Hier ist das Sams in der Schule

Wussten Sie schon? Wilde Wiesel wollen wissen, wo warme Würstchen wachsen. Der gestiefelte Skater Adelbert will das Herz der Katzendame Ramira gewinnen. Und um das Sams auf eine Leinwand in der Marie-Curie-Schule zu zeichnen, braucht Autor Paul Maar nur die Farben Schwarz, Rot, Grün und Blau und nicht mal fünf Minuten. Kein Wunder also, dass zuerst zwei Klassen in der Bibliothek der Grundschule und dann fast 500 Schülerinnen und Schüler in der Aula des Gymnasiums, in die man aus Platzgründen auswich, begeistert waren. Heute Vormittag ab kurz nach 9 Uhr war der Schriftsteller, Illustrator, Übersetzer, Drehbuch – und Theaterautor am Riedberg zu Besuch, auf Einladung des Freundeskreises der Schule. Dabei gewährte der Mann, der bald seinen 80zigsten feiert und immer noch neugierig-spitzbübisch lächeln kann, auch einen Blick hinter die Geschichte des Sams und weiterer Fantasie-Figuren – und auf sein Leben.

Wie das Sams zu seiner Nase kam

Warum hat der Sams eine Schweine-Nase? Warum schreiben Sie Kinderbücher? Das und noch viele andere Fragen stellten die Kinder vorab. „Die Schweine-Nase hat auf jeden Fall nichts damit zu tun, dass ich aus Schweinfurt komme“, begann Maar. Als er vor mehr als 40 Jahren schon längst die Idee zur Geschichte hatte, hatte er keine gute Idee, wie das Sams aussehen soll. Also fragte er seine drei Kinder und zeichnete los. Nein, das sieht komisch aus. Nein, das sieht aus wie ein Alien – so lautete zunächst das vernichtende Urteil. Bis der Schriftsteller dem Sams eine runde Nase verpasste und drauflos weitermalte. Bis die berühmte Schweinenase entstanden war. Übrigens sind die Sams-Bücher inzwischen in mehr als 40 Sprachen übersetzt. Allein die Übersetzungen der Erzählungen von dem Wesen mit Taucheranzug und Wunschpunkten, der Reime, Märchen und anderen Werke füllen ein langes Regal bei ihm zuhause.


Paul Maar hörte den Kindern genau zu und beantwortete ihre Fragen. Der Freundeskreis der Marie-Curie-Schule e.V. hatte den Autor eingeladen

Apropos zuhause: Paul Maar bekommt immer noch acht bis zehn Briefe von kleinen Lesern pro Woche, die er „immer am Samstag“ handschriftlich beantwortet. „Damit die Kinder sehen, dass das wirklich von mir ist“, fügt er hinzu. Da vertrauen ihm Kinder auch geheime Wünsche an. Etwa das Mädchen, das davon träumt, dass das Sams kommt und es einen Wunsch frei hätte. Dann würde sie sich wünschen, dass der Papa endlich von der doofen Frau weggeht und in die Familie zurückkehrt. Nachdenklich bekennt der Autor auf der Fahrt von der Marie-Curie-Schule zum Gymnasium, dass er in einer solchen Situation nicht lügen und vor allem Trost spenden will. Er hat dem Mädchen davon geschrieben, dass er selbst eine schwere Kindheit hatte. Seine Mutter ist früh gestorben, der Vater war sehr streng. Lesen hielt dieser ohnehin für Zeitverschwendung. „Schau mal, aus mir ist trotzdem ein Schriftsteller geworden.“ Vielleicht gibt das auch dem Mädchen etwas Mut.

„Ich schreibe für das Kind in mir“

Kinderbücher gab es bei ihm zuhause überhaupt nicht. Auch lesen musste er heimlich, wie er den Kindern berichtet. Damals, nach dem Krieg, gab es in Schweinfurt ein Amerikahaus, wo man die großen englischen Schriftsteller in deutscher Übersetzung finden konnte. Paul Maar lieh sich diese Bücher für Erwachsene aus, obwohl er nicht alles verstand, und deponierte sie bei einem Freund.


Hier entsteht das Sams…

Etwas später sagt er: „Ich schreibe für das Kind in mir. Ich schreibe das, was ich früher selbst gerne gelesen hätte.“

500 begeisterte Schülerinnen und Schüler

Dazu gehören eindeutig auch „Schiefe Märchen und schräge Geschichten“, die er im vergangenen Jahr veröffentlichte. Deshalb ist Paul Maar in die Europaschule in der Nordweststadt und an den Riedberg gekommen. Der Kinderbuch-Autor, die Musiker Konrad Haas und Wolfgang Stute nennen sich „Das schiefe Märchen-Trio“. Er erzählt und liest vom Skateboard fahrenden Kater, einem gar nicht so bösen Rumpelstilzchen, vom Herd, der sich im Kino unbedingt den Film „Coole Jungs auf ihren heißen Öfen“ ansehen möchte oder vom Ratschlag: „Ruf doch mal die Hexe an, dass sie Computer kaufen kann.“ Seine beiden Freunde untermalen das virtuos an Block- und Querflöte, Saxofon, Keyboards, Gitarre oder mit der Schlitztrommel. Mehr als eine Stunde lang. Wie das den Kindern gefallen hat? „Super“, sagen zwei Vierklässler. Nur etwas zu kurz.


Rund 500 Schülerinnen und Schüler hörten dem „schiefen Märchen-Trio“ begeistert zu

Text: Claudia Detsch
Fotos: Verlagsgruppe Oetinger/ cd

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Seit gestern gibt es übrigens ein neues SAMS-Buch von Autor Paul Maar. Und darum geht’s: Weihnachten werden Wünsche wahr! So etwas hat das Sams noch nicht erlebt! Was sind das nur für Flügelwesen, die angeblich im Himmel wohnen? Wieso hat Papa Taschenbier auf einmal so viele Geheimnisse? Und warum stellt man sich Bäume ins Wohnzimmer? Als das Sams zu seinem Weihnachtsfestdebüt noch ein paar Kollegen aus der Welt der Samse einlädt, geht so mancher gewünschter, allerdings auch mancher ungewünschter Wunsch in Erfüllung…

Weitere Informationen unter www.dassams.de