Training für mehr Sicherheit

Sonnenschein am Riedberg, über 30 Grad. Training, Mittagessen, dann der kurze Fußweg zum Straßenrand. An der Altenhöferallee fahren ferienbedingt relativ wenige Fahrzeuge. Die 34 Kinder plus Trainer des Ferien-Camps und Polizeioberkommissar Adrian Homeier dürften bestens zu sehen sein. Das Tempo aber reduziert kaum jemand. Auch nicht an der Stelle, wo eine Mittelinsel einen zumindest halbwegs sicheren Überweg Richtung Sportplatz gewährleisten soll. Homeier, unser „Schutzmann vor Ort“, erklärt wiederholt und geduldig, wie man möglichst sicher eine der Riedberger Hauptverkehrsachsen überquert. Warum Autofahrer aufpassen müssten, das aber oft nicht tun. Warum Handys, SMS und Pokémon-Jagd gerade hier lebensgefährlich sind. Er sagt: „Hier ist nicht mal ein Zebrastreifen. Ihr müsst erst in die eine, dann in die andere Richtung gucken, ob ein Auto kommt. Wartet, lauft nie einfach rüber, selbst wenn das Training schon beginnt oder Freunde auf auch warten.“ Dann fügt er mit Blick auf die anderen Erwachsenen und Verantwortliche des SC Riedberg hinzu: „Es will keiner, dass auch nur einer von Euch angefahren und verletzt wird.“

Das sind die Gefahrensituationen

Die kurze „Verkehrswegeschulung“ hat mehr als eine Vorgeschichte. Dr. Ruth Ellger, die sich im Stadtteil nicht nur für die Belange der Senioren engagiert, ist die Initiatorin und hat sehr kurzfristig die Unterstützung durch den Präventionsrat und den Schutzmann vor Ort gefunden. Alex Markert, Vorsitzender des SC Riedberg, spricht von einer „klasse Idee“, die durch „die Vielzahl an Gefährdungssituationen von unseren Kindern auf dem Weg zum Training“ zustande gekommen sei. Zur Vorgeschichte gehört ebenfalls, dass der Sportverein und auch der Ortsbeirat sich schon längst für mehr Verkehrssicherheit zwischen Sportgelände, der Kita Königsblick und den Bushaltestellen auf jeder Straßenseite einsetzen. Kinder flitzen zu unbedacht über die Straße, Autos aus Richtung Weißkirchener Berg sind kurz nach erreichen der Stadtgrenze oft zu schnell unterwegs. Noch brenzliger wird es, wenn Autos die haltenden Busse überholen.

Nein zu Zebrastreifen und Ampel

Tempo 30, Zebrastreifen, Drück-Ampel, Blinklichter, Schwellen – all dies wurde kürzlich bereits bei einem Ortstermin mit Experten des Straßenverkehrsamtes diskutiert. Mit dem Ergebnis, dass auf absehbare Zeit nichts verwirklicht wird. Für einen Zebrastreifen und eine kostspielige Zusatz-Beleuchtung etwa seien bisher zu wenige Fußgänger gezählt worden. Auch gab man zu bedenken, dass das Grün der nahen Ampel an der viel befahrenen Landesstraße dazu verleiten könnte, den Zebrastreifen zu „missachten“. Allerdings, so berichten Anwesende, seien laut weiteren Ausführungen eines Verkehrsexperten Ampel oder Zebrastreifen denkbar – wenn bei einer erneuten Verkehrszählung die Zahl der Fußgänger zugenommen hat. Auch Tempo 30, was teils schon für den ganzen Riedberg gefordert wird, sei hier im Prinzip möglich.

Der Ortsbeirat will sich nach den Sommerferien wieder mit dem Thema befassen. Die Chancen für rasche Maßnahmen halten Beteiligte aber für gering. Das könnte sich ändern, wenn der zweite Sportplatz in zwei bis drei Jahren auf der anderen Straßenseite kommt. Dort, wo jetzt noch das Provisorium der Kita Königsblick ist. Einer der Anwesenden sagte am Mittwoch: „Bleibt nur zu hoffen, dass bis dahin nichts passiert.“

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Diese Teilnahmebescheinigung gab’s fürs Sicherheitstraining – plus eine Gratis-Kugel Eis

Zurück zur Verkehrswegeschulung. Ruth Ellger lobte, dass „der Sportclub in unserem Stadtteil sich auch außerhalb des ,Zaunes‘ Gedanken um die Sicherheit seiner Mitglieder, vor allem der Kinder macht“. Der Gesamtvorstand des SC Riedberg hatte ihr Konzept einstimmig für gut befunden und freut sich über die Kooperation von Schutzmann Adrian Homeier. Dieser hofft, dass die Präventionsarbeit Früchte trägt und die Kids sich künftig Gedanken machen, bevor sie die Straße überqueren. Demnächst ist eine weitere Schulung geplant mit Kindern, die auch im „Ferientrainingslager“ auf der Riedberger Sportanlage sind.

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Weitere Impressionen vom Sicherheitstraining mit Adrian Homeier, „unserem“ Schutzmann vor Ort:

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„Ist Deine Pistole wirklich geladen?“ Auch diese und andere Fragen beantwortete Polizeioberkommissar Homeier

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Der Polizist hatte kurz vor seiner Ankunft am Sportplatz Blaulicht und Sirene eingeschaltet – nach dem Sicherheitstraining durften Kinder auch selbst ins Wageninnere

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Bitte hereinspaziert! Auch ältere Jungs wollten wissen, wie es sich anfühlt, in einem Einsatzwagen zu sitzen. Adrian Homeier hofft, dass vielleicht auch diese Eindrücke dazu beitragen, dass das Sicherheitstraining im Gedächtnis bleibt

(Fotos: SC Riedberg/ cd)