Schweres Datenleck bei Leihrädern

Erst vergangene Woche hat MAINRiedberg darüber berichtet, dass der Gründer des neuen Leihrad-Anbieters oBike ein Ex-Student der Goethe-Universität und spendabler Gönner der Uni ist. Jetzt wurde bekannt: Die Kundendaten der Firma aus Singapur waren zeitweise offenbar frei einsehbar im Internet. Das berichtet der Bayerische Rundfunk. Darunter sollen E-Mail-Adressen, Fotos und Telefonnummern sein. Das Leck sei mittlerweile gestopft, heißt es beim Unternehmen. Bereits in der Vergangenheit hatten Datenschützer auf Sicherheitslücken des Bikesharing-Anbieters aufmerksam gemacht.

Nutzerdaten sind viel Geld wert

Wie Reporter von BR Data und BR Recherche herausfanden, standen die Daten für jeden einsehbar im Netz. Neben der gefahrenen Strecke inklusive Uhrzeit der einzelnen Stationen ließen sich Namen, Handynummern und Profilfotos der weltweiten Nutzerschaft abrufen. oBike fiel schon in ersten Tests dadurch negativ auf, dass es komplette Bewegungsprofile der Nutzer aufzeichnet und diese offenbar Gemeinden anbietet – obwohl das Unternehmen betont, kein datengetriebenes Geschäftsmodell zu unterhalten.

Zudem wird berichtet, dass dem Bayerischen Landesamt für Datenschutzaufsicht zufolge oBike damit gegen das Datenschutzgesetz sowie gegen das Transparenzgebot verstoßen habe. Auch die Datenschützer in Berlin sind bereits aktiv, da dort das Unternehmen seinen Sitz in Deutschland hat.

Gründer des Unternehmens ist Frankfurter Ex-Student

oBike und ein weiteres Unternehmen hat ein 28-jähriger Chinese gegründet, der zeitweise an der Goethe-Universität Informatik und Wirtschaftswissenschaften studierte. Unternehmensgründer Yi Shi war kürzlich zu Besuch in Frankfurt, auch wieder am Riedberg. Die große Verbundenheit mit seiner Alma Mater hat Shi mit einer großzügigen Spende zum Ausdruck gebracht, wie in einer Pressemitteilung zu lesen ist. Der oBike-Chairman hat der Universität 300.000 Euro gespendet für das GoetheLab-Zentrum auf dem Campus Riedberg.

Zurück zum Thema Leihräder. Allein in Frankfurt gibt es mittlerweile acht Anbieter. Das Geschäft boomt. oBike beispielsweise kann man per App ausleihen – und irgendwo im Stadtgebiet wieder abstellen. Die Räder sind mit einem GPS-Empfänger ausgestattet und somit auch leicht per App zu finden.

Das Unternehmen hat bislang betont, dass man die Daten der Kunden nicht weitergeben, sondern unter anderem dazu nutzen möchte, um die Fahrräder in der Stadt besser zu verteilen. Recherchen scheinen nun das Gegenteil zu belegen. Laut Süddeutscher Zeitung sind Nutzerdaten auf dem Schwarzmarkt viel Geld wert.

(Foto: cd/ hainichfoto)