minimieren.

Schutz kritischer Infrastruktur vor Sabotage und Angriffen

Über die technische Modernisierung hinaus spielt die Sicherheit der kritischen Infrastruktur eine entscheidende Rolle bei der Entscheidung für Erdkabel. In Zeiten einer veränderten Sicherheitslage rückt der Schutz vor gezielten Störungen in den Fokus der Planer.

Freiliegende Stromleitungen und Masten sind im Vergleich zu Erdkabeln wesentlich leichter zugänglich und damit anfälliger für Sabotageakte oder terroristische Anschläge. Die unterirdische Verlegung dient daher als effektive Schutzmaßnahme:

  • Erschwerter Zugang: Die Kabel liegen tief im Erdreich und sind für Unbefugte ohne schweres Gerät nicht erreichbar.
  • Sabotageschutz: Durch die physische Barriere des Bodens wird die Infrastruktur vor physischen Angriffen geschützt, was die allgemeine Resilienz der städtischen Versorgung stärkt.

Die Modernisierung im Frankfurter Norden sichert somit nicht nur den steigenden Energiebedarf der Haushalte, sondern leistet auch einen wesentlichen Beitrag zur staatlichen Sicherheitsvorsorge.

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