Europa: So hat der Riedberg gewählt

Die Menschen wollen ein offenes Europa – so lautete das positive Fazit von Oberbürgermeister Peter Feldmann nach der Europawahl. Schließlich ist die Wahlbeteiligung in der Mainmetropole im Vergleich zu 2014 um 12 Prozentpunkte gestiegen. Dass Frankfurt mit 56 Prozent Wahlbeteiligung dennoch den Wettstreit mit Köln (63 Prozent) verloren hat und der OB damit neben seiner Amtskollegin beim nächsten Kölner Straßenkarneval mitmachen darf oder vielmehr muss, dürften alle Beteiligten gerne akzeptieren.

Das Wahlergebnis allerdings ließ aufhorchen und verstärkte noch den hessischen Trend: Die CDU musste mit 19,7 Prozent, die SPD mit nur 15,2 Prozent große Verluste hinnehmen. Die Grünen erreichten mit 31,3 Prozent das beste Ergebnis ihrer Geschichte. Die Partei lag auch in Wiesbaden, Darmstadt, Offenbach und Kassel vorn. Die FDP kam in Frankfurt auf 7,7 Prozent, die Linke auf 6,5 und die AfD nur auf 6,7 – und blieb damit klar unter dem bundesweiten Ergebnis.

Die Ergebnisse in den einzelnen Riedberger Wahlbezirken

Am Riedberg gab es für die rund 14.000 Einwohnerinnen und Einwohner insgesamt sechs einzelne Wahlbezirke, jeweils zwei in der Grundschule Riedberg, dem Gymnasium sowie der Marie-Curie-Schule. Ein Trend ist deutlich: Grün liegt vorn – in unserem Stadtteil wurde teilweise noch „grüner“ als im städtischen Durchschnitt gewählt. Auch die FDP verbuchte mit überwiegend 11 Prozent und mehr deutlich bessere Ergebnisse. Die Liberalen ließen dabei teilweise sogar die SPD hinter sich. Nur noch zweitstärkste Kraft war die CDU. Die Linke lag mit 4 bis jenseits von 5 Prozent etwas unter dem städtischen Schnitt. Die AfD war mit teils 4 Prozent deutlich unter den Werten in anderen Frankfurter Stadtteilen – in zwei Bezirken erreichte man allerdings über 7 Prozent.

Wo sind die „Hochburgen“ der anderen Parteien? Die detaillierte städtische Statistik umfasst hier nicht die Briefwähler, aber alle am Wahltag abgegebenen Stimmen in den einzelnen Wahlbezirken – und die ist sehr interessant: Stärkste Partei sind immer die Grünen. In Wahlbezirk 65101 der Grundschule Riedberg erreichen sie ihren Höchstwert von 35,3 Prozent. Die CDU wiederum verbucht in je einem Bezirk der Grundschule Riedberg sowie des Gymnasiums ihren Spitzenwert im Stadtteil von 26,9 Prozent. Die Sozialdemokraten bleiben überall knapp unter 13 Prozent.

Die Liberalen erreichen in Bezirk 65106 der Marie-Curie-Schule sogar 15,4 Prozent. Kleine Randbemerkung: Im gleichen Bezirk kommt „Die Partei“ um den Satiriker, Journalisten und Ex-TITANIC-Chef Martin Sonneborn auf 3,2 Prozent, was für eine so kleine Gruppierung beachtlich ist. Satiriker Sonneborn kommt als „GröVaZ – Größter Vorsitzender aller Zeiten“, einer bewussten Anspielung auf Deutschlands dunkle Vergangenheit, übrigens zum zweiten Mal nach Brüssel. Eine Fünf-Prozent-Hürde gibt es bei der Europawahl nicht.

Wie wurde in Kalbach gewählt?

Schon ein erster Blick auf die Ergebnisse stellt klar: Das Wahlverhalten in Riedberg und Kalbach unterscheidet sich nicht fundamental. Die SPD kommt hier teilweise auf 14 Prozent, die CDU in einem Bezirk der Grundschule Kalbach auf 27,5 Prozent. Die Grünen erreichen stets 27 oder 28 Prozent und die FDP bis zu 12,8 Prozent.

Pech für den FDP-Kandidaten Thorsten Lieb

Der Rechtsanwalt und Ökonom Thorsten Lieb war auf Listenplatz 6 seiner Partei angetreten. Noch um 22.30 Uhr gingen die Hochrechnungen teilweise von sechs Sitzen für die Liberalen aus. Kurze Zeit später wurde klar: Die FDP erreicht bundesweit 5,4 Prozent. Das bedeutet 5 Sitze im Europäischen Parlament.

Rechtsanwalt Thorsten Lieb aus Kalbach kandidierte auf Listenplatz 6 der FDP Foto: FDP

Der erste Politiker, der das Nachsehen hatte, war der hessische Spitzenkandidat aus Kalbach. Thorsten Lieb, Vater von vier Kindern, früherer Vorsitzender des Kindervereins Kalbach und immer noch Mitglied des Ortsbeirates 12, hatte seine Wahl lange vorbereitet. Er hatte einen aussichtsreichen Listenplatz erkämpft – und es denkbar knapp doch nicht geschafft.

Weitere Informationen und Ergebnisse unter wahlen.frankfurt.de

Foto: Archiv