„Eva“ gräbt U-Bahn-Tunnel ins Europaviertel

Von September 2019 an wird eine 80 Meter lange Tunnelvortriebsmaschine die Tunnel für die Verlängerung der Stadtbahnlinie U5 ins Europaviertel auffahren. Am Montag, 26. August, wurde die Maschine im Rahmen einer feierlichen Zeremonie in Anwesenheit des hessischen Staatsministers für Wirtschaft, Energie, Verkehr und Wohnen Tarek Al-Wazir, Frankfurts Oberbürgermeister Peter Feldmann, Frankfurts Verkehrsdezernent Klaus Oesterling und der Geschäftsführungen der Verkehrsgesellschaft Frankfurt am Main (VGF), der Stadtbahn Europaviertel Projektbaugesellschaft (SBEV) sowie der PORR GmbH getauft.

Die Vortriebsmaschine erhält den Namen „Eva“, der 2018 aus einem Namenswettbewerb hervorging und für „Europaviertel anbinden“ steht. Tunnelpatin, deren Namen die Tunnel erhalten, ist Journalistin und „Lottofee“ Franziska Reichenbacher. Nach alter Bergmannstradition ist die Tunnelpatin die irdische Stellvertreterin der heiligen Barbara, der Schutzpatronin der Bergleute und Mineure.

Frankfurt gehört zu den Städten mit dem höchsten Pendleraufkommen und Staatsminister Tarek-Al-Wazir weiß: „Diese Stadt ist das Zentrum der dynamischen Metropolregion Rhein-Main. Die U-Bahn hat sich seit 1968 zum Rückgrat des öffentlichen Verkehrs entwickelt und ist aus der Stadt nicht wegzudenken. Ihre Leistungsfähigkeit muss durch Modernisierung und Instandsetzung der bestehenden Anlagen erhalten und durch den Bau neuer Strecken ausgeweitet werden. Letzteres, nachdrücklich durch das Land Hessen und den Bund mit 157 Millionen Euro gefördert, geschieht mit dem U-Bahnbau im Zentrum Frankfurts auf sehr eindrückliche Weise.“

Die Verlängerung der U5 über den Hauptbahnhof hinaus wird einen wachsenden Stadtteil ans Nahverkehrsnetz der Stadt anschließen. Oberbürgermeister Peter Feldmann resümiert: „Wir haben mit dem Beschluss, das Europaviertel mit einer leistungsfähigen U-Bahn ans ÖPNV-Netz anzuschließen, 2012 eine richtungsweisende Entscheidung getroffen. Nach dem Spatenstich im Spätsommer 2017 folgt mit dem Bohrbeginn durch die Tunnelvortriebsmaschine nun der nächste Meilenstein. Die Menschen, die hier wohnen und arbeiten oder dies in Zukunft tun werden, finden mit der ins Europaviertel verlängerten U5 von 2024 an ein modernes, schnelles, öffentliches Verkehrsmittel vor, wie sie das von einer Stadt wie Frankfurt erwarten dürfen.“

Während des Vortriebs arbeiten pro Schicht acht Mineure auf der Maschine und zwölf Mineure der Logistik. Insgesamt besteht das Team aus 60 Mineuren. „Bei all den Anforderungen, die solch eine Großbaustelle mitten in der Stadt bedeutet, bleibt doch das Wichtigste: Dass bei den Bauarbeiten niemandem etwas und nichts passiert“, sagt Reichenbacher. „Deshalb ,Glück auf‘ allen Mineuren, die in den kommenden Monaten in bis zu 25 Metern Tiefe im Frankfurter Untergrund den neuen Tunnel bauen.“

Das Bauprojekt umfasst eine 2,7 Kilometer lange Strecke mit vier Stationen. Der Streckenverlauf führt von der unterirdischen Station „Güterplatz“ über eine Rampe an die Oberfläche und in der Mitte der Europa-Allee auf einem Rasengleis weiter Richtung Westen. Die Stationen „Emser Brücke“, „Europagarten“ und „Wohnpark“ werden nach der Erstellung der Tunnel an der Oberfläche gebaut.

„Eines der wichtigsten Infrastrukturprojekte in Frankfurt“

Die Frankfurter Tunnelvortriebsmaschine fährt zwei Tunnelröhren von je circa 850 Meter Länge auf und beginnt mit der Südröhre. Dabei durchfährt „Eva“ die Tiefstation Güterplatz und bohrt sich ihren Weg zwischen Hohenstaufenstraße und Mainzer Landstraße bis drei Meter vor die Dichtungskonstruktion am Bestandsbauwerk unter dem Platz der Republik. Anschließend wird die Maschine in Teilen abgebaut und durch den zuvor hergestellten Tunnel an ihren Ausgangspunkt zurückgezogen. Nach dem Wiederaufbau wird die Maschine erneut auf die Reise geschickt, um auch die zweite annähernd parallele Tunnelröhre zu bohren.

„Der Ausbau der U5 – und damit die Erschließung des Europaviertels mit einer U-Bahn – ist auf Jahre hinaus eines der wichtigsten Infrastruktur-Projekte in Frankfurt. Für die VGF ist es eine personelle und technische Herausforderung, der wir uns stellen und an der wir die Leistungsfähigkeit des städtischen Verkehrsunternehmens unter Beweis stellen können“, sagt VGF-Geschäftsführer und Arbeitsdirektor Thomas Wissgott.

Eine Tunnelvortriebsmaschine gleicht einer unterirdisch arbeitenden Fabrik. Vorne am Kopf befindet sich das Schneidrad. Bei der im Europaviertel eingesetzten Maschine hat es einen Durchmesser von 7,10 Metern. Vor einem circa 9,20 Meter langen Stahlzylinder, auch Schild genannt, rotiert dieses Schneidrad und arbeitet sich mit Hilfe von rund 100 Schälmessern und Schneidrollen durch das Erdreich. Die Ortsbrust, das Erdreich im Bereich des Schneidrades, wird durch das bereits abgetragene Material – den Erdbrei – gestützt. Den Kräften von außen wird damit entgegengewirkt und das unkontrollierte Einbrechen des Erdreichs verhindert. Über Förderschnecke und Förderband wird das abgetragene Erdreich aus der Maschine hinausbefördert. Direkt hinter dem Schild werden Betonsegmente, sogenannte Tübbinge, ringförmig eingebaut. Sie bilden die Tunnelwände. Am jeweils letzten Tübbingring drückt sich die Maschine mit Hilfe von hydraulischen Pressen ab. So entsteht nach und nach der Tunnel.

Die Tunnelarbeiten laufen sieben Tage in der Woche rund um die Uhr. Die Dauer des Vortriebs beträgt rund ein Jahr.

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Informationen: Stadt Frankfurt/ Foto: Rainer Rueffer/ Stadt Frankfurt

Foto oben: OB Peter Feldmann, „Lotto-Fee“ und Tunnelpatin Franziska Reichenbach sowie  Hessens Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir (von links)