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Stadtteil der Quartiere: BUND warnt vor hoher Verdichtung und Gefahren für die Landwirtschaft

Neuer Stadtteil der Quartiere

ie Planungen für den neuen „Stadtteil der Quartiere“ im Frankfurter Nordwesten treten in eine entscheidende Phase. Nach mehr als 8 Jahren Vorlauf hat der Magistrat der Stadt Frankfurt das Stadtplanungsamt beauftragt, einen konkreten Bebauungsplan auf Grundlage des Beschlusses vom 11.12.2025 zu entwickeln. Doch der BUND Kreisverband Frankfurt äußert in einer aktuellen Stellungnahme erhebliche Bedenken hinsichtlich der städtebaulichen Dichte, der Erreichbarkeit von Erholungsflächen und der Zukunft der lokalen Landwirtschaft.

Von 7 auf 3 Quartiere: Der Wandel der Planung

Ursprünglich basierten die Entwürfe auf dem Wettbewerbssieger »Büro Cityförster-Urbane Gestalt«, der unter dem Motto „Quartiere im Kreislauf“ eine durchgrünte Stadtlandschaft beiderseits der Autobahn A5 vorsah. Diese Vision wurde auch in der Bürgerbeteiligung im Jahr 2020 so vermittelt.

Die Realität sieht mittlerweile anders aus: Nachdem das Quartier „Neu-Steinbach“ bereits früher aus den Plänen gestrichen worden war, untersagte der Regierungspräsident in Darmstadt im März 2025 jegliche Bebauung auf der Westseite der Autobahn. Erlaubt sind westlich der A5 nur noch eine „Koproduktive Landschaft“, während die Wohnbebauung mit den Quartieren „Produktives Praunheim“, „Lachgraben-Quartier“ und „Neu-Weststadt“ vollständig auf die östliche Fläche konzentriert wird.

Kritik an der „Städtebaulichen Entwicklungsmaßnahme“ (SEM)

Trotz des Bauverbots auf der Westseite hält der Magistrat daran fest, diese Flächen in der „Städtebaulichen Entwicklungsmaßnahme“ (SEM) zu belassen. Ein entsprechender Antrag des Ortsbeirats 8, die westlichen Flächen aus der SEM herauszunehmen, wurde abgelehnt. Der Magistrat begründet dies damit, dass die Westflächen als notwendige Naherholungs- und Ausgleichsflächen für den nun deutlich verdichteten Osten dienen müssen, da dort kein Raum mehr für solche Angebote bleibe.

Der BUND hinterfragt kritisch, ob unter diesen Voraussetzungen die in den Wettbewerbsentwürfen versprochene „angenehm durchgrünte Stadtlandschaft“ überhaupt noch realisierbar ist. Es stelle sich die Frage, wie dicht und wie hoch – mit wie vielen Etagen – im verbleibenden Bereich tatsächlich gebaut werden soll.

Lange Wege und gefährdete Landwirtschaft

Ein zentraler Kritikpunkt des Umweltverbands ist die Erreichbarkeit von Grünflächen. Das Ziel einer „Green City“, in der jeder Bürger innerhalb von 15 Minuten fußläufig Erholungsräume erreichen kann, scheint für die neuen Bewohner unrealistisch, da hierfür die Autobahn überquert werden müsste. Auch für die Anwohner der bestehenden Quartiere Praunheim und Nordweststadt würden sich die Wege zu den verbleibenden Freiflächen deutlich verlängern.

Besonders besorgt zeigt sich der BUND über die Auswirkungen auf die Landwirtschaft. Durch die Versiegelung der fruchtbaren Lehmlössböden im Osten und die Umgestaltung der Westseite zur „Koproduktiven Landschaft“ verlieren die ansässigen Landwirte ihre Existenzgrundlage. Bisher gebe es keinen Landwirt, der die Vereinnahmung seiner Felder befürworte. Ersatzflächen auf schlechteren Böden würden zu geringeren Erträgen, höherem Düngereinsatz und einem gesteigerten Bewässerungsbedarf führen. Längere Anfahrtswege zu entfernteren Feldern würden zudem den CO2-Ausstoß erhöhen und die Klimaziele der Stadt konterkarieren.

Appell an die Entscheider

Wolf-Rüdiger Hansen vom Vorstand des BUND-Kreisverbands Frankfurt kritisiert, dass der außerordentliche Wert der Lehmlössböden sowie die wirtschaftlichen und klimatischen Zusammenhänge von den städtischen Gremien bisher nicht ausreichend gewürdigt werden. Angesichts des Klimawandels und der Bedeutung der Ernährungssicherheit sei der Verlust dieser wertvollen Flächen für einen hochverdichteten Stadtteil ein falsches Signal.


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