Made in Riedberg: Der Tatort zum Thema „Reichsbürger“

Münchner Tatort – made in Riedberg. Der Krimi mit dem Titel „Freies Land“ wird am nächsten Sonntag ausgestrahlt, als letzter Tatort vor der Sommerpause. Der neue Fall führt die Münchner Kommissare zu einem abgeriegelten Bauernhof im bayerischen Nirgendwo, zu einer Gruppe von „Reichsbürgern“, die sich hier als „Freiländer“ bezeichnet. Warum schreibt man ein Drehbuch über eine Szene, die Staat und Justiz ablehnt und sich eine eigene Welt mit eigenen Regeln und rechter Gesinnung schafft? MAINRiedberg sprach mit Autor Holger Joos, der bei uns im Stadtteil wohnt.

Drehbuchautor Holger Joos wohnt am Riedberg Bild: BR/Joos

Was hat Dich veranlasst, einen Tatort über die Reichsbürgerszene zu schreiben?

Holger Joos: Ich bin vor knapp drei Jahren im Netz über die Krönungszeremonie eines selbsternannten „Königs“ gestolpert, der dort sein eigenes Reich ausgerufen hatte. Die Idee, dass Menschen einen eigenen Staat gründen wollen, weil sie mit unserer Republik nicht mehr zufrieden sind, fand ich unglaublich spannend. Der Begriff „Reichsbürger“ oder die Szene dahinter war mir bis zu dem Zeitpunkt völlig unbekannt.

2016 hast Du mit der Entwicklung des Konzepts begonnen. Damals hat man beim Thema Reichsbürger noch gemeinhin abgewunken. Jetzt rechnet der Verfassungsschutz mit 18.000 Reichsbürgern in Deutschland. Die rechte Szene verschafft sich Gehör und Anhänger. Hast Du damit gerechnet, wie politisch aktuell dieser Tatort werden könnte?

Nein. Zu Beginn unserer Entwicklung war das Thema ein reines Boulevard-Thema, kein politisches. Dies hat sich aber leider grundsätzlich geändert. Wobei man natürlich aber auch anmerken muss, dass diese Szene nicht per se rechtsextrem oder gewaltbereit, sondern sehr heterogen ist.

Wie taucht man ein in eine Szene, in der die Bundesrepublik inklusive Polizei und Justiz strikt abgelehnt wird und sich Menschen eigentlich von nebenan eine eigene Welt schaffen, rechts und voller Abhängigkeiten?

Ich habe anfänglich versucht, mit ein paar von ihnen per Mail in Kontakt zu treten, doch leider war das nicht wirklich erfolgreich. Glücklicherweise ist diese Szene aber von einem gewissen Hang zur Selbstdarstellung geprägt und teilt ihre Ansichten und Überzeugungen ausführlich auf ihren eigenen sozialen Kanälen.

Apropos Menschen „von nebenan“: Auch der Mord, vermeintlich ein Suizid, erscheint ja am Anfang nicht spektakulär…

Nein. Aber er öffnet eine Tür in eine Welt, die den Ermittlern – und wahrscheinlich auch vielen Zuschauern – völlig fremd ist und in der die Autorität der Polizisten nicht anerkannt wird. Darin sahen wir die Gelegenheit, einen Tatort zu erzählen, der sich doch sehr von den sonstigen unterscheidet.

Dieser Tatort spielt in einem fiktiven Ort in Niederbayern. Könnte er auch in einer modernen Großstadt spielen? 

So, wie wir ihn erzählen, nein. Inzwischen hat sich diese Szene aber verändert und hat sich von den ursprünglich ländlichen Gegenden in die Großstädte ausgeweitet.

***

Sendetermin: Tatort „Freies Land“, Sonntag, 3. Juni, um 20.15 Uhr in der ARD

***

Ludwig Schneider (Andreas Döhler), der Anführer der Freiländer, verteilt beim Abendessen die Suppe

Interview: MAINRiedberg

Fotos: BR/Claussen+Putz Filmproduktion GmbH/Hendrik Heiden