Ich will nach dem Abi Friedensdienst leisten

Was kommt nach dem Abi? Mehr als 150 Schülerinnen und Schüler aus unserem Stadtteil stehen vor dieser schweren Entscheidung. Für Alina Mann (18) stand schon lange fest, dass sie zunächst ins Ausland wollte. Sie möchte Land, Geschichte und Leute kennenlernen und sich zugleich bei einer gemeinnützigen Organisation einsetzen. Für Vielfalt und Demokratie. Hier schreibt sie den Leserinnen und Lesern von MAINRiedberg, warum sie Friedensdienst in einer französischen Holocaust-Gedenkstätte machen möchte – und sich über Paten freuen würde, die mit einem kleinen Beitrag die Arbeit bei „Aktion Sühnezeichen“ unterstützen.

„Ich möchte ein Zeichen für Vielfalt und Demokratie setzen“

Für mich stand schon lange der Entschluss fest, dass ich nach zwölf Schuljahren nicht sofort mit einem Studium beginnen wollte. Nachdem ich 18 Jahre lang den Großteil meines Lebens in Frankfurt verbracht hatte, hegte ich den Wunsch, einen längeren Zeitraum im Ausland zu verbringen und die Kultur, Sprache und Geschichte eines anderen Landes näher kennenzulernen.

Bei meiner Suche nach einem Platz für ein Freiwilliges Soziales Jahr wurde ich auf die Organisation Aktion Sühnezeichen Friedensdienste aufmerksam, die mich von Anfang an durch ihr Engagement ansprach. Aktion Sühnezeichen wurde im Jahr 1958 im Angesicht der Verbrechen des Nationalsozialismus gegründet und strebt es an, durch vielfältige Freiwilligendienste in ganz Europa zur Verständigung über Grenzen hinweg beizutragen und heutigen Formen von Rassismus und Antisemitismus entgegenzutreten.

Ich habe mich sehr gefreut, als mir nach einem intensiven Informations- und Auswahlseminar eine Stelle in einer französischen Gedenkstätte angeboten wurde. Das “Mémorial de Camp de Rivesaltes” in Perpignan möchte an die unterschiedlichen Bevölkerungsgruppen erinnern, die dort im Laufe der Jahrzehnte inhaftiert wurden. Ursprünglich im Jahr 1941 als Internierungslager für republikanische Flüchtlinge aus Spanien gegründet, diente das Gefängnis im Verlauf des Zweiten Weltkrieges auch als Sammellager für Juden und Sinti, die im Anschluss nach Auschwitz deportiert wurden.

Heute stellt das Mémorial nicht nur einen Ort des Gedenkens dar, sondern will darüber hinaus durch pädagogische Arbeit und künstlerische Aktivitäten eine Plattform für interkulturellen und -religiösen Austausch schaffen.

In diesem Rahmen möchte ich mich intensiver mit der Geschichte des Nationalsozialismus auseinandersetzen und einen Einblick in die französische Erinnerungskultur gewinnen. Ich bin gespannt auf vielfältige Begegnungen und den Dialog mit Menschen unterschiedlicher Herkunft, Religionszugehörigkeit und Kultur. So möchte ich durch meinen Freiwilligendienst ein Zeichen für Vielfalt, Demokratie und Solidarität setzen und freue mich auf ein spannendes und in vielerlei Hinsicht lehrreiches Jahr.

***

 Alina sucht Paten für ihren Einsatz

Aktion Sühnezeichen ist eine gemeinnützige Organisation, die auf Spenden angewiesen ist. Um einen solchen Freiwilligendienst zu ermöglichen, benötigt jede und jeder Freiwillige einen Patenkreis. Die Spender leisten durch einen monatlichen Beitrag von 15 Euro für ein Jahr lang finanzielle Unterstützung. Weitere Informationen unter https://www.asf-ev.de/de/spenden/freiwilligen-patenschaften/

Foto: privat