Tonne statt Teller: In Deutschland werden jährlich Millionen Tonnen genießbarer Nahrungsmittel entsorgt. Allein in Frankfurt am Main fallen rechnerisch etwa 61.000 Tonnen privater Lebensmittelabfall pro Jahr an. Um dieser ökologischen und ethischen Herausforderung zu begegnen, engagieren sich zahlreiche Initiativen und ehrenamtliche Helfer in der Mainmetropole – von ortsnahen Nachbarschaftsprojekten bis hin zu vernetzten Organisationen wie Foodsharing.
Ausmaß der Lebensmittelverschwendung
Weltweit werden jährlich rund 1,3 Milliarden Tonnen Lebensmittel verschwendet, was etwa einem Drittel der globalen Nahrungsmittelproduktion entspricht. In Deutschland landen jedes Jahr fast 11 Millionen Tonnen Nahrungsmittel im Müll. Dies stellt nicht nur ein ethisches Problem dar, sondern belastet auch Umwelt und Klima erheblich. Laut Schätzungen der Umweltschutzorganisation WWF verursacht die weltweite Lebensmittelverschwendung rund 10 % der globalen Treibhausgasemissionen – das entspricht etwa 3,3 Milliarden Tonnen CO2-Äquivalenten pro Jahr. Für Herstellung, Transport und Entsorgung ungenutzter Lebensmittel werden wertvolle Ressourcen wie Wasser, Energie und landwirtschaftliche Flächen beansprucht.
Die Stadt Frankfurt am Main verfolgt das Ziel, eine sogenannte „Zero Waste City“ zu werden und Ressourcen im Kreislauf zu halten. Obwohl eine bundesweite Initiative im Jahr 2023 eingestellt wurde, setzt die Stadt weiterhin auf Aufklärung, Abfallvermeidung und die Weiterverteilung überschüssiger Lebensmittel im Handel und bei der Außer-Haus-Verpflegung.
Die Arbeit der Initiativen vor Ort
Um dem Verfall verzehrbarer Waren entgegenzuwirken, sind in den Stadtteilen verschiedene Akteure aktiv. Ein Beispiel ist das Engagement in der katholischen Heilig-Geist-Kirche im Riederwald. Dort verteilen Ehrenamtliche wöchentlich gerettete Lebensmittel an Interessierte und Hilfsbedürftige. Gegen einen symbolischen Beitrag zur Deckung der Betriebskosten erhalten Besucher frisches Obst, Gemüse, Backwaren oder haltbare Produkte, die zuvor von Supermärkten abgeholt wurden. Neben dem sozialen Aspekt steht der Schonung von Umweltressourcen im Vordergrund.
Parallel dazu prägt der Verein foodsharing Frankfurt am Main e.V. das Stadtbild. Über 500 aktive Lebensmittelretter arbeiten mit rund 160 Partnerbetrieben zusammen – darunter Supermärkte, Bäckereien und Marktstände wie in der Frankfurter Kleinmarkthalle. Allein in den vergangenen Wochen konnten über 60 Tonnen Lebensmittel vor der Entsorgung bewahrt werden. Die geretteten Waren werden im privaten Umfeld weitergegeben, in Online-Netzwerken angeboten oder zu sogenannten „Fairteilern“ gebracht. Hierbei handelt es sich um öffentlich zugängliche Regale oder Schränke, wie sie etwa im Quartiersbüro Ben-Gurion-Ring in Nieder-Eschbach oder in Gemeindezentren stehen.
Ablauf und Qualitätsstandards der Lebensmittelrettung
Die Mitwirkung als zertifizierter Lebensmittelretter erfordert Verantwortungsbewusstsein und Fachwissen. Um für Abholungen in Partnerbetrieben zugelassen zu werden, absolvieren Interessierte ein Online-Quiz zu Hygienevorschriften sowie eine Überprüfung von Wissen und Identität. Zudem sind mindestens drei Einführungsabholungen in Begleitung erfahrener Mitglieder vorgeschrieben.
Nach der Akkreditierung buchen die Helfer feste Abholtermine bei den Betrieben. Vor Ort wird die überlassene Ware nach Qualitäts- und Hygienekriterien sortiert und in eigene Behälter umgefüllt. Es gilt der Grundsatz, nur einwandfreie Lebensmittel weiterzugeben, die man selbst noch verzehren würde. Verdorbene Ware wird fachgerecht entsorgt. Die Mengen pro Abholung bewegen sich je nach Betrieb im Bereich von 25 bis 50 Kilogramm. Auch im Ortsbezirk Kalbach-Riedberg sind regelmäßig Lebensmittelretter im Einsatz, um Überschüsse abzuholen, zu verteilen oder bei gemeinschaftlichen Kochaktionen zu verwerten.

