Mit Helm & Hühnchen – aber aktuell zu wenig Platz

Man nehme ein Hühnchen vom Supermarkt. „Wir haben es ausgenommen, mit der Zahnbürste geputzt und mehrmals täglich in Natron eingelegt“, erzählt Jenny (12). So haben die Schüler der IGS Kalbach-Riedberg im Rahmen des Projektes „Frühe Hochkulturen – wie Pharaonen unsterblich werden“ mehr als bildhaft gelernt, wie ein Lebewesen nach altägyptischer Sitte mumifiziert wird. Ja, „ein bisschen eklig war’s“. Aber sicher unvergesslich. Seit Montag ist die Hühnchen-Mumie neben einer Ausgabe mit dem pädagogischen Konzept der Schule in einer Plastikbox einbetoniert. Auf der Baustelle für den IGS- Neubau in der Gräfin-Dönhoff-Straße, direkt unter der künftigen Aula.

Vertreter vom Amt für Bau- und Immobilien, der Hessenagentur sowie Schulleiterin Susanne Gölitzer, Lehrer, Elternvertreter und Schüler waren zur Grundsteinlegung gekommen. „Hoffentlich geht der Geist der neuen Schule auf die Baustelle über und damit die Kreativität unserer Kinder“, sagte Gölitzer im Rahmen der kleinen Feier.

In intensiven Gesprächen hat die Architektin das reformpädagogische Konzept der Gesamtschule berücksichtigt. Leitidee für das u-förmige Schulgebäude ist die Aufteilung in so genannte „Lernhäuser“. Pro Stockwerk wird es in den jahrgangsgemischten Häusern vier verschiedene Räume geben, die wiederum um einen zentralen, multifunktionalen Bereich angeordnet sind. Mit Platz für Bücher und Sitzsäcke, mit Lern- und Ruhezonen.

Hier wurde die „Zeitkapsel“ mit der Hühnchen-Mumie und dem Konzept der Schule einbetoniert

Die IGS Kalbach-Riedberg ist eine Integrierte Gesamtschule mit dem Profil „Sprache und Kommunikation“. Schulleiterin Susanne Gölitzer umschreibt die IGS als eine Schule für alle. Auch für Kinder mit Lernproblemen und Entwicklungsstörungen oder Kinder, die „mehrere Sprachen im Rucksack haben“. Mit Mitspracherechten für die Schüler und Freiheiten. 

Wenn alles nach Plan läuft, wird die IGS im Sommer 2021 vom gegenwärtigen Provisorium in der Carl-Hermann-Rudloff-Allee in den Neubau in unmittelbarer Nähe der U-Bahn-Station Riedberg ziehen. 47 Millionen wird das Projekt kosten und Platz für mehr als 600 Schüler bieten. In den Holzmodul-Bau im Westflügel kommt dann die neue Grundschule 3. 

Das Pausenhof-Problem

Auch deshalb sehen alle umso sorgfältiger auf Probleme, die es bis dato noch auf dem Gelände gibt. Die gute Nachricht vorweg: Der Erweiterungsbau, ebenfalls mit Holzmodulen, ist laut Schulleiterin „wunderschön“ geworden. Passend zum Schulkonzept gibt es eine Lehrküche, eine Universalwerkstatt, einen Theaterraum, einen Kunstraum plus Textilwerkstatt. Außerdem einen Ruheraum für die Erwachsenen und einen Spielraum für die Kinder. 

Das große Platzproblem aber bleibt. Konkret gesagt: das Pausenhof-Problem. Aktuell steht für inzwischen mehr als 300 Kinder nur der kleine Innenhof zur Verfügung. Selbst der Lehrerparkplatz, inzwischen umgewidmet zum erweiterten Pausenhof, ist wegen der Bauarbeiten belegt. Die Zwischenlösung, die bereits von Seiten der Stadt zugesagt wurde, ist immer noch nicht realisiert. Eigentlich sollte zumindest ein kleiner Bereich der Streuobstwiese, der unmittelbar ans Schulgelände grenzt, bald zum Pausenhof gehören. Das hatten Baudezernat, Grünflächenamt und Untere Naturschutzbehörde, letztere trotz großer Bedenken, zugesichert. Noch aber sind manche Details ungeklärt, was wiederum vielen Eltern unerklärlich ist. Jetzt spricht man von Ende Oktober, wie die Elternbeiratsvorsitzende Stefanie Minten erklärt. 

Schon jetzt klafft ein großes Loch im Zaun Richtung Streuobstwiese. Eigentlich war zugesagt, dass ein kleiner Bereich der Wiese bald auch von der Schule als erweiterter Pausenhof genutzt werden kann

Schon jetzt klafft ein großes Loch im Zaun Richtung Streuobstwiese. Das ist der momentane Fluchtweg, wegen der Baustelle. Und bald, so hoffen Schüler und Eltern, auch der offizielle Zugang ins Grüne mit mehr Platz.

Keine Be- und Entlüftungsanlage

Hinzu kommt ein Thema, das vermutlich erst wieder im nächsten Sommer so richtig zum Tragen kommt. Der Holzmodulbau hat keine Be- und Entlüftungsanlage und die Fenster lassen sich wegen des Diebstahlschutzes nur sehr bedingt lüften. Aktuell stört auch noch die laute Baustelle vor den Fenstern. „Bei der Spätsommerhitze vergangene Woche war es so beinahe unerträglich für die Kinder“, berichtet eine Mutter MAINRiedberg. Die Schüler bekamen mehrmals nach der vierten Stunde bereits hitzefrei.

Ein anderes Problem scheint sich unterdessen gelöst zu haben. Die IGS hat keine Turnhalle. Sportstunden finden im Sportzentrum in Kalbach statt, wo bei Hin- und Rückfahrt mit dem RMV bisher der ganze Zeitplan ins Wanken kam. „Die Randstunden haben da sehr gelitten“, so Minten. Neuerdings stellt die Stadt „Sportbusse“ zur Verfügung, was offenbar prima klappt. Nach dem Umzug 2021, im neuen Schulgelände, ist das Sport-Problem endgültig Vergangenheit. Dann wird die IGS eine Zwei-Felder-Turnhalle bekommen. 

Foto: MAINRiedberg