Schlagwort: Urselbach-Renaturierung

Zukunft ungewiss: Das zähe Ringen um den ehemaligen Campingplatz an der Sandelmühle

Behelfs-Brück mit Zaun davor

Der Campingplatz an der Sandelmühle im Mertonviertel (Heddernheim), einst ein beliebter Anlaufpunkt und der letzte seiner Art auf Frankfurter Stadtgebiet, ist seit rund 3 Jahren geschlossen. Während das verlassene Gelände zunehmend verwildert und Anwohner über unhaltbare Zustände sowie eine nächtliche Partyszene klagen, herrscht hinter den Kulissen ein kompliziertes Geflecht aus Eigentümerwechseln, einer Insolvenz und behördlichen Auflagen, so dass eine Wiedereröffnung in weite Ferne rückt.

Verwicklungen um Eigentum und Insolvenz

Das rund 20.000 Quadratmeter große Areal war ursprünglich aufgeteilt: Eine Hälfte gehört der Stadt Frankfurt, die andere befand sich im Privatbesitz des vormaligen Betreibers, der den Platz Anfang 2024 aus Altersgründen stilllegte. Dieser Teil wurde an die Gesellschaft „City Camp Frankfurt“ verkauft. Deren österreichischer Hauptinvestor beabsichtigte fälschlicherweise, dort Wohnungen zu errichten, ohne den strengen Schutz des Frankfurter Grüngürtels zu berücksichtigen. Nachdem sich der Investor zurückgezogen hatte, meldete die City Camp Frankfurt im Februar 2026 Insolvenz an.

Dies traf vor allem den Frankfurter Unternehmer Patrick Melzer, der die privaten Flächen im Dezember 2025 gekauft hatte, um wieder einen Campingplatz mit integrierten Saunawagen zu betreiben. Da er noch nicht im Grundbuch eingetragen war, annullierte der Insolvenzverwalter den Vertrag, um das Grundstück zu einem höheren Preis zu veräußern. Zudem machte die Stadt Frankfurt für 1.000 Quadratmeter dieses privaten Areals ein Vorkaufsrecht geltend.

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City Camp an der Sandelmühle

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City Camp an der Sandelmühle 50.163896, 8.650274

Flächenverlust durch Urselbach-Renaturierung

Unabhängig vom Verkauf steht fest, dass ein zukünftiger Campingplatz nur noch maximal die Hälfte der ursprünglichen Fläche umfassen würde. Die Stadt Frankfurt hat die Pachtverträge für ihren nördlichen Teil dauerhaft gekündigt. Dieser Bereich wird für die ökologische Renaturierung des Urselbachs sowie den Rückbau des Eschersheimer Wehrs benötigt – eine Ausgleichsmaßnahme der Deutschen Bahn für den dreigleisigen und viergleisigen S6-Ausbau nach Bad Vilbel.

Nach langen Verzögerungen starteten die Arbeiten im Januar 2025. Hierbei wird der Bach aus seiner Betonröhre befreit und erheblich verbreitert, um ein naturnahes Ökosystem zu schaffen. Die Fertigstellung ist für den Jahreswechsel 2026/2027 vorgesehen.

Forderung nach Rundem Tisch und rechtliche Hürden

Da die beteiligten Behörden die Verantwortung seit Jahren gegenseitig abschieben, forderte der Ortsbeirat 8 kürzlich die Einrichtung eines runden Tisches mit allen Akteuren, um das Projekt im Einvernehmen mit den Anwohnern voranzubringen. Der Magistrat wies dies jedoch zurück und betonte, dass eine öffentliche Diskussion ohne konkrete Anträge nicht zielführend sei.

Zwar hofft die Ortspolitik weiterhin auf eine Reaktivierung des Campingplatzes auf den verbleibenden Flächen, doch das Planungsdezernat bremst: Da das Areal im Gewässerrandstreifen liegt und durch die Umgestaltung fast vollständig zum Überschwemmungsgebiet wird, stehen natur- und wasserschutzrechtliche Interessen einer erneuten gewerblichen Nutzung entgegen. Für eine Wiedereröffnung wäre ein völlig neues, komplexes Genehmigungsverfahren notwendig, weshalb eine Rückkehr der Camper an die Sandelmühle äußerst unwahrscheinlich bleibt.

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